Hoteltest Regent Hotel Berlin Kissenschlacht inklusive

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Konstruktive Kritik gehört zum journalistischen Credo von Tophotel. Nobeldomizile, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche gewissermaßen Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt des anonymen Luxushoteltests. Aktuell besucht wurde das Regent Hotel Berlin, das Tophotel bereits im Jahr 2001 unter die Lupe nahm, als es noch als Four Seasons firmierte.

FR. 15/01, 16:59 – Reservierung

Die Mitarbeiterin am Telefon agiert sehr freundlich und informativ. Einzig ihre zu schnelle Sprechweise erweckt den Eindruck, dass sie in ­Eile ist und sich zu wenig Zeit für mich nimmt. Obwohl die »Berlinale« kurz bevorsteht, habe ich Glück und kann noch aus verschiedenen Zimmerkategorien wählen: Das Superior-Zimmer für 199 Euro ohne Frühstück, dafür mit kostenlosem Internetzugang, ist das Günstigste. Frau G. vergisst nicht, das Spitzenrestaurant »Fischers Fritz« zu empfehlen und rät mir zu einer Reservierung. Die 18 Minuten später eintreffende und von einem Trainee erstellte Buchungsbestätigung enthält nicht nur eine Übernachtung zu wenig, es wurde auch die Reservierung für das Restaurant vergessen. Ich mache telefonisch auf den Fehler aufmerksam, den Frau G. bereits bemerkt und korrigiert hat, und ich erhalte umgehend eine korrekte Reservierungsbestätigung.
Wertung: noch befriedigend

MO. 08/02, 14:47 – Check-in

Mein Gepäck wird sogleich von einem freundlich grüßenden Pagen aus dem Wagen geholt und an der Rezeption heißt mich ebenfalls ­eine lächelnde Mitarbeiterin willkommen. Meine bereits bei der Reservierung übermittelte Anschrift hat man leider nicht auf das Anmeldeblatt übertragen. Dafür notiert man sich sofort meinen Zeitungswunsch – dieser Service ist kostenlos. Die Mitarbeiterin fragt nach, ob die Anreise angenehm war, informiert kurz über die Hoteleinrichtungen sowie die Frühstückszeiten und geleitet mich auf das Zimmer. Sie erkundigt sich darüber hinaus, ob das ausgewählte Zimmer meinen Vorstellungen entspricht, und wünscht mir einen angenehmen Aufenthalt. Der Page bringt keine zwei Minuten später das Gepäck, stellt das Koffergestell auf und platziert darauf den Koffer.
Wertung: gut

Zimmer 320

Das Zimmer macht einen seltsam leblosen Eindruck. Dabei wurde es akkurat übergeben, ist gut gereinigt und ausreichend gelüftet. Der Grund für die empfundene Leere lässt sich leicht festmachen: keine Blumen, kein Obstkorb, kein Grußkärtchen der Direktion. Auf dem leeren Tisch am Sessel würden sich einige Zeitschriften gut machen. Immerhin gehört zum Begrüßungsprozedere ein Fläschchen Wasser, das inklusive ist und regelmäßig erneuert wird. Als das Hotel noch als Four Seasons firmierte, wurde ich beim anonymen Tophotel-Test im November 2001 mit einem Grußkärtchen der Direktion und täglich wechselndem Obst in einer Silberschale verwöhnt.

Die fehlende Ausstrahlung des Zimmers ließe sich durchaus beheben, denn das Mobiliar ist – trotz einiger Abschürfungen an Schreib- und Telefontisch – gediegen und stilvoll. Zu wenig Gedanken hat man sich bei der Platzierung der staubfreien Bilder gemacht. Sie hängen gerade dort, wo schon Schrank und Bett an der Wand stehen, während anderswo große Freiflächen geradezu nach einem Bild rufen.

Der Schreibtisch ist zwar ausreichend groß und mit einer Steckdosen-Internetkabel-Konsole in angenehmer Höhe ausgerüstet, doch die sehr schlechte Ergonomie zwischen Arbeitsfläche und Stuhl könnte orthopädische Konsultationen notwendig machen. Oder aber eine – schon eher gewollte – Massage im Spa, dessen Behandlungsbroschüre auf dem Zimmer ausliegt. Die übersichtliche Hoteldirectory informiert über alle wichtigen Einrichtungen des Hauses inklusive Telefonnummern; die Internetverbindung funktioniert problemlos.

Das Bett wurde mit einer stabilen Matratze ausgestattet, die jedoch an der Telefonseite spürbar weicher ausfällt. Das Bettenvlies ist in gutem und frischem Zustand, die Bettwäsche blitzsauber, aber nicht elas-­tisch genug und leicht kratzig. Der Sessel erweist sich als besonders bequem, der Tisch daneben als viel zu klein. Insgesamt fehlt es an Ablagemöglichkeiten, insbesondere auf den Nachttischen, auf denen große Lampen nahezu die gesamte Stellfläche einnehmen. Allerorten Gedankenlosigkeit. Und warum hat noch niemand bemerkt, dass das wacklige Koffergestell an der vom Pagen platzierten Stelle keine kommode Möglichkeit zum Ein- und Auspacken bietet?

