David Fattal hat Israels größte Hotelkette aufgebaut. Seine Gruppe, zu der die Leonardo-Häuser gehören, zählt über 200 Betriebe. Mit Tophotel spricht der 61-Jährige über seinen Karrierestart als Page und sein Erfolgsrezept als Unternehmer.
Tophotel: Herr Fattal, Sie haben Ihre Karriere als Page begonnen. Wussten Sie gleich, dass die Hotellerie Ihre große Passion wird?
David Fattal: Ich habe zwei Jahre lang Hotelmanagement studiert und währenddessen als Page in einem Fünfsternehotel im israelischen Haifa gearbeitet. Ja, ich habe die Branche vom ersten Augenblick an geliebt – die Atmosphäre und den Glamour im Hotel. Aber vor allem die Arbeit mit Menschen, das hat mir schon immer gefallen. Mit den Gästen zu interagieren und sie glücklich machen zu können. Das bringt einfach Freude. Da hat es einfach Sinn gemacht, in der Hotellerie zu bleiben.
Wie hat es sich angefühlt, als Sie 1998 mit der Hotelmanagementfirma Fattal Hotels Ihr erstes Unternehmen gründeten?
Es war extrem aufregend, als ich damals mit der Firma anfing. Mir kam zugute, dass ich mir zuvor schon einen guten Ruf in der Branche aufgebaut hatte. Das brachte mir Kunden. Nach fünf Jahren hatte ich schließlich das größte Hotelmanagement-Unternehmen Israels. Kurz darauf begann ich, Hotels zu kaufen und die Fattal Hotel Group aufzubauen; seit 2006 sind wir mit den Leonardo Hotels auch in Deutschland vertreten. Und seit 2018 sind wir auch an der Börse in Tel Aviv notiert.
Heute sind Sie Inhaber der Fattal Hotel Group mit mehr als 200 Häusern in Israel, Deutschland, Großbritannien und weiteren Ländern. Hätten Sie je gedacht, dass Sie einmal Inhaber einer so großen Hotelkette sein würden?
Auf keinen Fall. Ich bin immer einen Schritt nach dem anderen gegangen. Als ich fünf Hotels besaß, wollte ich sechs. Als ich sechs mein Eigen nannte, wollte ich sieben, und so weiter. Alle im Unternehmen haben hart gearbeitet. Außerdem hatten wir auch ein wenig Glück auf unserem Weg.
Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Der Erfolgsfaktor Nummer eins sind die Menschen, die Mitarbeiter. Ich habe Top-Leute in meinem Unternehmen, das ist das Wichtigste. Viele von Ihnen sind schon seit Jahren in der Firma. Sie sind uns gegenüber loyal, und andersherum. Nur ein Beispiel: Wir haben vor Jahren einen Buchhalter für ein Hotel angestellt; heute ist derselbe Mann für 160 Häuser verantwortlich.
Mit welcher Philosophie leiten Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich bin der Überzeugung, dass man immer nur Einfluss auf zehn oder maximal 15 Menschen nehmen kann. Jeder von diesen 15 Mitarbeitern wird selbst wiederum
15 andere Personen beeinflussen. So wächst ein ganzes System heran. Die wichtigste Aufgabe des Managements ist es, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter zufrieden sind.
Nur dann können sie auch guten Service bieten, der wiederum die Gäste glücklich macht.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie viele Hotels wollen Sie 2030 im Portfolio haben?
Bis 2030 ist etwas zu weit gefasst. Was ich aber sagen kann: Bis in fünf oder sechs Jahren wollen wir unser Portfolio verdoppelt haben.
Das sind sehr ambitionierte Pläne …
Richtig. Doch unsere Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte zeigt, dass wir diese Ziele erreichen können.
Sie arbeiten seit Jahrzehnten in der Hotelbranche. Wie hat sich der Markt aus Ihrer Sicht verändert?
Der Markt ist offener für eine heterogene Klientel. Den chinesischen und indischen Tourismus beispielsweise gab es vor 20 Jahren noch nicht in dieser Form. Generell reisen immer mehr Menschen, und das immer öfter. Daher gibt es auch mehr Nachfrage nach Hotels und mehr Angebote.
Das heißt aber auch, dass die Konkurrenz am Markt wächst. Wie können sich Ihre Hotels behaupten?
Am wichtigsten ist, dass wir den Gästen eine tolle Experience bieten, und dass wir unser Hotelprodukt pflegen. Wenn das Produkt gut ist und die Mitarbeiter freundlich, sind unsere Gäste zufrieden. Und wenn wir das gewährleisten können, schlagen wir auch die Konkurrenz.
Der Druck bleibt dennoch … was machen Sie, um sich in Ihrem stressigen Beruf körperlich und seelisch fit zu halten?
Ich liebe meinen Beruf. Deshalb bringt die Arbeit immer Spaß. Aber ich mache auch viel Sport – gehe joggen oder ins Fitnessstudio.
Auch wenn Sie vorerst im Beruf bleiben wollen, stellt sich sicherlich auch für Sie irgendwann die Frage nach der Unternehmensnachfolge …
Ja, und da kann ich mich glücklich schätzen. Ich habe fünf Kinder. Meine drei Jungs arbeiten bereits im Unternehmen. Sie sind in Positionen in Israel tätig und machen allesamt einen fantastischen Job. So lernen sie langsam dazu und werden mehr und mehr Verantwortung übernehmen. Das ist wunderbar.