Hoteltest Bio-Seehotel Zeulenroda Konsequent und überzeugend

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Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche regelmäßig auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxus­- kategorie im Fokus der Tester, hat Tophotel nun seine Mystery Checks auf das Business-Segment ausgedehnt. Diesmal im Test: das Bio-Seehotel Zeulenroda.

Lage / Anfahrt / Parken

Hinterm Horizont geht’s weiter … und mit dem Auto von der A9 im oberen Drittel zwischen Berlin und München ab in Richtung Zeulenroda. Bis dorthin fährt man dann noch etwa 25 Minuten durch das landschaftlich reizvolle Thüringer Vogtland. Der Flieger wird auf der Internetseite des Bio-Seehotels unter »Anreise« erst gar nicht erwähnt: Der Airport Leipzig-Halle liegt näm- lich 115 km entfernt. Stattdessen empfiehlt man die Anfahrt per Bahn – nicht zuletzt aus Klima- und Umweltschutzgründen. Vom Bahnhof Zeulenroda wird der Gast kostenlos abgeholt. Ebenso kos­tenlos ist das Parken auf einem der zahlreichen Außenparkplätze – eine Tiefgarage gibt es nicht.
Wertung: gut

Internetauftritt / Onlinebuchung

Wer Zeit und Interesse hat, kann auf der Homepage des Seehotels stundenlang schmökern und sich ausgiebig über Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und Bio informieren. Dabei muss man reichlich scrollen und kann bei den vielen Unterpunkten schon einmal die Übersicht verlieren. Aber mehr Information geht nicht – auch wer eine Tagung plant, findet sehr gute Fotos, Pläne, Skizzen und PDF-Dateien zum Herunterladen. Außerdem kann man seine Tagung online anfragen oder sich alternativ für ein Telefonat eine der Tagungsdamen aussuchen, die auf den Fotos hübsch mit Pusteblumen posieren. Übernachtungen lassen sich »unverbindlich anfragen« oder »online buchen« – allerdings erhalte ich auch bei meiner Online-Buchung zunächst nur eine Anfragebestätigung per E-Mail, die dann aber innerhalb einer Stunde durch das Hotel bestätigt wird.
Wertung: sehr gut

Fr. 27/08, 10:57 – Telefonische Buchung

Die Verbindung ist nicht besonders gut, als ich mit Frau W. telefoniere; zudem herrscht bei ihr im Hintergrund lebhaftes Treiben. Dennoch lässt sich die Rezeptionistin nicht aus der Ruhe bringen. Sie bietet mir zwei Zimmertypen an, für die sie leider nur die Preise nennt, ohne mich zu informieren, was diese beinhalten. Das ist schade, denn immerhin ist laut späterer Reservierungsbestätigung im Preis von 99 Euro für das Zimmer mit Seeblick Folgendes bereits enthalten: das Bio-Frühstücksbuffet, klimaneutrales Wohnen (»Wir gleichen die C02-Emission Ihres Aufenthaltes für Sie aus«), die Nutzung des Fitness- und Saunabereiches, ein Leihbademantel, ein gebührenfreier Parkplatz und der vergünstigte Eintritt in die benachbarte Badewelt »Waikiki«. Frau W. fragt mich auch nicht, ob ich schon einmal Gast im Seehotel war. So vergibt sie leider die Chance, mich positiv auf das Haus einzustimmen oder einen Zusatzverkauf zu generieren. Die Mitarbeiterin agiert jedoch insgesamt zuvorkommend, spricht mich mehrfach mit Namen an, wiederholt alle Vereinbarungen korrekt und annonciert schließlich eine aussagekräftige Reservierungsbestätigung. Schließlich bedankt sie sich herzlich für die Buchung. Die Aussagekraft der postalisch verschickten Bestätigung ist allerdings relativ: Ihr liegt lediglich ein Faltblatt mit den Angeboten der Beauty- und Wellnessabteilung bei – das etwas teurere Porto für einen Hotelprospekt wäre hier eine gastfreundliche Investition gewesen.
Wertung: gut

