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Interview mit Teresa und Stefan Hinteregger vom Hideaway ForestisWenn Corona der Neueröffnung im Weg steht

Nach mehr als einem Jahr Umbauzeit wollten Teresa (27) und Stefan Hinteregger (30) ihr Natur-Hideaway Forestis in Südtirol in diesen Wochen eröffnen. Doch Corona durchkreuzte die Pläne des jungen Paares. Wie sie sich fühlten, als ihnen die Schwere der Krise bewusst wurde, wie es jetzt weiter geht, und welche Chancen sich durch die Krise für sie persönlich auftun, haben sie im Tophotel-Interview verraten.

Teresa und Stefan Hinteregger sind seit dem Jungendalter im Tourismus tätig. Vor fünf Jahren übernahmen sie gemeinsam die Leitung des Rosalpina Dolomites. Mehr als ein Jahr veranschlagten sie für den Um- und Ausbau des denkmalgeschützten ehemaligen Lungensanatoriums an der Plose, welches in diesem Jahr als Forestis Dolomites wiedereröffnen soll. Das Unesco-Welterbe Dolomiten inspirierte dabei Konzept und Architektur des Natur-Hideaways. Ein neues Datum für das Opening können die beiden Hoteliers noch nicht nennen. (Foto: Forestis)

Tophotel: Frau Hinteregger, Herr Hinteregger, Sie wollten das neue Forestis nach mehr als einjähriger Umbau- und Erweiterungszeit am 20. Mai eröffnen. Stattdessen mussten Sie Anfang März den Baustellenbetrieb für einen Monat einstellen. Was haben Sie in dem Moment empfunden, in dem Sie diese Entscheidung getroffen haben?

Stefan Hinteregger: Ich war anfangs ein unverbesserlicher Optimist und ging davon aus, dass nach einigen Tagen das Schlimmste überstanden sein wird. Ich wollte es nicht so recht wahrhaben. Auch wenn man täglich über die Situation in Wuhan las, das Ausmaß wahrnahm – einen Lockdown wie diesen konnte ich mir in unseren Gefilden niemals ausmalen. Daher kamen zunächst Gefühle wie Enttäuschung, aber auch Unsicherheit in mir auf. Beim Blick in die benachbarten Regionen wurde mir aber sehr schnell bewusst, dass es nicht so wichtig ist, ob die Bauarbeiten nun einen Monat früher oder später abgeschlossen sein werden. Teresa war von Anfang an weitsichtiger.

Teresa Hinteregger: Natürlich war auch ich nicht glücklich über diese Entscheidung. Aber ich war mir sofort ihrer Notwendigkeit bewusst. Die ganze Welt stand still und so war es letztlich ein selbstverständlicher Schritt. Und heute läuft der Baustellenbetrieb auch wieder, wenn auch in sehr eingeschränktem Modus. Nur ein Viertel der Anzahl an Bauarbeitern, die die Baustelle Anfang März verlassen haben, sind derzeit im Einsatz.

Das Forestis wurde ein Jahr lang umgebaut. Es ist ein Hideaway mitten in der Natur.(Rendering: Forestis) (Bild: Forestis)

Sie sind beide sehr jung und haben ein Riesen-Invest von 30 Millionen Euro in das Projekt gesteckt; tragen somit ein hohes unternehmerisches Risiko. Die Corona-Pandemie hat Ihnen gewissermaßen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie gehen Sie damit um?

Unsere Investition ist eine große Herausforderung, nach wie vor. Wir kennen unser Ziel und auch unsere Philosophie, dies zu schaffen – das hat sich nicht geändert. Wir sind mit großer Motivation dabei, das Forestis mit unserem starken Team entstehen zu lassen. Einen Ort, der mit seiner Natürlichkeit jeglichen Luxus überragt. Die Krise hat natürlich die Herausforderung vergrößert, jedoch wissen wir, dass alles seinen Weg nimmt und dass wir es schaffen können. Wir wissen zwar im Moment nicht wann wir eröffnen können, aber wir wissen, dass es eintreffen wird und dass auch diese Krise ein Ende haben wird.

Darüber hinaus sehen wir nun auch die Vorteile der verlängerten Pre-Opening Phase. Für unser Online-Marketing, die Ansprache von Journalisten oder Travel Agents haben wir plötzlich viel mehr Zeit. Wir können unsere Marketing-Strategie nun wirklich sehr gezielt und detailgetreu umsetzen. Auch die kulante Haltung der Kooperationen, denen wir schon vor Eröffnung unseres Hotels angehören, unter anderem den Healing Hotels of the World sowie Small Luxury Hotels of the World, für das restliche Jahr 2020 empfinden wir als sehr partnerschaftliches Verhalten. Dieses bestärkt uns in der Entscheidung, Teil dieser Hotelkooperationen geworden zu sein.

Wie ergeht es Ihren Mitarbeitern, die nun in den Startlöchern für eine Eröffnung im Mai standen?

Schon vor der Krise haben wir unseren geplanten Mitarbeiterstamm mit sehr starken Persönlichkeiten besetzen können. Unser gesamtes Team ist nach wie vor in der geplanten Konstellation zur Neueröffnung bereit, wir können keine Mitarbeiterkündigung verzeichnen. Wir unterstützen unser Team bis zur verzögerten Eröffnung weiterhin. Derzeit blicken wir gemeinsam in die Zukunft und wir alle wissen: Es wird ein Ende dieser Krise geben.

