Sofitel Munich Bayerpost »Magnifique« mit Abstrichen

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"Erleben Sie, wie edler Stil und modernes Leben aufeinandertreffen und München mehr als nur ein Reiseziel wird" – Ob das ­Sofitel Munich Bayerpost dieses Versprechen halten kann, überprüfte aktuell der Top hotel-Tester.

SO. 02/12, 16:15 und MI. 05/12, 09:55 - Telefonische Reservierung

Man kann es mögen oder affektiert finden: Wann immer man im Sofitel Munich Bayerpost anruft, wird man mit einem – in diesem Fall fast gesungenen – »Bonjour!« begrüßt. Was aber definitiv nicht angeht: dass man in einem Luxushotel am Sonntagnachmittag telefonisch kein Zimmer reservieren kann. »Die Reservierungsabteilung ist heute leider nicht im Haus«, zwitschert die Telefonistin fröhlich, sie gebe mir aber gern die Durchwahl und dann könne ich es ja am Montag ab acht Uhr noch einmal versuchen. Wie bitte? Warum kann an einem Sonntag – wenn schon die Reservierungsabteilung nicht besetzt ist – nicht der Empfang diese Aufgabe übernehmen? Warum bietet man mir nicht wenigs­tens einen Rückruf vonseiten des Hotels an? Ist man sich denn so sicher, dass ich als Gast es auf mich nehme, noch einmal an-zurufen?

Bei meinem zweiten Versuch spreche ich mit Frau Ö., einer kompetent wirkenden und den Buchungsvorgang professionell abwickelnden Dame. Ich finde es allerdings unsinnig und irreführend, wenn eine Zimmerkategorie »Superior« genannt wird (wortwörtlich: »höherwertig«), man mir aber im gleichen Satz vermittelt, dass es sich dabei um die Standardzimmer handelt. Ich buche ein Superiorzimmer zur »special limited offer« (mit Vorauszahlung und ohne Stornierungsmöglichkeit) und dem günstigsten möglichen Preis von 216 Euro pro Nacht ohne Frühstück. Andere verfügbare Kategorien werden mir nur auf Nachfrage vorgestellt, mit Informationen über das Haus verhält es sich genauso – obwohl Frau Ö. aus dem Gespräch heraus weiß, dass ich das Haus nicht kenne. Das
ist dürftig. Die Reservierungsbestätigung kommt zwar prompt per E-Mail, ist jedoch schlecht gestaltet und wenig informativ.
Wertung: mangelhaft

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Wer glaubt, sich auf der Website des Hotels Anregungen und Vorfreude auf den Besuch holen zu können, irrt. Es macht kein bisschen Spaß, hier herumzusurfen. Als Unterseite der französischen Sofitel-Homepage ist der Internet-Auftritt der Bayerpost anspruchslos, langweilig und passt so gar nicht zum künstlich-internationalen Slogan »Life is magnifique!«. Schon die Startseite ist unübersichtlich und unruhig. Das Attraktivste daran, das schöne Foto der neoklassizistischen Hotelfassade, wird optisch verhunzt von zwei Buttons. Einer verweist auf Fotos, der andere gibt mit einem unscharfen Foto des Concierges einen Hinweis auf dessen Dienste. Gut: die Nennung der Telefonnummer des Concierges, Herrn J. Schlecht, der zitiert wird: »Gerne geben wir Tipps zu trad. bayerischen Biergärten …« Im Dezember??? Überhaupt: Abkürzungen in Texten zu verwenden, ist kein so guter Stil. Abkürzungen in Zitaten zu verwenden, noch weniger. Und was Geschäftsführer Gregory Maliassas auf der Startseite in den Mund gelegt wird, hat weder Stil noch Sinn: »Treten Sie ein in ein Meisterwerk zeitgenössischer Kunst u. Architektur, das Tradition mit Innovationen des 21. Jhs. vereint. Die Küche des Schwarz & Weiz Restaurants vereint Tradition mit stilvoller Modernität und beeindruckender Architektur, pompösen Festlichkeiten in der Nymphenburg-Halle u. prächtigen, farbenfrohen Suiten mit den Themen Glamour, Pop, Reinheit, Fantasie uvm.« Alles klar? Aber vom schlechten Stil einmal abgesehen: Über die bloße Nennung des Vorhandenen hinaus ist das Informationsangebot der Website gering. Man kann weder eine Speisekarte einsehen noch das Angebot an Spa-Treatments. Lediglich der Veranstaltungsbereich fächert sich in weitere Unterseiten auf. Hier gibt es ein Anfrageformular und man kann sich die Broschüre herunterladen. Auch die Onlinebuchung ­ist gut gegliedert und bietet charmante Packages an. Fazit: Für den, der nur buchen will, ist die Website ok. Für den, der mehr Input möchte, nicht.
Wertung: mangelhaft

Lage / Anreise

Fluch und Segen gleichermaßen bedeutet die Lage des Sofitel Bayerpost direkt am Münchner Hauptbahnhof. Wer mit dem Zug anreist, ist quasi schon da. Und die fußläufige Nähe zu vielen Sehenswürdigkeiten und zur Fußgängerzone ist auch ein großes Plus. Weniger positiv macht sich die Lage bemerkbar, wenn es um die Ruhe in den Zimmern geht oder den Blick aus deren Fenstern (sh. Kapitel Zimmer). In den luftigen Obergeschossen ist das kein Thema – deswegen liegen dort auch die teureren Zimmer und Suiten.

