Keimfrei mit einem DesinfektionsroboterTÜV Süd über gesetzliche und sicherheitstechnische Aspekte

Statt große Flächen per Hand keimfrei zu halten, empfiehlt der TÜV Süd den Einsatz von Desinfektionsrobotern zum Beispiel mit UV-C-Strahlung. (Bild: natatravel - adobe istock)

Nicht erst seit Corona wird viel Wert darauf gelegt, Flächen zuverlässig keimfrei zu halten. Dabei wird bisher meist von Hand gereinigt und desinfiziert, heißt es beim TÜV Süd. Da das aber nicht unkritisch sei, empfehle sich der Einsatz von Desinfektionsrobotern.

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So sei die Reinigungskraft während der Desinfektion von Hand selbst möglichem Viren- und Bakterienkontakt und den damit verbundenen Gefahren ausgesetzt. Zum anderen sei eine lückenlose Reinigung trotz erfahrener Reinigungskräfte und einem genauen Reinigungsplan oft schwer sicherzustellen.

Der Desinfektionsroboter besteht im Wesentlichen aus einer mobilen Plattform, die in der Umgebung, in der sie sich autonom bewegt, ein Desinfektionsmittel versprüht oder diese mit kurzwelliger und energiereicher UV-C-Strahlung bestrahlt. Beide Methoden haben sich im medizinischen Alltag bewährt, so der TÜV. Mit durchschnittlich 5 km/h sorgen Desinfektionsroboter in Hotels für keimfreie Sicherheit.

Für den sicheren Einsatz

Ein Hersteller, Importeur/Exporteur oder Betreiber von Desinfektionsrobotern muss sicher sein können, dass die Maschinen zwar unerwünschten Keimen zuverlässig den Garaus machen, eine etwaige Gefährdung von Menschen oder Sachschäden jedoch möglichst ausgeschlossen ist. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber die Schutzziele und die Verantwortung der unterschiedlichen Beteiligten im Produktsicherheitsgesetz und Betriebssicherheitsgesetz sowie ergänzenden Vorschriften und technischen Regeln festgelegt.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, sind detaillierte Kenntnisse des Robotersystems und eine Beurteilung der Risiken notwendig, die in den unterschiedlichsten Betriebsarten und Umgebungsbedingungen im gesamten Produktlebenszyklus vorkommen können.So muss der Reinigungsroboter Hindernisse wie Tiere und Menschen rechtzeitig erkennen und wissen, wann das Versprühen des Desinfektionsmittels beziehungsweise das Bestrahlen sofort einzustellen ist. Auch bei der Raumerfassung und Bahnplanung muss clever vorgegangen werden, damit die unermüdlichen Arbeitskräfte an Treppen oder Kanten nicht versehentlich abstürzen.

Der Reinigungsroboter sollte auch nur in einer Umgebung betrieben werden, für die er konzipiert wurde und die dafür geeignet ist, zum Beispiel müssen Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit stimmen. Verwendete Batterien oder Ladegeräte sollen richtig eingesetzt, betrieben und gewartet werden und es muss ausgeschlossen sein, dass falsche Substanzen oder Konzentrationen eingesetzt werden, die bedenkliche chemische Reaktionen bis hin zu Verpuffungen auslösen könnten. Nicht zuletzt muss das Abrufen oder Übertragen von sensiblen Daten ausgeschlossen werden können und ergonomische Grundsätze sollten betrachtet werden, damit es nicht zu einer Fehlbedienung wegen schlechter Lesbarkeit und Bedienbarkeit kommt.

Betreiber muss verifizieren

Für die unterschiedlichen Akteure im Produktlebenszyklus eines Desinfektionsroboters ergeben sich erfahrungsgemäß notwendige Aufgaben. Der Hersteller muss Anforderungen an den Desinfektionsroboter festlegen, Risiken bewerten und mindern, Abnahmeprüfungen und Zertifizierungen für den Weltmarkt planen und durchführen sowie Service-und Wartungsmaßnahmen definieren. Der Importeur muss technische Dokumentation auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit hinsichtlich der gesetzlichen und normativen Anforderung verifizieren und validieren. Der Betreiber muss die Verifizierung in der Applikation unter Berücksichtigung der tatsächlichen Arbeitsumgebung bei der Inbetriebnahme, Betrieb, Reinigung und Wartung, Umsetzung der durch den Hersteller empfohlenen Installations-, Wartungs- und Schulungsmaßnahmen vornehmen.

Prüfzeichen durch den TÜV Süd

Damit die Roboter sicher und zuverlässig arbeiten, kommt der TÜV Süd zum Einsatz: Nur Roboter, die ihren Job zuverlässig erfüllen und dabei keinerlei Gefahr für andere darstellen, bekommen das Prüfzeichen und dürfen auf Bakterien und Viren losgelassen werden. Für eine erfolgreiche Zertifizierung hat es sich für das Dienstleistungsunternehmen daher bewährt, die Risikobeurteilung, wie sie von der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG nach ISO 12100 gefordert wird, zu erweitern. Eine sinnvolle Risikobeurteilung sollte die grundlegenden Gefährdungen umfassen sowie auch weitere Bereiche wie Datensicherheit, Kommunikations- und Interoperabilitätsfähigkeit und deren gegenseitige Beeinflussung berücksichtigen und beinhalten.

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