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StartHotel+TechnikInterior Design: Hält digitale Kunst bald Einzug in die Hotellerie?

Interior Design: Hält digitale Kunst bald Einzug in die Hotellerie?

Das Verhältnis zu digitaler Kunst ändert sich – auch in der Hotellerie. Digital präsentierte Wandobjekte und Kunstwerke könnten bald Bestandteil des Alltags werden, sagt Designer und Gastautor Boris Bandyopadhyay.

„Non Fungible Token“ (NFT) sind Eigentumszertifikate digital entstandener Kunstproduktionen, die als Tokens in der Blockchain digital hinterlegt werden. Für viele Menschen klingt das fremd, und doch: Unser Verhältnis zu digitaler Kunst und Objekten, die über Displays gezeigt werden, wird sich verändern. Parallel werden großflächige, digital bespielbare Displayflächen technisch ausgereifter, etwa was Auflösung, Kontrast und Bildwiederholung betrifft, und potenziell auch wirtschaftlich erschwinglicher.

Beides führt dazu, dass sich unsere Vorstellung statischer Inneneinrichtungen in Richtung dynamischer Farbkonzepte erweitern wird: Hotelzimmer sowie Lobby- und Restaurantbereiche können sich so Anlässen, individuellen Kundenwünschen oder einfach jahreszeitlichen Lichtverhältnissen anpassen.

Wie sehen Innenräume künftig aus?

Die Gestaltung von Innenräumen wird sich künftig dem wachsenden Wunsch der Menschen nach Individualisierung anpassen. Es entstehen Räume, in denen Gäste voreingestellte oder ganz individuelle Settings wählen können, die jeweils aufeinander abgestimmte digitale Wand- und Bildobjekte zeigen oder ganze Wände in anderen Farben erscheinen lassen.

Dabei geht es auch um leuchtende, poppige sowie Neonfarben, die derzeit durch virtuelle Welten („Metaversen“) immer mehr zur Alltagserfahrung werden und so verstärkt Einzug in die physischen Produkt- und Lebenswelten haben: Dabei ist eine wesentliche Veränderung zu beachten: Denn Lichtfarben, also solche, die durch Monitore und Displays entstehen, bringen einen anderen Farbraum hervor als sogenannte Körperfarben. Die Lichtfarben haben natürlich vor allem eine höhere Leuchtkraft und ihre Ästhetik wird künftig auch bei Körperfarben eine größere Rolle spielen, etwa durch intensivere Pigmentierungen, metallische und glänzende Farboberflächen. Innerhalb dieser leuchtenden Farbwelt spielt das klassische Schwarz als Kontrast, der diese Farben und Töne besonders gut zur Geltung bringt und leuchten lässt, eine neue Rolle. Schwarz funktioniert etwa besonders gut mit Neongrün, Neongelb, einem intensiv strahlenden Dunkelblau und mit Violet.

Da die Kosten für „digitale Tapeten“ bisher noch immer hoch sind, werden sie in besonders markanten Bereichen wie Eingängen, Foyers und Hotellobbys zuerst eingesetzt werden. Mit der Zeit werden aber auch in Hotelzimmern Wandflächen zu digital bespielbaren Oberflächen.

Konkrete Szenarien für die Innenraumgestaltung mit digitalen Flächen

Szenario 1 – Digitale Wände in der Hotellobby

Wände könnten der Tageszeit entsprechend unterschiedlich gestaltet werden:

  • Morgens: Ein aktivierendes Blau bietet sich an, das den zirkadianen Rhythmus – also die Anpassung unseres Organismus an die sich im Tagesrhythmus ändernden Umweltbedingungen – der Menschen unterstützt, Melatoninausschüttungen als „Wachmacher-Hormon“ fördert und die Mitarbeiter und Gäste voller Energie in den Tag gehen lässt.
  • Mittags: könnte eine Signalfarbe die Mitte des Tages anzeigen und Identität schaffen, etwa mithilfe einer Farbe, die sich inhaltlich aus dem Hotelgestaltungskonzept ableiten lässt und im Sinne einer Corporate Colour das Hoteldesign räumlich erlebbar macht.
  • Abends: lässt warmes, rötlich-orangenes Licht die Gäste zur Ruhe kommen, es sorgt für ein entspannendes Ambiente. Konkrete Beispiele sind rötliche Brauntöne, Siennarot, Gelb- und Rotocker, warme, erdige Töne bis zu Taupe sowie Grau-Nuancen, die einen wärmendem Rot-Anteil haben und so beruhigend wirken.