Bei der Anreise ist das neoklassizistische, denkmalgeschützte Gebäude, das einmal die Königlich Bayrische Post beheimatete, auf jeden Fall ein Hingucker – beson­- ders, wie bei meinem Besuch, im Winter bei Schnee, mit großem Tannenbaum vor dem Eingang und nett drapierten Lichterketten. Der Doorman trägt Mantel, Handschuhe und Wollmütze und heißt mich herzlich willkommen. Er bietet mir Hilfe mit dem Gepäck an, genauso wie zwei Pagen, die im Inneren des Gebäudes bereitstehen. Ein netter Empfang.
Wertung: sehr gut

MI. 12/12, 14:34 - Check-in

Vor der eigentlichen Lobby liegt ein Windfang, der die Geschichte des Hauses augenzwinkernd dokumentiert. In einem Vitrinentisch häufen sich alte Poststempel, eine sepiagetönte Fotoserie an der Wand zeigt einen französischen Postboten auf dem Fahrrad. Die Lobby selbst steht symbolisch für das gesamte Designkonzept der Bayerpost und sorgte bei deren Eröffnung 2004 für Aufsehen: eine sehr dunkel gehaltene, schmale Halle in Schwarz und Braun, an deren Ende eine viele Meter hohe Wand aus Metallgeflecht mit wechselnden Neonfarben ins Auge fällt. Rezep- tion und Concierge sind in einem länglichen Kubus mit unterteilten Einzelbüros untergebracht; die Damen und Herren, in dezenten dunklen Farben gekleidet, haben unter ihren Desks kleine Heizöfchen – die Halle ist zugig –, um auch obenrum Wärme ausstrahlen zu können. Das klappt gut. Eine Empfangsdame lächelt mich über eine Schale mit grasgrünen Äpfeln hinweg an und checkt mich nach allen Regeln der Kunst ein. Ein Page bringt derweil schon einmal mein Gepäck aufs Zimmer. Ich folge ihm.
Wertung: sehr gut

Zimmer 560

Ich hatte vorab per E-Mail um ein ruhiges Zimmer gebeten. Ruhig ist Zimmer 560 ohne Frage, denn sein Fenster ist nicht zu öffnen und geht auf einen vier Meter breiten und etliche Stockwerke hohen »Luft-Korridor« hinaus – im Erdgeschoss ist dies der Weg zum Restaurant. Man hat quasi einen Neubau vier Meter hinter die Originalfassade gesetzt. Das schützt die Zimmer zwar vor Lärm, nimmt ihnen aber auch Licht, von der fehlenden natürlichen Belüftung ganz zu schweigen. Ich beschließe auszuprobieren, ob ein Frischluftfanatiker wie ich, der grundsätzlich bei offenem Fenster schläft, damit klar kommt.

Schick oder Tristesse? Dunkle Farben dominieren auch hier: Wände, Decke, Möbel, Vorhänge, Bezugsstoffe – alles changiert in Grau- und Brauntönen bis hin zu Schwarz. Einzige optische Auflockerungen stellen neben dem Holzfußboden die Lampenschirme in Orange dar, ein ebenfalls orangefarbener Deckenstrahler, der dunkelrote Schreibtischstuhl und die gleichfarbige Rückseite des Badezimmerspiegels. Letzterer lässt sich zur Seite schieben, sodass man ins Bad und vice versa schauen kann – nur: Warum sollte man das tun?

Am Nachmittag meiner Ankunft scheint die Sonne und hellt das Zimmer auf. Wer sich hier aber abends oder an trüben Tagen aufhält, sollte nicht zu Depressionen neigen – die tristen Farben und das schwache Licht ziehen einen sonst so richtig runter. Design ist bekanntlich Geschmackssache. Wie auch das merkwürdige »Arme-Sünder-Bänkchen«, das hier als Sofa dient. Aber davon abgesehen birgt das Zimmer viel Praktisches, Komfortables sowie durchdachte Details. Das Bett ist riesig und sieht mit seinen straff gezogenen Decken und den vier Kissen streng und trotzdem gemütlich aus. Es ist mit den typisch französischen Duvets (weichen, etwa fünf Zentimeter hohen, zusätzlichen Matratzen auf den eigentlichen Matratzen) ausgestattet, was für viele Gäste sicher einen besonderen Komfort darstellt. Die Nachttischlampen sind dank ihrer Kugelgelenke in alle Richtungen schwenkbar und spenden so ausreichend Leselicht. Ordentlich beleuchtet ist auch der Schreibplatz vor dem Fenster, der zwar nicht tief (50 cm), aber dafür breit (185 cm) ist. Hier lässt es sich gut arbeiten; Steckdosen und Anschlussbuchsen sind in angenehmer Höhe angebracht, der Internet-Zugang über WLAN ist kinderleicht einzurichten und – mit Volumenbegrenzung – kostenlos. Außer dem Schreibtischstuhl ohne Armlehnen gibt es noch einen bequemen Polstersessel zum Lesen oder Fernsehen. Gegenüber dem Bett steht der große Flachbildschirm auf einem Möbel, in welchem ein Bose Wave Radio mit einer Station für iPod und iPhone untergebracht ist. So lässt sich gut Musik hören! Und dazu ordentlichen Kaffee trinken: Neben einem Heißwasserbereiter mit den üblichen Pülverchen steht auch eine schicke Nespressomaschine. Keine Überraschungen birgt die Minibar, abgesehen davon, dass sie weder Sekt noch Champagner offeriert. Dafür die Warnung, dass jede Entnahme automatisch auf die Rechnung gebucht wird. Hat das je irgendwo funktioniert? Hier jedenfalls nicht. Eine Flasche Evian wird kostenlos angeboten und täglich aufgefüllt. Ein »Mehr« an Begrüßung, beispielsweise in Form von Obst oder einem süßen Willkommen, gibt es nicht.

