Kalkweiß statt Schönbrunner GelbFassade des Hotel Imperial Wien erstrahlt in neuem Glanz

Fassade und Tympanon des Hotels Imperial Wien wurden wieder in Weiß statt Gelb gestaltet. (Bild: Nuriel Molcho)

Die Restaurierungsarbeiten an der Hauptfassade des Hotel Imperial Wien, des ehemaligen Palais Württemberg, sind vollendet. Gemäß seinem ursprünglichen Erscheinungsbild glänzt das imperiale Exterieur mit seinen zahlreichen Figuren nun wieder in elegantem Monochrom.

Anzeige

Am meisten Aufmerksamkeit während der Restaurierung bedurften die Hirschköpfe im Tympanon des Palaishotels, das Herzog Philipp von Württemberg 1863 an der Ringstraße als seine Privatresidenz erbauen ließ. Der Hirsch ist neben dem Löwen das Wappentier des Hauses Württemberg. Während ein Hirschhaupt im Atelier noch restauriert werden konnte, wurde das zweite aus Bihać-Kalkstein in einer Rekordzeit von vier Wochen neu gemeißelt.

Schönbrunner Gelb weicht Kalkweiß

Die porös gewordenen, von Bildhauer Franz Melnitzky geschaffenen Statuen über dem Eingangsportal, welche die vier Herrschertugenden Weisheit, Ehre, Gerechtigkeit und Stärke symbolisieren, sowie die Figuren im Dreieckgiebel des Daches – allen voran die Heilige Barbara – wurden vor Ort restauriert. Nach sorgfältiger Reinigung wurden sie in luftigen Höhen ausgebessert angestrichen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt wurde die nicht deckende Farbgebung erarbeitet, die sich am Original orientiert und das Schönbrunner Gelb der 1980er-Jahre ablöst. Aufgrund der Bestandsflächen konnte die alte Kalkfassungstechnik nicht wiederverwendet werden, und es wurde daher eine Silikatfarbe eingesetzt. Es ist den Restauratoren jedoch gelungen – durch Einsatz einer barocken, hauptsächlich im Kirchenbau eingesetzten Maltechnik – die Effekte der Kalktechnik zu imitieren. Das bedeutet: Eine sehr transparente, sehr dünnlagige Auftragsvariante wurde gewählt, die dem Kalkduktus entspricht und auch die Variationen der Licht- und Farbeffekte gut wiedergibt.  „Die traditionelle Maltechnik und die Farbtonwahl erzeugen unterschiedliche Licht- und Farbbilder der vorhandenen Tektonik der Fassade. Je nach Einstrahlwinkel des Tageslichts ergibt sich ein lebhaftes Spiel zwischen Nuancen von Weiß, Beige, Gelb und Grau. Im Vordergrund steht dabei immer die reichhaltige Plastizität der Zierelemente“, so die Architekten Jaffar Chalabi und Karin Leeb-Chalabi.

Die Gäste erfreuen sich über mehr Licht in ihren luxuriösen Zimmern und Suiten, denn die restaurierten Außenfenster wurden von ihren Rollladenkästen befreit, womit die ursprünglichen Fensterproportionen wieder präsent sind. Der größere Glasanteil bringt die historische Eleganz der Fassade zurück.

Anzeige