Louvre Hotels GroupFrancois Delattre über Re-Start und Zukunftspläne

Francois Delattre zeigt sich im Interview vorsichtig optimistisch. (Bild: Louvre Hotels Group)

Mit mehr als 1.500 Hotels in 54 Ländern war der Re-Start für die französische Louvre Hotels Group eine Herausforderung. Wie man dabei vom Know-How der Jin Jiang Group profitierte, wo die Knackpunkte während des Re-Starts lagen und welche Hotel-Standorte nun schneller wieder erfolgreich sind, erklärt Francois Delattre, Director Integration Management.

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Francois Delattre ist Director Integration Management der
französischen Louvre Hotels Group. Diese zählt mehr als 1.500 Hotels in 54 Ländern. Unter dem Dach der Louvre Hotels versammeln sich Marken im Ein- bis Fünf-Sterne-Segment, unter anderem Première Classe, Campanile, Kyriad, Tulip Inn, Golden Tulip und Royal Tulip. Die Louvre Hotels Group gehört der Jin Jiang International Co.

Tophotel: Herr Delattre, die Louvre Hotels Group (LHG) verfügt weltweit über 1.500 Hotels. Wie sieht es jetzt, nach dem Re-Start, mit der Belegung der Häuser aus?

Francois Delattre: Selbstverständlich muss noch etwas Zeit vergehen, bevor die Zahl der Buchungen erneut das Niveau, auf dem es sich vor Beginn der Pandemie befand, erreicht. Beobachten lässt sich: Die Zahl der Buchungen durch inländische Kunden wächst aktuell am schnellsten. Und mit der Aufhebung der Beschränkungen für internationale Reisen wird auch die Zahl der ausländischen Gäste wieder steigen. Der Juni war für uns eine Zeit, in der wir allmählich wieder aktiv werden konnten. Der Stand der Buchungen für Juli, August und September gibt Anlass zu Optimismus, doch hängt viel davon ab, wie sich die Pandemie-Situation sowohl lokal als auch global entwickeln wird. Dank der Änderungen, die wir in unserer Verkaufspolitik eingeführt haben, können unsere Gäste ihre Buchungen künftig aber flexibel verwalten.

Was zeigt Ihre Erfahrung haben Hotels im ländlichen Raum jetzt einen Vorteil gegenüber Stadthotels?

Sicherlich bevorzugen Reisende inzwischen typische Urlaubsorte, deren Attraktivität allerdings sehr stark vom Wetter abhängt. Das zeigt auch, wie sehr unsere Gäste darauf gewartet haben, wieder reisen zu können und sich in ihren Lieblingsregionen zu erholen, auch in Deutschland. Zu unserem Portfolio gehören aber auch Betriebe in Destinationen, die eng mit der Wirtschaft verbunden sind. Hier korreliert der Bedarf mit dem durch die Pandemie verursachten Wirtschaftsabschwung. In den Großstädten ist jedoch bereits eine Belebung des Geschäftsverkehrs sichtbar.

Inwieweit hat sich die Mitgliedschaft bei der chinesischen Jin Jiang-Gruppe während der Krise auf die LHG ausgewirkt?

Teil der zweitgrößten Hotelgruppe der Welt zu sein, ist für uns eine große Stütze. Wir profitieren von der Erfahrung der Gruppe, die gerade zu Zeiten des aktuellen Marktschocks extrem wichtig war und ist. Unter anderem führen wir in Zeiten der Pandemie ständig gemeinsame Verfahren für die Sicherheit unserer Gäste ein.

Sie haben sicherlich normalerweise viele Gäste aus Asien, die nun fehlen …

Sicherlich war und bleibt Asien ein wichtiger Markt für uns. Gegenwärtig ist der Anteil der Besucher aus dieser Region begrenzt, aber wir zählen sehr darauf, dass sich Europa schnell für andere Kontinente öffnet, was sich positiv auf den Tourismus- und Geschäftsverkehr aus diesem Teil der Welt auswirken wird. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass der Inlandsmarkt immer ein Hauptaugenmerk von uns war und ist. Die Deutschen haben die Vorzüge ihres Landes schon immer sehr geschätzt und die Möglichkeit, das Land zu bereisen, gern genutzt. Aktuell arbeiten wir mit vielen Portalen und Tourismusbüros zusammen, um attraktive Programme anbieten zu können. Unsere Dienstleistungen sind auf die Bedürfnisse und Erwartungen unserer Gäste zugeschnitten, und wir richten unsere Angebote an eine vielfältige Gruppe von Empfängern. Mit Blick auf die reisenden Deutschen haben wir für den Sommer ein attraktives Angebot vorbereitet, das für jede unserer Marken (sh. Kasten oben, Anm. d. Red.) gilt.

Wie sehen die weiteren Pläne der LHG angesichts der Krise aus?

Trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, sehen wir echte Chancen für die Entwicklung sowohl unseres Netzwerks als auch des gesamten Gastgewerbemarktes. Wir arbeiten daran, die Dienstleistungen zu verbessern und das Angebot all unserer Marken und Hotels attraktiver zu gestalten. Zu diesem Zweck haben wir eine dreistufige Strategie für die kommenden Monate eingeführt. Die erste Etappe, ‘Be ready’, umfasste Aktivitäten zur Krisenreaktion. Die zweite Phase, ‘Contingency’, betrifft die Anpassung unserer Investitionen und Prioritäten an die aktuellen Bedingungen. Die dritte, ‘Recovery’, beinhaltet den Prozess der Änderung von Angeboten, Dienstleistungen und Produkten, um neuen Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden. Wir verstecken unsere Investitionspläne nicht in einer Schublade. Wir agieren im Rahmen einer langfristigen Strategie – und eine konsequente Entwicklung ist ein ständiger Bestandteil unserer Strategie.

Welches waren die größten Herausforderungen seit dem Neustart nach dem Lockdown auch angesichts dessen, dass LHG in mehreren Ländern aktiv ist?

Es war für uns abzusehen, dass einige Beschränkungen allmählich aufgehoben werden und andere bestehen bleiben. Wir mussten also Betriebsverfahren entwickeln, die sowohl den nationalen Vorschriften als auch den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation entsprechen, und uns dann auf ihre Umsetzung vorzubereiten. Natürlich wurden die Hygienestandards  erhöht. Ein weiteres Thema war es, eine sichere Arbeitsumgebung für das Hotelpersonal zu bieten und dieses zu schulen. Neben den präventiven Verfahren haben wir Anweisungen erarbeitet, die in dem Fall gelten, dass eine infizierte Person auf dem Hotelgelände festgestellt wird. All diese Aktivitäten sind in der Verpflichtungscharta unserer Gruppe enthalten und Teil der Kampagne “Clean & Safe”, die in allen unseren Hotels durchgeführt wird.

Inwiefern waren und sind die unterschiedlichen Regelungen, alleine schon innerhalb Deutschlands, eine Herausforderung?
Der Betrieb der einzelnen Hotels muss immer im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Hotel-Leitung, dem Regionalbüro und dem Hauptsitz der Gruppe in Paris koordiniert werden. Damit stellen wir sicher, dass wir stets sowohl das geltende Recht als auch die von uns selbst gesetzten Standards einhalten. Zusätzlich, hat unsere Gruppe in Zusammenarbeit mit NSF International einen “Checked by NSF”-Plan erstellt, um Sanitärprotokolle in über 50 Ländern zu evaluieren. Die Gruppe hat sich verpflichtet, bis Ende September an allen Standorten des Netzwerks ein Audit durchzuführen, um sicherzustellen, dass die neuen Methoden der Gesundheitsfürsorge im tagtäglichen Ablauf richtig umgesetzt werden. Dank dieser Gestaltung des gesamten Prozesses konnten wir uns gut an die neuen Bedingungen anpassen, und dank einer transparenten Informationskampagne kehren unsere Gäste zu uns zurück, weil sie wissen, wie viel Arbeit wir in die Gewährleistung ihres sicheren Aufenthalts investiert haben.

Unsere Mission und Berufung ist es, uns um Menschen zu kümmern. Ich bin davon überzeugt, dass wir jeder Herausforderung gewachsen sind, und zwar dank der jahrzehntelangen Erfahrung, der Stärke einer der größten Hotelgruppen der Branche und der Professionalität, welche die Familie der Louvre-Hotelgruppe innehat.

Sie sprechen damit auch das Thema Mitarbeiter an. Mussten viele Ihrer “Familien-Mitglieder” in Kurzarbeit oder wurden freigestellt?

Von Beginn der Pandemie an waren uns die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter ebenso wichtig wie die Gesundheit und Sicherheit der Besucher unserer Hotels. Diese sind organisch miteinander verbunden. Ein Teil der Mitarbeiter blieb aufgrund der nachlassenden wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Einrichtungen bei Kurzarbeit, während andere wieder im Dienst der Hotelgäste stehen. Wir sind bestrebt, qualifiziertes Personal in unseren Hotels zu behalten. Deshalb haben wir alle verfügbaren Maßnahmen ausgenutzt, um die Beschäftigung aufrechtzuerhalten. Mit der steigenden Belegungsrate führen wir einzelne Teams systematisch wieder in die Arbeit zurück. Ich vertraue darauf, dass die schwierigste Zeit für unsere Mitarbeiter hinter uns liegt und dass die Zeit der Isolation ihnen erlaubt hat, sich bei ihren Lieben auszuruhen. Sicherlich werden sich unsere Mitarbeiter noch lange an diese Zeit als eine Außergewöhnliche in ihrer beruflichen Laufbahn erinnern. Wir schätzen ihre Beharrlichkeit und Loyalität sehr. Um Danke zu sagen, haben wir auch mit Kollegen aus ganz Europa einen Film aufgenommen, in dem wir unsere Worte der Anerkennung äußern.

Interview: Verena Usleber

 

 

 

 

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