Die Klimaanlage funktioniert einwandfrei und das große Zimmer kann ausreichend gut ausgeleuchtet werden, obwohl sich die Lichtquellen nur einzeln aktivieren lassen: Generalschalter an Bett und Tür wären hilfreich. In dem gerade noch ausreichend großen Schrank hängen genügend Holzkleiderbügel und der Minisafe ist angenehm in Augenhöhe angebracht. Im Schrank gegenüber dem Bett stehen ein großer Flachbildschirm und ein DVD/Video-Gerät, die sich darin beide verbergen lassen. Insgesamt 66 Filme können dafür beim Concierge ausgeliehen werden. Ein Programm- heft liegt aus, die Übersicht der einzelnen Kanäle fehlt allerdings. Es gibt einen »Do not ­disturb«-Türhänger, aber (grundsätzlich) kein entsprechendes Gegenstück. Auf der Minibar-Anrichte im Flur finde ich saubere Gläser – allerdings keine für Weiß- und Rotwein sowie für Bier. Für die Nüsse wäre ein Schälchen nett: So muss ich aus der Tüte essen. Details wie diese machen ein sehr gutes Hotel aus. Die ­Minibar enthält neben den erwarteten Standards auch einige Souvenirs: ein Stück Berliner Mauer und einen Berliner Bären – für 19 bzw. 25 Euro. Dagegen wirken die Getränkepreise fast schon wieder moderat: Für Bier, Wasser und Softdrinks werden je sechs Euro verlangt.

Bei keinem der Artikel ist das Verfallsdatum abgelaufen. Unter der ­Regie von Four Seasons kostete das Ministück von der Berliner Mauer 2001 noch 24,45 DM.
Wertung: befriedigend

Das Bad

Manches erweist sich erst bei näherer Betrachtung als gut oder schlecht. Das trifft insbesondere für die Badezimmerspiegel zu, von denen es gleich vier gibt. Das beste Stück ist der fast deckenhohe Spiegel in der Doppeltür – hier hat man auch das beste Licht, im übrigen Raum fällt es eher diffus aus. Der Abstand zum Wandspiegel wieder­um ist zu groß, da das Waschbecken sehr tief geraten ist. Für Nahaufnahmen eignet sich da der beleuchtbare Kosmetikspiegel weit besser. Der Begriff Badezimmer ist wegen der Größe, der verwendeten Materialien und des Dekors äußerst zutreffend. Hübsch dekoriert wurde es mit einer roséfarbenen Gerbera und auch die Guest supplies von »L’Occitane« können sich sehen und riechen lassen – vom Shampoo über Duschgel und Conditioner bis hin zum Bodylotion. Wattepads und Q-Tips liegen ebenso ansehnlich in hübschen Behältern wie die Papiertücher und die übrigen Guest amenities. Der Bademantel und die Schlappen sind von guter Machart, wobei der Bademantel sehr schwer ausfällt. Ein Bidet gibt es nicht, dafür ist das sehr kleine WC abgetrennt. In der großen Duschkabine und in der Badewanne läuft das »heiße« Wasser nur »warm«, hat jedoch genügend Druck und fließt gut ab. Der Haartrockner mit verschiedenen Heiz- und Gebläsestufen ist leicht und lässt sich gut handhaben. Das Bad wurde picobello übergeben. Bei Four Seasons habe ich noch exquisites Toilettenpapier registriert, jetzt hat man an dieser Stelle deutlich gespart.
Wertung: sehr gut

15:26 – Etagenservice

Die Etagenkarte liest sich nicht besonders anregend, angesichts der später servierten Qualität praktiziert das Regent damit jedoch reines Understatement.

Die erste Kontaktaufnahme verläuft etwas holprig, da ich keine Verbindung zum Etagenservice bekomme: Es läutet zweimal, dann bricht die Leitung zusammen. Ich versuche es daher über die Zentrale, doch hier ergeht es mir nicht anders. Die freundliche Mitarbeiterin dort nimmt sich deshalb meinen Wünschen an und verspricht, diese an den Roomservice weiterzugeben. Eine Wiederholung der Bestellung erfolgt nicht, die Servierzeit wird ebenfalls nicht angegeben. Kurz darauf meldet sich allerdings der Etagenservice und bedauert, dass der gewünschte Rosé nicht mehr vorrätig sei – es handelt sich um einen Wein, den man eher selten findet, weshalb er auch gleich mein Interesse geweckt hat. Man bietet mir stattdessen ein Glas Riesling an. 23 Minuten später bringt mir eine sehr freundliche und lächelnde junge Mitarbeiterin das Bestellte auf einem Trolley, den als Dekoration eine frische Topfpflanze ziert. Sehr aufmerksam: Den georderten Backfisch holt die Mitarbeiterin erst zum Schluss aus der Hot-Box. Anschließend bedankt sie sich und wünscht mir noch einen schönen Tag. Der Abräumhinweis erfolgt über ein Tischkärtchen.

Der noch sehr warme Berliner Backfisch ist perfekt gegart, außen knusprig, nur zart von einer Panade umhüllt und innen saftig. Die leichte und doch ausdrucksvolle Remoulade zeigt Klasse. Der dazu gereichte lauwarme Speckkartoffelsalat schmeckt ebenfalls ausgezeichnet und verrät solides Handwerk. Bemerkenswert ist, dass der frische Kerbel in einem Extraschälchen serviert wird – nicht jeder mag diesen gleich auf dem Teller. Die 22 Euro für diese kleine Portion sind sehr selbstbewusst, doch wenn ein vermeintlich einfaches Gericht wie dieses so erstklassig ausfällt, entsteht überhaupt kein Missbehagen. Keinesfalls übersehen werden darf die herausragende Brotqualität: Die Auswahl umfasst verschiedene Sorten des Weltklassebäckers Jochen Gaues aus Hannover, der gewissermaßen Hoflieferant des Hauses ist. Der Wein wird in einem stilvollen Glas serviert, ist korrekt temperiert und kommt auch nicht aus einer schon zu lange offen stehenden Flasche. Beim Wasser bevorzugt das Hotel ein Schweizer Produkt.
Wertung: sehr gut

