Laurence Mehl (Moa Group) "Bis Ende 2022 sind wir das erfolgreichste Tagungshotel in Berlin."

Laurence Mehl, Moa Berlin (Bild: Chapeau Hotels)

Nach 20 Jahren als Geschäftsführer in der Verlagsbranche ist Laurence Mehl seit 2017 geschäftsführender Gesellschafter der Moa Group. Im Tophotel-Interview spricht er über seine Eindrücke von der Hotelbranche, über die Visionen der Gruppe, den Veränderungsdruck durch die Digitalisierung und die großen Chancen, die sich daraus ergeben.

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Tophotel: Herr Mehl, in Ihrem Linked-In-Profil steht Transformation Manager als Berufsbezeichnung. Was transformieren Sie?
Laurence Mehl: Unternehmenskultur. Für mich ist das die Summe aller Gewohnheiten aller Mitarbeiter. Transformation heißt, einen Zustand in einen anderen zu überführen. Die Aufgabe ist, eine Ansammlung von Menschen mit ihren vielen einzelnen Gewohnheiten so als Gruppe in eine Veränderung zu führen, dass die Unternehmenskultur nachher eine andere ist als vorher – und wichtig: besser als vorher.

Was verstehen Sie unter besser?
Dass mehr Verbundenheit da ist, mehr Energie im System ist, mehr Fokus, mehr Orientierung – dass alle wissen, wo es hingeht. Eine Unternehmenskultur-Transformation setzt eine enorme Kraft frei, und das zeigt sich dann auch in den Zahlen.

Sie haben lange als Geschäftsführer im Verlagswesen gearbeitet, seit 2017 sind Sie nun als Geschäftsführender Gesellschafter in der Hotelbranche tätig.
Aktuell hat unsere Moa Group zwei Häuser: das Hotel Heidegrund in Niedersachsen, ein ländliches Hotel mit bald 108 Zimmern und 1.200 Quadratmetern Konferenzfläche, und das Mercure Moa Berlin mit 344 Zimmer und 7.000 Quadratmetern Konferenzfläche. Wir sind zu dritt bei der Gruppe: Alexander Wendeln, der Gründer unseres Unternehmens und ein Studienfreund von mir, kümmert sich um die Immobilienthemen. Johannes Rohde verwaltet die Unternehmenszentrale und ist für die IT zuständig. Er ist Digital Native und kennt sich mit allen technischen Systemen am besten aus. Ich kümmere mich um die Operations, also um die beiden Hotelbetriebe, Weiterentwicklung, Marketing.

Welche Weiterentwicklungen streben Sie an?
Bis Ende 2022 sind wir das erfolgreichste Tagungshotel in Berlin. Das ist die Vision für das Moa Hotel hier, mit Paolo Masaracchia als erfahrenem Direktor. Für die Moa Group sind die Überlegungen, dass wir mit dem Hotel von den Tech Stacks und allen Abläufen eine Blaupause schaffen, die wir dann transportieren wollen. Das Gebäude ist eine Mixed-Use-Immobilie, eine innerstädtische Shopping Mall, Hotel und Coworking-Space. Das Konzept ist: Meet. Stay. Work. Eat. – Wir glauben an die sich gegenseitig verstärkenden Kräfte. Wenn das alles ausgereift ist und funktioniert, dann wollen wir das Moa Berlin auf andere Städte übertragen.

Was sind Ihre Eindrücke von der Hotelbranche?
Ich lerne fast nur Idealisten kennen, das finde ich beeindruckend. Im Hospitality-Bereich wollen viele Menschen wirklich das Leben der Gäste besser machen. Grundsätzlich ist es eine ganz tolle Zeit für die Hotellerie, und man kann glücklich sein, darin zu arbeiten – es ist eine Wachstumsbranche. Gepaart allerdings mit der Warnung, bei all dem Wohlfühlsicherheitspolster nicht aus dem Blick zu verlieren, dass ein Veränderungsdruck durch Digitalisierung erfolgen wird. Und das ist nur eine Frage der Zeit. Ich glaube, dass Hoteliers gut beraten sind, sich dem Thema mit Priorität zu widmen. Und dann aus der Position der Stärke heraus zu gestalten.

“Die Frage danach, ob es notwendig ist, stellt bei uns keiner, nur: Wie schnell kriegen wir es hin?“
Laurence Mehl

Welchem Thema räumen Sie zum Start ins Jahr 2020 Priorität ein?
Was mich besonders umtreibt: digitale Innovationen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie, wenn man sie richtig einsetzt, wie eine Perlenkette sind. Sie führen zu mehr Produktivität oder auch zu mehr Kundenservice. Bekomme ich das hin, bin ich wettbewerbsfähiger. Wenn ich wettbewerbsfähiger bin, bin ich erfolgreicher. Das ist die Logik, der wir hier folgen. Das wiederum bedeutet, selbst in einem so jungen Unternehmen wie der Moa Group, dass eingefahrene Wege, liebgewonnene Gewohnheiten auf den Prüfstand kommen und teilweise auch ersetzt werden.

