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StartAufmacherKlimaneutralität bis 2025::Hostelkette A&O setzt sich ehrgeizige Ziele

Klimaneutralität bis 2025Hostelkette A&O setzt sich ehrgeizige Ziele

Klimaneutralität bis 2025 – dieses ehrgeizige Ziel schreibt sich die Berliner Hostelkette A&O auf die Fahnen. Sie nutzte die Coronakrise, um sich jetzt mit einem „Green Team“, mehr Nachhaltigkeit und einem überarbeiteten Image neu zu positionieren.

Es gibt insgesamt 40 A&O-Hostels in neun europäischen Ländern, die zusammen über 28.000 Betten verfügen. Nur vier dieser Häuser wurden eigens als Neubauten errichtet, die restlichen sind Bestandsgebäude, in denen sich zuvor meist einfache funktionale Büros befunden hatten. Aus diesem Umstand machen sie keinen Hehl, und so erscheinen sie in der Regel als das, was sie tatsächlich sind: günstige Unterkünfte für ein eher junges Publikum, das neben den Doppel- und Mehrbettzimmern insbesondere die Toplagen in den Stadtzentren schätzt. Die öffentlichen Bereiche bieten dabei kleine Co-­Working-Spaces, Sofas, Getränke- sowie Snackautomaten, eine kleine Bar – alles schlicht und zweckmäßig. Angesichts dieses Umfelds entsteht nicht der Eindruck, als hätten sich die Betreiber je große Gedanken über ihr Image gemacht. Umso überraschender ist daher die Ankündigung der nach eigenen Angaben größten Budgetkette Europas: „Wir wollen bis zum Jahr 2025 CO²-neutral sein“, so A&O-Gründer und CEO Oliver Winter. Was ist passiert?

Upcycling von Bestandsgebäuden

Ebenso wie viele Läden, Restaurants und Firmen mit Büroarbeitsplätzen verfügten auch die A&O-Mitarbeiter seit Frühling vergangenen Jahres über mehr Zeit, als ihnen lieb war. Mit Beginn der Coronakrise rauschten die Übernachtungszahlen in den Keller, doch genau das nahm der Kreis rund um CEO und A&O-Gründer Oliver Winter zum Anlass, Ideen voranzutreiben, die im Unternehmen schon länger gärten. Ausgangspunkt der Überlegungen war die Erkenntnis, dass der CO²-Fußabdruck mit 5,9 Kilogramm CO² pro Übernachtung und Gast im Vergleich zum Rest der Branche sehr gering war – was nicht zuletzt daran liegt, dass in den Häusern eher mehrköpfige Familien oder kleine Gruppen statt nur einem Geschäftsreisenden in einem Zimmer übernachten. Alle Beteiligten waren davon überzeugt, dass es möglich sein müsste, diesen CO²-Fußabdruck noch weiter zu verringern.

Eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsressourcen des Unternehmens sind die zahlreichen Bestandsgebäude, in denen enorme Mengen grauer Energie gespeichert sind. Schlicht weil sie erhalten blieben, anstatt mit hohem Energieeinsatz abgerissen und durch Neubauten ersetzt zu werden. Hinzu kommt, dass Umbaumaßnahmen bei A&O üblicherweise ziemlich überschaubar ausfallen, da sich die Grundrissstrukturen der ehemaligen Bürogebäude mit Trockenbauwänden relativ leicht an die neue Nutzung anpassen lassen. All diese Faktoren schonen die Umwelt und erhöhen die Wirtschaftlichkeit, sodass bei geringeren Investitionskosten gleichzeitig geringere CO²-Mengen freigesetzt werden. Im Stuttgarter Haus beispielsweise übernahm A&O den Verwaltungssitz einer Molkerei unweit des Hauptbahnhofs und konzentrierte sich dann auf den Umbau der Obergeschosse, während die drei Kellergeschosse, die einst der Joghurtproduktion dienten, bis heute unangetastet blieben.

Schritt für Schritt zu mehr Nachhaltigkeit

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts wurden Häuser vereinzelt energetisch saniert und die in der Branche üblichen Maßnahmen für mehr Umweltschutz (und meist auch mehr Wirtschaftlichkeit) eingeführt – von wassersparenden Toilettenspülungen und Duschköpfen über Öko-Putzmittel und LEDs bis hin zum Handtuchwechsel nur auf Wunsch. Bereits 2015 kam ein CO²-Rechner hinzu, mit dem die Gäste den CO²-Fußabdruck ihrer Reise kalkulieren konnten. Inzwischen verfügen alle Häuser über das vom Institut für Nachhaltige Entwicklung in der Hotellerie vergebene Greensign-Gütesiegel, das Umweltaspekte ebenso bewertet wie die nachhaltige Entwicklung und die soziale Verantwortung. Auch wenn die dabei erreichten Werte im Vergleich zu anderen zertifizierten Hotels nicht gerade phänomenal sind, zeugen sie doch von einer verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Haltung.

