Interview mit Bergkristall-Inhaber Hans-Jörg Lingg in Oberstaufen „Im Kopf immer einen Schritt voraus“

Neues Highlight des Wellness-Resorts: Der beheizte Ganzjahres-Outdoor-Infinity-Sport-Pool mit 20 Metern Länge und zehn Metern Breite. © Rendering Bergkristall
Upgrade für das Allgäuer Viersterne-Superior-Hotel: Die Inhaber Hans-Jörg und Sabine Lingg investieren zwölf Millionen Euro in die Erweiterung des Wellnesshotels mit Resort-Charakter. Dafür schließt das Bergkristall jetzt für vier Monate. Hotel+Technik begleitet die Maßnahme exklusiv in einer dreiteiligen Serie. Zum Start sprachen wir mit Hotelier Lingg im bald „alten“ Haus.
1993 übernahmen Hans-Jörg Lingg und seine Frau Sabine das damalige Kur- und Ferienhotel Lingg-Bergstüble und entwickelten es zum Wellnesshotel Bergkristall weiter. © Fiolka

Hotel+Technik: Herr Lingg, am 16. April schließen Sie die Türen für einen umfangreichen Umbau Ihres Hotels. Welche Rolle spielt die Hoteltechnik bei Ihren Plänen?

Hans-Jörg Lingg: Die Technik ist ein starker Beweggrund für unsere Umbaupläne und sogar noch wichtiger als die Erweiterung. Denn meine Frau und ich entwickeln das Hotel seit 1993 kontinuierlich weiter. Allerdings flossen Ideen und Gelder bislang größtenteils in den Gästebereich – nicht jedoch in das Backoffice. Die technische Ausstattung hat sich also nicht entsprechend miterneuert. Wir müssen jetzt dringend im Hintergrund investieren. Knapp zwei der zwölf Millionen Euro Investitionssumme fließen in die Haustechnik.

Damit meinen Sie Technik und Prozesse hinter den Kulissen?

Ganz genau. Dies beginnt bei der Ölheizung und Lüftungsanlage, die völlig in die Jahre gekommen sind. Und betrifft gleichermaßen den Betrieb: Die Hotelbar ist Treffpunkt für Gäste und Servicemitarbeiter – und gleichzeitig Hauptstraße für die Dinner-Abwicklung. Erstaunlich, dass dies all die Jahre funktioniert hat. Auch in der Küche, die größentechnisch 1995 geplant wurde, grenzt harmonisches Arbeiten an manchen Tagen an eine Höchstleistung. Der Personalraum ist inzwischen Spülküche geworden. Wir müssen dort auch an unsere Mitarbeiter denken, und in ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz investieren.

Gleiches gilt für das Housekeeping?

Ja, auch die Waschküche platzt aus allen Nähten. Und dies, obwohl wir außer Frottee bereits alles auf Mietwäsche umgestellt haben. Allerdings haben wir dafür andere Überlegungen. Wir müssten für die Waschküche nicht nur mehr Raum schaffen, sondern auch eine neue Klima- und Lüftungsanlage anschaffen. Das rechnet sich nicht. Daher werden wir künftig auch beim Frottee auf die Qualität einer regionalen Hotelwäscherei setzen.

Wo findet im Rahmen der Umbaumaßnahme noch technische Neuerung statt?

Wir haben bereits mit dem Bau des Außenpools vor sechs Jahren ein mit Flüssiggas betriebenes Blockheizkraftwerk installiert. Mit der Erweiterung setzen wir auch bei der Heizung ganz auf Gas. Wir konnten dafür mit den Stadtwerken einen Deal machen: Sie legen eine zwei Kilometer lange Leitung von Oberstaufen hoch zu uns. Zusätzlich nutzen wir künftig ein größeres Blockheizkraftwerk, mit dem wir auch Strom erzeugen.

Warum haben Sie Gas gewählt?

