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Legoland GünzburgAlles Drache in der Burg

Das Legoland in Günzburg baut nicht nur eine Klötzchenwelt, sondern immer mehr Hotelbetten im eigenen Feriendorf. In diesem Jahr ging mit der Drachenburg das dritte Hotel auf dem Gelände neben dem Freizeitpark an den Start.

Von 0 auf 2.000 Übernachtungsplätze in acht Jahren: Das ist eine stolze Bilanz für ein Unternehmen, das sich früher mit dem Thema (Hotel-)Bau nur dann beschäftigt hat, wenn es darum ging, bunte Klötzchen übereinander zu schichten, um Modelle für die Miniatur-Welt zu basteln. Zu Saisonbeginn im Frühjahr hat das Legoland in Günzburg nun sein drittes Hotel im Feriendorf direkt neben dem Freizeitpark eröffnet. Die Drachenburg ist mehr oder weniger baugleich mit dem ersten Objekt, der Ritterburg, die 2013 an den Start ging. Komplettiert und zugleich dominiert wird der 136-Zimmer-Komplex von der großen Königsburg (2014), in der die gastronomische Infrastruktur mit Café/Bar und (Frühstücks-)Restaurant für die drei Häuser untergebracht ist. Das ist clever geplant, denn der Konzern spart Bau-, Unterhaltungs- und Personalkosten, wenn sich alles auf ein Objekt konzentriert. Allenfalls beim Frühstück kann es eng werden für die Gäste, obwohl Rührei, Würstchen, Käse und Co. im Zweischichtbetrieb auf den Tellern landen.

Bewusst haben sich die Verantwortlichen gegen eine Klassifizierung entschieden. »Wir wollen uns nicht mit vier Sternen positionieren. Was bei uns zählt, ist der Lego-Effekt«, erklärt Feriendorf-Direktor Christian Sichert. Was er meint, wird dem Besucher schon vor dem Betreten der Zimmer klar: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Hotel faucht den Gästen ein großer Drache aus orangen und roten Legosteinen entgegen. Den Empfang in der Drachenburg übernehmen zwei Ritter (natürlich auch aus Lego), die neben einem bunten Kamin wachen. Spätestens wenn die Zimmertür aufgeht, fühlt man sich selbst wie ein kleines Legomännchen, das in den Wettstreit um das Burgfräulein eingreift, der sich zwischen den Rittern auf der bunten Tapete abspielt. Nach dem Kampf kann sich der erschöpfte Gast-Ritter auf sein Bett legen, das mit mittelalterlichen Wappen auf Kissen und Überwurf geschmückt ist. Aber Vorsicht, knapp unterhalb der Zimmerdecke lauert ein Mini-Drache aus kleinen Klötzchen. In der Zwischenzeit haben die mitreisenden Kinder den Boden komplett mit Legosteinen ausgelegt und basteln an einem Abwehr-Heer, um den mutmaßlichen Drachenangriff parieren zu können. »Für unsere Gäste kann es nicht genug Lego sein«, begegnet Sichert etwaigen Bedenken, man könne die Leute überfrachten.

Das Lego-Prinzip zieht der Konzern auch in den Themenhäusern des Feriendorfes durch, wo Rennfahrer, Piraten und ebenso Ritter bis zum Einschlafen treu an der Seite bleiben. Jenen Gästen, denen abends nicht mehr nach bunten Klötzchen zumute ist, bleiben die mehr als 800 Übernachtungseinheiten auf dem Campingplatz, wo es neben klassischen Stellplätzen auch Campingfässer gibt. Das sind kleine, rundliche Behausungen ohne eigenes Bad, die ausschließlich zum Schlafen gedacht sind. Die Zeit kann man sich auf der Bowlingbahn, in den zwei weiteren Restaurants (Buffet und à la carte), im Hochseilgarten, beim Minigolf oder auf den 20 Spielplätzen vertreiben. Hier geht es den Verantwortlichen nicht nur darum, die Übernachtungsgäste so lange zu beschäftigen, bis sie hundemüde ins Bett fallen. Mit dem Feriendorf setzen sie auch bewusst auf die Anwohner im Umkreis, die abends die Restaurant-Plätze auffüllen oder Kugeln über die Bowlingbahn jagen sollen.

Das Feriendorf kämpft allerdings mit dem Problem, dass es im Winter, wenn der Park seinen Betrieb einstellt, ebenfalls schließen muss. Somit laufen intensive Kosten für Strom und Unterhalt weiter, ohne dass Erlöse generiert werden. Aber auch dafür gibt es einen cleveren Lösungsansatz: In den kalten Monaten sperrt Sichert regelmäßig für interessierte, vorwiegend einheimische Gäste auf, die auch mal eine Nacht mit Ritter oder Burgfräulein verbringen wollen, im Sommer aber Andrang und hohe Preise scheuen und letztlich ja auch das eigene Bett in Reichweite haben. So gibt es Arrangements mit Unterhaltungsprogramm für Kinder am Nachmittag und leckeres Essen am Abend. Außerdem öffnen im Winter auch die beiden Restaurants samt zugehöriger Bowlingbahn und es gibt Sonntagsbrunch an ausgewählten Terminen.

Wie erfolgreich das Konzept mit Park und Feriendorf ist, lässt sich letztlich nur erahnen. Da die Muttergesellschaft, die Merlin Entertainments Group, die in Großbritannien sitzt und Dutzende Parks und Freizeiteinrichtungen in Europa betreibt, ein börsennotiertes Unternehmen ist, wird nicht übers Geschäft gesprochen. Es gibt noch nicht einmal offizielle Besucherzahlen für das Legoland. Auch die Zimmerauslastung bleibt geheim. Lediglich wenn man sich durch die Hintertür nähert, kommt ein wenig Licht ins Dunkel.

Die Stadt Günzburg, auf deren Gemarkung das Legoland liegt, verzeichnete für 2015 exakt 210.901 Übernachtungen, die zum allergrößten Teil auf das Feriendorf zurückzuführen sind. »Unsere Auslastung war nach jeder Hotel-Eröffnung so, dass wir gesagt haben: Wir müssen weiterbauen«, sagt Sichert. Mit jedem Neubau hat sich Lego erstmal den Groll der Hotelpartner eingehandelt, die befürchteten, das könnte ihr Geschäft schmälern. »Aber der Kuchen ist jedes Jahr größer geworden«, verrät Sichert. Das Legoland arbeitet mit rund 20 Hotels im weiten Umkreis zusammen. Mit dabei sind nach Angaben des Unternehmens auch hochkarätige Häuser wie das Maritim in Ulm und Hotels in Augsburg.

Auch das Mitarbeiter-Thema geht der Konzern mittlerweile mit voller Schlagkraft an. Zwar hat Sichert in Bewerbungsgesprächen immer ein gutes Argument, das in der Gastronomie Gold wert ist: Egal ob Koch oder Kellner, die Mitarbeiter genießen geregelte Arbeitszeiten. Wer im Park bedient oder am Herd steht, wechselt anschließend nahtlos in die Restaurants und Küchen des Feriendorfes und hat eine durchgehende Schicht ohne Unterbrechung. Doch das reicht angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland längst nicht mehr aus. Deshalb baut Lego gerade Personalhäuser direkt neben dem Park mit 60 Einzelzimmern und einem gewissen Komfort. Erfahrungen im Hotelbau hat man ja mittlerweile zuhauf …

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