Millionenprojekt im Chiemgau So plant Graf von Moltke sein Chalet-Dorf

Gut Steinbach

Eine persönliche Herzensangelegenheit einerseits, ein wegweisendes Vorzeigeprojekt für die Branche auf der anderen Seite: Klaus-Dieter Graf von Moltke entwickelt derzeit in den Chiemgauer Alpen ein millionenschweres Hotelprojekt der Extraklasse, das sich nur schwer kategorisieren lässt. Wird es ein Hotelresort? Ein Landgut? Ein
 Refugium? In jedem Fall wird
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Elvira, Egon, Tino, Moni und Michae
la führen ein beschauliches Leben: Kaum etwas, das die Ruhe auf dem Sonnen-Plateau stört, Platz ohne Ende und eine Aussicht zum Niederknien. Letzteres dürfte ihnen allerdings relativ egal sein, schließlich handelt es sich bei der zotteligen Gruppe um rund 400 Kilogramm schwere Yaks. Klaus-Dieter Graf von Moltke und seine Frau Susanne kennen sie alle beim Namen, ebenso die Ziegen und die Schweine, die sich das 510.000 Quadratmeter große Areal zusammen mit Hühnern und anderen Tieren teilen. Mehr als Menagerie denn als Bauernhof sehen Graf und Gräfin das lebhafte Treiben auf Gut Steinbach, das zwar nur zwei Kilometer vom Zentrum Reit im Winkls entfernt liegt, aufgrund seiner Alleinlage aber eine eigene Welt für sich bildet. Oder wie Klaus-Dieter Graf von Moltke es ausdrückt: »Es ist ein magischer Ort. Wenn Sie dort oben sind, haben Sie das Gefühl, dass die Pulsfrequenz um zehn Punkte nach unten geht.«

Eher durch Zufall entdeckte der Eigentümer des Relais & Châteaux Park-Hotel Egerner Höfe am Tegernsee das Areal mitsamt dem sich dort befindlichen, heruntergekommenen Steinbacher Hof, den er im November 2010 zusammen mit unfassbaren 51 Hektar Land – davon 35 Hektar Wald – gekauft hat. Der gebürtige Südhesse hatte von Anfang an eine klare Vorstellung von dem, was hier entstehen sollte: ein wegweisendes Vorzeigeprojekt für die gesamte Hotellerie, wie gelebte Nachhaltigkeit aussehen kann und wohin die Reise im Tourismus zwangsläufig gehen muss. Gleichzeitig war und ist die Realisation von Gut Steinbach mit seinem Chaletdorf, den hotelversorgten Privathäusern, dem Naturweiher und dem liebevoll restaurierten Stammhaus eine Herzensangelegenheit – eine Herzensangelegenheit, die mitunter viel Kraft kostet.

»Was tue ich mir hier eigentlich an?«, fragte sich der Graf zwischen dem Kauf des Grundstücks und der Genehmigung des Bebauungsplans im Juni 2014 mehr als einmal. In den dazwischen liegenden Monaten und Jahren gab es nicht nur eine Hürde zu nehmen und »wenn ich nicht große Unterstützung von wenigen gehabt hätte, auch aus der Top-Politik, wäre das Projekt gescheitert.« Zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Steiner musste Klaus-Dieter Graf von Moltke sein Anliegen erst bis zum Maximilianeum tragen, ehe der positive Entscheid zur Bebauung bewilligt wurde. Dabei gibt es rund um das 24-Millionen-Euro-Projekt offensichtlich nur Gewinner, denn 80 Prozent der Handwerkerleistungen werden mit Betrieben aus der Region abgewickelt, der Chiemgau-Tourismus bekommt ein neues Aushängeschild, rund 100 neue Arbeitsstellen entstehen, der sich im Dornröschenschlaf befindliche Ort Reit im Winkl erhält »einen Qualitätssprung, der allen gut tut«, wie Bürgermeister Josef Heigenhauser bekundet und der Graf kann das tun, was er ohnehin am liebsten mag: bauen.