Di. 07/09 – Anreise

Überquert man mit dem Auto die imposante Brücke der Talsperre Zeulenroda, leuchtet einem von deren Ufer metallisch glänzend und fast wie ein Ufo anmutend das Bio-Seehotel entgegen. Die Schilder der Hotelroute leiten durch den Ort – und wieder hinaus. Hinter Zeulenroda geht es mitten durchs Grüne des zehn Hektar großen Hotelareals – vorbei an Beachvolleyball-, Tennis- und Golfübungsplatz – zum oberhalb des Staudamms gelegenen Hotel. Parkplätze, Grünanlagen, Vorfahrt – alles tipptopp gepflegt und in einwandfreiem Zustand. Wer in den Krümeln suchen will, kann sich höchstens über die ausgefranste Hotelfahne alterieren oder darüber, dass man im Aushang für »Ostthüringens schönsten Biergarten« noch mit der Übertragung von WM-Spielen wirbt. Alles ist groß und großzügig hier – auch die Vorfahrt, in der man zum Ausladen halten kann. Gepäckwagen stehen gleich hinter dem Hoteleingang bereit.
Wertung: sehr gut

13:35 – Check-in

Als ich die Lobby betrete, ringt mir das über sechs Stockwerke nach oben offene Atrium erst einmal ein Staunen ab. Wasser plätschert über Edelstahl, Licht fließt durch die Halle – schick. Von der Rezeption lächelt mir Frau W. entgegen, die Empfangschefin, und heißt mich herzlich willkommen. Sie bestätigt, dass ein »hübsches, kleines Zimmerchen« für mich reserviert sei und korrigiert sich dann eilig, was das »klein« betrifft. Aufenthaltsdauer, Zimmertyp und Raucherpräferenz werden von ihr nicht noch einmal abgefragt. Auf dem geschwungenen Tresen steht eine Schale mit Äpfeln, die laut Aufsteller nicht beißen, weil sie »Bio« sind. Würden sie beißen, wenn sie nicht »Bio« wären? Frau W. überreicht mir einen Schlüsselpass mit Zimmerkarte und beschreibt mir den Weg zum Zimmer. Als ich mich nach Restaurant und Wellnessbereich erkundige, fragt sie überrascht zurück, ob ich mich denn im Haus nicht auskennen würde? Dann gibt sie mir einen kurzen Überblick über alles Notwendige.
Wertung: gut

Zimmer 417

Ich übernachte zur Einzelnutzung in einem Doppelzimmer der Premium-Kategorie, was hier »mit Seeblick« bedeutet. In dem vergleichsweise günstigen Preis von 99 Euro sind 15 Euro für das Frühstück enthalten. Das Eckzimmer in der vierten Etage bietet mir dank des großen, ebenfalls über Eck gehenden Fens­ters einen sensationell schönen Blick über Wasser, Wiesen und Wälder. Die Aussage der Hotelmitarbeiterin beim Buchen, das Zimmer habe Fünf-Sterne-Standard, ist allerdings übertrieben.

Die eher sparsame Möblierung des 22 Quadratmeter großen Raumes verleiht diesem zwar eine gewisse Großzügigkeit, hätte aber zugunsten des Komforts ruhig etwas üppiger ausfallen können. Der Schrankraum ist für zwei Personen äußerst knapp bemessen, für einen größeren Schreibtisch wäre durchaus Platz gewesen. Und wo bitte setzt sich bei Doppelbelegung die zweite Person zum Fernsehen hin, wenn nicht auf das Bett? Apropos Bett: Das Doppelbett ist in die Ecke gerückt, sodass die zweite Person entweder über die erste krabbeln oder vom Fußende des Bettes aus einsteigen muss. Lesen kann im Bett auch nur Gast Nummer eins, weil Gast Nummer zwei keine eigene Lampe hat.

