Liquiditätsmanagement in 5 Schritten Transparenz und Flexibilität sind gefragt!

Cash is King – dieses Motto gilt für Hoteliers in der aktuellen Coronakrise mehr denn je. Worauf sich Hotelmanager bei der Ermittlung und Sicherung des Liquiditätsbedarfs fokussieren sollten, haben Experten der KPMG in einem 5-Punkte-Plan zusammengefasst.

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Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung über die Coronakrise. >>> zur Übersicht

Schon immer steht die Hotellerie im Ruf der Volatilität und Krisenanfälligkeit. Derzeit befindet sich die Branche in einer solchen Krise, nachdem den Hotels durch die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie die Gästebuchungen eingebrochen sind. Der Reisende – sowohl der Freizeitgast (verordnet) als auch der Business-Gast (Home Office, Reiseeinschränkungen) – bleibt zu Hause, die Zimmer stehen leer, die Küche bleibt kalt und Hotelbetreiber sehen sich gezwungen, ihre Häuser zu schließen.

Umsatzeinbrüchen oder gar Komplettausfällen stehen jedoch Fixkosten und Verbindlichkeiten gegenüber, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht bitter aufstoßen sollte. Je nach Dauer und Ausprägung der aktuellen Krisensituation führen ausbleibende Einnahmen und schmelzende Kapitalpuffer zu einem zentralen Problem: Liquiditätsengpässe. Den Betrieben gehen die Mittel aus, die diesen Verbindlichkeiten und Kosten gegenüberstehen.

Warum bedarf es eines professionellen Liquiditätsmanagements?

In erster Linie gelten zwei maßgebliche Leitbegriffe für ein erfolgreiches Liquiditätsmanagement: Transparenz und Flexibilität. Ein belastbarer Überblick über die aktuelle und zukünftige Liquidität des Unternehmens dient als Entscheidungsgrundlage für die Ableitung des Kapitalbedarfs und entsprechender Maßnahmen vor dem Hintergrund des momentan verfügbaren Handlungsspielraums. Eine kurzfristige Planung inklusive entsprechender Szenarien-Analysen hilft dem Management, die Auswirkungen möglicher Entwicklungen auf das Unternehmen zu simulieren. Diese Transparenz erlaubt es dem Management, proaktiv zu handeln und entsprechende Maßnahmenpakete schon im Vorfeld zu identifizieren und vorzubereiten. Transparenz ist zudem der zentrale Aspekt in der Kommunikation nach innen sowie mit externen Stakeholdern, wie Banken oder Vermietern. Dabei geht es hier in der aktuellen Situation nicht nur um das Fortbestehen eines Betriebes, es geht auch um Gesellschafterhaftung und rechtliche Fragestellungen bzw. Rechtsfolgen mit großer Tragweite.

5-Punkte-Plan: Sinnvolle Maßnahmen für Hotelbetreiber

Machen Sie eine Bestandsaufnahme und schaffen Sie Transparenz. Ermitteln Sie bestehende und mögliche Liquiditätsquellen und was diese beisteuern (können). Analysieren Sie Ihre Kostenstruktur und Verbindlichkeiten, um zu identifizieren, welche Belastung periodenscharf auf Sie zukommen wird. Stellen Sie die Liquidität und Verbindlichkeiten gegenüber, um Ihren Finanzstatus bzw. den Kapitalbedarf zu ermitteln. Die Aufstellung einer Planung in Zeiten mit extrem kurzer Halbwertszeit der Planungsannahmen ist sehr schwierig. Umso wichtiger ist ein hohes Maß an Flexibilität in einem Modell, um neue Erkenntnisse möglichst effektiv berücksichtigen und die Auswirkungen regelmäßig neu analysieren zu können.

