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StartHotel+TechnikInterview mit Roberto Martinez::"Wir denken in ­Generationen"

Interview mit Roberto Martinez"Wir denken in ­Generationen"

Plastikvermeidung im Bad endet nicht bei der Verpackung von Pflegeprodukten und Duschvorhängen. Auch Wannen und Waschbecken sind häufig aus Materialien, deren Produktion die Umwelt stark belastet und die nach der Renovierung nur noch im Sondermüll landen können. Roberto Martinez, CSO bei Kaldewei erklärt, was sein Unternehmen anders macht.

Hotel+Technik: Herr Martinez, Sie werben seit einiger Zeit für die Nachhaltigkeit Ihrer Produkte aus Stahl-Email. Was ist das Besondere daran?

Roberto Martinez: Das Material Stahl-Email ist die umweltfreundliche Lösung für edle Badobjekte. Die vom Institut Bauen und Umwelt e.V. IBU veröffentlichten Umweltproduktdeklarationen EPDs bestätigen die Überlegenheit gegenüber den vielen Badewannen, Duschen und Waschtischen aus künstlichen Materialien wie Acryl oder Mineralguss. Diese werden leider auch heute noch bei zahlreichen Neubauten oder Modernisierungen in Deutschland eingesetzt und belasten bei Herstellung und späterer Entsorgung die Umwelt. Dagegen wird unsere Verbindung aus Stahl und Glas aus natürlichen Rohstoffen gefertigt und ist zu 100 Prozent kreislauffähig. Hinzu kommt, dass unsere Produkte eine Nutzungsdauer von mindestens 30 Jahren haben. Wir geben daher auf unsere Stahl-Email-Produkte eine 30-jährige Werksgarantie.

Acryl dürfte aber leichter zu formen sein als Stahl-Email. Leidet darunter nicht das Design?

Martinez: Keineswegs. Designs wie die freistehende Badewanne „Meisterstück Emerso“, stellen unser Know-how in der Verformung von Stahl unter Beweis. Und unsere Design­ikonen oder Klassiker sind da, um zu bleiben. Stahl-Email überzeugt durch eine edle Optik und zeichnet sich durch eine überlegene Funktionalität aus. Stahl steht dabei für Robustheit, Belastbarkeit und Formstabilität. Glas bietet eine hochwertige Optik und Haptik, ist widerstandsfähig, pflegeleicht und hygienisch. Gerade im Bad wollen die Menschen doch lieber mit natürlichen Materialien in Berührung kommen als mit Plastik oder anderen umweltbelastenden Kunststoffen. Glas, Holz, Naturstein – das sind die Materialien in modernen, nachhaltigen Bädern. Und diese ergänzen wir mit unseren formschönen Badewannen, Duschflächen und Waschtischen aus Stahl-Email.

Was hat Sie auf die Idee gebracht, dieses Material zu entwickeln?

Martinez: Kaldewei arbeitet schon mehr als 100 Jahre mit natürlichen Rohstoffen. Wir denken in Generationen und haben das Thema Nachhaltigkeit fest und unverrückbar in unserer DNA verankert. Wir haben die Rezeptur für unsere Email selbst entwickelt und produzieren diese bis heute selbst. An unserem Standort in Ahlen haben wir die entsprechenden Schmelzöfen, können Email herstellen, Stahl verformen und die Produkte dauerhaft veredeln. Unsere Badlösungen waren schon immer „von Natur aus“ umweltfreundlich, allerdings war das Bewusstsein für umweltgerechtes Planen, Bauen und Renovieren noch nie so groß wie heute.

Die Stahlproduktion per se zeichnet sich ja nicht unbedingt durch hohe Umweltfreundlichkeit aus. Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Lieferanten aus?

Für Roberto Martinez, CSO bei Kaldewei, ist Design mit Umweltbewusstsein kein Widerspruch. (Bild: Kaldewei)

Martinez: Bei uns besteht der verwendete Stahl schon heute zu mindestens 20 Prozent oder mehr aus wiederverwertetem Material – zum Beispiel auch aus alten Badewannen. In unserer Fertigung entsteht so gut wie kein Abfall – fast alles, was hier anfällt, kann wiederverwertet werden: vom Stahl bis zum Overspray in der Emaillierung. Seit Oktober 2021 fertigt Thyssenkrupp Steel den neuen CO2-reduzierten „Bluemint Steel“, der in seiner Bilanz eine Emissions-Reduktion von 70 Prozent aufweist. Kaldewei war der erste Kunde, der mit diesem umweltfreundlichen Stahl beliefert wurde, und so können wir schon heute ausgewählte Kaldewei-Badlösungen aus CO2-reduziertem Stahl anbieten. Diese Produkte sind zunächst als Limited Edition unter der Sub-Marke „Nature Protect“ erhältlich.

Wo liegen die Stahl-Email Produkte preislich im Vergleich zu Acryl?

Martinez: Wir sind hier noch in der finalen Abstimmung. Ich denke, dass die Produkte der Limited Edition „Nature Protect“, etwa 15 bis 20 Prozent mehr kosten werden.

Wie reagieren Kunden aus der Hotellerie auf Ihre Produkte aus Stahl-Email?

Martinez: Eine besonders schöne Anerkennung ist, dass Marriott International uns 2021 als „Sustainable Leader“ ausgezeichnet hat. Marriott hat ein eigenes „Mind-Click Sustainable Assessment Programm (MSAP)“, und wir haben dort als erstes und einziges Sanitärunternehmen weltweit das bestmögliche Rating im Leader Level erzielt. Kaldewei ist ein langjähriger Sanitärpartner von Marriott, und mit unseren Badlösungen aus Stahl-Email sind wir in vielen Gästebädern der Hotelgruppe vertreten. Diese Auszeichnung ist nicht nur ein Ergebnis unseres jahrzehntelangen Engagements für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft, sondern auch eine Bestätigung unseres Materials Kaldewei Stahl-Email für nachhaltig und verantwortungsbewusst geplante Projekte. Auf der Mailänder Messe Salone del Mobile haben wir Anfang September zudem unseren neuen, vom Berliner Designer Werner Aisslinger entworfenen Duschboden „Superplan Zero“ aus Stahl-Email einem internationalen Publikum vorgestellt und sehr viel Zuspruch erhalten.

Welche weiteren Maßnahmen haben Sie in Ihrem Unternehmen eingeleitet, um CO2 zu reduzieren und Ressourcen zu schonen?

Martinez: Nachhaltigkeit war und ist stets ein zentrales Thema für uns und endet nicht an unseren Werkstoren. Kaldewei hat als erstes Unternehmen der Sanitär-Branche die „Science Based Target Initiative (SBTi)“ unterzeichnet. SBTi ist eine Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen, CDP, dem Word Resources Institute und dem WWF. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens durch konkrete Maßnahmendefinition auch zu erreichen. Das heißt, wir haben uns offiziell dazu verpflichtet, unsere CO2-Emissionen innerhalb der nächsten neun Jahre drastisch zu reduzieren. Darüber hinaus unterstützen wir das Madaster-Ökosystem, das globale Kataster für Materialien, Gebäude und Infrastrukturen.

Interview: Susanne Stauß

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