Nicht nur mit dem Ausblick-XXL punktet die Penthouse-Suite (Rendering: Forestis) (Bild: Travel Charme)

Welche Bedeutung wird die Gastronomie im Forestis haben? Wie passen Sie sich an neue geltende Regelungen sowie veränderte Ansprüche von Gästen an?

Mit unserer Waldküche nimmt das Thema Gastronomie eine große Wichtigkeit im Forestis ein. Unsere konzeptionelle Ausrichtung war schon vor der Krise auf Service ausgelegt: Beim Frühstück kann der Gast zwischen zwei Frühstücksétagèren auswählen, eine Detox-Variante und eine Étagère mit heimischen Produkten. Zudem servieren wir frischgepresste Säfte und ein Heißgetränk nach Wahl des Gastes. Das geplante Abendmenü startet nicht mit einem Buffet, sondern mit einem frischen Salat, der täglich variiert, wilde Kräuter, Waldgewächse, Urgemüsesorten und verschiedente Zutaten aus der Natur werden als Sharing-Bowl mit frischgebackenem Brot serviert. Auch der Käseabschluss ist nach Wahl des Gastes eine Auswahl direkt am Tisch. Mit Sicherheit treffen wir noch einige Anpassungsmaßnahmen, die den Covid-Standards auch gastronomisch gerecht werden.

Welche weiteren Maßnahmen treffen Sie bezüglich Corona?

Der geplante Empfang der Gäste wird zudem mit etwaigen Sicherheitsvorkehrungen angepasst. Überlegungen zu einem Corona-Schnelltest bei Ankunft des Gastes und im Mitarbeiterhaus sind noch in der Ausarbeitung. Damit könnten wir unseren Gästen einen sicheren Aufenthalt garantieren und es würde uns auch ermöglichen, unseren Spa-Bereich normal in Betrieb zu nehmen. Die Mindestabstände sind, neben Mundschutz,-Handschuh- und Hygienegel-Pflicht, für uns der wichtigste Teil in der Umsetzung unserer geplanten Maßnahmen. Das Gebot der Einhaltung von Mindestabständen wird zwar nur die Einbuchung einer begrenzten Anzahl an Gästen erlauben, allerdings ist unsere Ausrichtung in Sachen Quadratmeter ohnehin großzügig.

Wie wird es nach Überwindung dieser Krise sein, Gastgeber zu sein?

In unserer Branche, die sehr stark vom persönlichen Umgang mit dem Gast abhängig ist, ist es mit Sicherheit sehr schwer vorstellbar, mit Mundschutz und Handschuhen authentische Gastgeber zu sein. Wenn wir aber über europäische Grenzen hinausblicken, wo solche Maßnahmen seit Jahren alltäglich sind, wird es sich auch hier zu einer gewissen Normalität entwickeln. Wir alle werden damit zu leben lernen. Es ist wichtig, die Mitarbeiter auf diese Situationen vorzubereiten, um die neuen Standards auf höchstem Niveau umsetzen zu können.

Das Konzept des Restaurants wurde wegen Corona noch einmal überarbeitet. (Rendering: Forestis)

Wie gestaltet sich Ihre Unternehmenskommunikation in der Krise?

Die erste Maßnahme, die wir in der Krise umgesetzt haben, war, unser Onlinemarketing mit freudigen Urlaubsbildern einzustellen. Dies bezog sich auf Social Media, unsere Newsletter und Landingpages. Die Situation in unserer Nachbarregion Lombardei war und ist nach wie vor ein tiefsitzender Schock für uns; die zahlreichen Todesfälle und die Erkrankungszahlen stiegen immer weiter. Man könnte es ‚Schweigemonat‘ nennen. Eine Zeit, in der alles stillstand und die ganze Welt auf Italien blickte und mitfühlte. Uns war in dieser Zeit jedoch wichtig, für unsere Gäste da zu sein und ihnen mit jeglichen Wünschen entgegen zu kommen. Das bedeutete für uns auch, keinen einzigen Gast in seiner Situation im Stich zu lassen. Aus Respekt vor den schrecklichen Auswirkungen des Covid-19-Virus entschlossen wir uns aber, unser gesamtes Marketing vorerst still zu legen und abzuwarten.

Wir sind uns bewusst, dass das Thema Marketing in den nächsten Monaten sensibel handzuhaben ist und wir eine neue Ausrichtung in der Kommunikation brauchen. Die ausgearbeitete Strategie schließen wir mit unseren Marketing-Partnern  kommende Woche ab und werden nach der Lockerung der Isolation schrittweise wieder beginnen.

 

Blick ins Archiv: So sah das Anwesen früher aus. (Foto: Forestis)

Können Sie dieser Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Die Chancen, die diese Krise mit sich bringt, sind nicht gering. Wir können neue Märkte verstärkt ausbauen, haben zum Beispiel einen ganz neuen Zugang zu einheimischen Gästen und Mitarbeitern. Das Reiseverhalten wird sich stark verändern, Menschenansammlungen werden gemieden, der Gast wird bewusster reisen, der Reisewunsch in sichere Destinationen wird sich verstärken. Wir sind uns sicher, dass unser Hideaway inmitten der Natur als Luftkurort auch nach dieser Krise ein beliebter Erholungsort bleiben wird.

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