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StartHotel+TechnikHoteltechnik+ArchitekturInterview mit den Hotelisten zum Thema Sanierung: Bloß keine Insellösungen

Interview mit den Hotelisten zum Thema SanierungBloß keine Insellösungen

Privathoteliers sind häufig so stark in den operativen Bereich eingebunden, dass Sanierungen zu lange hinausgezögert und Abläufe nicht hinterfragt werden. Die Hotelexperten Johann Kerkhofs und Hans Hegger erläutern im Interview mit Hotel+Technik, wie sie Hoteliers bei diesen Schritten unterstützen wollen.

Hotel + Technik: Herr Kerkhofs, Herr Hegger, Sie wollen mit Ihrem neu gegründeten Unternehmen Die Hotelisten insbesondere Privathoteliers ganzheitlich bei der Sanierung ihrer Betriebe unterstützen. Wie ist diese Idee entstanden?

Johann Kerkhofs: Die Hotellandschaft in Deutschland hat sich sehr verändert, vor allem im Bereich Kettenhotellerie hat die Entwicklung in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Das setzt die Privaten unter Druck. Wir, als erfahrene Spezialisten im Bereich Beratung und Einrichtung, haben deshalb beschlossen, genau dieser Zielgruppe unsere Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten. Nicht zuletzt auch, weil wir das aufgrund unserer langjährigen Kontakte und Kanäle zu vernünftigen Preisen tun können.

Was ist der größte Fehler, den Privathoteliers bei der Sanierung begehen?

Hans Hegger: Für uns ganz klar: sich Insellösungen verkaufen zu lassen. Wir erleben immer wieder Hoteliers, die nur das Restaurant, die Küche oder die Rezeption renovieren möchten. Damit wenden sie sich dann an einen Großkücheneinrichter oder an einen Hotelmöbelhersteller. Es ist aber längst nicht mehr damit getan, ein paar Zimmer neu anzustreichen oder mit neuen Betten auszustatten.

Kerkhofs: Genau, denn eine Sanierung ist doch die allerbeste Gelegenheit, endlich einmal die Abläufe zu hinterfragen, um so die Effizienz des Betriebs zu steigern, Kosten zu senken und das Gästeerlebnis auf ein neues Level zu heben. Bei einer Sanierung geht es darum, ganzheitlich zu denken. Gelingt dies, hat das positive Folgen, zum Beispiel: das Marketing kann ein neues Produkt bewerben, und die Mitarbeitenden sind lieber für ein schönes Haus tätig. Und das nicht nur, weil sie sich weniger um Gästereklamationen kümmern müssen, sondern auch, weil wir im Zuge der Renovierung die Abläufe optimieren. Nach einer Renovierung ist es zudem wesentlich einfacher, Preise anzuheben.

In welcher Region bieten Sie Ihre Dienste an, und wie groß sollten die Hotels sein?

Kerkhofs: Es fließt sehr viel Experten-Know-how zu den Großen der Hotellerie. Wir möchten uns um die Kleinen kümmern, von etwa 40 bis 50 Zimmern aufwärts. Zunächst in Deutschland und Österreich, aber auch die Ausdehnung auf die Niederlande ist denkbar.

Wie erfolgt die Kontaktaufnahme mit Ihnen?

Kerkhofs: Man vereinbart ganz einfach über die Website ein Erstgespräch, das natürlich kostenlos ist. Besteht danach Interesse an unseren Leistungen, ist der nächste Schritt ein gemeinsamer Workshop, bei dem wir die Ziele der Sanierung erarbeiten. Der Hotelier geht mit einer Idee, was er verbessern will, in den Workshop. Doch der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn wir die Ziele des Hoteliers mit unseren Erfahrungen und Möglichkeiten ergänzen. Plötzlich tun sich Potenziale auf, die vorher nicht sichtbar waren.

Wie lange dauert so ein Analyseprozess?

Kerkhofs: Das ist abhängig von der Präsentation des Hotels. Check, Analyse und Workshop mit den Hotelverantwortlichen nehmen in der Regel drei Tage in Anspruch.

