Rund 2.000 Gastgeber wollen am Brandenburger Tor ein Signal an die Politik senden. Was die Veranstalter geplant haben.
Rund 2.000 Menschen werden am Montag am Brandenburger Tor in Berlin erwartet – zu einer Kundgebung für den Erhalt von 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie. Veranstalter ist der Gastronom Kemal Üres aus Hamburg. Der Kundgebung angeschlossen haben sich laut Üres auch Branchenverbände, wie der Dehoga Bundesverband.
Üres sagte Tophotel: "Es wird keine klassische Demo, sondern eine Kundgebung, mit der wir mit Gleichgesinnten, dem Mittelstand, kleinen Gastronomen, aber auch Verbänden ein Zeichen setzen wollen." Es dürfe nicht werden wie in Amerika, wo nur noch Systeme überleben könnten, sagt Üres. "Und die Kleinen, die sich über Jahre aufgebaut haben, es in dem System einfach nicht mehr schaffen, zu überleben."
Die nächsten Wochen seien entscheidend – wenn die Fraktionen im Bundestag sich verständigen müssen, ob der reduzierte Mehrwertsteuersatz ab 2024 verlängert wird. Die 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie laufen nach bisherigem Stand Ende dieses Jahres aus.
Kundgebung soll Zeichen setzen – die nächsten Wochen sind entscheidend
Deswegen hat Kemal Üres seine Aktion am Montag in Berlin "Rettet die Vielfalt" genannt und die Initiative „Vereint für die Gastro“ gegründet. Darin machen sich mehrere Gastronomie-Unternehmen stark dafür, die Politiker zu überzeugen, die 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen dauerhaft zu erhalten. Mitstreiter seien zum Beispiel der Großhändler Transgourmet, die Metro AG, die Fastfood-Restaurantkette McDonald's, und der Lebensmittelhändler Edeka und Handelshof.
"Eine Solidaritätskundgebung für die Branche, eine friedliche Feier der Vielfalt, mit 'Menschen in Kochjacken'."
Kemal Üres,Veranstalter "Vereint für die Gastro" und Gastronom aus Hamburg
Üres will mit seiner Kundgebung am Montag um 13 Uhr am Brandenburger Tor die Kräfte der Branche bündeln. Der Unternehmer erwartet Teilnehmer aus ganz Deutschland zu einer Solidaritätskundgebung für die Branche. Eine "friedliche Feier der Vielfalt" sagt er, mit "Menschen in Kochjacken". Damit es bunt wird, sollen bis zu 800 farbige Ponchows verteilt werden. "Wir wollen damit eine Signalwirkung erzeugen", sagt Üres. Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges, der Chief HoReCa Officer der Metro AG, Martin Behle, Lieferando-Geschäftsführerin Katharina Hauke und einzelne Gastronomen werden Reden halten.
Dehoga startet Allianz der Verbände für 7 Prozent – 185.000 Menschen unterzeichnen Petition
Eine Allianz für den Erhalt von 7 Prozent hat auch der Dehoga Bundesverband gestartet: 17 Verbände haben sich zusammengeschlossen – aus der Systemgastronomie, dem Tourismus, dem Brauereigewerbe, der Veranstalter- und Ausstellerbranche, Caterer und Immobilienbereich. Gemeinsam appellieren sie an die Politik, das Speisen einheitlich mit 7 Prozent besteuert werden sollten. "Nur das ist fair und gerecht", so die Verbände. Sie befürchten ein massives Restaurantsterben, wenn der Mehrwertsteuersatz ab Januar 2024 wieder auf 19 Prozent steigt. Rund 185.000 Menschen haben inzwischen auch die Petition des Dehoga unterzeichnet. Schon seit dem Sommer wirbt der Verband mit Videos, Plakaten und Veranstaltungen für den Erhalt der 7 Prozent.
Initiative "Vereint für die Gastro" im Oktober in Hamburg gestartet
Seine Initiative hatte der Gastronom Kemal Üres im Sommer in den sozialen Netzwerken gestartet. Zuerst mit einem eigenen Lied, im Oktober folgte dann eine Plakat-Aktion in Restaurants im Schanzenviertel in Hamburg. Mit Plakaten, Aufklebern und Tischaufstellern wollen die Gastgeber die Gäste und Passanten auf ihre Sorge aufmerksam machen: Sie befürchten ein Restaurant- und Kneipensterben.
Gastronom Kemal Üres ist als Unternehmer seit mehr als 25 Jahren in verschiedenen Bereichen tätig, sagt er. Einmal in der Gemeinschaftsverpflegung: mehrere Tausend Kita-Essen produziere sein Unternehmen täglich, aber auch gehobene Küche und Fast Casual Küche gehörten dazu. In der Corona-Pandemie habe er begonnen, anderen Unternehmern über die sozialen Netzwerke gastronomische Tipps zu geben. Unter dem Namen "Der Gastroflüsterer" ist er seitdem auf der Plattform Linkedin viral gegangen, mehr als 7.000 Nutzer folgen ihm inzwischen.