Anzeige
Anzeige
Anzeige
Start Technik & Betrieb Klima & Energie Lademöglichkeit für E-Autos bieten: Was ist bei Aufbau und Betrieb zu beachten?

Lademöglichkeit für E-Autos bietenWas ist bei Aufbau und Betrieb zu beachten?

Die Zahl an Elektrofahrzeugen soll nach dem Willen der Bundesregierung weiter steigen. Solch ein elektromobiler Untersatz benötigt aber auch eine Lademöglichkeit. Wollen Hoteliers und Gastronomen ihren Gästen Ladepunkte anbieten, gilt es einiges zu beachten, wie Christopher Kirschbaum von Chargecloud ausführt.

„Das Angebot und der Betrieb von Ladesäulen ist für Unternehmen zunächst mit vielen Fragen verbunden. Diese so früh wie möglich, auch für die langfristige Vision des Unternehmens zu beantworten, ist jedoch der Schlüssel für einen erfolgreichen Einstieg in den Markt“, sagt Christopher Kirschbaum. Der Experte für E-Mobilität und Ladeinfrastruktur berät beim E-Mobility- und IT-Dienstleister Chargecloud Unternehmen verschiedenster Branchen. Der Dienstleister bietet zum Beispiel Abrechnungslösungen für Ladepunkte.

Ist nicht von Anfang an klar definiert, welche Ziele das Unternehmen in Punkto E-Mobilität verfolgt, sind kostenintensive Umrüstungen eine mögliche Folge, so der Experte. Bevor die Unternehmen also kalkulieren, wie viele Ladepunkte sie bräuchten, sollten sie für sich einige grundlegende Fragen beantworten. Christopher Kirschbaum hat daher neun solcher Fragen und Antworten rund um den Aufbau von Ladesäulen zusammengestellt.

1. Ist ausreichend Zeit für das Vorhaben eingeplant?

Zum einen sollten die Unternehmen ausreichend Zeit einplanen, erklärt Kirschbaum. Wer das Thema Ladeinfrastruktur innerhalb eines Quartals abhaken möchte, sollte bereits in der Zeitplanung einige Korrekturen vornehmen. Von der Entscheidung bis hin zur Inbetriebnahme und finalen Nutzung können schnell bis zu zwölf Monate vergehen. Sowohl Baugenehmigungen als auch die nötige Netzbereitstellung für die benötigte Kapazität der Ladesäulen machen das Vorhaben zu einem mittel- bis langfristigen Projekt.

2. Welche Förderungen stehen dem Unternehmen zu?

Außerdem sollte das Unternehmen berücksichtigen, ob es eine Förderung erhalten kann, rät der E-Mobility-Experte. Oder auch, ob sich das Projekt für den nächsten Förderaufruf der Bundesregierung eignet. Allein in den vergangenen drei Jahren förderte das Bundesverkehrsministerium (BMVI) den Aufbau von 22.400 Ladesäulen.

Es unterstützt dabei die Ladesäulen-Hardware, den Netzanschluss sowie Modernisierungsmaßnahmen an bestehender Ladeinfrastruktur mit Förderquoten von bis zu 60 Prozent. Sollen Fördergelder genutzt werden, darf oftmals mit dem Bau der Ladeinfrastruktur erst nach der Genehmigung begonnen werden

3. Gilt die geplante Ladeinfrastruktur als öffentlich zugänglich?

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist laut Kirschbaum, ob die Ladepunkte öffentlich zugänglich sind. Und sei es auch nur theoretisch: Sind die geplanten Ladesäulen öffentlich zugänglich, beispielsweise in einem Parkhaus, unterliegt das Projekt automatisch der gesetzlichen Ladesäulenverordnung.

Diese birgt zusätzliche Anforderungen an Hard- und Software. Beispielhaft nennt der E-Mobility-Experte die Eichrechtskonformität oder die vorgeschriebene Möglichkeit, einen Ladevorgang ad-hoc oder ohne Vertragsbeziehung starten zu können. Diese Klassifizierung bedinge bereits die nächste grundsätzliche Frage.

4. Wer wird die Ladesäulen nutzen?

Wessen E-Fahrzeug soll die Säule in Zukunft laden? Wird es sich dabei ausschließlich um den internen Fuhrpark handeln? Sollen mehrere Personen die Ladestationen nutzen, bedarf es bereits einer Authentifizierung der einzelnen Nutzer.