Trotzdem: Viel Holz, helle Farben, Akzente in Blau und der bereits erwähnte Ausblick erzeugen Wohlfühlatmo­sphäre; Sessel und Bett sind bequem. Wer am Schreibtisch arbeiten muss, findet je eine freie Steckdose rechts und links davon und eine kostenlose Internetverbindung per Kabel. Ein Stuhl mit Armlehnen wäre angenehmer, aber dieser tut es auch. Das große Fenster kann bei Sonne zum Übel werden, da sie am Schreibtisch so blendet, dass man die blauen Verdunkelungsvorhänge zuziehen muss; eine Alternative hierzu gibt es nicht. Mit Klimaanlage sind die Zimmer aus ökologischen Gründen nicht ausgestattet. Im Schrank finde ich eine Wolldecke, zwei Bademäntel und einen Minisafe mit normalem Schloss – den Schlüssel hierfür muss ich mir extra von der Rezeption holen. Ebenfalls hier untergebracht ist die Minibar, in der fast ausschließlich Getränke und Snacks in Bio-Qualität stehen.

Säfte, Spirituosen, Wein, Bier und Sekt, Schoko- und Müsliriegel, Erdnüsse und Studentenfutter – alles Bio. Auch die ausliegenden Zeitschriften und Broschüren behandeln konsequent ökologische Themen. Zum sparsamen Fünf-Blatt-Notizblock gibt es einen Bleistift; für Wäsche liegt eine braune Papiertüte bereit, deren Reinigung zwei Tage dauert – ein Expressservice wird auf der Wäsche­reiliste nicht angeboten, auch nicht fürs Bügeln. Das »Gäste A-Z« ist informativ und zweisprachig. Bei meiner Ankunft ist das Zimmer etwas warm und stickig, aber hervorragend gereinigt. Bis auf ein bisschen Staub auf dem Schrank gibt es nichts zu beanstanden – nur die nähere Begutachtung der Bettwaren fördert schließlich einige unschöne Flecken auf Kopfkissen- und Deckeninlett zutage. Der Blick unter das Bett offenbart, dass eine Latte des Rostes gebrochen ist. Wegen der komplett in den Stoff eingenähten Bettkonstruktion ist das allerdings nur an der entsprechenden Ausbuchtung zu erkennen und durch Betasten zu erspüren. Der Fernseher empfängt fünf, auf dem Infoaufsteller genannte Programme nicht und die aufgelisteten Hörfunkkanäle sind überhaupt nicht belegt. Auch auf dem Infokanal gibt es keine Einspielung.
Wertung: gut

Das Badezimmer

Das Bad ist unprätentiös und praktisch. Ein kleines Fenster sorgt für Tageslicht, fünf Halogenlampen gewährleisten ausreichende Beleuchtung am Abend. Die Dusche ist groß und ebenerdig begehbar; ein Wandregal und die Abmauerung über dem Waschtisch bieten ausreichend Ablagefläche. Statt Guest Supplies gibt es je einen Spender am Waschbecken und in der Dusche, die beide mit einer Öko-Shampoo-Duschgel-Kombination gefüllt sind. Des Weiteren liegen eine Duschhaube und eine Nagelfeile bereit. Diese etwas magere Ausstattung lässt sich mit dem ökologischen Anspruch des Hotels rechtfertigen. Vielleicht gilt das auch für den nicht sehr starken Wasserdruck. Die Spülstopptaste an der Toilette ist ebenso selbstverständlich wie der Hinweis auf umsichtigen Handtuchgebrauch. Das Bad ist picobello sauber – zu bemängeln gibt es nur die beginnende Schimmel- und Rostbildung in der Verfugung der Duschtasse und rund um den Ablauf der Dusche. Was mich in diesem Bad nachhaltig und intensiv beschäftigt, ist die Frage, warum man den einzigen Ganzkörperspiegel des Zimmers genau gegenüber der Toilette platziert hat.
Wertung: sehr gut