Über diese Haltung hatte A&O in den vergangenen Jahren wenig berichtet, und auch in den Häusern ist sie für die Gäste kaum wahrnehmbar. Im Stuttgarter Hostel wird das Greensign-Zertifikat als kleine Tafel am Eingang präsentiert, die jedoch im Meer der vielen anderen Informationen untergeht. Ebenfalls keinerlei Informationen erhalten die Gäste dort und in anderen Häusern über das aktuelle Ziel, bis 2025 klimaneutral zu sein. „Seit der Gründung im Jahr 2000 haben wir unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten nie in den Vordergrund gerückt. Nun wollen auch wir beginnen, sie zu zeigen„, erklärt Winter.

Das A&O Venedig-Mestre soll schon 2022 das erste klimaneutrale Haus der Berliner Budget-Hostelkette sein. Graue Energie spielt dabei eine
entscheidende Rolle. (Bild: A&O Hostels)

Damit meint er nicht in erster Linie Leuchtturmprojekte mit Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, wie es sie beispielsweise in Venedig-Mestre gibt – dieses Haus soll schon nächstes Jahr das erste klimaneutrale A&O Hostel sein. Vielmehr soll mehr über die Aktivitäten rund um das 2025-Ziel gesprochen werden, auch wenn oder vielleicht auch gerade weil sie für die Gäste oft unsichtbar bleiben. Auf der einen Seite geht es darum, die letzten Optimierungspotenziale in den Häusern zu heben: etwa die Nutzung von Ökostrom, die Desinfektion von Wasser für Reinigungszwecke mit Ozon oder die Möglichkeit, das eigene Fahrrad im Zimmer abstellen zu können – was das Haus für klimaneutral Reisende attraktiver macht. Auf der anderen Seite sollen sich die Unternehmensorganisation und der Umgang mit Lieferanten verändern: etwa durch Kooperationen mit klimaneutralen Wäschereien oder Lebensmittelhändlern, aber auch mit einer neuen Dienstwagenflotte mit Hybrid- und E-Autos sowie mehr internen Geschäftsreisen mit der Bahn.

Green Team und soziales Engagement

Hinzu kommen die Aktivitäten des vor zwei Jahren etablierten und heute fünfköpfigen Green Teams. Dessen Aufgabe besteht darin, organisatorische und praktische Nachhaltigkeitspotenziale ausfindig zu machen und auch die Gäste zu involvieren. Letztere werden von den Mitarbeitern ermuntert, ihr Feedback und ihre Verbesserungsvorschläge offen gleich vor Ort auszusprechen oder später online abzugeben. Analog hierzu sollen auch die Mitarbeiter nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten. In einer Art Ideenbörse im Intranet werden Vorschläge für mehr Nachhaltigkeit gesammelt und bei erfolgreicher Umsetzung mit einem Bonus belohnt. Außerdem gibt es vierteljährliche Treffen mit engagierten Mitarbeitern, bei denen im Sinne einer offenen Kommunikationskultur explizit dazu aufgerufen wird, Vorschläge und Kritik zu äußern.

Zusammenarbeit mit der Hochschule

Mit all diesen Maßnahmen, aber auch durch die Zusammenarbeit mit Tourismus-Experten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde lassen sich pro Gast und Übernachtung vielleicht noch ein paar Gramm CO² einsparen. A&O ist sich bewusst, dass dies dennoch nicht reichen wird, eine grüne Null zu erreichen. Also gibt es Überlegungen, den offenen Rest zu kompensieren. Marcel Pleister vom Green Team besteht darauf, dass es hier nicht um „Greenwashing“ geht. „Wir werden für diesen letzten Rest an Einsparungen keinen Cent ausgeben, sondern stattdessen auf eigene Projekte setzen, die zugleich von gesellschaftlich-sozialem Nutzen sind.“

Als Beispiel führt er das „Green Village“ an. Hierbei handelt es sich um ein Projekt im Kosovo, das ganz im Zeichen der ESG-Kriterien und des Voluntary-Emission-Reductions-Gold-Standards für eine ganzheitliche Nachhaltigkeit steht. Auf einem mehrere Hektar großen Gelände soll es unter anderem ökologischen Landbau (einschließlich des Verkaufs der erzeugten Produkte), Ökostromerzeugung, sanften Tourismus, Nachhaltigkeitsschulungen für Kinder, aber auch Aufforstungsflächen geben.

Bestandsgebäude neu genutzt: In einer ehemaligen Kartenfabrik ist die moderne Lobby des A&O Hostels in Budapest ­entstanden. (Bild: A&O Hostels)

Das Green Team sowie Gründer und CEO Oliver Winter zeigen sich fest entschlossen, A&O nachhaltig zu verändern. Dass damit zugleich ein Imagewandel einhergeht, zeigt das neue A&O-Hostel in Budapest. Hier wurde ein denkmalgeschützter Altbau saniert und umgebaut, der einst als Produktionsort für Kartenspiele diente. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein stimmungsvoller historischer Innenhof mit Laubengängen sowie ansprechend gestaltete öffentliche Bereiche scheinen eine neue Ära einzuläuten und die Hostelkette auch hinsichtlich der Gestaltungsqualität mindestens auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern zu bringen.

Autor: Roland Pawlitschko

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