18:29 – Spa

Das Spa zählt, wie ich erlebe und höre, nicht gerade zu den überlaufenen Plätzen im Hotel. Es gibt auch kein Schwimmbad, dafür einen ansehnlichen, mit modernen Geräten ausgerüsteten und gut temperierten Fitnessraum. Darüber hinaus werden Massagen und kosmetische Behandlungen angeboten. Die Räume sind etwas verwinkelt angelegt und fallen nicht gerade groß aus. Dafür ist die Abteilung in einem properen Zustand. Überall sind ausreichend Handtücher platziert und in den Umkleiden liegen viele hochwertige Guest supplies aus. Außerdem gibt es einen Wassercontainer.

Ich habe kurzfristig einen Termin für die 25-minütige »Express ­Maniküre« bekommen, die mit 30 Euro berechnet wird. Die Mitarbeiterin begrüßt mich sehr freundlich und persönlich mit Handschlag. Ihr Arbeitsraum für diese Behandlung ist zwar tipptopp, aber nicht mehr als eine aufgehübschte Kammer. Frau B. ist keine Hotelangestellte und arbeitet für eine externe Firma, die das Spa-Personal im Wechsel stellt. Die adrette Mitarbeiterin verfährt ausgesprochen freundlich und informativ, könnte allerdings handwerklich besser geschult sein: Die Maniküre fällt unter wohlwollender Betrachtung höchstens ausreichend aus. Es finden zwar gute Produkte (Nagelfeile, Fingernagelbalsam) Verwendung, doch fehlt es an der nötigen Sorgfalt. Die Nägel werden nicht präzise bearbeitet, an vielen Stellen sind Nachbesserungen notwendig. Die Verabschiedung verläuft sehr freundlich.
Wertung: noch befriedigend

19:38 – Bar

Ich werde sehr freundlich begrüßt, die junge Mitarbeiterin fragt nach meinen Wünschen und legt mir Getränke- und Speisekarte vor. Ich möchte ganz allgemein einen Drink mit Rum und lasse der Mitarbeiterin freie Hand. Daraufhin erhalte ich einen »Aged Honey« – einen sehr gut gemixten, bestens balancierten Rum-Daiquiri mit erstklassigem »XO Pyrat Rum«, Limettensaft und etwas Honig.

Die Barkarte umfasst insgesamt guten Standard: Es werden die gängigen Drinks und Cocktails offeriert, Trends wie zum Beispiel Sake setzt man allerdings nicht um. Bei den Weinen bietet das Bar-Team die grundsätzlich im Haus ausgeschenkten Offerten an, die qualitätsorientiert ausfallen. Der sehr gute Spätburgunder von Meyer-­Näkel wird mir perfekt temperiert in einem passenden Glas serviert. Das frisch gezapfte Bier kommt indes viel zu kalt an den Tisch – das bremst den Geschmack und den Konsum. Zu den Getränken reicht man Nüsse und Oliven – inklusive Löffel, Sticks und Abfallbehälter. Die Preise sind gehoben: Der Rotwein schlägt mit elf, das Bier mit sieben Euro zu Buche.

Neben den üblichen Snacks werden auch viele Gerichte angeboten, deren Auswahl fast identisch mit der Etagenkarte ist. Ich bestelle Currywürstchen mit Pommes frites – zu üppigen 18 Euro. Die kleinen Würstchen sind von sehr guter Fleischqualität und zeigen sich als verfeinerte Version der rustikalen Imbissbudenwurst. Die Mitarbeiterin kann mir zwar nicht sagen, ob der Ketchup und die Mayonnaise im Schälchen dazu hausgemacht sind, doch sind Fertigprodukte in dieser Qualität kaum zu finden. Die guten Pommes frites serviert die Küche originell in einem Steingutbecher, der wie ein eingedrückter Imbissbuden-Pappbecher aussieht. En passant: Weil Schauspieler Leonardo DiCaprio, der während der »Berlinale« im Regent wohnte, im Gourmetrestaurant nichts Rustikales fand, bestellte er genau diese Currywürstchen. Die Mitarbeiterin in der Bar ist einsatzfreudig und umsorgt die Gäste freundlich und mit Geschick. Eigentlich ist Frau K. der Hauptgrund, warum man in dieser Bar überhaupt zu Gast sein sollte, denn ansonsten vermittelt sie vom Inte­rieur und der gesamten Atmosphäre her eher den Eindruck eines kleinen Nebenraums, aus dem man nichts Besseres zu machen wusste. Der zu kleine Raum wirkt trotz seines britischen Clubstils nicht sehr einladend und wurde optisch keineswegs optimal in Szene gesetzt. Die Decke ist sehr niedrig und unansehnlich. Und auch die Theke, das Kommunikationszentrum einer jeden Bar, fällt viel zu klein aus und wirkt dadurch wie eine Arbeitstheke. Während meines Aufenthalts nimmt dort auch nie jemand Platz.