Der Schrank im Flur ist nur einen Meter breit und auch nicht gerade üppig bestückt (vier Anzugbügel, zwei Klemmbügel, zwei Pulloverbügel), aber dafür birgt der ­Koffer-bock zusätzlichen Stauraum in Form zweier Schubladen. Im Schrank finden sich ein laptoptauglicher Safe, Kleiderbürste, Nähzeug, Schuhlöffel, Wäschebeutel und -liste sowie ein Körbchen für den Schuhputzservice. Darüber hinaus gibt es einen Schirm und eine schicke Einkaufstüte mit Sofitel-Logo.

Ein Gäste-A-Z ist ebenso vorhanden wie Notizblöcke plus Bleistift und Kugelschreiber, ein Fernsehprogramm (aufgeschlagen für das aktuelle Datum) und eine Room ­Service Directory. Die Übersicht über die TV-Kanäle liefert das interaktive TV-Gerät selbst. Auch die Einsicht in die Rechnung über TV funktioniert reibungslos. Neben der Frühstücksmenükarte zum An-die-Tür-hängen gibt es Gleiches auch für das »So SPA«-Menü: Ich kreuze meinen Wunsch nach einer Express-Massage an, fülle Terminwunsch, Name und Zimmernummer aus und hänge das Schild nachts ­außen an meine Zimmertür. Am nächsten Morgen erhalte ich einen freundlichen Anruf mit der Bestätigung meines Wunschtermins. Sehr schön! Das Zimmer ist bei Betreten auf angenehme 20 Grad Celsius temperiert und geruchsfrei. Außer etwas Staub auf dem Fuß und dem Schirm der Stehlampe gibt es nichts zu beanstanden. Doch: Unter meinem Trolley, den ich durch den Schnee gezogen habe und den der Page neben dem Kofferbock abgestellt hat, hat sich eine unschöne Wasserlache gebildet. Die hätte der junge Mann besser gleich aufgewischt.
Wertung: sehr gut

Bad

Eine satinierte Schiebetür trennt das Bad vom Zimmerflur. Dem breiten Waschtisch gegenüber liegen Toilette und begehbare Dusche, ebenfalls durch satiniertes Glas voneinander separiert. Da nur ein Waschbecken in den Sandstein-Waschtisch eingelassen ist, gibt es reichlich Ablagemöglichkeiten. Große Spiegelflächen, heller Stein, opulente Badetücher und exklusive Guest Supplies von Hermès lassen ein Gefühl von Luxus aufkommen. Dieses relativiert sich durch den zu niedrig gehängten Kosmetikspiegel, den unhandlich schweren, nicht stufenverstellbaren Haartrockner und vor allem durch das ungünstige Licht, das Schminken zum Glücksspiel werden lässt. Schade drum. Ob die Lüftung eine Funktion hat, lässt sich weder hören noch wahrnehmen. Sichtbar sind allerdings die dicken Staubflusen in der Ventilationsöffnung. Ansonsten ist das Bad sehr sauber.
Wertung: gut

Message-Transfer

Eine bei Anreise vorliegende Nachricht müsste – wenn sie schon nicht beim Check-in übermittelt wird – spätestens im Zimmer auf mich warten, in schriftlicher Form oder auf dem Bildschirm. Das ist nicht der Fall. Die angerufene Rezeptionistin sagt: »Moment, ich schau mal in Ihr Zimmerprofil … Ach ja, Sie möchten bitte XY anrufen!«. Weder ist der Name des Anrufers korrekt notiert worden, noch lässt sich die Uhrzeit des Anrufs rückverfolgen, noch wurde das »dringend« des Rückrufwunsches weitergegeben. Wie um das ­katastrophale Handling wieder gut zu machen, poppt jetzt plötzlich die Nachricht auf dem TV-Bildschirm auf und fünf Minuten später bringt ein Page sie mir noch einmal in schriftlicher Form aufs Zimmer. Das nützt nur leider gar nichts mehr.
Wertung: ungenügend

