Karin Reeckmann

Tophotel stellt in loser Folge Spa-Persönlichkeiten vor, die durch Erfahrung und »Fingerspitzengefühl« zur Visitenkarte des Hotels wurden. In dieser Folge: Karin Reeckmann vom artepuri hotel meerSinn, Binz.

Eine schmale Frau, kurze, braune Haare, gänzlich ungeschminkt. Ein bisschen jungenhaft und mädchenhaft zugleich. Ein warmes ­Lächeln. Kein mütterlicher Typ und doch vertrauenserweckend – kein Wunder, dass in Karin Reeckmanns Behandlungszimmer (»ein ­geschlossener Raum«) so mancher Damm bricht – physisch wie ­psychisch.

Die Physiotherapeutin und Heilpraktikerin leitet den Bereich »Fit net Physio« im artepuri hotel meerSinn, einem Design- und Wohlfühlhotel mit angeschlossenem Gesundheitszentrum im Ostseebad Binz auf Rügen. »Fit net Physio« steht frei übersetzt für »Teamwork« und »mehr Fitness und Gesundheit durch Bewegung«. Der Bereich ist eine tragende Säule des hier praktizierten ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes, das die Schulmedizin mit der Naturheilkunde auf der Basis der modernen F.X. Mayr-Medizin vernetzt. Entgiftung und Entschlackung des Körpers stehen dabei im Fokus. Zudem werden die ­Fähigkeiten zur Selbstregeneration und die Stärkung von Körper, Geist und Lebensenergie gefördert.

»Wer zu uns kommt, hat ein Anliegen. Er hat vielleicht Schmerzen oder er will sich fitter fühlen, er möchte etwas für seine Gesundheit tun; auf jeden Fall ist er bereit, etwas zu verändern – und das ist schon einmal ein wichtiger Schritt.« Denn etwas verändern, heißt in diesem Fall »sich bewegen«, im doppelten Sinne des Wortes. Gäste, die im artepuri hotel meerSinn eine Mayr-Kur buchen, werden deshalb häufig nach der ärztlichen Eingangsuntersuchung zu Karin ­Reeckmann geschickt. Sie soll herausfinden, wie genau dieser Gast sich am besten »in Bewegung setzen« lässt. Dazu benutzt die ­Therapeutin all ihre Sinne: »Ich nehme den Gast im Ganzen wahr. Schon wenn ich ihn an der Rezeption abhole, beobachte ich, wie er aufsteht, wie er sich bewegt, welche Art Händedruck er hat. Und im Verlauf der ersten Stunde hier bei mir entwickelt sich aus der Wahrnehmung eine Strategie, wie und was denjenigen unterstützen kann, um zu erreichen, was er möchte.«

Dabei helfen ein ausführliches Gespräch und die Myoreflextherapie. Im Gespräch macht sich Karin Reeckmann ein Bild über das Anliegen des Gastes, seine gesundheitlichen Probleme, aber auch über seine Lebensumstände, Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. »Ich hole den Gast da ab, wo er steht. In dem Spiegelraum zwischen Erwartungen, Ängsten und Problemen, die er mitbringt, suche ich genau den Ansatz, der diesen Menschen dazu bringt, seine Perspektive zu verschieben.« Dazu ist es wichtig, dass der Gast etwas erlebt, was ihn berührt. Und das passiert während der Myoreflextherapie. Bei dieser Behandlung, die Elemente aus der TCM, der Osteopathie und der Feldenkraislehre beinhaltet, werden durch bestimmte Stimulationen und gezielt ausgelöste Reflexe ­Muskelgruppen entspannt. Vereinfacht gesagt, lernt der Körper dabei neu, wie er sich eigentlich bewegen kann. Der Effekt ist verblüffend: Nach der 50-minütigen Behandlung fühlt man sich leicht, beweglich und um Jahre jünger. »Über das persönliche Erleben in der Körperbehandlung öffne ich eine Tür«, erläutert Karin Reeckmann. »Der Gast fühlt sich plötzlich ganz anders, wenn er von der Liege aufsteht; er kann sogar im Spiegel sehen, dass sich etwas an seinem Körper verändert hat. Er spürt den Unterschied zu vorher und das überzeugt ihn. Es hat sich etwas geklärt. Wenn dann die Frage kommt ›Was kann ich jetzt selbst tun, dass das so bleibt?‹ ist die Bereitschaft zur Veränderung da, dann geht er sozusagen durch die Tür.«