Szenario 2 – Farben als raumstrukturierende Elemente

Farben können, zum Beispiel in der Hotellobby, die Innenarchitektur unterstützen und kontrastieren. Dabei geht es etwa um den Einsatz von warmen Farben, also um Farbtöne im Spektrum von Gelbgrün bis Rotviolett, die neben Wärme auch Nähe ausstrahlen. In einem besonders tiefen und schmalen Foyerbereich etwa lässt eine Stirnwand in einer warmen Farbe ein angenehmeres Raumgefühl erscheinen, die Wand rückt gefühlt nach vorne und wirkt näher. Werden gleichzeitig die Seiten eines schmalen Raumes mit kalten Farben digital bespielt werden, wirken sie, als lägen sie weiter auseinander. So kann einer als „schlauchartig“ empfundenen Raumsituation entgegen gewirkt werden. Meerblau, Cerulean, Emerald und Azur bieten sich für diese Wirkung besonders an.

Szenario 3 – Das Prinzip Savanne: Motive für digitale Wandflächen

Nicht nur Farben, sondern auch ganze Motive, Bilder und Muster können als atmosphärische, raumbildende und flexible Gestaltungselemente eingesetzt werden. Studien zufolge hat neben Wald- und anderen Naturbezügen das Thema Savanne eine besonders wohltuende, Orientierung schaffende und beruhigende Wirkung auf das menschliche Empfinden.

Die Hauptelemente der Savannen, hier die für die frühmenschliche Entwicklung relevanten subtropisch-tropischen Savannen Ostafrikas, bestehen aus hügeligen Grasfluren mit niedrigem Strauchbewuchs und sind durchsetzt von einzelnen Bäumen. Im abstrakten Sinn besteht die Savanne aus einer niedrig bewachsenen Landschaft, die einen Weitblick und damit Orientierung ermöglicht. Sie wird strukturiert durch einzelne hochstehende Bäume und Landmarken (Hügel, Kliffs, Felsen), die man sich einfach merken kann.

Gerade unübersichtliche Raumsituationen können durch savannenartige Motive und Muster visuell beruhigt werden und Gästen ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Orientierung vermitteln. Hier geht es nicht um naturalistische Abbilder, wie etwa Fotografien von Savannenlandschaften, sondern um Muster und Bildkompositionen, die das Prinzip Savanne mit flachen horizontalen Elementen, aus denen wenige hohe vertikale Elemente hervorstehen, aufgreifen.

Szenario 4 – Aktivierende Muster für digitale Tapeten

Digitale Wandflächen ermöglichen eine Vielzahl von flexiblen und abwechselnden Gestaltungsvarianten. Sie können so das Augenmerk und die Wahrnehmung leiten und bestimmte Bereiche im Raum hervorheben. Ein Mittel dazu sind besonders aktivierende Signalfarben wie Rot, Orange, Gelb und die Neonfarben, die als Lichtfarben auf digitalen Tapeten ihre Leuchtkraft besonders zur Geltung bringen. Zur Hervorhebung eignen sie sich in Kombination mit dunklen bis schwarzen Umrandungen oder Hintergründen. Vorstellbar ist zum Beispiel ein Neongrün oder -pink auf Schwarz, um das Auge aufmerksam zu machen und den Raum visuell zu strukturieren.

Auf ähnliche, die Wahrnehmung aktivierende Weise wirken Muster mit starken Kontrasten, etwa schwarzen und weißen Flächen, die die Gehirnaktivität erhöhen und den Blick unmittelbar auf sich lenken. Dieses Element einer blickleitenden Wirkung findet sich in vielen Außenfassaden alter Herrschafts- und Sakralarchitekturen (Burgen, Mailänder Dom etc.), wo schwarz-weiß-Kontraste als Gestaltungselemente von Toren, Türen, Fensterläden und Gebäudefassaden eingesetzt werden. Virtuelle Wandflächen bieten eine wunderbare Möglichkeit, solche Gestaltungselemente in Interior-Design-Konzepte zu integrieren und sie an den Tagesverlauf, die jahreszeitlichen Lichtverhältnisse oder an die gewünschte Nutzungssituation im Hotel anzupassen. Boris Bandyopadhyay

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