Akquisition Kempinski kauft Prager Augustine Hotel

Das Augustine Hotel in Prag ist in einem 800 Jahre alten Kloster untergebracht.
Das Augustine Hotel in Prag ist in einem 800 Jahre alten Kloster untergebracht. © Garry Kan/Kempinski

Die Luxushotelgruppe übernimmt das Hotel in einem historischen Augustinerkloster. Es ist der erste komplette Hotelkauf des Unternehmens seit mehr als fünf Jahrzehnten.

Kempinski Hotels hat den Kauf des Augustine Hotel in der tschechischen Hauptstadt bekanntgegeben. Laut dem Unternehmen handelt es sich um die erste vollständige Akquisition seit der Investition in das Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München im Jahr 1970. Die Transaktion steht unter der Verantwortung von CEO Barbara Muckermann, die damit einen strategischen Schwenk hin zu einem stärker anlagenorientierten Geschäftsmodell einleitet. Kempinski will künftig verstärkt auf Direktinvestitionen und den Erwerb prestigeträchtiger Häuser setzen, um das Gästeerlebnis umfassender gestalten zu können.

„Chancen, Hotels wie das Augustine Hotel, Prague zu erwerben, sind ausgesprochen selten“, sagt Muckermann. Die Investition biete „eine einzigartige und überzeugende Gelegenheit, ein historisches Anwesen an einem der führenden europäischen Luxusreiseziele zu sichern.“

Ein Hotel in den Mauern eines 800 Jahre alten Klosters

Das Augustine Hotel liegt im Prager Stadtteil Malá Strana unterhalb der Prager Burg und befindet sich innerhalb der Mauern des Augustinerklosters St. Thomas. Die Geschichte der Anlage reicht mehr als 800 Jahre zurück. Bis heute lebt dort eine aktive Gemeinschaft von Augustinermönchen, die einen Alltag aus Gottesdienst, Arbeit und Studium pflegt. Das Hotel nimmt einen sorgfältig abgegrenzten Teil des historischen Geländes ein.

Das Haus verfügt über 101 Gästezimmer, darunter 20 Suiten. Viele Räume sind mit originalen Gewölbedecken und Holzbalken ausgestattet und bewahren die Struktur der früheren Wohnräume der Mönche. Die „Refectory Bar" befindet sich im ehemaligen Speisesaal des Klosters. Zum Angebot gehören außerdem ein Spa- und Fitnesscenter, eine historische Klosterbibliothek mit Jahrhunderte alten theologischen und wissenschaftlichen Werken sowie über 400 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und mehr als 650 Quadratmeter Terrassen und Gärten. Das Hotel ziehe seit langem internationale Gäste an, darunter Staatsoberhäupter sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur, so Kempinski.

Strategiewechsel bei Kempinski

Die Übernahme steht im Zusammenhang mit einer breiteren strategischen Neuausrichtung. Kempinski setzt nach eigenen Angaben künftig auf Direktinvestitionen in ausgewählte Häuser, statt ausschließlich als Managementgesellschaft zu agieren. Muckermann betonte, die Stärke der Marke liege in ihrer „Sammlung höchst individueller Häuser, von denen viele historische, architektonische Wahrzeichen sind und die Kultur und Gemeinschaft der jeweiligen Reiseziele auf einzigartige Weise zum Ausdruck bringen.“ Statt auf Einheitlichkeit zu setzen, wolle man den Charakter jedes Standorts herausarbeiten. Das Augustine Hotel werde dabei „die erste konkrete und erlebnisorientierte Verwirklichung des Konzepts ‚Kempinski der Zukunft'“ sein, so die CEO.

Rasha Lababidi, Chief Product & Experience Officer der Kempinski Gruppe, ordnete den Kauf ähnlich ein: „Da sich der traditionelle Luxus nach wie vor in festen Rahmenbedingungen bewegt, verfolgen wir eine mutige, bewusste Strategie: Wir verbinden Produkt und Erlebnis mit der kulturellen Tiefe und dem Charakter jedes Reiseziels, an dem wir vertreten sind.“ Das Augustine Hotel biete „eine spannende Gelegenheit, eine echte historische Ikone auf eine Weise neu zu interpretieren, die für moderne Reisende relevant ist.“

Umbau und Wiedereröffnung

Seit dem 1. April 2026 wird das Hotel laut Kempinski zunächst als sogenanntes White-Label-Luxushotel betrieben werden. In dieser Phase plant das Unternehmen eine umfassende, designorientierte Neugestaltung sämtlicher Zimmer und öffentlicher Bereiche. Die architektonische Substanz und der historische Charakter des Hauses sollen dabei erhalten bleiben. Ende 2026 ist die Wiedereröffnung unter der Marke Kempinski vorgesehen. red/sar