Welche digitalen Innovationen setzen Sie in Ihren Häusern ein?
Handhelds im Restaurant. Die Bestellung wird damit aufgenommen, und während der Mitarbeiter noch am Tisch ist, kommen schon die Getränke. Das erspart einen Weg. Ein Produktivitätsvorteil. Und ich kann zum Beispiel meinen besten Mitarbeiter mit dem Gerät nur noch draußen zum Verkaufen einsetzen, weil der am charmantesten am Kunden ist. Online Check-in, wo ich direkt bis ins Zimmer komme, ist ein weiteres Thema, das für mich auf der Liste steht. Daran arbeiten wir gerade.

Halten Sie die Digitalisierung für die aktuell größte Herausforderung in der Hotellerie?
Ich glaube, dass es eine kritische Herausforderung ist, eine zentrale. Es gibt einen großen Trend hin zur Individualisierung, die Leute möchten personalisierte Lösungen haben. Um das optimal zu bedienen, brauchen wir im Hintergrund ganz dezent, aber super laufende technische Systeme. Da steht die ganze Branche vor einer großen Herausforderung. Weil wir viele Gewohnheiten und Softwarelösungen haben, die noch aus einer anderen Zeit kommen. Das ist etwas, womit wir uns sehr intensiv befassen: Wie bekommen wir es hin, dass wir agiler Techniken für uns nutzen können, und zwar nicht um der Technik willen, sondern um unser Geschäft besser, zielgerichteter, nutzfreundlicher, verführender, leichter, spaßvoller zu gestalten. Je kleiner das Hotel, je schneller und flexibler kann man diese Umstellungen machen.

Dreigespann (v.l.): Alexander Wendeln, Johannes Rohde und Laurence Mehl teilen sich die Themen Immobilien, IT und Operations auf.

Was raten Sie Hoteliers zum Thema Digitalisierung?
Revenue-Management ernst zu nehmen, bei Bedarf auch einen Dienstleister hinzuzuziehen, sich ernsthaft mit dem Thema zu befassen und dann den Mut zu haben, intern Veränderungen durchzuführen. Da reden wir dann von einem richtigen Transformationsprozess. Daran glauben und investieren. Die Frage, ob es notwendig ist, stellt bei uns keiner, nur: Wie schnell kriegen wir es hin?

Sie haben einmal gesagt: „Mein Berufsleben ist begleitet vom Veränderungsdruck durch die Digitalisierung.“ Gilt das nach wie vor?
Das kommt noch aus meiner Zeit im Verlagswesen. Wenn eine Vision positiv ist und alle dahin möchten, dann erzeugt das eine Zugkraft, dann gibt es einen Veränderungszug. Die Masse an Hotels ist gefangen in alten Gewohnheiten, was die Technik angeht, und vielleicht zu langsam für den digitalen Innovationsprozess. Wenn ich als Hotel einfach so weitermache und nicht in die Veränderung gehe, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Druck so groß wird, dass ich gar nicht mehr anders kann. Und ich glaube, dass die Branche an einem ganz spannenden Punkt ist, wo dieser Veränderungsdruck gerade entsteht.

Welchen Gedanken haben Sie aus der Zeit im Verlagswesen noch mitgenommen?
Einen Kulturtransformationsprozess mit professioneller Begleitung durchzuführen; da habe ich gemerkt, wie viel Kraft es entfalten kann, eine Teamstruktur aufzubauen, Leute ins persönliche Wachstum zu führen, damit sie in der Lage sind, Veränderungen aktiv zu gestalten. Unser Ansatz bei der Moa Group ist eine Kultur des Füreinanders. Wir haben ein Wertesystem definiert, an dem wir uns alle orientieren wollen: Wertschätzung, Aufrichtigkeit, Mut zur Weiterentwicklung, Verantwortung.

Wie kam es zu Ihrem Branchenwechsel?
Meine Frau und ich sind seit 1988 zusammen, wir haben früh Kinder bekommen und beide ganz bewusst entschieden: Wenn sie aus dem Haus sind, dann wollen wir uns neu entdecken. Ich habe als angestellter Geschäftsführer zuletzt 90 Firmen geführt, und jetzt ist es sehr spannend für mich, auf eigene Kappe, mit eigenem Geld zu arbeiten. Ich kann Themen, an die ich glaube, nachhaltiger umsetzen. Ich hatte einfach Lust, etwas Neues zu machen.
Interview: Katharina Pütter


Zur Person: Laurence Mehl schloss 1996 sein Wirtschaftsstudium an der Universität Osnabrück als Diplom-Kaufmann ab. Im Verlagswesen war er danach Geschäftsführer der Neuen Westfälischen, der Funke Mediengruppe, der Verlagsgruppe Handelsblatt und schließlich von 2010 bis 2016 der NOZ Medien. Seit 2017 fungiert der 50-Jährige als Geschäftsführender Gesellschafter der Moa Group (ehemals Chapeau Hotels). Mit seinen Partnern Alexander Wendeln und Johannes Rohde betreibt er aktuell das Mercure Moa Berlin mit 344 Zimmern und 7.000 Quadratmetern Konferenzfläche sowie das Hotel Heidegrund im niedersächsischen Garrel mit bald 108 Zimmern und 1.200 Quadratmetern Konferenzfläche.

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