Ich bin zunächst der einzige Gast und auch eine Stunde später werden es nur vier Gäste mehr sein. Mit dem Rücken zum Tresen nehmen sie an den großen Tischen mitten im Raum Platz, die wiederum viel zu groß sind und keine intime Stimmung erzeugen. Lediglich die Ledersesselformationen in den Ecken sind von einer gewissen Gemütlichkeit. Insgesamt stimmen die Proportionen nicht und es stellt sich keine lebendige, gesellige Grundstimmung ein. Ein ­Piano­spieler zur Auffrischung ist auch nicht präsent. Stattdessen gibt es Musik aus der Konserve, die ohne Bedacht ausgewählt wurde: Hip-Hop und ähnliche Rhythmen passen einfach nicht in eine solche Bar.
Wertung: befriedigend

Concierge

Eine junge Dame, die zuvor in der Bar war, beschwert sich sehr lautstark über eine »schlechte Behandlung«, die ihr widerfuhr – nicht in der Bar, sondern ganz allgemein im Hotel. Sie spricht mit dem einzigen männlichen Mitarbeiter zu dieser Stunde, dem Concierge. Dieser fiel bislang durch korrektes Auftreten, aber auch einen eher herben Charme auf. In diesem Fall verfährt er allerdings weit weniger zackig, sondern gelassen und souverän. Jedenfalls schafft er es durch seine sachliche Deutlichkeit, die Dame so weit zu beruhigen, dass sie freiwillig das Hotel verlässt. Auch solche Extremfälle gehören im weites­ten Sinne zum Reklamationshandling.
Wertung: gut

Turndownservice

Die Standards werden gut ausgeführt: Das Bett ist aufgeschlagen, die Vorhänge sind zugezogen und die Abfallkörbe geleert. Frühstückskarte und Schuhputzservice-Beutel hat man auf dem Bett platziert. Darüber hinaus fühlt sich der Service dazu berufen, im Bad Ordnung zu schaffen und die einzelnen Artikel hübsch auf weißen Tüchern anzuordnen. Einige Gäste werden das als fürsorglich empfinden, manche als störend, da sie ihr eigenes System nicht umorganisiert haben möchten. Verbrauchte Guest supplies werden nicht ersetzt. Ein Betthupferl gibt es nicht. Unakzeptabel ist auch, die Überdecke in einem Sack einfach hinter den Sessel zu schmeißen und dort liegen zu lassen. Das ist kein Zufall, sondern hat System, denn am nächsten Abend wiederholt sich der Vorgang.
Wertung: mangelhaft

22:43 – Housekeeping

Statt der Daunenkopfkissen hätte ich gern die Synthetikkissen, die in der Hoteldirectory für Allergiker angeboten werden. Die Mitarbeiterin von der Rezeption meint, dass dies etwas dauern könnte – bis zu einer halben Stunde! Tatsächlich bringt mir erst 26 Minuten später ein freundlicher Mitarbeiter die gewünschten Kissen. Eine genaue Überprüfung zeigt jedoch, dass auch hier Federn in den Kissen stecken – einige kommen bereits von selbst heraus. Ich ersuche erneut um Abhilfe: Jetzt ist man an der Rezeption trotz aller Freundlichkeit schon leicht verzweifelt und will meinen Worten kaum glauben. Ich erkläre, dass die Federn nicht nur zu fühlen sind, sondern sogar erkennbar heraustreten – und ich möchte gern ein anderes Kissen haben. Wieder wird ein Mitarbeiter von der Spätschicht auf den Weg geschickt, der diesmal mit einem synthetischen Kissen kommt und mir noch eine gute Nacht wünscht.

Die Mitarbeiter sind zwar sehr bemüht, das Problem zu lösen, doch dauert alles viel zu lang, weil offenbar die Allergikerkissen nicht schnell genug greifbar sind. Bei guter Organisation würde es nicht zu solchen späten, den Gast völlig unnötig strapazierenden und vom Schlaf abhaltenden Aktionen kommen. Nach über einer Stunde ist um 23:52 Uhr die Kissenschlacht endlich beendet.
Wertung: mangelhaft

DI. 09/02, 08:30 – Weckruf

Der Weckruf erfolgt pünktlich mit persönlicher Anrede und Nennung der Uhrzeit. Bei der Bestellung am Vortag wurde auch nach einem Reminder gefragt. Die gewünschte Morgenzeitung hängt an der Tür.
Wertung: sehr gut

Schuhputzservice

Meine stark verschmutzten Nylon-Schneeschuhe wurden über Nacht bestens bearbeitet und sehen wieder aus wie neu. Sie sind in Seidenpapier gehüllt und hängen in einem Säckchen an der Tür – bei den Lederschuhen am nächsten Tag klappt es ebenso gut. Darüber hinaus befinden sich auf dem Zimmer ein Schuhputzlappen und eine Karte mit einer recht exklusiven Putzofferte, die es sogar in zwei verschiedenen Versionen gibt: als Deluxe und als Luxury Service. Letzterer umfasst: Reinigung Oberleder, Lederöl-Behandlung der Laufsohlen, Oberlederpflege mit hochwertiger französischer Schuhcreme, Austausch von defekten Schnürsenkeln, Glanzpolierung mit hochwertigem französischem Schuhwachs, Zedernholz-Schuhstecker in gewünschten Farben inklusive Poliertuch in einem edlen Filzbeutel. Ob man das nun braucht oder nicht, es ist ein kreatives und ungewöhnliches Angebot.
Wertung: sehr gut

08:59 – Frühstück

Das Frühstück wird in dem festlichen Gourmetrestaurant »Fischers Fritz« angeboten. Eine junge Mitarbeiterin heißt mich am Steh­empfang sehr freundlich willkommen und bringt mich auch nicht sofort an einen bestimmten Tisch, sondern fragt nach meinen Platz­wünschen – was an diesem Morgen möglich ist, da nicht viele Tische besetzt sind. Am Eingang liegen gut sichtbar mehrere lokale und überregionale Tageszeitungen.

