Personal Krankenstand in der Hotellerie bleibt auf hohem Niveau

Krankmeldungen belasten die Personalplanung in vielen Hotelbetrieben.
Krankmeldungen belasten die Personalplanung in vielen Hotelbetrieben. © Adobestock.com/Zerbor

Beschäftigte in Hotels, Pensionen und Gasthöfen waren 2025 häufiger krankgeschrieben als noch vor zehn Jahren. Eine Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg zeigt, welche Belastungen die Branche besonders treffen.

Der Krankenstand in der Hotellerie liegt weiterhin deutlich über dem Niveau von vor zehn Jahren. Im Rheinland betrug er 2025 nach Daten der AOK Rheinland/Hamburg 5,9 Prozent. Damit waren im Durchschnitt täglich knapp sechs von 100 Beschäftigten krankgeschrieben. Gegenüber 2015, als der Wert bei 4,6 Prozent lag, entspricht das einem Anstieg um rund 26 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich allerdings eine leichte Entspannung: 2024 hatte der Krankenstand im Hotelpersonal zwischen Rhein und Ruhr noch 6,1 Prozent betragen. Auch landes- und bundesweit gingen die Werte zurück. In Nordrhein-Westfalen sank der Krankenstand von 5,9 auf 5,7 Prozent, bundesweit von 5,3 auf 5,2 Prozent.

Die Auswertung umfasst unter anderem Beschäftigte in den Bereichen Hotel- und Gastronomieservice, Küche sowie Reinigung. Nicht erfasst sind dabei kurzfristige Ausfälle, für die keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegt.

Nach Corona deutlich höheres Fehlzeiten-Niveau

Während der Corona-Jahre war der Krankenstand in der Branche wegen Lockdowns und Kurzarbeit stark gesunken. Im Rheinland lag er 2020 bei 3,8 Prozent und 2021 bei 3,7 Prozent. Nach dem Ende der Pandemie stiegen die Fehlzeiten deutlich an und bewegen sich seither oberhalb des Vorkrisenniveaus.

Nach Einschätzung der AOK könnte auch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zur Entwicklung beigetragen haben. Durch die eAU würden krankheitsbedingte Ausfälle statistisch vollständiger erfasst als zuvor.

Grundsätzlich liegt der Krankenstand in der Hotellerie laut AOK Rheinland/Hamburg trotz der jüngsten Entwicklung traditionell etwas unter dem Durchschnitt aller berufstätigen AOK-Versicherten. Als Grund nennt die Krankenkasse die vergleichsweise junge Belegschaft: Das Durchschnittsalter liegt unter 40 Jahren, fast 30 Prozent der Beschäftigten sind jünger als 30 Jahre.

Psychische Erkrankungen überholen Atemwegserkrankungen

Besonders auffällig sei die Entwicklung bei psychischen Erkrankungen. Sie verursachten 2025 im rheinischen Hotelgewerbe 15,9 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage und lagen damit vor Atemwegserkrankungen mit 15 Prozent. Vor zehn Jahren hatten psychische Störungen lediglich einen Anteil von 4,7 Prozent an den AU-Tagen. Ihr Anteil hat sich damit in diesem Zeitraum mehr als verdreifacht.

Den größten Anteil der Fehlzeiten verursachten weiterhin Muskel-Skelett-Erkrankungen: Sie standen für 19,4 Prozent der AU-Tage. Die Zahlen unterstreichen die gesundheitlichen Belastungen im Hotelalltag, der häufig durch körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten, Schichtarbeit, Zeitdruck und personelle Engpässe geprägt ist.

„Die Arbeit im Hotelgewerbe erfordert ein hohes Maß an körperlicher Belastbarkeit und emotionaler Resilienz“, erläutert Michael Wenninghoff, Geschäftsführer des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg. Fachkräftemangel, Mehrarbeit und Zeitdruck könnten sich unmittelbar auf die Gesundheit der Beschäftigten und damit auf die Fehlzeiten auswirken.

Für Betriebe gewinnt die betriebliche Gesundheitsförderung damit weiter an Bedeutung. Die AOK Rheinland/Hamburg verweist dabei auf Unterstützungsangebote etwa zu Stressmanagement, Ernährung und Rückengesundheit. red/brg