Gas ist nicht nur preislich attraktiv, sondern auch umweltschonend. Denn es verbrennt rückstandslos. Und es braucht einfach keinen Speicherplatz. Wir haben natürlich auch eruiert, ob wir zum Beispiel mit Holzhackschnitzel oder mit Holzpellets arbeiten könnten. Aber dafür bräuchte es für unsere Hausgröße rund alle zwei Wochen einen Sattelzug voll Holz. Das kann bei unserer Zufahrt gerade im Winter ein sehr schwieriges Unterfangen sein.

Was ist die größte Herausforderung der Umbauphase?

Den Zeitplan einzuhalten. Da bin ich aber sehr zuversichtlich, denn wir arbeiten schon seit 2006 mit unserem Architekten Armin Tittel vom Büro Alpstein zusammen. Wir sind quasi ein eingespieltes Team. Die neuen Zimmer sind komplett aus Holz, das verkürzt die Bauzeit. Dennoch ist der Umbau in vier Monaten über mehrere Etagen natürlich eine Herausforderung.

Wie genau lautet der Zeitplan?

Die Wiedereröffnung mit den modernisierten Bestandszimmern sowie dem umgebauten Restaurant- und Wellness-Bereich mit noch größerem Außenpool ist für den 14. August geplant. Bis November findet dann der Innenausbau der neu entstehenden Zimmer statt, sodass wir im Dezember mit allem fertig sind.

Wie gehen die Mitarbeiter mit der Schließung um?

Einen Teil der Zeit nehmen sie Urlaub, den sie sich teilweise vom letzten Jahr aufbewahrt haben. Für die restliche Zeit haben wir eine Kündigung mit Wiedereinstellungsgarantie ausgesprochen. Das haben wir gemeinsam mit der Agentur für Arbeit geregelt. Die Lösung scheint für alle gut: Bisher hat noch keiner gesagt, dass er nicht wiederkommen möchte.

Wie lange planen Sie das alles schon?

Im Kopf plane ich eigentlich immer schon die nächsten Schritte. Das kommt uns jetzt zugute. Als wir 2006 den Hausteil ‚Paradies‘ gebaut haben, haben wir den Beautybereich mit Blick auf weitere Wachstumspläne bereits so großzügig angelegt, dass die Kabinenanzahl auch nach der Erweiterung reicht. Grundsätzlich gehen wir sehr organisch vor. Wir haben 2012 zweieinhalb Millionen nur in den Außenpool und Sauna-Außenbereich investiert. Diese Maßnahme hat uns wiederum eine 15 Prozent höhere Bettenauslastung gebracht. Dies ist eine entscheidende finanzielle Basis dafür, jetzt baulich und technisch alles auf den gleichen Standard zu bringen, worüber wir im Endeffekt schon seit 2015 nachdenken.

Und Sie sind der Projektmanager?

Projektmanager ist der Architekt. Er verantwortet mit seinem Büro auch die Bauleitung. Aber ich bzw. unsere Söhne sind natürlich bei allen Baubesprechungen dabei und sicherlich nahezu jeden Tag auf der Baustelle. Schließlich will ich genau wissen, wie der Umbau vorangeht, wo es klemmt, wo die Leitungen laufen. Es ist von immensem Vorteil, sein Haus zu kennen. Der Haustechniker kann irgendwann gehen und damit das Know-how über das Haus. Und dann kommen sie alle gesprungen und sagen: „Chef, weißt du noch …?“ |


Umbaumaßnahme im Bergkristall – Der Plan

25 neue Zimmer und Suiten
teilweise Re-Styling und Face-Lifting bestehender Zimmer und Suiten
Bergkristall-Atrium mit Lobby, „die Bar“ mit verschiedenen Relaxmöglichkeiten und kleiner Loungeterrasse
Check-in und Anfahrt mit Park- und Gartenanlage rund um das Resort
Ganzjahres-Outdoor-Infinity-Pool mit 20 Metern Länge und 10 Metern Breite
großzügige Event-Lodge-Sauna mit Natur-Badeteich
Ruhelounge sowie Wellness-Living-Room outdoor