1. Schaffen Sie Transparenz zu Kostenstrukturen und Verbindlichkeiten

  • Brechen Sie Ihren Kostenapparat in variable sowie Fixkosten herunter und durchleuchten Sie diese (wie hoch sind die Kosten, pro Tag, pro Woche, pro Monat?).
  • Ermitteln Sie, welche Kosten unter verschiedenen operativen Szenarien und auch in der nächsten Periode bestehen werden.
  • Ordnen Sie die Kosten den verschiedenen Stakeholdern, vertraglichen Grundlagen bzw. behördlichen Auflagen zu. Ergeben sich Anpassungsmöglichkeiten?
  • Erkennen Sie Einsparmöglichkeiten in den verschiedenen Kostengruppen, insbesondere wenn es um die Aussetzung von Zuliefer- und Rahmenverträgen, das Aufschieben von Investitionen oder Kampagnen oder Nachverhandlungsmöglichkeiten geht.

2. Identifizieren Sie interne und externe Liquiditätsquellen

Umsätze

  • Identifizieren Sie die Werttreiber Ihrer Umsätze und beurteilen Sie die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen Erholung (z. B. Buchungsanstieg nach Lockerung der Ausgangsperren).
  • Beurteilen Sie Möglichkeiten, Ressourcen für eine alternative Umsatzgenerierung einzusetzen (z. B. Vermietung der Hotelzimmer als Büroräume, Essenslieferungen an die Nachbarschaft, etc.). Selbst wenn rechtliche Beschränkungen (z.B. Mietzweck) bestehen, sollten Sie diese Optionen analysieren.

Interne Quellen

  • Schaffen Sie Transparenz über die aktuell verfügbare Liquidität aus Bankguthaben und offenen Kontokorrentlinien.
  • Forderungsmanagement: Bewerten Sie Ihre Forderungen mit Blick auf die Höhe, Zahlungsziel und Ausfallwahrscheinlichkeit. Besteht bspw. die Möglichkeit durch die Gewährung von Skonto eine schnellere Begleichung herbeizuführen?
  • Anlagevermögen: Halten Sie kurzfristig liquidierbare Anlagen wie Aktienpakete, Inventar oder Maschinen?

Externe Quellen

  • Prüfen Sie die Ausgestaltung staatlicher Fördermittel, insbesondere ob es sich um Kredit-, Bürgschafts- oder Liquiditätshilfen handelt, um den langfristigen Effekt auf Ihren Finanzstatus beurteilen zu können.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank und anderen Kreditinstituten, zu welchen Konditionen Darlehen erhalten werden können.
  • Eruieren Sie mit Gesellschaftern die Möglichkeit von Kapitaleinlagen oder Darlehen sowie die Anpassung von Ausschüttungspolicen.
  • Bestehen die Möglichkeit und Bereitschaft über Beteiligungen durch externe Investoren nachzudenken?

3. Contingency Planung mit Szenario-Analyse

  • Erstellen Sie eine belastbare Finanzplanung unter Berücksichtigung der Bestandsfinanzierung und aller relevanten operativen, finanziellen und rechtlichen Faktoren (bspw. Vertragsstrafen, Covenants, Zinsen, Subventionen, Rückforderungen, Zuschüsse, Steuern, Bürgschaften, Fristen).
  • Die Planungsunsicherheit sollte durch eine flexible Anpassungsmöglichkeit und die Ableitung verschiedener Szenarien ausgeglichen werden.
  • Die Szenario-Analyse sollte auf der operativen Ebene beginnen und verschiedene Wiedereröffnungsdaten und Umsatzgrößen berücksichtigen.
  • Die Planung sollte mit größtmöglichem Detail stichtagsbezogene Gegenüberstellungen der vorhandenen Liquidität und der fälligen Verbindlichkeiten aufzeigen können.
  • Eine regelmäßige Aktualisierung der Planung ist wichtig (Rollierende Liquiditätsvorschau).

4. Ableitung des Kapitalbedarfs und eines Maßnahmenkatalogs

Kapitalbedarf

  • Die Szenario-Analyse erlaubt Ihnen eine Gegenüberstellung der Liquidität und erwarteter Verbindlichkeiten und somit die Ermittlung Ihres Kapitalbedarfs. Dieser wird sich je nach erfolgreicher Umsetzung von Maßnahmen laufend verändern.