14:58 - Roomservice

Aus der Roomservicekarte, die einen guten Standard zu noch akzeptablen Preisen bietet, bestelle ich Bayerische Käsespätzle mit Röstzwiebeln und Frühlingslauch zu 16 Euro. Der Herr am anderen Ende der Telefonleitung ist fröhlich, aber er versteht mich schlecht. Dass ich zum Nachtisch noch eine Kugel »Maple Walnut«-Eis haben möchte (verschiedene Eissorten sind auf der Karte aufgeführt), muss ich dreimal wiederholen; erst der Zusatz »Eis« bringt ein Aha-Erlebnis. Gezapftes Bier steht nicht auf der Karte, der freundliche Mann bietet aber an, es trotzdem mit einem Hellen zu versuchen, nur eine perfekte Schaumkrone könne er mir aber nicht garantieren. Tatsächlich ist der Schaum schon in sich zusammengefallen, als das Bier 17 Minuten später – im Rahmen der angekündigten 20 Minuten – serviert wird. Der fröhliche Herr vom Telefon serviert auch und bedauert, er habe wirklich sein Möglichstes getan und das Bier erst kurz vor dem Hochbringen zapfen lassen. Er setzt das gedeckte Tablett auf dem kleinen, ovalen Tisch ab, rückt mir den Sessel davor zurecht und lässt mich den Beleg unterzeichnen, bevor er die Cloche abnimmt. Er bittet mich, Bescheid zu geben, wenn das Geschirr wieder abgeholt werden soll, und wünscht mir dann strahlend guten Appetit. Zur kleinen Mahlzeit wird ein Brotkörbchen und Butter gereicht sowie als süßer Abschluss ein Macaron. Beim Brot hat man mir zwei trockene Anschnittscheiben untergemogelt. Das Eis ist noch nicht geschmolzen und mit einigen frischen Früchten appetitlich angerichtet. Die Käsespätzle sind heiß und sehen gut aus. Vom Geschmack her vermögen sie mich allerdings nicht zu überzeugen – der verwendete Käse ist nicht würzig genug (Witzigmann mischt dafür vier Sorten!) und die Röstzwiebeln haben unter der Cloche das Rösche eingebüßt. Etwas frisch gemahlener schwarzer Pfeffer hätte dem Gericht zudem gut getan.
Wertung: befriedigend

Housekeeping – Wäscheservice

Das nenne ich effektiv: Meine knittrige Chino wird nach 18 Minuten retourniert – glatt wie ein Kinderpopo und mit deutlichen Querfalten. Offensichtlich wurde sie buchstäblich in die Mangel genommen, was jeglichem Knitter den Garaus gemacht hat. Berechnet wird dieser messerscharfe Service nicht. Die zu reinigende Jacke hingegen wurde mir für 12 Uhr am Folgetag versprochen. Beim ­Packen einen Tag später fällt mir auf, dass sie noch fehlt. Die Dame vom Housekeeping bringt sie mir umgehend und entschuldigt sich – das DND-Schild habe an meiner Tür gehangen, als man die ­Jacke zurückbringen wollte. Für solche Fälle gibt es, soweit ich weiß, schriftliche Nachrichten am Türknopf oder die Information via TV-Bildschirm.
Wertung: noch befriedigend

Sicherheit

Man könnte sich in Sicherheit wähnen im Sofitel Bayerpost. Fluchtwegepläne, Brandschutzhinweise, Beschilderung – alles vorschriftsmäßig. Ein Sicherheitsdienst, der durch das Haus patrouilliert, ein ganzes Kapitel zum Thema im Gäste A-Z. Dem Gast wird jedoch Sand in die Augen gestreut, suggeriert man ihm doch, dass Aufzüge, die sich nur mit Zimmerkarte aktivieren lassen und dann nur ins »eigene« Stockwerk fahren, Unbefugten den Zugang verwehrten. Schließlich liegt neben den ­Aufzügen ein Not-Treppenhaus, das – brandschutztechnisch korrekt – jedem Benutzer freien Zugang zu allen Etagen gewährt, auch zu den obersten, in denen die Suiten liegen. Ich probiere das aus und bitte zudem ganz dreist eine Housekeeping-Mitarbeiterin, mir eine Zimmertür zu öffnen. Und hier offenbart sich die eigentliche Sicherheitslücke: Das Zimmermädchen zögert keine Sekunde und strahlt, als ich mich für ihr Entgegenkommen bedanke: »It was a pleasure!«.
Wertung: ungenügend

FrontOffice/Concierge

Tipps zu traditionellen bayerischen Biergärten sind bei meinem Besuch jahreszeitlich nicht angesagt. Mein viel aktuelleres Anliegen lässt den sehr erfahrenen Chef-concierge der Bayerpost, Herrn J., kurz nach Luft schnappen. Ich benötige nämlich einen Weihnachtsbaum – echt, geschmückt, transportabel und nicht teurer als 40 Euro. »Da müssen wir mal schauen«, sagt der elegant uniformierte Dienstleister, und siehe da, nach nicht einmal 90 Minuten bringt mir ein Page stolz strahlend mein Bäumchen – geschmückt mit cremefarbenen Schleifchen mit Sofitel-Logo. Ebenso alle sonstigen Anliegen werden zuvorkommend, prompt und zu meiner größten Zufriedenheit erledigt. Sind die Herren Concierges »besetzt«, bemühen sich die Re- zeptionsmitarbeiter um die Erfüllung der Gästewünsche.
Wertung: ausgezeichnet

