Bernd Gieske, Head of F&B 25hours„Szenegastronomie ins Hotelleben integrieren“

Rezept einer neuen Hotelgeneration: Kein Mainstream und Mitarbeiter mit Leidenschaft, die auch Quereinsteiger sein dürfen. (Bild: 25 hours)
Die Monkey Bar und das Restaurant NENI im 25hours Hotel Bikini Berlin sind Paradebeispiele für erfolgreiche Hotelgastronomie. Hotel+Technik traf 25hours Gastro-visionär Bernd Gieske zum Gespräch über das gastronomische Gesamtkonzept der Marke und die Frage, wie Hotels zum lokalen Hotspot werden können. – von Interview: Nina Fiolka
— „Das Wichtigste ist, dass ich für den Standort das passende gastronomische Konzept finde.“ — Gastrovisionär Bernd Gieske, Head of Food & Beverage der 25hours Hotel Compan

Hotel+Technik: Die 25hours Häuser sind Vorreiter einer neuen Hotelgeneration. Was zeichnet die jungen Konzepte aus?

Bernd Gieske: Konzepte wie unseres bedienen den Trend, dass es keine klar umrissenen Reisemotive mehr gibt. Geschäftliches und Privates vermischt sich zunehmend. Ob Business- oder Städtetrip: Viele Gäste sind privat gut vernetzt oder wollen nach dem Businesstermin Stadt und Szene erleben. Sie stellen eine hippe, markenbewusste Gästeklientel: Für sie ist das reine Übernachten, also Bett und Frühstück, nicht mehr ausreichend – sie wollen auch etwas erleben. Gearbeitet wird im Hotel in einer relaxten Atmosphäre, nicht an einem hell erleuchteten Schreibtisch auf dem Zimmer.

Worin unterscheiden sich die jungen Hotelangebote am meisten?

Die Angebote reichen von Budget-Design-Marken wie Prizeotel über sehr hippe Unterkünfte wie Mama Shelter bis hin zu modernen Interpretationen klassisch inspirierter Häuser wie dem Soho House, die sehr jung und designorientiert sind und gleichzeitig großen Wert auf Luxus und Komfort legen. Unser Ziel ist, ein wertiges Gesamterlebnis zu schaffen. Dank einer spannenden Gastronomie werden unsere Häuser dabei auch zum lokalen Hotspot.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ganz generell versuchen wir ein gastronomisches Alleinstellungsmerkmal zu finden, das auch eigenständig funktioniert. „Außergewöhnlich, nicht Mainstream“ lautet die Devise. Das Wichtigste dabei ist, dass ich für den Standort angepasst das passende gastronomische Konzept finde.  Egal für was ich mich entscheide, es muss auch eine Zielgruppe für die Art des Essens geben! Wenn ich zu speziell bin und ein relativ großes Restaurant habe, wird es schwierig. Und wenn ich zu mainstreamig bin, dann werde ich schnell vergleichbar. In jedem Fall muss ich für den Gast immer überraschend bleiben. Das heißt also, dass wir Dinge tun, die der Gast vielleicht im ersten Moment nicht erwartet und auf die er sich immer wieder freut.

Was sind weitere wichtige Fragen für die Hotelgastronomie?

Enscheidend ist auch, welches Qualitätsniveau die Gastronomie haben soll. Das heißt, setze ich auf ein sehr wertiges oder eher ein legeres Konzept? Das hat natürlich Auswirkungen auf die Personalkosten und auch auf die Kücheneinrichtung. Und wie flexibel bin ich dabei? Kann ich, wenn es nicht so richtig funktioniert, nach ein, zwei Jahren etwas Neues machen? Oder lege ich mich mit dem, was ich jetzt einrichte, fest und muss alles wieder herausreißen? Schwierig umzusetzen sind eher zeitlich begrenzte Trends wie aktuell   Smokefoods. Alle zwei Jahre das Restaurant umzubauen freut sicher den Küchenbauer, ist aber belastend für das Budget. In diesem Fall ist es dann besser, sich sowohl im Restaurant als auch im Barbereich einen erfahrenen Gastropartner mit einem spannenden Konzept zu suchen und ins Hotel zu integrieren. Idealerweise an den Standorten, an denen dieser schon bekannt ist. Das ist ein guter Weg, Szenegastronomie ins Hotelleben zu integrieren.