Herr Hegger, wann bei diesem Prozess kommen Sie als Geschäftsführer eines Unternehmens, das sich auf Gastronomie- und Hoteleinrichtung spezialisiert hat, ins Spiel?

Hegger: Ich bin von Anfang an mit dabei. Wir stehen beide für das kostenlose Erstgespräch zur Verfügung, und ich begleite auch die Erstbesichtigung. Genau das ist das Besondere an dieser Partnerschaft. Meine Kernkompetenz sind der Innenausbau und die Möbelproduktion. Mit meinem Unternehmen GH Hotel Interior Group beschäftige ich mehr als 300 Mitarbeitende in den Bereichen Möbelfertigung und Montage. Wir übernehmen auch Maler- oder Fußbodenarbeiten. Unsere eigene Produktionsstätte bietet die Sicherheit, dass unsere Arbeiten termingerecht umgesetzt werden können. Nicht zuletzt deshalb arbeiten wir aktuell auch an vielen Umbauten für die in Deutschland derzeit stark expansive Marke Premier Inn. Darüber hinaus arbeiten wir mit langjährigen Partnern für die Bereiche Badeinrichtung und Elek­trotechnik zusammen, besetzen quasi jede Schnittstelle. Und selbst im Bereich Hochbau haben wir einen Netzwerk-Partner in Bremen.

Inwieweit begleiten Sie die Betriebe auch über den Sanierungsprozess hinaus?

Kerkhofs: Über unser Netzwerk bieten wir auch Leistungen im Bereich Digitalisierung und Pricing. Einer unserer ersten gemeinsamen Aufträge ist ein Hotel mit 22 Apartments im Ötztal, das seine Kapazität aktuell auf 48 Luxusapartments erweitert und eine besondere Bar sowie ein neues Gastronomiekonzept erhält. Für dieses Haus haben wir auch Standards für alle Abteilungen erarbeitet und die Abläufe sowohl Back-of-the-House als auch mit den Gästen festgelegt. Wir haben das Budget erarbeitet und Tagesreports eingeführt. Dieses Haus werden wir weitere ein bis zwei Jahre in betriebswirtschaftlichen Fragen weiter begleiten.

Was geschieht, wenn Sie zu dem Ergebnis kommen, dass das Hotel nicht liquide genug ist, um sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen?

Kerkhofs: Auch da versuchen wir natürlich, wo es Sinn macht, gangbare Wege vorzuschlagen, zum Beispiel durch die Vermittlung von Anbietern für Leasingverträge. Sollte der Hotelier aber zu dem Entschluss kommen, den Betrieb lieber abzugeben, dann helfen wir auch bei der Suche nach einem neuen Betreiber oder Eigentümer.

Welche Chancen sehen Sie grundsätzlich für die Privathotellerie?

Kerkhofs: Sehr große. Die Platzhirsche vor Ort, ob sie nun Löwen oder Post heißen, verfügen in der Regel über sehr gute Lagen. Sie sind – oft im Gegensatz zur Kettenhotellerie – echte Unikate mit authentischen, persönlichen Gastgebern. Und sie haben heute bessere Vermarktungschancen denn je, sei es über einen guten Internetauftritt mit einfacher Direktbuchbarkeit oder über die sozialen Medien. Es ist aber immer wieder erschreckend für mich zu erleben, wie schlecht viele Privathotels in diesem Segment noch aufgestellt sind.

Interview: Susanne Stauß


Das Hotelisten-Team

Hospitality-Experte Johann Kerkhofs hat mit Orange Lion Hospitality ein eigenes Beratungsunternehmen und ist zusätzlich bei 12.18. Investment Management im Einsatz. In der Branche ist er unter anderem für das Experience-Together-Konzept der Arborea Hotels & Resorts bekannt. Der studierte Holztechniker Johannes (Hans) Hegger ist Inhaber und Geschäftsführer der GH Hotel Interior Group, die sich auf Gastronomie- und Hoteleinrichtung spezialisiert hat.


 

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