Interview mit Sebastian Moos von OventropSo bleibt die Trinkwasserhygiene einwandfrei

Damit keimfreies Wasser aus dem Hahn kommt, sollten Hoteliers auf die Trinkwasserinstallation achten. (Bild: Berna Namoglu/Shutterstock)

Stagnation und zu geringe Fließgeschwindigkeiten beeinflussen die Trinkwasserhygiene in Hotels. Zudem kann abkühlendes Warmwasser oder aufgeheiztes Kaltwasser das Wachstum von Mikroorganismen in den Rohrleitungen bedingen. Wie Hoteliers eine einwandfreie Trinkwasserhygiene gewährleisten können, erläutert Sebastian Moos, Leiter Produktmanagement bei Oventrop.

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Sebastian Moos, Leiter Produktmanagement bei Oventrop, beim Roundtable in Frankfurt.

Hotel+Technik: Herr Moos, welche Temperatur sollte das Wasser haben, damit es im unkritischen Bereich liegt?

Sebastian Moos: Das Warmwasser sollte in dem Temperaturbereich zwischen 55 und 60 Grad Celsius liegen. Kaltwasser sollte 25 Grad Celsius nicht übersteigen.

Wie können Hoteliers gewährleisten, dass die Temperaturen nicht überschritten beziehungsweise unterschritten werden?

Um diese unkritischen Bereiche einzuhalten, lohnt es sich in Zirkulationsleitungen, thermische Zirkulationsventile einzusetzen. Sie regeln den Volumenstrom so, dass eine voreingestellte Temperatur konstant gehalten wird. Diese Ventile können zudem eine thermische Desinfektion erkennen und kurzzeitig höhere Temperaturen im System zulassen. Sind keine Zirkulationsleitungen installiert, lohnen sich Spülstationen, die zeitgesteuert oder temperaturabhängig Wasser ausspülen.

Muss das System zusätzlich gereinigt werden?

Im Normalfall ist das nicht notwendig. Wichtig sind die Einhaltung hygienisch sicherer Temperaturen und ein regelmäßiger Wasseraustausch.

Wie lassen sich Stagnationszeiten verhindern beziehungsweise minimieren?

Stagnationszeiten sind natürlich durch das Nutzungsverhalten bedingt. In gewissem Maße lassen sie sich durch die Installation verringern. Zunächst sollte das Rohrnetz richtig dimensioniert sein und im Zimmer durchgeschliffen werden (Anmerkung der Redaktion: „durchgeschliffen“ meint eine spezielle Art der Rohrverlegung beziehungsweise die besondere Anbindungsweise von Entnahmestellen). Sehr selten genutzte Zapfstellen sollten erst gar nicht installiert werden. Weitere Lösungen sind je nach Objekt- und Randbedingungen zu bewerten. Werden Zirkulationssysteme installiert, sollten sie über jede Zapfstelle durchgeschliffen werden.

Aus welchen Werkstoffen sollte das Trinkwasserinstallationssystem sein?

Materialien und Produkte, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen, dürfen keine Substanzen abgeben, die es negativ verändern. Hierzu gibt es Leitlinien vom Umweltbundesamt und Prüfmethoden vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Alle in Deutschland als Trinkwasserkomponenten gekennzeichneten Armaturen sowie Rohre und Fittinge erfüllen diese Anforderungen. Abhängig von der Zusammensetzung des Trinkwassers sind spezielle Materialien erforderlich. So schützt bei hohen Chloridgehalten eine Siliziumdioxid-Vollversiegelung den Edelstahl-Wärmeübertrager vor Lochfraß. Sie verhindert außerdem, dass sich Kalk anhaftet.

Wie sollte bei einer Rohrleitungsinstallation vorgegangen werden?

Wichtig ist, dass der Hotelier sein Haus kennt. Kein Objekt gleicht dem anderen. Der Hotelier oder ein Partner als Hygiene-Spezialist muss verstehen, wie das System betrieben wird. Da kann eine Messdatenerfassung viele aufschlussreiche Erkenntnisse zu folgenden Fragen liefern: Wie ist die Belegung? Gibt es längere, sogar systematische Stillstandszeiten? Wie wurde die Installation tatsächlich ausgeführt? Nach der Planung und einigen Betriebsstunden empfiehlt es sich außerdem, das System beziehungsweise vorhandene Messdaten auszuwerten und das System weiter zu optimieren. Dabei ist zu prüfen, ob die Annahmen der Planung eingehalten werden können oder noch optimiert werden muss: Stimmen die Temperaturen? Genügen die Spülintervalle? Dadurch ergeben sich oft Energieeinsparungen.

Wie müssen Hoteliers bei einer Legionellen-Kontamination handeln?

Die erforderlichen Schritte regelt Paragraph 16 der Trinkwasserverordnung. Der Hotelier muss das zuständige Gesundheitsamt informieren, dann wird nach der Verkeimungsursache geforscht. In der Regel sind dann unverzüglich Maßnahmen zur Behebung erforderlich. Die Wirksamkeit muss dokumentiert beziehungsweise nachgewiesen werden.

Interview: Mareike Knewitz

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