18:50 - »ISArBAR«

Sommers (mit Terrasse) wie winters ist die »ISArBAR« ein geselliger Treffpunkt für internationale Hotelgäste, einheimische Geschäftsleute und Münchner Beautiful People. Diese Location hat aber auch eine richtig gute Atmosphäre, vor allem am Abend, wenn an der Rückwand der Bar orangefarbenes Licht die Flaschen anstrahlt und die unzähligen kleinen Bisazza-Fliesen an der Wand zum Schimmern bringt. Der hohe, schmale Raum wird von einem langen Bartresen dominiert, zu dem sich parallel an der Fensterfront eine Sitzbank mit niedrigen Tischen und Stühlen zieht. Naturtöne, Bronze, Schwarz
und Gold verleihen dieser Bar ein edles Ambiente, ohne dass sie überladen oder schwülstig wirken würde. Auch das Lichtkonzept stimmt. Ich nehme am Tresen Platz und werfe einen Blick in die goldgebundene Barkarte. Da mir das Studium dieses fast schon Buches zu anstrengend ist, frage ich nach einem »Pimm’s No.1«, einem Drink auf Basis eines englischen Kräuterlikörs, der mit Ginger Ale oder Sprite aufgegossen wird und seinen herbfrischen Geschmack vor allem dem Einsatz von Gurke verdankt. Das Getränk ist ein bisschen old- fashioned und auf vielen Barkarten nicht zu finden. Die sehr professionell wirkende Barkeeperin der »ISArBAR« zuckt jedoch nicht mit der Wimper, sondern kündigt nur an, nicht das originale Glas (ein Glaskrug) dafür da zu haben. Das Getränk bereitet sie jedoch nach allen Regeln der Kunst zu, und es schmeckt absolut perfekt. Zum Knabbern wird mir eine Dreierschale mit Oliven, gesalzenen Mandeln und Cashews auf den Tresen gestellt. Das geschäftige Treiben vor und hinter dem Tresen erlaubt den Barkeepern nicht viel Konversation mit den Gästen, alle agieren jedoch aufmerksam, freundlich und mit Umsicht. Für den allein reisenden Gast ist das bunte Völkchen Unterhaltungsprogramm genug. Auch beim zweiten Besuch am nächsten Abend werde ich zuvorkommend bedient und trinke einen außergewöhnlich leckeren alkoholfreien Cocktail mit dem Namen »Cranberry Energy«.
Wertung: sehr gut

19:15 - »Sophie’s Bistro«

Aus »Suzie W.« ist »Sophie« geworden – statt Bento-Box und Wokgerichten, die das frühere Asia-Bistro offerierte, kommen nun typischere Bistrospeisen wie Steaks, Salate und regional akzentuierte Gerichte  aus der offenen Küche. Am Ambiente hat sich kaum etwas verändert – es war nie asiatisch und ist nun weder französisch noch bayerisch. Der eine Gastraum mit seinen hohen Fenstern wird dominiert von einem riesigen, modernen Kronleuchter, der dahinter gelegene niedrigere Raum von einem raumbreiten, hinterleuchteten Foto und kleinen Bistrotischen. Die Ausgestaltung in Weiß, Grau, Silber und Grün unter Einsatz viel satinierten Glases wirkt eher kühl als gemütlich, was die diffuse Beleuchtung durch den Kronleuchter verstärkt. Ein »schickes« Bistro, aber keines zum Wohlfühlen. Die hässliche türkisfarbene Weihnachtsdekoration auf den Tischen macht das nicht besser. Und wie um zu unterstreichen, dass man sich hier bitte keinen gemütlichen Abend machen soll, kommen die bestellten Speisen schon auf den Tisch, bevor noch das Amuse Gueule – eine Parmesan Crème Brûlée – abgeräumt ist. Zum gebackenen Ziegenkäse mit eingelegten Gemüsen wird (auf dem Teller) überraschend ein wunderbar angemachter Wildkräutersalat mitserviert, beim Kürbisrisotto mit Herbsttrompeten, zu dem laut Karte ein Kräutersalat gehört, besteht dieser lediglich aus ein paar Rucolablättern. Sie sind auf dem Risotto angerichtet und durch die Wärme der Speise und der Feuchtigkeit der Pilze von matschiger Konsistenz. Das Risotto selbst ist schön bissfest, zart safranig und schmeckt mit seinen Kürbisstückchen fruchtig, würzig und gut. Auch der empfohlene Sancerre passt dazu, wenngleich er deutlich zu warm serviert wird. Frau S. ist eine liebenswürdige, aufmerksame und charmante Gastgeberin; nur dass ein Brotmesser fehlt, muss ich reklamieren. Zum Brotkörbchen mit zweierlei Baguette hat sie eine Senfbutter dazugestellt, am Tisch sind bereits Olivenöl (mit Pipette, eine gute Idee), australisches Salz und grob gemahlener Pfeffer eingedeckt. Die kleine Mahlzeit ist schnell zu Ende, aber das ist, wie schon gesagt, vermutlich beabsichtigt.
Wertung: befriedigend

Schuhputzservice

»Es war mir ein Vergnügen, Ihre Schuhe zu putzen.« Sicher? Vorsichtshalber wird das Schuhputzformular, auf welchem der Schuhputzer seine Unterschrift unter diesen Satz setzen soll, nicht mit den Schuhen zurückgegeben. Das ist auch besser so. Denn meine Stiefel wurden in der Nacht zwar geputzt, aber – ob mit Vergnügen oder nicht – auf jeden Fall nicht mit der notwendigen Sorgfalt. Über einen angebrachten Schmutz wurde nur oberflächlich hinweggewischt.
Wertung: mangelhaft