Housekeeping

Das Housekeeping funktioniert soweit gut – als Alternative zu den Standardkopfkissen wird mir zwölf Minuten nach meinem Anruf ein Dinkelkissen gebracht und mit einem freundlichen Lächeln überreicht. Auf den Fluren werde ich stets höflich gegrüßt. Die Wäsche- und Housekeeping-Wagen sehen aufgeräumt aus und stehen jeweils vor den offenen Türen der Zimmer, die gerade gereinigt werden. Zimmerlisten liegen nicht so aus, dass man sie im Vorübergehen lesen könnte. Allerdings stehen darauf wohl die Namen der Gäste (siehe »Sicherheit«).
Wertung: sehr gut

Sicherheit

Nahezu alle Sicherheitsvorschriften werden im Bio-Seehotel Zeulenroda erfüllt. Außer dem Notfallplan im Zimmer, einer guten Fluchtwegebeleuchtung und freien Fluchtwegen heißt das: Die Serviceräume auf den Etagen sind mit Kartenschlössern gesichert und den Gästen nicht zugänglich.

Als ich mich »ausschließe«, erkundigt sich die Reinigungskraft nach meinem Namen und vergleicht diesen mit ihrer Liste, ehe sie sich bereit erklärt, mir mein Zimmer zu öffnen. Besser wäre gewesen, sie hätte mich stattdessen an die Rezeption verwiesen. Dort erhalte ich ohne Nachfrage eine Ersatzkarte – die Empfangschefin kennt mich allerdings vom Einchecken und erinnert sich an meinen Namen und die Zimmernummer. Das ist also in Ordnung. Dass eine der Rezeptionistinnen mir frühmorgens eine Inforechnung ausdruckt, ohne nach meinem Namen zu fragen oder mich eine Unterschrift leisten zu lassen, entspricht nicht den vorgegebenen Standards.
Wertung: gut

Frontoffice

Ein herzliches Lächeln und eine natürliche, lockere Freundlichkeit scheint allen Frontoffice-Mitarbeiterinnen zu eigen. Hier und da ließe sich aber noch ein wenig zugeben. Ein Quäntchen Dienstleistungsbereitschaft beispielweise: So wird mir die gewünschte Ersatzzahnbürste nicht aufs Zimmer gebracht, sondern ich muss sie mir selbst abholen. Oder eine Idee mehr Persönlichkeit: Die angenehme Stimme, die mich am nächsten Morgen per Telefon weckt, nennt nach einem »Guten Morgen« nur die Uhrzeit und teilt mir mit, dass es sich bei diesem Anruf um meinen Weckruf handelt – Letzteres ist mir durchaus bewusst. Individueller wäre, wenn sich die Dame mit Namen melden, mich namentlich ansprechen und mir am Ende der kurzen Floskel einen schönen Tag wünschen würde – anstelle des saloppen »Tschüssi«.

Die Nachricht, die bei meiner Anreise bereits für mich vorliegt, wird mir nur mündlich übermittelt und dabei der Name der Anruferin nicht korrekt wiedergegeben. Ansonsten behandelt man meine Anliegen aber überaus zuvorkommend. Gäste, die keinen Laptop dabei haben, können in der Lobby kostenlos das Internet nutzen – einen Drucker gibt es jedoch nur im Rezeptionsbüro. Als ich danach frage, bietet man mir freundlicherweise einen Stick an, um die zu druckenden Dokumente von meinem Laptop abzuspeichern und dann im Büro ausdrucken zu lassen. Ein »anonymer« Drucker wäre hier besser, um genügend Diskretion zu gewährleisten.
Wertung: gut

Öffentliche Bereiche

Die öffentlichen Bereiche des Hotels geben außen wie innen kaum Anlass zur Beanstandung. Ein paar Fingerabdrücke auf den Glastüren der Flure, ein paar Krümel auf den Teppichböden und nicht gewischte Fußböden in den Restauranttoiletten am Morgen – das war es auch schon. Was wirklich unschön auffällt, sind die stark durch Vogelkot verunreinigten Glasscheiben des Atriums. Hier aber muss der Gebäudereiniger ran – am besten in kürzeren Intervallen.
Wertung: sehr gut

