"Juliet Rose Bar"-GM im Interview "Die Menschen werden es genießen, endlich wieder auszugehen"

Sebastian Lumpe, General Manager der "Juliet Rose Bar" in München, hat während der Coronazeit zusammen mit seinem Team an einer neuen Barkarte gearbeitet. Am heutigen Freitag startet der Betrieb zumindest am Wochenende wieder. (Bild: Juliet Rose Bar/Hilton)

Die “Juliet Rose Bar” im Hilton Munich City öffnet ab dem heutigen Freitag zumindest für das Wochenende wieder ihre Türen. Wie man die Corona-Zeit überbrückte, welche Hygiene-Maßnahmen nun ergriffen wurden und wie das Team daran arbeitete, die Gäste zu halten, erklärt Sebastian Lumpe, General Manager der “Juliet Rose Bar”, im Interview:

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Herr Lumpe, viele Gastronomie- und auch einige Barbetriebe haben während der Krise To-go-Konzepte und teilweise sogar eigene Lieferservices ins Leben gerufen. Wieso nutzte die “Juliet Rose Bar” diese Möglichkeit nicht?

Nachdem Herr Söder in seiner Pressekonferenz bekannt gegeben hatte, dass Bars ab dem 17. März geschlossen bleiben müssen, haben wir sofort reagiert und tatsächlich Drinks to go angeboten. Nach eineinhalb Wochen mussten wir die Bar jedoch komplett schließen. Zwischenzeitlich nutzten wir die Zeit für Arbeiten an unserer ‘Infrastruktur’, die wie so oft auf der Prioritätenliste nach unten gerutscht war.

Inwiefern haben Sie die Infrastruktur überarbeitet?

Wir gaben natürlich auch unserer Kreativität in dieser Zeit viel Raum. So haben wir unter anderem intensiv an einer neuen Barkarte gearbeitet. Ursprünglich wollten wir nur ein paar Drinks ändern. Die erarbeiteten Cocktails meines Teams waren jedoch alle wirklich sensationell, somit haben wir eigentlich die gesamte Karte neu aufgesetzt. Flankiert werden diese neuen Drinks von wirklich ausgefallenen Gläsern. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir die einzige Bar Münchens mit solchen Gläsern sein werden. Da wir unsere Gäste mit all diesen Neuheiten aber überraschen wollen, sobald sie wieder zu uns kommen können, möchte ich hier natürlich nicht zu viel verraten.

Das Team der “Juliet Rose Bar” in München postet regelmäßig Updates auf den sozialen Medien. Dort wurde auch der Restart am heutigen Freitag angeteasert. (Bild: Instagram/Juliet Rose Bar)

In den sozialen Medien haben Sie regelmäßig Cocktailrezepte gepostet und  Schritt-für-Schritt Anleitungen für deren Zubereitung gezeigt. Hatten Sie keine Bedenken, dass Sie sich damit in gewisser Weise selbst die potenziellen Gäste nehmen?

Nein, in dieser Hinsicht hatte ich ehrlich gesagt überhaupt keine Bedenken. Zum einen teilen wir mit unserer Community ja eher Rezepte für klassische Drinks wie etwa den Negroni. Unsere Signature Drinks klammern wir dabei aus. Und zum anderen kann das Erlebnis im eigenen Wohnzimmer oder auf dem eigenen Balkon nie das gleiche sein wie in unserer Bar, wo wir mit einer Vielzahl besonderer Zutaten, Effekte, wie etwa dem Räuchern, und so weiter arbeiten. Und wie schon erwähnt, werden wir zum Re-Opening eine neue Bar-Karte mit unseren Gästen bisher gänzlich unbekannten Drinks launchen.

Wird sich das Ausgehverhalten der Bevölkerung in Ihren Augen generell verändern?

Ich denke, dass wir mit Sicherheit noch ein Jahr lang nicht in das (öffentliche) Leben zurückkehren werden, das wir vor der Corona-Pandemie kannten. Das ist ein Gedanke, über den sich viele Menschen sicherlich auch erst einmal im Klaren werden und diesen in der Folge dann auch verarbeiten und akzeptieren müssen. Im gleichen Moment empfinden viele aber so eine aufgestaute Vorfreude, dass ich davon überzeugt bin, dass die Bevölkerung wieder ausgehen wird wie früher. Anfangs wird es wahrscheinlich noch Unsicherheit geben, ob die Betriebe jetzt wirklich wieder geöffnet haben, was alles zu beachten ist etcetera. Aber es wird sich ziemlich schnell einpendeln und die Menschen werden es nach so langer Zeit zuhause auch wieder richtig genießen, auszugehen. Was sich aber sicherlich verändern wird, sind die Stadtbilder und das Ausgehangebot, bedingt durch zahlreiche Insolvenzen, die nicht wegzudiskutieren sind.

Wie haben Sie sich auf das heutige Re-Opening vorbereitet?

Natürlich mussten wir abwarten, was die Regierung letztlich an Maßgaben für eine Wiedereröffnung setzt, wie etwa die Vorgabe, dass die Gäste untereinander einen Abstand von 1,5 Metern (wenn sie nicht eine Gesellschaft sind, Anm. d. Red.) einhalten müssen, oder dass sie nicht ohne Mundschutz bedient werden dürfen. Wir haben Pläne ausgearbeitet, mit welchen alle Vorgaben eingehalten werden können. Die Sicherheit unseres Teams und unserer Gäste ist für uns das höchste Gebot.

Welche Maßnahmen wurden konkret ergriffen?

Die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern muss gewährleistet sein, zudem werden wichtige ‘Touchpoints’ wie Türklinken, Bedarfsgegenstände, Tischflächen und so weiter regelmäßig desinfiziert, auch den Gästen steht Desinfektionsmittel zur Verfügung. Das Team trägt Mund-Nasen-Bedeckung; und auch die Gäste müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, die sie nur am Tisch abnehmen dürfen. Wir arbeiten zudem mit einer digitalen Speise- und Getränkekarte, um Berührungspunkte zu minimieren. Über denselben QR-Code funktioniert auch die Gästedatenerhebung. Sie ist somit sehr hygienisch, umweltfreundlich, effizient und datenschutzkonform.

In der “Juliet Rose Bar” werden ausgefallene Drinks wie der “Thyme Travel” in passenden Behältnissen wie diesem Globus serviert. (Foto: Juliet Rose Bar/Hilton)

Die “Juliet Rose Bar” ist keine klassische Hotelbar. Sie befindet sich zwar im Hilton Munich City, ist aber ein Stand-Alone-Konzept. Wir beurteilen Sie diese Positionierung in Anbetracht der Corona-Krise?

Für ein amerikanisches Kettenhotel wie unseres, sind wir mit der aufwändigen Neupositionierung unserer (Hotel-)Bar durchaus in einer Vorreiterrolle. Die ‘Juliet Rose Bar’ wurde vor knapp zwei Jahren eröffnet. In dieser Zeit konnten wir uns am Münchner Markt etablieren und insbesondere an den Wochenenden hatten wir einen tollen Mix aus Locals und internationalen Gästen aus unserem Hotel. In Anbetracht künftig noch geltender Reisebeschränkungen und abgesagter Großevents, sind wir uns alle einig, dass die Positionierung losgelöst vom Hotel genau die richtige war. Unsere Münchner Klientel wird in meinen Augen ein Driver werden.

Interview: Laura Schmidt

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