Ich werde sogleich nach meinen Getränkewünschen gefragt; der frische Orangensaft und der Tee kommen umgehend – inklusive Abfallbehälter für den Tea-Caddy. Die sehr kleine Teekanne und die sehr große Tasse passen jedoch weder stilistisch noch von der Dimension her zusammen. In einem Eis­kühler steht der ordentliche Haussekt bereit, der in stilvollen Gläsern ausgeschenkt wird.

Über das Frühstücksangebot informiert eine Tischkarte: Es gibt vieles à la carte, zusätzlich stehen auf zwei großen Tischen Obst und Cerealien bereit. Die Müsliabteilung ist gut aufgestellt, das frische Obst – vorbildlich in kleine Stücke geschnitten – fällt von der Qualität und Quantität her sehr gut aus. Außerdem gibt es frische Beeren und acht verschiedene Trockenfrüchte. Aufschnitt, Wurst und Käse werden mir auf einer Etagere gebracht und sind von gerade einmal durchschnittlicher Discounterqualität. Brot und Brötchen enttäuschen ebenfalls, was angesichts der sonst im Haus angebotenen Spitzensorten von Bäcker Gaues doppelt schwer wiegt. Keine Bereicherung stellen die ­laschen Weißwürste mit Laugenbrötchen dar.

Als großer Reinfall erweisen sich die Eggs Benedict: Sie wurden zu lange pochiert und die sparsam eingesetzte Sauce Hollandaise ist unangenehm säuerlich. Ein Fertigprodukt? Die Muffinscheiben sind ­mäßige Convenience-Produkte; der schon optisch grauenhafte Schinken ist im Grunde ungenießbar. Insgesamt fällt das Gericht deutlich unterwürzt, staubtrocken und leblos aus. Obendrein malträtiert man es mit totgekochtem Spinat, der gar nicht auf die ohnehin schon überladenen Muffins gehört hätte. Dass ich den Teller kaum anrühre, übersieht der sehr junge Service geflissentlich, der ansonsten aber aufmerksam und akkurat arbeitet. Berechnet wird das Frühstück mit 35 Euro und ich werde freundlich verabschiedet. Im Four Seasons kostete das Frühstück seinerzeit 43 DM, fiel im Test jedoch ebenfalls mangelhaft aus – erstaunlicherweise aus ganz ähnlichen Gründen wie jetzt.
Wertung: mangelhaft

Housekeeping

Das Zimmer wurde erneut gut in Ordnung gebracht, verbrauchte Artikel hat man ersetzt. Auch ein neues Gratiswasser steht bereit. Die blindgeschraubte Glühbirne am Nachttisch und alle drei Markierungen im Bad wurden allerdings übersehen.
Wertung: mangelhaft

Wäscheservice

Den am Bett platzierten Wäschebeutel mit einem Bügelhemd hat das Housekeeping mitgenommen. Auf dem Zimmer lag nur eine Valet Laundry List, mehrere Formulare wären besser: Ein Gast kann ja verschiedene Aufträge haben (nur bügeln oder waschen oder reinigen) und muss die entsprechenden Kleidungsstücke unterschiedlich »eintüten« können. Das Bügelhemd schlägt mit saftigen acht Euro zu Buche; Waschen und Bügeln kosten 9,50 Euro. Wer auf die Idee kommt, ein Taschentuch waschen zu lassen, muss 3,50 Euro zahlen. Express wird ein Hemd innerhalb von einer Stunde retourniert. Wer an dieser Stelle kein Häkchen macht, muss wie ich bis zu sechs Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Um 16:24 Uhr bringt mir eine zauberhaft lächelnde junge Mitarbeiterin das Bügelhemd auf einem Holzkleiderbügel unter Cellophan zurück. Die Rechnung ist in einem geschlossenen Kuvert mit Regent-Schleifchen angehängt – sehr stilvoll. Das Hemd wurde akkurat gebügelt.
Wertung: gut

Raucherzimmer

Es gibt zwar Raucherflure im Regent, in allen öffentlichen Einrichtungen sind Zigaretten und Zigarren allerdings verboten. Um die Raucher nicht vor die Tür schicken zu müssen, hat man aus Zimmer 101 eine kleine »Smoking Lounge« gemacht. Diese wird gar nicht einmal selten genutzt, oft nehmen die Gäste dorthin auch Essen und Getränke mit oder bestellen sich etwas. Die Luft ist zum Schneiden dick, obwohl immer wieder gelüftet wird. Auch sonst inspiziert der Service die kleine Lounge gut und hält sie sauber.
Wertung: gut

Außenanlage

In den sauberen Außenanlagen kann ich zu keiner Zeit Unrat oder andere störende Gegenstände entdecken. Den Regent-Schriftzug vermögen Taxifahrer leicht, Ortsfremde weniger einfach zu finden. Dafür fügt er sich elegant in die sehr nüchterne Fassade ein. Insgesamt sieht das Hotel wie ein profanes Bürogebäude aus: Nicht ein Detail ist interessant, effekt- oder gar kunstvoll.
Wertung: befriedigend

Flure, Aufzüge, Treppen

Alle Bereiche sind tipptopp gepflegt und elegant gestaltet. Die Aufzüge präsentieren sich komfortabel, groß und luftig. Auf keiner Inspektionsrunde sehe ich Unrat oder andere störende Elemente.
Wertung: sehr gut