DO. 13/12, 08:45 - Frühstücksbuffet

»Bonjour!«. Vor dem Restaurant werde ich »abgehakt«, unterschreibe einen Beleg über 31 Euro für das Frühstück und suche mir aus dem gut sortierten Angebot eine Tageszeitung aus. Im Eingang zum Restaurant »Schwarz & Weiz« erkundigt sich eine ­Dame vom Service, mit wie vielen Personen ich frühstücke. Da ich allein bin, platziert sie mich im unteren Bereich des Res­taurants, das durch seine vergleichsweise niedrige Decke ein bisschen Kelleratmosphäre hat und wo die Luft stickig ist. Die kleinen Tische stehen zudem sehr eng, was manchen Gast dazu veranlasst, sich doch lieber im oberen Bereich, an der Fensterfront, einen Platz zu suchen. Unten ist man dafür näher am Buffet, das rund um eine Front-Cooking-Station sowie links und rechts der Treppe aufgebaut ist. Oben gibt es aber auch noch etwas: Zwölf Dosen mit losem Tee stehen rund um einen Samowar, daneben gibt es etliche Karaffen mit als »frisch« bezeichneten Direktsäften und Mineralwasser. Auf einem Sideboard hat man frische Früchte wie Designobjekte in offenen Quadern arrangiert, darunter sind auch exotische wie Kumquats und Litschis (und ein fauler Pfirsich). Vorschriftsmäßig abgedeckt wird ein ansprechendes Sortiment an Weichkäsen präsentiert. Das Frühstücksbuffet im unteren Bereich umfasst eine gute Standardauswahl, die sich hier und da in der Qualität oder Regionalität des Angebots etwas hervorhebt – Roastbeef, hausgemachte Konfitüren, Weißwürste mit Brezeln, Obatzder –, aber ansonsten mit keinen, wirklich keinen Besonderheiten oder Überraschungen aufwartet. Das frisch zubereitete Birchermüsli schmeckt exzellent, Roastbeef und Weißwürste sind gut, das Spiegelei wird à la minute nach meinen Wünschen zubereitet. Die Platten mit Wurst und Käse sind kaum ausgarniert, die kleinen Töpfe mit den hausgemachten Marmeladen werden nicht aufgefüllt, sondern abgeräumt, als sie leer sind. Die Sauberkeit des Buffets lässt insgesamt etwas zu wünschen übrig.

Mein kleiner Tisch in einer Nische hingegen ist korrekt eingedeckt. Ich werde sehr freundlich und aufmerksam bedient von einem jungen Mann, kann aber eine gewisse Schadenfreude nicht verhehlen, als ein Gast diesen auf sein strahlendes »Bonjour« hin mit einem französischen Wortschwall eindeckt, auf den der junge Mann nur hilflos mit den Schultern zuckt. Der Milchkaffee, den er mir bringt, hat braunen Schaum, und auch der zweite, der nach meiner Reklamation an den Tisch kommt, ist nicht viel besser. »Wir haben eine neue Maschine«, entschuldigt sich der junge Mann. Meine Bitte um ein Schälchen Porridge (»Mit Wasser oder Milch? Süß oder salzig?«) wird ebenso freundlich erfüllt wie die um ein Glas Sekt (»Sekt steht zwar nicht auf dem Buffet, ist aber im Preis enthalten!«). Mit einem Lächeln und guten Wünschen werde ich verabschiedet.
Wertung: gut

Reklamationshandling

Der Schreibtisch der Guest Relation Managerin ist strategisch gut platziert im hinteren Teil der Lobby. Jeder Gast, der zu den Aufzügen, zum Restaurant, zum Spa oder zu den Tagungsräumen will, muss hier vorbei. Ich habe mangels Frischluftzufuhr leider doch eine weitgehend schlaflose Nacht verbracht und bringe dies Frau E. zu Gehör. Sie zeigt vollstes Verständnis und bietet mir einen Zimmerwechsel an – allerdings ist sie sich nicht ganz sicher, welche Zimmer welche Fensterlösung haben und muss diesbezüglich mehrfach beim Housekeeping nachfragen. Schließlich kann ich auf der gleichen Etage umziehen in ein Zimmer zur Bahnhofseite – gleiche Kategorie, aber mit einem zu öffnenden Fenster. Das ist so in Ordnung, noch besser, großzügiger und französisch-charmanter wäre ein Upgrade für die eine Nacht gewesen. Oder zumindest eine kleine Wiedergutmachung für den entgangenen Schlaf. Wertung: gut

»So SPA«

»Grottig« ist ja normalerweise ein eher negativ besetztes Attribut. Für das »So SPA« im Sofitel Bayerpost kommt es mir dennoch in den Sinn, um das Höhlenartige, Unterirdische zu beschreiben, das den Charakter dieses Wellnessbereiches ausmacht. Obwohl im Erdgeschoss gelegen, verfügen in diesem Bereich lediglich der schmale Fitnessraum, der Umkleideraum und zwei Behandlungsräume über Tageslicht. Dieses wird sinnvollerweise nur durch Milchglas hereingelassen, denn einen Ausblick auf die triste, graue Bahnhofshallenwand gegenüber braucht kein Mensch. Die restlichen Räume – Spa-Rezeption und -bar, Saunabereich, Ruheraum, Behandlungsräume und das Schwimmbad – zeigen sich in den Bayerpost-Lieblingsfarben Braun, Schwarz und Grau mit einigen wenigen Farb- oder Lichttupfern und viel Kerzenlicht. Jetzt im Winter hat das etwas sehr Anheimelndes und Kuscheliges – bei Sommersonnenschein und entsprechenden Außentemperaturen wäre ich hier wohl platzangstgefährdet. Wirklich überaus ungewöhnlich ­ist das schneckenförmige Schwimmbecken, dessen niedrige Decke und dunkle Fliesen einmal mehr diesen Höhlencharakter unterstreichen. Ein Gag, der sich erst auf den zweiten Blick erschließt: An der Wand über dem rechteckigen Einstiegsbecken führen einige schmale, nebeneinanderliegende Fensterschlitze wie Schießscharten in die Hotellobby, wo sie – knapp über Fußbodenhöhe – den Blick auf das Schuhwerk vorbeieilender Gäste erlauben. Umgekehrt kann man ­übrigens kaum etwas erkennen.