16:10 – Biergarten

Ein kleiner Spaziergang durch die Hotelanlage führt mich in den gemütlichen Biergarten, der gerade öffnet. Als ich die ausgehängte Speisekarte studiere, werde ich von der diensttuenden Servicekraft so nett angesprochen, dass ich mich zu einem Imbiss überreden lasse. Das ist auch insofern nicht schwer, als die Karte Thüringer Hausmannskost offeriert, zu der auch »Fettbemmen« gehören (Schmalzbrote) und eine »Riesenroster auf die Hand« (Rostbratwurst). Letztere kommt frisch vom Grill und schmeckt, ebenso wie das Bio-Bier vom Fass, richtig urig und gut. Der sehr natürlich agierende Service tut ein Übriges, um mir hier eine halbe Stunde Wohlgefühl zu vermitteln. Da die Kasse ausgefallen ist, unterschreibe ich einfach einen Zettel – unkomplizierter geht’s nicht.
Wertung: sehr nett

20:30 – Abendessen

Der Anspruch, den Küchenchef Christian Obst an sich selbst stellt, ist hoch: Leichte Bio-Küche soll in gesunder Reichhaltigkeit frisch auf den Teller, die Produkte dabei umweltverträglich sowie nachhaltig erzeugt und möglichst regional bezogen werden. Diese Philosophie wird im Internet und in den Broschüren des Hotels sehr deutlich kommuniziert, ebenso im Vorwort der Speisekarte. Deren Angebot ist vielseitig: Regionaltypische und nur noch selten zu bekommende Speisen wie beispielsweise Zunge sind ebenso gelistet wie vegetarische, vegane und Vollwertkost sowie eine Septembermonatskarte mit Meeresfrüchtespezialitäten. Eine vielversprechende Lektüre, die gespannt macht auf ihre Umsetzung. Ich bestelle als Vorspeise gesülzte Meeresfrüchte und Nordmeerkrabben mit Schnittlauch-Crème-fraî­che und gebackenen Kapernfrüchten. Als Hauptgang wähle ich gekochten Kalbstafelspitz in Wurzelmeerrettichsud mit Kartoffeltalern und kleinem Salat vom Buffet.

Nur wenige Tische sind an diesem Abend im Panoramarestaurant besetzt, das elegant gestaltet ist und sich im sechsten Stock des Hotels befindet. Die Atmosphäre ist etwas kühl, die Hintergrundmusik kaum wahrnehmbar. Auf ein Amuse-Gueule wird verzichtet, stattdessen serviert mir Frau A. einige Scheiben Weißbrot, die zum Glück warm sind, sodass sich die sehr harte Kräuterbutter darauf nach kurzer »Einwirkzeit« verteilen lässt. Kaum habe ich davon gekostet, steht schon die Vorspeise vor mir – optisch ein Genuss, kulinarisch lässt sich das jedoch nicht behaupten. Das kleine Weckglas kommt direkt aus dem Kühlschrank und die Meeresfrüchtesülze darin ist so kalt, dass mir die Zähne schmerzen – davon abgesehen kann sich bei dieser Speisentemperatur keinerlei Aroma entfalten. Die frittierten Kapernfrüchte werden mir verspätet auf einem Tellerchen nachgereicht; anstelle der eher leichten Schnittlauch-Crème-fraîche gibt es ohne Erklärung eine Mayonnaise-lastige Remouladensauce.

Beim Hauptgang bin ich besonders neugierig auf das Handling des »kleinen Salats vom Buffet«, konnte ich doch von meinem Platz aus beobachten, wie um 21 Uhr im hinteren Teil des Raumes das Salatbuffet abgeräumt wurde. Der Tafelspitz kommt mit Gemüse und Kartoffeltalern in einem tiefen Teller, der Wurzelsud kommt samt einem Tellerchen geriebenen Meerrettichs extra, der Salat kommt überhaupt nicht. Auf meine diesbezügliche Frage bringt mir Frau A. nach einigen Minuten eine Mixtur aus der Küche, die sich aus Rot- und Weißkraut, Senfgurken, Schafskäse und zwei kaum mit Dressing benetzten Kopfsalatherzen zusammensetzt und so gar nicht zu meinem Hauptgang passt. Der Kalbstafelspitz ist geschmacklich gut; anstelle der in der Brühe schwimmenden, sich schnell vollsaugenden Kartoffeltaler wären jedoch Bouillonkartoffeln die bessere Beilage gewesen. Aber mit den Beilagen scheint es ja generell etwas zu hapern an diesem Abend.