Das war schon Anfang der 1990er-Jahre so, als er den Egerner Hof zu einer Top-Adresse am Tegernsee formte, und auch auf Gut Steinbach fühlt sich der 61-Jährige gerade absolut in seinem Element. Deshalb genießt der Graf die derzeitige Phase, in der zwei Höfe – ein hotelversorgtes Privathaus und ein Hotelhof mit drei Premium-Suiten – kurz vor der Fertigstellung stehen, besonders intensiv. Zudem wird an allen Ecken und Enden gewerkelt: Der Natur-Schwimm-Weiher beispielsweise, um den sich im Frühsommer 2017 insgesamt sieben Chalets gruppieren werden, soll einem Bergsee gleichen und wird deshalb ohne Folien oder Beton ausgestaltet. Dafür hat Klaus-Dieter Graf von Moltke mehrere Tonnen an Ton geordert, damit ein möglichst originalgetreuer Alpsee mit Schilf und Seerosen entstehen kann.

Die Chalets selbst haben vor allem eines: Platz. Auf insgesamt 10.000 Quadratmetern werden die Hotelhäuser angelegt, die jeweils über drei Schlafzimmer verfügen. Die kleinste Einheit wird 150 Quadratmeter bieten, die größte – auf zwei Ebenen – knapp 200 Quadratmeter. Architektonisch sollen die Chalets Chiemgauer Bauernhäusern nachempfunden werden und weisen ein entsprechend rustikales Look & Feel auf. Und der Architekt Peter Höflinger interpretiert diese mit viel Zeitgeist. Der traditionelle Charakter wird unter anderem gepaart mit einer modern interpretierten Stoffwelt, schließlich ist sich Graf von Moltke sicher, dass »Tradition und Zeitgeist in der Balance genau das ist, was die Gäste künftig erwarten«.

Ehrlich, authentisch und so individuell wie gewünscht, das will der Hotelier seinen Gästen, die für ein Chalet zwischen 500 und 900 Euro pro Nacht zahlen, garantieren. Dabei wird ihnen stets die Wahl gelassen, ob sie sich während ihres Aufenthaltes komplett zurückziehen, oder ob sie das Frühstück im nahegelegenen Stammhaus nutzen und sich abends von der weißen Brigade in den eigenen vier Wänden verköstigen lassen. Auf den Tisch kommen dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit Speisen und Getränke aus der Region, schließlich gilt in Reit im Winkl wie am Tegernsee die 80/80-Regel: »80 Prozent der Lebensmittel, die wir verwenden, kommen aus einem Umkreis von höchstens 80 Kilometer Entfernung«, erklärt Graf von Moltke.

Auf Gut Steinbach wird diese Maxime noch ein Stück weit intensiviert, schließlich werden hier gelebte Nachhaltigkeit und ein sorgsamer Umgang mit der Natur quasi in der DNA verankert. Die Äpfel kommen ebenso aus eigenem Anbau wie ein Teil der Eier, je nach Saison wird das Wild im nahegelegenen Wald geschossen und die Energieversorgung über das Biomasse-Kraftwerk in Reit im Winkl ist gesichert. Der sorgsame Umgang mit der Natur ist für den Grafen ganz selbstverständlich, das verraten bereits seine Grundprinzipien Heimat, Achtsamkeit und Tradition. Gleichzeitig behält Vollblut-Unternehmer von Moltke immer auch die Wirtschaftlichkeit im Auge – sei es in Bezug auf die Synergien in Form von Verwaltung, Logistik oder Vermarktung mit dem Stammhaus am Tegernsee, mit der Möglichkeit für Externe, sich mit einer dreiprozentigen Verzinsung finanziell am Chaletdorf zu beteiligen, oder schlichtweg mit dem klaren Ziel, im Jahr 2020 sowohl die Egerner Höfe als auch Gut Steinbach unter den Top-10 der bayerischen Landhotels platziert zu haben. Unabdingbar für diesen Erfolg sind glückliche Mitarbeiter, weshalb in einer ersten Baumaßnahme eine eigene Alm für die Angestellten realisiert wurde, über die das Team völlig autark verfügen kann.

Seine ganz persönliche Auszeit nimmt sich der Bauherr im 35 Hektar großen Forst des Anwesens, wenn er seiner Passion, der Jagd, nachkommen kann, mit der er einst in Südhessen aufgewachsen ist. Für Klaus-Dieter Graf von Moltke ist Gut Steinbach somit auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Dass er dafür den einen oder anderen nett gemeinten Seitenhieb einstecken muss, nimmt er gerne in Kauf: »In meinem Wagen habe ich jetzt an der Windschutzscheibe ein Schild mit dem Aufdruck ›Forstschutz‹. Da fällt ab und an schon einmal die Bemerkung: ›Jetzt kommt der Oberförster‹«.