Saunen, Spa-Rezeption und Ruheraum zeigen sich gepflegt und auf eigene Weise attraktiv. Dennoch ist das Spa schon ein wenig in die Jahre gekommen, was vor ­allem im Duschbereich mit seinen stark abgenutzten, verkalkten und verrosteten Armaturen auffällt. Hier ist dringend Austausch geboten. Der Fitnessraum bietet trotz eingeschränkter Platzverhältnisse ein gutes Angebot an Cardiotrainern, ein Kinesisgerät und ein Gerät, das mit Elektroimpulsen arbeitet. Hierfür wird Personal Training angeboten.

Ein großes Plus für den passionierten Saunagänger stellen die großzügigen Öffnungszeiten des »So SPA« dar: sechs bis 22 Uhr. Ich mache die Probe aufs Exempel und begebe mich morgens um viertel nach sechs in den Spa-Bereich. Der Tresen ist verwaist, ich höre und sehe keine Menschenseele und könnte mich auch unbefugter Weise im angeschalteten Computer umschauen. Interessant ist die Tatsache, dass es hier eine Kameraüberwachung gibt (»Spa-Cam«), jedoch nur für das schneckenförmige Schwimmbad. »Honi soit qui mal y pense ...« Die Sauna ist zwar noch nicht ganz auf Betriebstemperatur, aber immerhin schon bei 75 Grad Celsius. Ich tue, was ich schon immer einmal tun wollte und drücke den Notrufschalter. Ein durchdringender Ton wird offensichtlich an der Spa-Rezeption ausgelöst; keine fünf Sekunden später steht ein junger Mann in brauner Berufskleidung und mit bleichem Gesicht in der Sauna. Da es keinen Grund zur Panik gibt und ich erkläre, versehentlich an den Kippschalter gekommen zu sein, nimmt mir der junge Mann wenigstens die Zeitschrift ab, die ich mit in die Sauna genommen hatte, und sagt streng, das sei verboten.
Wertung: gut

Express-Massage

A. ist Kosmetikerin. Aber so wie sie sich in meine verspannten Schultern hineinknetet, traut es sich kaum ein erfahrener Physiotherapeut. »Ich bin ein Naturtalent«, lacht A. und lässt mich weiter leise jaulen. Zum Glück scheint die Behauptung der jungen Frau zu stimmen, denn nach der halben Stunde Express-Massage (Kostenpunkt: 55 Euro für 20 Minuten reine Massagezeit) fühle ich mich in jeder Hinsicht erleichtert und entspannt. Ein hübscher Mini-Obstteller an der Spa-Rezeption rundet das Treatment ab.
Wertung: gut

Housekeeping – Turndownservice

Als am ersten Abend kein Turndownservice stattfindet, schlage ich im Gäste-A-Z nach – dieser Service muss extra in Auftrag gegeben werden. Am zweiten Abend erwartet mich nach meinem Restaurantbesuch ein perfekt zur Nacht hergerichtetes Zimmer. Schade, dass dies kein Standard ist.
Wertung: sehr gut