Sicherheitsaspekte

Die Fluchtwege sind gut erkennbar und abends beleuchtet. Bei den inspizierten, offenen Fluchttüren sind die Wege weder davor noch dahinter verstellt. Das Housekeeping arbeitet heinzelmännchenartig; die Arbeitswagen (mit Gästenamen) sieht man nie. Namen und Zimmernummern werden jedoch bei Anrufen nicht abgeglichen: In einem Fall erfahre ich am Telefon sogar die Zimmernummer des Gastes.
Wertung: mangelhaft

Message Transfer

Anrufer werden bei Abwesenheit des Gastes automatisch von einem Anrufbeantworter bedient. Die beiden Telefone auf dem Zimmer zeigen die Nachricht mit einem unübersehbar blinkenden roten Licht an. Das System verfügt zudem über eine Nummernspeicherung, sodass ich den Anrufer ohne weitere Einwahl zurückrufen kann.
Wertung: sehr gut

Bankett

Die Kontakte mit der Bankettabteilung verlaufen teilweise freundlich und professionell. Frau Z. nimmt sich in persönlichen Gesprächen genügend Zeit für mich und bleibt mir keine Antwort schuldig. Sie weiß zu informieren und gleicht alle relevanten Daten für die geplante Veranstaltung ab. Außerdem versteht sie es gut, ihr Hotel zu verkaufen und verweist nicht ohne Stolz auf die hoch bewertete Gastronomie. Ihr Auftritt ist selbstbewusst und offensiv, vielleicht jedoch eine Spur zu eindringlich. Ein wenig mehr Charme und Konzilianz wären schön.

Grundsätzlich sollte man sich nicht nur für jede Buchung, sondern auch für jede Anfrage bedanken. Obwohl Frau Z. bekannt ist, dass ­eine schnelle Entscheidung ansteht und ich für meine geplante Veranstaltung noch zwei Mitbewerber kontaktiert habe, reicht sie das angekündigte Angebot nicht ein.
Wertung: mangelhaft

19:09 – Restaurant »Fischers Fritz«

Das Restaurant, in dessen Küche als Chef de cuisine Christian Lohse steht, ist das am höchsten bewertete in Berlin: zwei Sterne im »Guide Michelin«, 19 Punkte im »Gault Millau«. Das weckt allerhöchste Erwartungen, zumal auch die Preise ein hohes Niveau haben: Vorspeisen kosten zwischen 35 und 44 Euro, Hauptgerichte 49 bis 95 Euro, Suppen 28 Euro, Desserts 20 Euro.

Ich werde freundlich am Eingang begrüßt und zu meinem Tisch geleitet. Das Restaurant macht einen getragenen Eindruck, wobei etwas krampfhaft versucht wird, den formellen Stil mit modernen Bildern und Kunstobjekten aufzufrischen. Die Tischkultur ist gediegen, nur die Servietten fallen viel zu steif aus. Das qualitativ ausgezeichnete Brot stammt auch hier von Jochen Gaues, der mit seinem Ochsenbrot und dem Kohl-Speck-Brot sehr hohe Maßstäbe für die ganze Zunft gesetzt hat. Sein Brot, das auch andere Sterneköche und der Bundespräsident schätzen, ist von einer Dichte und Saftigkeit, die man kaum noch erlebt und der die krosse Kruste den perfekten Umschluss gibt.

Die so geweckte Begeisterung lässt bei den Amuse-Gueules leider sofort nach. Diese sind von einer erschreckenden Dürftigkeit – man bekommt inzwischen selbst in Szenerestaurants Originelleres und sogar Besseres. Wechselhaft geht es bei den Vorspeisen weiter. Die kleinen, wenig fleischigen Froschschenkel sind ein enttäuschender Knabberspaß und werden von fad-sahnigem Spreewälder Sauerkraut und einer ausdruckslosen Emulsion aus Wacholdergrün und Wasser­spinat begleitet.

Die nächste Vorspeise gehört zu den viel diskutierten: knusprig gebackenes »Onsen-Ei mit Steinmühlen-Polenta, Schafsfußpilzen und jungem Parmesan« – für 35 Euro ein goldenes Ei. In Japan wird dieses traditionell in vulkanischen Wasserbecken gegart, bei uns erfolgt die Zubereitung – ohne Schwefelgeschmack – bei einer exakten Gartemperatur von 68 Grad Celsius. Dadurch wird das Eigelb cremig und das Eiweiß bleibt glibberig. Interessant am Onsen-Ei ist allerdings weniger der Geschmack, vielmehr sind es die verschiedenen Texturen und das haptische Erlebnis. In meinem Fall wurde das Ei mit knusprigen ­Toastbrotwürfeln (Mie de Pain) paniert – ein reizvoller Gegensatz zur Schmelzigkeit. Die Pilze und der junge Parmesan steuern ein wenig Geschmack bei. Insgesamt ein interessantes Gericht, auf das die Welt aber nicht unbedingt gewartet hat.

Eines der bekanntesten Gerichte von Christian Lohse wiederum ist die »Terrine von Gänsestopfleber mit geräuchertem Havel-Aal mit Pfefferkaramell und Konfitüre von violetten Auberginen«. Diese mutige und völlig anders strukturierte Gänseleber-Idee ist grundsätzlich spannend, anregend und reizvoll. An diesem Abend sind die Kontraste allerdings etwas grob gesetzt, könnten sich die Komponenten harmonischer zusammenfügen. Die Auberginenkonfitüre muss zudem eine Küchenhilfe gefertigt haben. Auch die »Paella von Langostinos, Rotbarbe und Stubenküken mit Jus von roter Paprika und Bouchot-Muscheln« gerät nicht mehr als ganz nett und wirkt uninspiriert – für ein normales Lokal durchaus ein gute Speise, für ein Spitzenres­taurant allerdings nicht. Die zusammen­gewürfelten Komponenten werden durch nichts zusammengehalten und entbehren einer schlüssigen Grundkonzeption.

