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StartPeople & BrandsInterview mit Althoff-CEO Frank Marrenbach: "Der Mensch hat ein Reise-Gen"

Interview mit Althoff-CEO Frank Marrenbach"Der Mensch hat ein Reise-Gen"

Frank Marrenbach, CEO und Geschäftsführender Gesellschafter der Althoff Hotels, blickt mit Optimismus dem Restart entgegen. Ein Gespräch über Werte, Resilienz, die Bedeutung von Emotionen und das „Reise-Gen“ der Menschen.

Tophotel: Herr Marrenbach, mit welchen Gefühlen bereiten Sie sich als Unternehmer auf den zweiten Restart vor?

Frank Marrenbach: Zunächst mit der großen Freude, dass wir alle wieder unserem Beruf nachgehen dürfen! Diese Zwangspause ist eine sehr, sehr unangenehme Erfahrung für mich. Ein Unternehmer oder eine Unternehmerin unternimmt, und wenn er/sie das nur sehr eingeschränkt darf, dann geht es ihm/ihr nicht gut! Daraus ist bei mir eine noch intensivere Wertschätzung für die Zeit vor Corona mit ihren vielen Handlungsspielräumen entstanden. Das Gefühl, eine Krise gemeistert zu haben, ist eine sehr starke Emotion und gibt mir noch mehr Kraft, das Bestehende zu beschützen und weiterzuentwickeln. Ganz besonders sehe ich dem Wiedersehen mit unseren Teams entgegen.

Welche Stärken und Werte der Althoff Hotels haben sich in der Krise als zukunftsfähig erwiesen?

Ganz sicherlich die Tugenden des umsichtigen Kaufmanns. Zum einen hat das Unternehmen eine hohe Eigenkapitalquote, und zum anderen sind unsere Kostenstrukturen relativ schlank. In den Jahren des starken Wachstums sind wir nie die höchsten Risiken eingegangen, und das zahlt sich in der Krise besonders aus. Vor allem unsere Unternehmenswerte Wertschätzung, Fairness und Engagement sind dabei essenziell. Und ich darf sagen, dass ich sehr stolz auf den Einsatz und die Haltung unserer 1.800 Mitarbeiter bin.

Als inhabergeführtes Familienunternehmen können wir zudem ohne aufwendige Abstimmungsprozesse (re-)agieren. Diese Anpassungsfähigkeit ist enorm wichtig in Zeiten, in denen niemand weiß, was die nächsten drei Monate bringen. Dass wir unsere Forecasts in „Nowcasts“ umbenannt haben, ist dabei nur ein kleines äußeres Detail.

Wie haben sich Ihre strategischen Unternehmensziele verändert?

Wir haben die strategische Entscheidung getroffen, ausschließlich innerhalb Europas zu wachsen. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Angebote aus Asien und dem Mittleren Osten. Diese geografische Selbstbeschränkung bringt einen schärferen Fokus mit sich, und mit unseren drei Marken können wir ein gutes Spektrum an Chancen nutzen. Besonders mit unseren Marken Ameron und Urban Loft sehen wir hier sehr gute Möglichkeiten. 2019 haben wir erfolgreich mit dem Ameron Neuschwanstein Alpsee Resort & Spa unser zweites Ameron Resort eröffnet.

Perspektivisch werden wir unser Hotelportfolio mit besonderen Feriendestinationen ergänzen. Bei der Althoff Collection, unseren Fünfsternehotels, wachsen wir sehr selektiv, und mit dem Althoff Dom Hotel in Köln wird 2023 ein tolles Grandhotel Mitglied der Althoff-Familie werden. Verantwortungsvoller Luxus hat Zukunft, und dass ich ein Faible für diese Spitzenhotels habe, ist sicherlich nicht überraschend.

„Mehr denn je zählt es, dass ­Hotels über eine Ausstrahlung und eine Story verfügen. Wir werden in Zukunft noch stärker auf die Anziehungskraft des Ortes achten.“

Wie sieht es mit den gastronomischen Konzepten aus?

Ein gemeinsamer Nenner unserer Hotels ist das klare Bekenntnis zur Gastronomie. Wir lieben das gute Essen und beschäftigen uns sehr intensiv mit der Entwicklung neuer Konzepte. Unsere Dreisternerestaurants werden die Leuchttürme bleiben, und zugleich haben wir letztes Jahr mit „Bacio della Mama“ ein frisches Themenrestaurant für unsere Ameron Hotels entwickelt. Nach Luzern und Davos geht München als nächstes an den Start.