19:25 - Restaurant »Schwarz & Weiz«

Ein rein weibliches Team »schmeißt« den Service an diesem Abend im Restaurant »Schwarz & Weiz«. Dem Fine Dining Thema angemessen, tragen die Restaurantleiterin und ihre Stellvertreterin (die Positionen mutmaße ich aus dem Serviceablauf; auf den angesteckten Messingschildern stehen nur, schwer lesbar, die Namen) reduziert-edle Kleider mit Halstüchlein, natürlich in Dunkelbraun. Die beiden anderen Mitarbeiterinnen bleiben mit ihren braunen Röcken und Westen sowie den weißen Blusen optisch dahinter zurück. Obwohl ich für eine Person reserviert habe, führt mich Frau K. an einen für zwei Personen eingedeckten Tisch und entfernt dann das zweite Couvert. In dem sich über mehrere Ebenen erstreckenden Restaurant ist nur der längliche Erdgeschossraum entlang der hohen Fenster zur Bayerstraße geöffnet. Es sind etwa acht Tische besetzt. Die Atmosphäre ist angenehm, grundsätzlich auch das Licht, nur einer der überall im Hotel eingesetzten Farbstrahler taucht Teile meines Tisches und damit später auch die Speisen in ein orangefarbenes Licht. Ich erhalte Speise- und Weinkarte und schlage das Aperitifangebot von Frau S., die mit einem entsprechend bestückten Servierwagen »vorfährt«, aus. Als ich mich für das Degustationsmenü entscheide, warnt mich Frau K. vor: »Das macht Spaß, Sie müssen aber ungefähr zwei Stunden dafür einplanen.« Tatsächlich sind es fast drei Stunden, die ich im Restaurant verbringe. Die Beschwerde dreier Herren am Nachbartisch über die zu langen Zeiträume zwischen den Gängen kontert die Restaurantleiterin etwas zu forsch mit der Bemerkung, die Küche sei heute nur mit vier Mann besetzt und es werde ja schließlich alles frisch zubereitet. Aus Angst, auch mir könne die Zeit zu lang werden, bietet mir die junge Frau an, ein Magazin von der Rezeption zum Lesen zu holen. Ich habe jedoch keine Langeweile. Vorab erfreue ich mich an kleinen Sesambrötchen, Brioche und krustigem Roggenbrot, zu denen ein Frischkäseaufstrich mit schwarzem Trüffel, eine Kürbiscreme und französische Salzbutter gereicht werden. Als Amuse Bouche gibt es ein Scheibchen Gänseleberterrine mit einer Marmelade aus Radicchio, was insofern etwas unglücklich gewählt ist, als dass Degustationsmenü ebenfalls mit einer Terrine startet. 99 Euro kostet das fünfgängige Menü mitsamt den korrespondierenden Weinen. Letztere sind sorgsam und passend ausgewählt, allerdings wird ein Wein ausgetauscht und ein zweiter in einem anderen Jahrgang als dem angegebenen ausgeschenkt, worauf ich nicht ­hin-gewiesen werde. Das Menü ist mit Frisch- lingsterrine, Wachtel, Wildconsommé so- wie Filet und Backe vom Kalb reichlich fleischlastig. Besonders gut gefällt die filigrane Frischlingsterrine, die mit Rauchmandeln, Hagebuttensößchen und einem Dörrpflaumenmus ordentlich aufgepeppt wird. Zum Schenkelchen von der Landes Wachtel kommen ein butterweiches, lauwarmes Wachtelei, ein Topinamburpüree und eine Spinatcreme. Als ich eine der Ser- vicekräfte nach der Landes Wachtel frage, erhalte ich zur Antwort, diese käme aus Jerusalem. Interessant. Da hat die Dame wohl etwas durcheinander gebracht – es ist die Topinamburknolle, die auch als Jerusalem-Artischocke bezeichnet wird. Die Consommé vom bayerischen Rotwild erweist sich als Hochgenuss, das Filet vom Kalb ist zartwürzig, sein Bäckchen zerfällt fast auf der Zunge. Eine kräftige Rinderjus, mit Frischkäse gefüllte Krapfen und i-Tüpfelchen aus Apfel und Sellerie machen diesen Hauptgang rund. Wurden die ersten beiden Vorspeisen von einem fränkischen Müller-Thurgau und einem knackigen Sancerre begleitet, gibt es zum Kalb einen 2009 Württemberger Schwarzriesling, dem man das beliebte Attribut »vollmundig« zuordnen mag. Einen Höhepunkt für Leckermäulchen stellt das Dessert dar: Schokolade Moelleux mit Kardamom-Honigeis und Feigenvierteln. Den Mund voll zerfließendem Schokoladenkuchen schließe ich die Augen. Dazu ein Schlück- chen roten Süßwein bester Herkunft, ein Banyuls Grand Cru aus dem Jahr 1991 (hier hat man »upgegraded«; auf der Karte stand der 2000er-Jahrgang) – und ich bin glücklich. Weil es so lange gedauert hat, geht der Espresso aufs Haus. Ich werde freundlichst verabschiedet.
Wertung: sehr gut

FR. 14/12, 09:25 - Zimmerfrühstück

Vielseitiger und attraktiver als das Frühstücksbuffet im Restaurant zeigt sich die Roomservice Frühstückskarte. Sie bietet sogar diverse Offerten für Kids. Ich hänge am Abend die Bestellkarte an die Tür mit meiner Wahl für einen gesunden Start in den Tag: saisonale Früchteplatte, frisch gepresster Orangensaft, Birchermüsli und Kaffee mit heißer, geschäumter Milch. Das Frühstück wird – »Bonjour!« – pünktlich und freundlich serviert, ist einladend angerichtet, geschmacklich einwandfrei und kostet wie das »große« Frühstück 31 Euro. Das Gestell des Servierwagens müsste allerdings einmal geputzt werden.
Wertung: sehr gut

Check-out

Der Check-out verläuft korrekt, freundlich und professionell. Die Rechnung beläuft sich (inklusive Weihnachtsbaum für 35 €) auf insgesamt 891,70 Euro. Die guten Wünsche der sympathischen Rezeptionistin begleiten mich auf meinem Weg.
Wertung: sehr gut

Lost & Found

Auf meinem Nachttisch habe ich ein Buch liegengelassen und es mit einem Lesezeichen als »noch in Gebrauch« gekennzeichnet. Als ich eine Woche nach der Abreise im Hotel anrufe, heißt es, das Buch habe man gefunden. Es wird mir, mit einem netten Briefchen der Hausdame, kostenfrei zugeschickt.
Wertung: sehr gut

Bilanz

Wenn die Amplituden der Ergebnisse in jeder Richtung bis ans Limit ausschlagen, lässt sich das manchmal auf menschliche »Aussetzer« zurückführen. So haben schlecht geputzte Schuhe nicht die gleiche Aussagekraft wie ein perfekter Concierge-Service. Und schließlich zeigten Front Office und Housekeeping generell erfreuliche Leistungen. Aber die Mängel bei der Reservierung, beim Message-Transfer und beim Sicherheitsverständnis des Reinigungspersonals lassen gezielten Handlungsbedarf erkennen. Auch die gastronomischen ­Offerten bewegten sich auf unterschiedlichem Niveau – vor allem das Frühstücksbuffet ließe sich deutlich aufwerten. Ob man sich in der Bayerpost wohlfühlt, hängt vom individuellen Geschmack und den Prioritäten ab. Mich verführte der Besuch jedenfalls – trotz des guten Gesamtergebnisses – keineswegs zum gewünschten Entzückungsschrei (»Magnifique!«).

Gesamteindruck: 68%
Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!