Interview mit Nuucon-Gründer Pierre HaarfeldAnforderungen an die Einrichtung in der Coronakrise

Pierre Haarfeld rät dazu, bei Neuanschaffungen auf Langlebigkeit zu achten. (Bild: Nuucon)

Erst Flaute, dann zum Teil hohe Nachfrage: In diesem Jahr mussten sich Hoteliers immer wieder auf neue Situationen einstellen. Das hat auch Auswirkung auf die Zimmereinrichtung, wie Pierre Haarfeld, Gründer der Einkaufsplattform Nuucon, feststellte.

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Hotel+Technik: Herr Haarfeld, die Hotellerie befindet sich seit der Coronakrise im Wandel. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Privathotels und Apartments in Deutschland?

Pierre Haarfeld: Eine der großen Herausforderungen ist sicherlich die starke Volatilität in der Nachfrage. Erst mussten Hotels vorübergehend schließen aufgrund der Beschränkungen und dann folgte vielerorts die überdurchschnittlich hohe Inlandsnachfrage. Deshalb möchten viele Anbieter möglichst kurzfristig die Kapazitäten ausbauen, um das Geschäft der Herbstsaison noch mitzunehmen. Das ist häufig mit kleineren Umbauten und Renovierungsarbeiten verbunden, um kurzfristig auf die gestiegene Anfrage reagieren zu können.

Wie reagieren Ihrer Erfahrung nach Privathotels auf die neuen Anforderungen der Gäste?

Hier möchte ich ein positives Beispiel aus meinen persönlichen Erfahrungen nennen. Im August hatte ich die Gelegenheit, mit meiner Familie eine Urlaubswoche auf der Nordseeinsel Spiekeroog zu verbringen. Wir sind in einem sehr sympathischen Gasthaus untergekommen. An der Einrichtung wurde nichts geändert. Hinzugekommen sind jedoch mehrere Desinfektionsmöglichkeiten für die Gäste. Aber das ist sicher obligatorisch. Zu unserer Freude hat vor allem beigetragen, dass wir viele Lebensmittel nicht extra kaufen mussten, sondern diese direkt im Gasthaus erwerben konnten. Damit konnten wir uns viele zusätzliche Einkäufe sparen.


Nuucon ist eine Einkaufsplattform für Interior Design Projekte. Das Unternehmen begleitet Designer als Projektpartner durch den gesamten Einkaufsprozess. So sind zum Beispiel die Limehome Serviced Apartments eingerichtet worden.


Wie haben sich die Anforderungen an die Einrichtung verändert?

Serviced-Apartment-Anbieter haben sehr schnell auf die Situation reagiert und ihre Zimmer auch für andere Nutzungszwecke angeboten, zum Beispiel als Büro. Dafür müssen die Räume aber dementsprechend ausgestattet sein. Dieser Trend ist sicherlich nur eine Ausnahme und der Normalbetrieb steht weiterhin im Fokus – viele Arbeitnehmer sind wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Wir stellen fest, dass vor allem das Personal intensiver geschult und sensibilisiert wird. Das führt wiederum dazu, dass die Möbel-Oberflächen durch aggressivere Putz- und Desinfektionsmittel oder Abrieb stärker beansprucht werden. Daher raten wir bei der Einrichtung aktuell davon ab, trotz des kurzfristigen Möbelbedarfs nicht auf günstigere Alternativen auszuweichen, sondern auf die Langlebigkeit zu achten.

Wo liegen aktuell auch durch die Krise die Probleme für Hoteliers, wenn sie einen Umbau beziehungsweise die Renovierung der Zimmer planen?

Die größten Probleme sehen wir tatsächlich in der kurzfristigen Warenverfügbarkeit. Aus diesem Grund schicken wir unseren Kunden immer mehrere Alternativvorschläge, damit eine schnelle Umsetzung garantiert werden kann. Eine weitere Herausforderung ist die Logistik, da die Kapazitäten im gesamten Markt auf Hochlast laufen. Auch deshalb bündeln wir alle projektspezifischen Produkte (teilweise von bis zu 40 unterschiedlichen Herstellern pro Projekt) in unserem Zentrallager.

Nehmen wir an, in einem Hotel werden die Zimmer hinsichtlich der neuen Anforderungen durch die Coronakrise umgestaltet. Dann gibt es einen Impfstoff und die Krise ist vorbei. Sollten Hoteliers dann wieder umgestalten beziehungsweise sollten sie jetzt eher temporär bei der Renovierung denken?

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier viele Parallelen zur Bürowelt ziehen können. Auch die Büros werden zurzeit mehr und mehr umgestaltet. Sicherlich werden einige der aktuellen Änderungen auch nach der Corona-Pandemie noch beibehalten werden. Und das gilt für die Büros ebenso wie für den Hospitality-Bereich. Hoteliers sollten jetzt also nicht davon ausgehen, nach der Krise sofort wieder eine Umgestaltung vornehmen zu müssen. Die aktuelle Einrichtung kann langfristig gedacht werden, da wir uns an die neuen Hygienestandards gewöhnen und diese sicherlich auch einfordern werden.

Interview: Mareike Knewitz

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