Unserem COO Andreas ­Schmitt, da bin ich mir sicher, werden die Ideen noch lange nicht ausgehen. Dass wir mit allen unseren Restaurants Geld verdienen, möchte ich nur der guten Ordnung halber sagen. Mehr denn je zählt es, dass Hotels über eine Ausstrahlung und eine Story verfügen. Ob die Speicherstadt in Hamburg, das Ufer des Tegernsees oder der Blick auf den Kölner Dom. Wir werden in Zukunft noch stärker auf die Anziehungskraft des Ortes achten. Aggressives Wachstum wird es nicht geben, sondern vielmehr ein kluges. Manchmal ist weniger durchaus mehr.

Welcher Leitspruch ist für Sie als Führungskraft essenzieller denn je?

Vorsprung durch Menschlichkeit.

Führen in digitalen Zeiten – was sind Ihre Learnings?

Zunächst die Erkenntnis, dass Führen in digitalen Zeiten auch Nähe braucht. In normalen Zeiten triffst du deine Kollegen auf dem Flur, am Kaffeeautomaten oder im Mitarbeiterbistro. Diese zufälligen Begegnungen fallen weg, und es ist ungleich schwieriger, den Menschen zu spüren.

Deshalb darf es in den vielen Videokonferenzen nicht nur um das Abarbeiten der Agenda gehen, sondern es muss regelmäßig Raum für persönlichen Austausch geben. Wir haben virtuelle Town Hall Meetings, gemeinsame Online-Frühstücke, Online-Kochkurse und andere Formate eingeführt, um dem Bedürfnis nach zwischenmenschlichem Austausch gerecht zu werden. Aber auch das gute alte Telefon hat nicht ausgedient. Es tut gut, einen Kollegen einfach einmal ohne Geschäftsthema anzurufen und zu fragen: Wie geht es dir heute?

Auf der anderen Seite haben wir auch verstanden, wie effizient der virtuelle Austausch sein kann. Die Zeitersparnis ist mitunter enorm. Diese Erkenntnis wird, wie wir alle wissen, unser (Führungs-)Verhalten auch über die Pandemie hinaus nachhaltig verändern. So bleibt ein guter – analoger – Leader, wenn er sich die neuen Techniken zunutze macht, auch in digitalen Zeiten ein guter Leader. Wer es vorher nicht verstanden hat, dem nützen auch Zoom und Co. nichts.

Viele Menschen haben psychisch stark gelitten. Wie können Hoteliers ihren Mitarbeitern aus der Depression helfen, gibt es da bei Althoff besondere Ansätze?

Einige Mitarbeiter leiden in der aktuellen Situation verstärkt durch soziale Isolierung und Zukunftssorgen. Deshalb haben wir bei Althoff den Austausch untereinander stark erhöht, und es werden viele Online-Trainings für Mitarbeiter durchgeführt. Zusätzlich lassen wir unsere Mitarbeiter extern in den Bereichen Yoga und mentale Kraft coachen. Für das erste Quartal sind es bereits über 60 Schulungen mit über 1.400 Teilnehmern. Diese große Resonanz zeigt, wie wichtig es ist, in Verbindung zu bleiben.

Zukunftssorgen versuchen wir zudem mit bestmöglicher Transparenz zu begegnen. In monatlichen Foren beantworten wir die Fragen zur Zukunft des Unternehmens, ohne die Realität zu beschönigen. Dabei sprechen wir gezielt über Projekte, durch die wir uns besser weiterentwickeln können. Betroffene zu Beteiligten machen ist das A und O, und Zukunft gestalten fühlt sich immer gut an.

Wird es nach diesem Jahr noch schwieriger, Talente für die Hospitality-Branche zu gewinnen? Wie kann man jungen Leuten Berufe in der Branche trotz allem schmackhaft machen?

Keine Frage, dass die aktuelle Situation nicht förderlich für das Gewinnen von jungen Talenten ist. Wenn am Familientisch die Karrierewünsche des Nachwuchses diskutiert werden, dann spielt auch das Thema Sicherheit ein Rolle.

Auf der anderen Seite bleibt der Tourismus eine Branche mit Wachstum, die großartige Perspektiven für junge Kollegen bereithält. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die im Laufe der kommenden 18 Monate verschwinden wird. Danach gelten dieselben Anforderungen im „War of Talents“ wie vor der Pandemie.