Der »Kabeljau mit Knollenselleriestampf und Jus von der Kalbsbrust mit Périgord-Trüffeln« fällt ebenfalls nicht stimmig aus: Der Fisch ist zwar bestens gegart, die Sauce jedoch zurück­haltend bis nichtssagend. Den »Bauch vom Uckermärker Landschwein mit verschiedenen Rüben, Trüffeln und Petersilienjus« hat man für einen Menügang viel zu groß portioniert, zumal es sich hier um ein sehr fettes Gericht handelt. Die Galle ist davon ebenso wenig angetan wie der Gaumen. Die karamellisierte Kruste bietet zu wenig Kontrast und Gegengeschmack zum Bauch mit zu viel Fettanteil; die Rüben wurden zu lange gekocht. Die sparsam eingesetzten Trüffel sind geschmacklich kaum wahrnehmbar. Die Petersilienjus, die genauso giftgrün aussieht wie die Wacholderjus und der Wasserspinat, gibt ebenfalls kaum Aroma ab. Die Petits fours danach sind passabel, aber keine Glanzleistung.

Insgesamt fehlt es diesem Menü an Ingredienzen, die zu einem außergewöhnlichen Erlebnis führen. Saucen, Jus und Emulsionen fallen belanglos, dünn im Geschmack oder fett und sahnig aus. Die Präsentation ist eher durchschnittlich und wenig fantasievoll. Die willkürlich zusammengestellten Komponenten wollen keinen Akkord ergeben. Vieles wirkt gewollt amüsant, es fehlt jedoch an Geschmack, Aromen, Finesse, Sinnlichkeit und mitunter auch an Handwerk – das Ergebnis ist eine kaum mehr als akzeptable Hotelküche.

In einem der Restaurantführer steht, dass die Küche nur brillant sei, wenn auch Küchenchef Christian Lohse zugegen ist. Dazu muss man wissen, dass das Hotel nur über dieses eine Restaurant verfügt – weshalb es jeden Tag geöffnet hat – auch wenn der Küchenchef seinen freien Tag hat. Normalerweise dreht Christian Lohse gern seine Runden durchs Restaurant, allerdings nicht bei meinem Dinner, weshalb ich nachfrage, ob er zugegen wäre. Die Antwort ist ausweichend, man »glaubt«, dass er da ist. Doch unabhängig davon, ob der Küchenchef am Herd steht oder nicht: Ein solch hochpreisiges und extrem hoch dekoriertes Restaurant hat immer gut zu sein. Schließlich bekommen die Gäste keinen Rabatt an den Tagen, an denen der Küchenchef frei hat. Es muss immer sichergestellt sein, dass die Küche stets die gleichen Leistungen bringt – da kann es kein Pardon geben. Wenn Leis­tungen so ausfallen, wie hier erlebt, wäre es besser, man fährt an den freien Tagen des Küchenchefs ein anderes Konzept, verlangt niedrigere Preise und klärt die Gäste über die Abwesenheit Lohses auf.

Die Weinkarte geht auf Nummer sicher, bietet zwar kaum Entdeckungen, aber dennoch genügend gute Flaschen. In puncto Kalkulation fehlt es an Fingerspitzengefühl. Die Einstiegspreise liegen hoch, doch selbst in Spitzenrestaurants sollte man den Gästen weit mehr gute Offerten unter 50 Euro gönnen. Meist wird dann auch mehr konsumiert.

Gleich zwei Weine, die ich mir zuvor auf der Internetseite des Restaurants ausgesucht hatte und nun bestellen will, sind nicht vorrätig. Das ist sehr enttäuschend – Internetseiten wollen gepflegt werden und müssen aktuell sein. Der junge Sommelier agiert durchaus sympathisch und kenntnisreich, dabei aber eher zurückhaltend und wenig offensiv. Der von mir zuerst bestellte Wein gibt eindeutig einen preislichen Rahmen vor, in dem sich auch meine weiteren Weine bewegen sollten. Da der von mir gewünschte Wein jedoch nicht mehr vorhanden ist, wird mir ein anderer empfohlen – der nicht auf der Karte steht und doppelt so teuer ist. Geschmacklich ist dieser hervorragend, doch kann man durch solch falsche Preispolitik einen Gast in höchste Verlegenheit bringen.
Ansonsten tritt der Service sehr freundlich und beratend auf, manche Annoncen werden allerdings zu schnell und undeutlich ausgesprochen – angesichts der komplizierten Gerichte führt das zu häufigen Nachfragen. Sehr positiv ist die froh gestimmte Grundhaltung der Mitarbeiterinnen zu bewerten, die animierend wirkt. Es sind vor allem die Damen in diesem Hotel, die mit einem Lächeln und durch Engagement auffallen. Angesichts der hohen Erwartungen an Berlins bestes Res­taurant fällt der Besuch dennoch insgesamt verstörend aus.
Wertung: befriedigend

Rezeption

 

 

 

