Energie Küchenabluft clever nutzen

Die Nutzung von Abluft birgt großes Potenzial – besonders in Hotels mit gewerblicher Küche. Richtig eingesetzt, kann sie den Energieverbrauch deutlich senken und Betriebskosten sparen.
Die Nutzung von Abluft birgt großes Potenzial – besonders in Hotels mit gewerblicher Küche. Richtig eingesetzt, kann sie den Energieverbrauch deutlich senken und Betriebskosten sparen. © stock.adobe.com/izikmd

Die Idee, Abluft in Gebäuden zu nutzen, ist fast so alt wie die Heizung selbst. Doch die Umsetzung scheitert oft an Details. Für Hotels mit gewerblicher Küche kann die Abluftnutzung jedoch ein echter Gamechanger sein. Energieberater Andreas Hettwer von Enerdies erläutert, wann dies der Fall ist und wie Hoteliers davon profitieren können.

Es ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, in gewerblichen Küchen für ausreichend Frischluft zu sorgen. Aus gutem Grund: Erstens geht es um den Komfort der Mitarbeitenden, die bei hoher Hitze und Dampfbelastung unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen. Vor allem aber spielt der Brandschutz eine zentrale Rolle. Wird nicht ausreichend gelüftet, sammeln sich Aerosole, Fettpartikel und andere brennbare Bestandteile in der Luft. Diese Mischung kann sich durch heiße Oberflächen oder offene Flammen entzünden und damit zur ernst zu nehmenden Gefahr werden.

Deshalb gelten für Küchen besonders hohe Luftwechselraten, die deutlich höher sind als in anderen Bereichen. Diese große Luftmenge muss in der Heizperiode natürlich vorgewärmt werden. Gewerbliche Küchen produzieren also viel mehr Abluft pro Quadratmeter als andere Nutzungsformen. Und genau das macht sie so interessant: Nirgendwo sonst entsteht so viel warme Abluft wie hier. Entscheidend ist jedoch, wie diese Energie genutzt wird.

Mit Abluft heizen: oft überflüssig

Viele gewerblichen Küchen arbeiten immer noch mit Lüftungsanlagen ohne Wärmerückgewinnung. Dabei wird buchstäblich Geld aus dem Fenster geblasen. Trotzdem lohnt sich der nachträgliche Einbau nicht in jedem Fall. Ist die bestehende Anlage bereits alt, kommt meist nur ein kompletter Austausch infrage – und der ist teuer. Die Rückgewinnung allein kann diese Investition oft nicht rechtfertigen. Denn die Technik hat Grenzen: In Küchen liegt die Abluft meist zwischen 30 und 50 Grad. Diese Wärme reicht weit über das hinaus, was zur Vorerwärmung der Zuluft nötig wäre. Zudem produzieren die Kochprozesse ohnehin so viel Wärme, dass zusätzliche Erwärmung oft überflüssig ist.

Und das gilt nur für die Heizperiode. Im Sommer bringt Wärmerückgewinnung gar nichts – dann wird keine warme Zuluft gebraucht. Hotels haben jedoch nicht nur einen hohen Heizbedarf, sondern ganzjährig auch einen konstanten Bedarf an Warmwasser. Es liegt also nahe, die warme Abluft aus der professionellen Küche zur Warmwasserbereitung zu nutzen. Das funktioniert über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Sie arbeitet wie eine herkömmliche Wärmepumpe, nutzt jedoch neben der Außenluft auch die warme Küchenabluft als Energiequelle. Der technische Aufwand dafür ist gering.

Warmwasser: immer gebraucht

Ein weiterer Vorteil: Wärmepumpen zur Warmwasserbereitung sind vergleichsweise günstig. Die Investitionskosten bleiben überschaubar. In Zeiten steigender Energiekosten und knapper Budgets ist das ein entscheidendes Argument. Wichtig ist allerdings ein durchdachtes Gesamtkonzept. Bevor eine solche Wärmepumpe installiert wird, sollte geklärt sein, wie das Hotel langfristig seine Heizungs- und Energieversorgung modernisieren will. Nur dann lässt sich die Anlage sinnvoll in das Gesamtsystem integrieren und teure Doppelinvestitionen vermeiden.

Andreas Hettwer
Andreas Hettwer. - © Enerdies

Zur Person

Andreas Hettwer ist Energieeffizienzexperte mit Schwerpunkt auf Hotels. Nach dem Studium des Bauwirtschaftsingenieurwesens und einem Master in Facility Management sammelte er von 2005 bis 2011 umfangreiche Erfahrungen bei einem mittelständischen Generalunternehmer. Anschließend war er bis 2022 als selbstständiger Planer und Energieeffizienzexperte tätig. Seit 2022 konzentriert er sich auf die Beratung zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Mit seinem Team begleitet er bei Enerdies jährlich 50 Hotels. Hettwer ist zugelassener Auditor für die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und von der Deutschen Energie-Agentur (dena) anerkannter Experte für Nichtwohngebäude und Denkmäler.