Und was kommt anschließend? Für die Gestaltung des Aufenthaltes im Haus kann Karin Reeckmann auf Mitarbeiter aus den Bereichen Physiotherapie, Fitness, Sport, Massage, Psychotherapie und Energiearbeit zurückgreifen. »Ich gehe dann zum Beispiel auf einen Sporttherapeuten zu und sage ihm: ›Pass auf, hier gibt es das und das Problem, probiere mal mit diesem Menschen dies und jenes, und wenn das nicht geht, versuche es mal mit dem und dem‹ … Teamwork ist mir wichtig.«

Anstöße für ein gesundes Leben

So erfährt und erlebt der Gast in aller Regel eine deutliche Besserung seiner Beschwerden und fährt mit vielfältigen Anstößen für ein gesünderes Leben nach Hause. Der eine hat Freude am Nordic Walking gefunden, der andere Spaß am Tai Chi, die Dritte hat durch progressive Muskelentspannung Entlastung erfahren, und alle wissen nun, wie der Dreiklang aus gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und bewusster Entspannung ihre Lebensqualität verbessern kann. Entsprechende Tipps und Empfehlungen erhält übrigens auch der nichtkurende Gast, der sich während seines Aufenthaltes einmal »probeweise« in Karin Reeckmanns wissende Hände begibt. »Letzten Endes können wir hier in der kurzen Zeit nur sensibilisieren für die eigene Problematik und Mut machen zur Veränderung. Wenn es uns gelingt, im Menschen ein Gefühl von Kraft und eigenem Potenzial zu wecken, ist schon viel erreicht – fühlen, dass was geht und erleben, wie es geht, ist – einfach gesagt – die Devise.«

Freude daran, etwas in Bewegung zu bringen, die Seele zu berühren, Anstöße zu geben – das ist Karin Reeckmanns Antriebsmotor, »das will ich jeden Tag leben«. Lebens- und Arbeitszeit sind für sie nicht zu trennen, und das versucht sie auch ihrem Team und in ihren Schulungen zu vermitteln: »Unsere Gäste sind nur für einen begrenzten Zeitraum bei uns. Wir müssen offen, bereit und mit allen Sinnen bei dem sein, was wir gerade tun. Wir können hier keinen Standard abspulen.«

Viele Jahre betrieb Karin Reeckmann selbst ­Leistungssport (Kunstturnen und Kampfsport). Ein Autounfall zwang sie damit aufzuhören. Um nah dran zu bleiben, erschien der jungen Frau der Einstieg in die Physiotherapie optimal. Ihr Wissensdurst, ihre Neugier und ihre Begeisterung für das »Wunderwerk Körper« motivierten die in Vorpommern Geborene zu einem Fernstudium der Medizinpädagogik an der Berliner Humboldt-Universität. Dazu kamen eine Ausbildung zur Heilpraktikerin und etliche weitere Zusatzqualifikationen. Zurzeit absolviert die heute 52-Jährige nebenberuflich die aufwendige Ausbildung zur Feldenkrais-Lehrerin. »Ich habe gerne freiberuflich gearbeitet und ich habe sehr gerne unterrichtet, aber als vor sieben Jahren das Angebot kam, das artepuri-Konzept mitzuentwickeln, habe ich mit großer Begeisterung ja gesagt. Und das nie bereut.«

Sechs Tage in der Woche arbeitet (=lebt!) die vielseitige und leidenschaftliche Therapeutin im artepuri hotel meerSinn. Plus täglich je eine Stunde Fahrt zur Arbeit und zurück. Wo und wann tankt diese Frau nur auf? Karin Reeckmann lächelt: »Ich fahre morgens in die aufgehende Sonne und abends in den Sonnenuntergang. Das Licht und die Bilder, die es mir vermittelt, sind für mich die optimale Vor- und Nachbereitung des Tages. Und dann habe ich das große Glück, an einem wunderbaren Platz zu leben, an dem ich mich zu Hause fühle. In einem Landschaftsschutzgebiet, direkt am Wasser, mit freiem Blick.« Das Wasser braucht Karin Reeckmann, es ist ihr Lebenselixier. Wann immer die Temperatur es zulässt, geht die Therapeutin schwimmen: »Im Wasser fühle ich mich mit der Natur verbunden. Ich fühle mich in Beziehung zu ihr, gehöre dazu, das gibt mir Kraft. Manche erreichen diesen Zustand durch Meditation. Ich lasse mich vom Wasser tragen und bin ein Teil vom Ganzen.«