Ich frage am Vorabend meiner Abreise nach einem Late Check-out. Die Mitarbeiterin an der Rezeption ist sehr freundlich und behandelt mich nicht wie einen Bittsteller, was leider sehr oft der Fall ist. Nach einem kurzen Blick in den Computer vermag sie meinen Aufenthalt zumindest um eine Stunde zu verlängern: Nach mehr Aufschub hatte ich auch gar nicht gefragt. Wichtig war mir in erster Linie der Umgang mit dem Gast.
Wertung: sehr gut

MI. 10/02, 10:59 – Zimmerfrühstück

Ich umgehe die drei Frühstücksangebote, die preislich zwischen 25 und 35 Euro liegen, und wähle lieber à la carte ein Rührei. Beim Wasser fragt mich die Mitarbeiterin, welche Temperatur dieses haben soll – Zimmertemperatur oder kühler. Das ist eine gute und individuelle Idee, die eigentlich Standard sein sollte, aber eher die Ausnahme bildet. Auf der Karte stehen außerdem Beeren und Obstsalat, aber keine frischen Früchte, obwohl es diese auf dem Frühstücksbuffet gibt. Die sehr freundliche Mitarbeiterin wiederholt die Bestellung und gibt die Servierzeit mit erstaunlich schnellen 15 Minuten an. Tatsächlich wird das Bestellte erst 31 Minuten später gebracht. Der sehr freundliche Etagenkellner erscheint dabei leider nicht mit einem Trolley, sondern nur mit einem Tablett, das auf dem viel zu kleinen Tisch keinen Platz hat.

Die Butter zum Toast wurde ebenso vergessen wie die Ablage für das Teesieb. Es gibt Frischblatttee und keinen Tea-Caddy wie beim Frühstücksbuffet. Das Schlimmste aber: Die Thermoskanne riecht extrem nach Kaffee. Mit so einem Wasser kann man keinen Tee zubereiten. Die Reklamation nimmt man mit großem Bedauern zur Kenntnis und bringt umgehend eine neue Kanne mit heißem Wasser. Die bestellten und zu festen Rühreier schmecken nach Instant und nicht wie frisch gemacht. Es sollten Rühreier aus zwei Eiern sein, die Portion fällt aber deutlich größer aus.
Wertung: mangelhaft

13:02 Check-out

Die Abreise erfolgt wie aus dem Handbuch des guten Hoteliers: Eine freundlich lächelnde, mir in die Augen schauende Mitarbeiterin fragt mich zuerst, ob der Aufenthalt angenehm gewesen wäre. Erst dann erkundigt sie sich nach dem Minibarverbrauch. Anschließend legt sie mir zur Kontrolle den Info-Ausdruck der Rechnung vor; die Rechnung über 1026 Euro und die Einzelbelege überreicht sie mir in einem Umschlag. Alles ist korrekt. Zum Schluss wünscht sie mir eine gute Heimreise. Der sehr freundliche Page mit lustiger moderner Mütze und nicht dem üblichen steifen Hut ist gleich zur Stelle, nimmt sich des Gepäcks an und wünscht mir ebenfalls eine gute Heimfahrt.
Wertung: sehr gut

13:19 – Lobby Lounge

Das Regent ist ein sehr übersichtliches Hotel: Die Rezeption ist klein, die Lobby Lounge alles andere als groß, die Outlets bestehen letztlich nur aus Restaurant und Bar. In einem solchen Haus sollte es also möglich sein, irgendwo und irgendwann den Direktor zu entdecken. Der GM ist offenbar so anonym wie der Hoteltester. Fast: Am Tag meiner Abreise sitzt er in der Lobby mit Gästen, während ich nebenan an einem Tisch warte, der mit Krümeln und Flecken übersät ist.

Lost & Found

Der Mitarbeiterin ist es während meines Anrufs nicht möglich, im Computer nachzusehen, ob in meinem Zimmer ein Fundstück registriert wurde. Das sollte allerdings mithilfe eines Systems, das jeder Hotelmitarbeiter einsehen kann, ohne Probleme gelingen: Kein Gast muss dann erst auf eine Nachfrage bei der Hausdame warten. Man verspricht mir einen Rückruf, der zwei Tage später erfolgt. Das »vergessene« Teil wurde entdeckt und mir kostenfrei innerhalb von drei Tagen zugeschickt.
Wertung: gut

Bilanz

Das Regent ist ein durchaus akkurates Hotel mit Businesscharakter, dem es aber an Persönlichkeit, offensivem Charme und Lebendigkeit fehlt. Dieses Hotel »funktioniert« zwar an vielen Stellen, doch es werden zu wenig Emotionen vermittelt. Darüber hinaus muss man sich als Gast fragen, warum ausgerechnet dieses Hotel das Ziel für einen Aufenthalt sein sollte. Die sehr gute Lage am Gendarmenmarkt ist ein Grund. Die hoch gelobte Gastronomie überzeugte allerdings bei unserem Besuch weit weniger. Und auch die Küchenleistungen beim Frühstück hätten besser sein können. Während des Testaufenthalts war im Regent kaum mehr als solider Standard auszumachen, was für ein wirkliches Top-Hotel zu wenig ist.

Hauptschwachpunkt beim Test vor neun Jahren, als das Hotel noch als Four Seasons firmierte, waren ebenfalls die Küchenleistungen. Glanzpunkt auch damals schon: der Schuhputzservice. Insgesamt aber schnitt das Four Seasons seinerzeit wegen der sehr guten Serviceleistungen und vielen persönlichen Details mit 90 Punkten deutlich besser ab.

Ergebnis: 60%

Testurteil: befriedigend

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!