Bei Frau A. reklamiere ich den unmöglichen Salat. Ich höre, dass es an diesem Abend kein Salatbuffet gegeben habe (!) und dass sie die Beschwerde an die Küche weiterleiten werde. Eine Entschuldigung höre ich nicht, Frau A. bietet mir jedoch zur Kompensation einen Espresso an. Als bester Bestandteil meines Abendessens erweist sich das Dessert, das optisch eine Augenweide ist und wunderbar mundet.

Das Restaurant ist attraktiv, die Tische sind perfekt eingedeckt, der Restaurantleiter schenkt mir ein nettes Lächeln, wenn er an meinem Tisch vorbeikommt, und erkundigt sich zwischendurch nach meinem Befinden. Auch an Frau A.’s Service ist grundsätzlich kaum etwas auszusetzen: Sie ist aufmerksam, annonciert die Speisen, schenkt Wein nach und räumt schmutziges Geschirr zügig ab. Dennoch vermisse ich eine über die Routine und Kompetenz hinausgehende Herzlichkeit und eine erkennbare Passion für den Beruf – zwei Komponenten, die nicht nur dem Gast zu Gute kommen, sondern auch dem Mitarbeiter selbst Freude an der Arbeit bringen.
Wertung: gut

22:10 – »lobby bar«

Fußball regiert an diesem Abend die Welt in der »Lobby Bar« – auf dem großen Standfernseher wird ein Länderspiel übertragen, das bei den fast ausschließlich männlichen Gästen reichlich Zuspruch findet. Dass so keine Bar-Atmosphäre aufkommen kann, stört in diesem Fall niemanden, auch mich nicht unbedingt. Was mich stört: Die junge Barfrau ist allein im Service und muss reichlich rennen, um die Wünsche ihrer zahlreichen Gäste zu erfüllen. Da bleibt kaum Raum für Konversation über den Tresen oder aufwändige Cocktails.

Die Barkarte enthält nichts Spektakuläres, dafür einige Rechtschreibfehler (»Tequilia«) und falsche Zuordnungen – »Mojito« steht unter Longdrinks. Interessant ist auch, dass der »Mojito« die Einschränkung »saisonal« trägt. Ich bestelle den Drink und prompt muss Frau W. passen – sie hat keine Minze. Ob das Anfang September saisonal zu rechtfertigen ist? Chapeau für die engagierte Mitarbeiterin, die mir trotz ihres Arbeitspensums anbietet, im Kräutergarten nach Minze zu suchen. Ich bedanke mich und bestelle stattdessen einen Digestif. Knabbereien werden überhaupt nicht angeboten.
Wertung: befriedigend