Auch wenn die Möglichkeit bestehen soll, eine Rechnung für den geladenen Strom zu stellen, muss das Unternehmen dies in der Planung entsprechend berücksichtigen. Unternehmen, die mit ihrem Vorhaben mehr als nur die Versorgung ihrer eigenen Flotte planen, benötigen eine Software, die alle Informationen über den Ladevorgang bis hin zur Abrechnung abbildet, so Kirschbaum.

5. Welche Marktrolle nimmt das Unternehmen ein?

Außerdem sollte sich das Unternehmen überlegen, welche Marktrolle es beim Thema Ladesäule einnehmen will, führt der Experte den nächsten Punkt an. Der Betrieb einer Ladesäule und die Bereitstellung des dort geladenen Stroms sind zwei Rollen, die sich voneinander getrennt etabliert haben.

Ladeinfrastrukturbetreiber oder „CPO“ (Charge Point Operator) sind für die Installation und den Betrieb einer Ladeinfrastruktur verantwortlich. Davon zu unterscheiden sind Elektromobilitätsanbieter oder „EMP“ (E-Mobility Provider). Diese bieten den Fahrern einen Zugang zur Ladeinfrastruktur über einen sogenannten Fahrstromvertrag. Das ist einem Vertrag ähnlich, wie man ihn von seinem Hausstromanbieter kennt.

Mit den unterschiedlichen Marktrollen sind auch andere Aufgaben verbunden, erklärt Kirschbaum. Die EMPs verantworten im Regelfall das Kundenmanagement wohingegen der CPO den technischen Betrieb sicherstellt. Viele Unternehmen und Stadtwerke fungieren simultan als EMP wie auch als CPO.

6. Welche technischen Spezifikationen muss die Ladeinfrastruktur haben?

Abhängig von den technischen Möglichkeiten der anzuschaffenden Ladeinfrastruktur, dem Fahrprofil sowie dem Nutzerverhalten ergeben sich weitere Aspekte für die Planung, führt der Experte aus. Mit welchem Fahrzeugtyp wird die Ladesäule beispielsweise genutzt werden? Welche Ladeleistung hat das Fahrzeug, ist es schnellladefähig? Wann soll geladen werden und welche Zeit steht zum Laden des Fahrzeuges zur Verfügung?

Die Antworten auf diese Fragen klären, welche Ladeleistung angebracht ist und ob eine AC-Ladesäule (AC: Wechselstrom) ausreicht oder eine DC-Ladesäule (DC: Gleichstrom) besser geeignet ist. Um hier Fehlern vorzubeugen, sollte die zu erwartende Anzahl der Ladevorgänge sowie die notwendige Leistung im Vorfeld definiert werden, rät Kirschbaum.

7. Sind die baulichen Anforderungen gegeben?

Ob öffentlich zugänglich oder nicht – die Liste baulicher Anforderungen ist lang und detailliert, führt er einen weiteren Punkt an. Diese gelte es ebenfalls zu beachten. So ist der Schutz vor Umwelteinflüssen ebenso beschrieben wie zulässige Umgebungstemperaturen und Luftfeuchtigkeit. Ist eine Authentifizierung des Fahrers an der Ladesäule erforderlich, um die Ladevorgänge zu monitoren, muss eine WLAN- oder Mobilfunkanbindung vorhanden oder möglich sein.

8. Sind Hard- und Software interoperabel?

Ein weiterer Aspekt ist die sogenannte Interoperabilität: Dass Hard- und Software miteinander kommunizieren können, ist nicht nur Grundvoraussetzung für Ladevorgänge, für die das Unternehmen später eine Rechnung stellen will. Auch für das Roaming und Lastmanagement bedarf es eines gemeinsamen Protokolls, erläutert der Experte.

Proprietäre Ladestationen, die nicht mit dem Standard OCPP-Protokoll betrieben werden können, seien in ihrer Flexibilität stark eingeschränkt, wenn es darum gehe, flexible und herstellerübergreifende Abrechnungssysteme einzusetzen. Das OCPP, also Open Charge Point Protocol, ist ein offenes Kommunikationsprotokoll zum Management von Ladeinfrastruktur.

9. Ist die Datensicherheit bei allen Vorgängen garantiert?

Und zuletzt nennt Kirschbaum noch das Thema Datensicherheit: Das Umsetzen der Datensicherheit und der Schutz der persönlichen Daten müssen nach gesetzlichen Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes, den Landesdatenschutzgesetzen und der Europäischen Datenschutzkonvention erfolgen. Das Hosting und die Verarbeitung der Daten in europäischen Rechenzentren sei damit ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Software-Partners, so der Experte.

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link