Maßnahmenkatalog

  • Identifizieren Sie die Maßnahmen, mit denen Verbindlichkeiten verringert werden können und Liquidität generiert werden kann.
  • Entwerfen Sie eine Kommunikationsstrategie für Ihr Stakeholder Management.

Umsetzung und Stakeholder Management

Zentraler Aspekt eines erfolgreichen Stakeholder Managements ist ein klares Verständnis der vertraglichen Grundlage der Geschäftsbeziehungen sowie der Interessen des jeweiligen Partners (Stakeholders). Die Erkenntnisse der internen Analyse sollten in Form einer transparenten Kommunikationsstrategie den Stakeholdern kommuniziert werden. Grundsätzlich sollten Weitsicht und die Nachhaltigkeit der Partnerschaft den Verhandlungen zugrunde liegen.

5. Laufende Aktualisierung der Planungsprämissen

  • Beachten Sie die Wechselwirkung zwischen dem Kapitalbedarf und der Umsetzung von Maßnahmen.
  • Führen Sie regelmäßig eine Aktualisierung Ihrer Planung durch, um neue Einschätzungen der externen Einflüsse, erfolgreiche Maßnahmen des Stakeholder Managements oder zusätzliche Szenarien jederzeit bewerten zu können.

Ein erfolgreiches Liquiditätsmanagement in Krisenzeiten basiert auf Transparenz der eigenen wirtschaftlichen Situation, Flexibilität der Planungstätigkeit sowie einer offenen und partnerschaftlichen Kommunikation mit Stakeholdern.

To watch out for

Trotz des vermeintlichen Ausnahmezustands sollten grundlegende Verpflichtungen und der Nachhaltigkeitsgedanke nicht außer Acht gelassen werden. Hier folgen ein paar zusätzliche Hinweise:

  • Achten Sie bei Ihren Maßnahmen darauf, dass der kurzfristigen Hilfe langfristige Folgen gegenüberstehen können. Sämtliche Entscheidungen sollten Sie im Sinne einer nachhaltigen Geschäftsfortführung treffen, insbesondere wenn es um partnerschaftliche Beziehungen zu Ihren Stakeholdern geht.
  • Beachten Sie besondere Verpflichtungen bei geschlossenen Hotels, bspw. Information des Eigentümers über Schließung, Anpassung des Versicherungsschutzes, Einhaltung der HACCP Standards, Sicherung des Objektes und laufende Betätigung der technischen Anlagen, Rohre und Spülungen.
  • Trotz besonderer Umstände bleiben viele Verträge bindend und die darin vereinbarten Auflagen, Fristen und Verantwortungen gelten weiterhin.
  • Ein Austausch innerhalb der Branche oder lokalen Marktbegleitern ist wichtig – beachten Sie jedoch geltendes Kartellrecht.
  • Personalkosten bilden mitunter die größte finanzielle Belastung – denken Sie jedoch an morgen und vergessen Sie nicht den grundlegend herrschenden Mangel an qualifizierten Mitarbeitern in dieser Branche.
  • Legen Sie sich eine Verkaufsstrategie für die Zeit nach der Krise zurecht und nutzen Sie die Chance, die Preise auf ein faires Niveau zu bringen.

Zu den Autoren

Tina Haller und Robin von Bothmer verantworten den Bereich der Hotelimmobilienberatung bei der KPMG Deal Advisory. Die Beratungsleistungen erstrecken sich über Transaktionen von Immobilien(portfolien) und Betriebsgesellschaften, Projektentwicklungsberatung in Form von Machbarkeitsstudien und Betreiberselektionsprozessen sowie Unterstützung im strategischen und operativen Asset Management. Gemeinsam mit Kollegen aus den Bereichen Law, Tax, Restructuring oder Consulting ergänzen sie tiefgehende fachliche Expertise mit langjähriger Markterfahrung und einem breiten Netzwerk.

Kontakt:

Robin von Bothmer
Tel.: 040-32015-4305
E-Mail: rvonbothmer@kpmg.com

Weitere Informationen unter: www.kpmg.de


 

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