Mi. 08/09, 08:10 – Persönliche Bankettanfrage

Kein Problem ist es, um acht Uhr morgens eine Führung durch die Tagungsräume zu bekommen. Die Rezeptionistin sagt Frau H. Bescheid und die junge Event-Koordinatorin begrüßt mich sehr herzlich. Für den Moment ist es in Ordnung, dass sie nur nach der Größe der geplanten Veranstaltung fragt, um dann den Schwerpunkt ihrer Führung auf die kleineren Tagungsräume im fünften Stock zu legen. Diese sind tipptopp aufgeräumt und machen einen hervorragenden Eindruck. Frau H. weiß die Vorzüge ihres Hotels gut zu kommunizieren, nutzt aber die Gelegenheit nicht, einen potenziellen und, wie ich andeute, umsatzträchtigen Kunden auf Herz und Nieren zu seinen Anforderungen zu befragen. Die »Informationshäppchen«, mit denen ich sie füttere, führen ebenfalls nicht zu den richtigen, weiteren Fragen. Das ist bedauerlich, denn sonst macht Frau H. fast alles richtig. Notizen kann sie sich zwar erst am Ende machen, als wir uns in die »Lobby Bar« setzen, da sie auf dem Rundgang kein Schreibzeug mitführt, dafür hat sie aber das Gesagte gut im Kopf behalten und geht es noch einmal sorgfältig mit mir durch. Nett wäre an diesem Punkt gewesen, mir einen Kaffee anzubieten, und kompetent hätte es gewirkt, mir zum Abschluss eine Bankettmappe in die Hand zu drücken. Stattdessen drückt Frau H. ihre Freude darüber aus, mich kennengelernt zu haben und verspricht mir ein Angebot per E-Mail noch für den gleichen Tag. Dieses trifft tatsächlich am Abend ein und behandelt fürs Erste alle angesprochenen Punkte ausreichend. Ein Optionsdatum setzt Frau H. nicht.
Wertung: gut

8:45 – Frühstücksbuffet

Viel stärker noch als beim Abendessen und auf sehr beeindruckende Weise offenbart sich im Bio-Seehotel Zeulenroda beim Frühstück die bereits geschilderte Küchenphilosophie. Während in anderen Hotels die Bio-Produkte besonders gekennzeichnet sind, stehen hier an den wenigen, nicht biologisch erzeugten Speisen und Getränken Hinweisschilder mit dem Vermerk »konventionell«. In vielerlei Hinsicht ist die Auswahl außerordentlich – so gibt es allein an »fleischlichen Genüssen« zahlreiche, auch fettarme Wurst- und Schinkenspezialitäten, Hausmacher Wurst von der Schlachtplatte und Offerten vom Wild. Bei Letzteren ist es bedauerlich, dass diese nicht näher spezifiziert sind; Gleiches gilt für die Ziegenmilchprodukte, von denen Milch, Joghurt und Käse angeboten werden. Die Qual der Wahl ist groß, vor allem bei dem vorbildlichen Sortiment an Cerealien und den dazu offerierten Samen, Saaten, Nüssen und Trockenfrüchten. Der Obstsalat ist tatsächlich »Natur pur« und das Birchermüsli nussig und lecker.

Generell enthält das Buffet alles, was zu einem gesunden, anspruchsvollen Frühstück gehört: biologische Direktsäfte, Orangen zum Selbstpressen, eine hochwertige Teeauswahl, mit Edelsteinen angereichertes Wasser, Sojaprodukte, Hafermilch, außergewöhnliche Marmeladen, Vollkorntoast, glutenfreies Brot und vieles, vieles mehr. Schade nur, dass – obwohl die Frühstückszeit noch eine ganze Weile andauert – nicht mehr alle Produkte taufrisch wirken und trotz regelmäßiger Kontrolle nicht wieder aufgefüllt werden. So dümpeln beispielsweise zwei eingedellte Tomaten in einem Schüsselchen vor sich hin; auf der Etagere mit den süßen Teilchen steht nur noch ein Teller mit zwei kleinen Stücken Zwetschgenkuchen – alle anderen sind leer und werden auch nicht abgeräumt. Die warmen Speisen gehören zum Standard und sehen aus, als würden sie schon länger warmgehalten. Die Vollkornbrotscheiben sind an- getrocknet und der große Tontopf erweist sich als unhandlicher Aufbewahrungsort für Brotlaibe.