Die Möglichkeiten, auf der ganzen Welt zu arbeiten, früh Verantwortung zu übernehmen und interessante Menschen kennenlernen zu können, bleiben attraktive Angebote. Neben dem persönlichen Wachstum braucht es unbedingt eine adäquate Bezahlung, denn für Ruhm und Ehre allein arbeitet heute niemand mehr. Darüber muss sich die Branche Gedanken machen. Gesellschaftliche Themen, die durch Bewegungen wie „Fridays for Future“ extrem sichtbar geworden sind, werden bei der Berufswahl wichtiger werden. Ein nachhaltiges und verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln wird die Voraussetzung sein, um (junge) Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Und das ist auch gut so.

„Social Distancing darf nicht mit Emotional Distancing verwechselt werden. Die Rolle der empathischen Gastgeber wird eine große Renaissance erleben.“

Mit welchen Veränderungen wollen die Althoff Hotels im New Normal bestehen?

Der Mensch hat ein Reise-Gen, und wir werden zeitnah eine Erholung des touristischen Reisens erleben. Unser Hotelportfolio ist primär in der DACH-Region. Es sind allesamt attraktive und gut zu erreichende Destinationen. Wir haben keine reinen Tagungshotels oder Hotels mit 400 Zimmern unter einem Dach. Glück gehabt, könnte man sagen.

Allerdings ist dies das Resultat einer gezielt verfolgten Strategie, die wir konsequent weiterverfolgen. Wir wissen heute noch zu wenig über das New Normal. Zukunft war schon immer anders als die Gegenwart, und deshalb werden wir nicht in operative Anpassungshektik verfallen. Viele sagen das Sterben großer Events und den Rückgang der Städtereisen voraus. Das sehen wir anders.

Der beste Beweis sind das Ameron Zürich Bellerive au Lac und das Ameron München Motorworld, die wir im Frühjahr 2021 eröffnen werden. Wer sehnt sich nicht nach einem tollen (Pop-)Konzert, nach dem persönlichen Zusammentreffen mit seinen Mitarbeitern und Kunden oder nach dem nächsten größeren Familienfest?!

Wird das „Social Distancing“ Spuren hinterlassen, speziell was die Atmosphäre und Herzlichkeit im Hotel angeht?

Nein, denn Social Distancing darf nicht mit Emotional Distancing verwechselt werden. Möglicherweise verändern sich einige Begrüßungsrituale, aber die guten Hoteliers und Gastronomen werden es auch in Zukunft verstehen, ihre Gäste mit Herz abzuholen. In einer derart großen Krise ist man leicht versucht, alles zu hinterfragen. Dass unsere Hotels auch in Zukunft Orte der Gastfreundschaft und des Genusses bleiben werden, steht für mich jedoch außer Frage.

Was hat Sie persönlich die Krise gelehrt?

Dass wir Menschen sehr viel widerstands­fähiger sind, als wir vielleicht gedacht haben. Dass man sehr behutsam die Informationen verarbeiten muss, die in einer solchen Krise auf uns einwirken. Dass ein gutes Selbstmanagement essenziell ist, um anderen Kraft geben zu können. Dass ich meinen Beruf über alles liebe und ich unbedingt in einer pluralistischen Gesellschaft leben möchte, in der ein respektvoller Umgang miteinander die Regel und nicht die Ausnahme ist. Dass ich mit meinem Schritt in das Unternehmertum genau das Richtige getan habe und Thomas Althoff der richtige Partner an meiner Seite ist.

Was hat aus Ihrer Perspektive die Welt vielleicht sogar ein Stück weit besser gemacht?

Wir werden sehen, ob und was die Welt für sich gelernt hat. Meine Hoffnung besteht darin, dass wir die Zerbrechlichkeit unserer Existenz erkennen und dadurch verstehen, dass wir nur gemeinsam die großen Aufgaben bewältigen können. Primitive Ideologien und Dogmen sind ein Stück entzaubert. Das Leben ist nun einmal nicht eindeutig, und darin liegt ja der besondere Reiz.

Wo stehen die deutsche Hotellerie und die Althoff Hotels in fünf Jahren?

Ich habe keine Glaskugel, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auf die größte Krise der letzten 70 Jahre zurückblicken werden und uns freuen, diese Herausforderung bewältigt zu haben. Menschen werden wieder reisen, und gut geführte Hotels werden florieren.

Die Rolle der empathischen Gastgeber wird eine große Renaissance erleben, und die Althoff Hotels werden an hochattraktiven Orten weitere Hotels eröffnet haben. In unseren Häusern werden die Althoff-Hoteliers alles daransetzen, unseren Gästen eine wunderschöne Zeit zu bereiten, und in diesem Punkt ist dann alles wieder wie früher …

Interview: Nina Fiolka

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