Serviert wird das Frühstück in dem rundum verglasten, lichtdurchfluteten Panorama­restaurant, was mir einen über die Maßen schönen Ausblick und eine angenehme Frühstücksatmosphäre beschert. Ich werde allerdings weder begrüßt noch verabschiedet und von der »lebens­lustigen Mischung« fröhlicher, origineller und fürsorglicher Mitarbeiter, die die Hotelbroschüre verspricht, scheint an diesem Morgen nur einer im Frühstück zu arbeiten. Der junge Auszubildende, der zwar noch viel lernen muss, aber im Gegensatz zu seiner Kollegin ein nettes Lächeln zustande bringt, ist irgendwie schon fürsorglich und originell: Als er nach geraumer Zeit das übereinander gestapelte, schmutzige Geschirr von meinem Tisch räumt, fragt er mich interessiert, ob mir »das alles« geschmeckt habe und kommentiert meine Zustimmung dann mit einem knappen »Aha!«.
Wertung: noch sehr gut

Sauna / Fitness

 

Während ich den Saunabereich im Untergeschoss über einen separaten Aufzug im Bademantel erreiche, muss ich zur »Beauty Lounge« die Lobby durchqueren, was nicht unbedingt angenehm ist. Bis auf den kellerartigen Zugang ist der Saunabereich mit Dampfbad, Bio- und Finnischer Sauna großzügig angelegt, ansprechend gestaltet und bestens gepflegt. Schade, dass es keinen separaten, wirklich ruhigen Ruheraum gibt. Der ebenfalls großzügige, gut ausgestattete Fitnessraum verfügt über Tageslicht und Frischluftzufuhr und liegt neben den Bowlingbahnen. Er ist erstaunlicherweise nur zeitgleich mit der Sauna geöffnet – in der Woche also erst ab 15 Uhr – man kann ihn sich jedoch von der Rezeption aufschließen lassen.

Großen Wert legt das Hotelmanagement offensichtlich auf die Aufstockung des bereits recht guten Angebots der »Beauty Lounge«, was sich in der gerade erfolgten Einstellung einer Physiotherapeutin, einer Ernährungsberaterin und einer Fastenleiterin manifestiert. Die Wellnessmasseurin dagegen kann am Anreiseabend meiner Rücken- und Nackenverspannung nicht wie erhofft Herr werden, verweist mich jedoch freundlicherweise auf die am nächsten Morgen zur Verfügung stehende Physiotherapeutin, die mir dann tatsächlich gut und kompetent hilft.
Wertung: sehr gut

Check-out

Zügig und professionell verläuft der Check-out. Frau R. nennt mich allerdings nicht beim Namen und vergisst, sich nach dem Minibarverzehr zu erkundigen. Als ich sie darauf anspreche, ist die Empfangsdame geneigt, die Berechnung unter den Tisch fallen zu lassen: »War es denn viel?« Ich bejahe das und sie bucht mir die Kosten dann doch noch auf, womit sich die Rechnung auf insgesamt 248,40 Euro beläuft. Frau R. erkundigt sich freundlich, wie es mir im Hotel gefallen habe, drückt den Wunsch aus, mich bald wieder begrüßen zu dürfen, und verabschiedet mich dann mit einem Lächeln und den Worten: »gute Heimreise!«
Wertung: sehr gut

Bilanz

Mit seinem Anspruch, in allen Bereichen konsequent und bis ins Detail auf Umwelt- und Klimaschutz zu setzen, folgt das Bio-Seehotel Zeulenroda nicht nur einem Trend, sondern hat selbst Trends und Maßstäbe gesetzt. Der anonyme Hoteltest zeigt, dass der Gast hier ein in sich stimmiges und vielseitiges Hotel vorfindet, in welchem das ökologische Engagement kaum irgendwo Abstriche am Komfort erfordert, sondern in vielen Bereichen ein Plus an Lebens- und Genussqualität mit sich bringt. Dass beim Test in keiner Abteilung wirklich gravierende Mängel zutage traten, spricht für eine gute Unternehmens- und Mitarbeiterführung. Dass es hier und da noch Optimierungsmöglichkeiten gibt, kleine Aussetzer passieren und nicht immer alles rund läuft, kann nur als Ansporn dienen. Die Küchenleistung beim abendlichen Testessen ist hierfür ein gutes Beispiel.

Ergebnis:78%

Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!