Interalpen-Hotel Tyrol Modernisierung einer eigenen Hotel-Welt

Begleitet das Interalpen-Hotel Tyrol mit viel Feingefühl in die Zukunft: General Manager Karl Brüggemann. (Bild: Interalpen-Hotel Tyrol / Monoplan AG)

Zur Hochsaison leben und arbeiten rund 1.000 Menschen im Interalpen-Hotel Tyrol – ein ganzes Dorf. Um die Ansprüche und Wünsche der Gäste aus aller Welt zu erfüllen, wurde das Fünfsterne-Superior-Haus in den letzten Jahren – stets im Geiste seines Gründers – behutsam modernisiert.

Es ist viel passiert in den letzten Jahren im Interalpen-Hotel Tyrol, das in traumhafter Alleinlage auf einem 1.300 Meter hohen Plateau oberhalb von Seefeld thront. Als Strategiewechsel will Karl Brüggemann, seit sieben Jahren General Manager des Fünfsternehauses, die vielfältigen Maßnahmen nicht verstanden wissen. Eher als Wandel, den man behutsam begleitet, um das Hotel an die Bedürfnisse im Jetzt, aber auch für die Zukunft anzupassen. „Unsere Gäste schätzen die neuen Möglichkeiten, die Wohlfühl­oasen, die wir schaffen, ohne dass wir das lieb gewonnene Alte, Vertraute wegnehmen.“

Raum ist reichlich vorhanden, um all die Erlebniswelten zu schaffen, mit denen die Stammgäste überrascht werden sollen und die Bedürfnisse der internationalen Gäste erfüllt, die man zunehmend gewinnen kann, seit das Haus Mitglied der „Leading Hotels of the World“ geworden ist.

Dass man die umfangreichen Erweiterungen und wegweisenden Neuerungen immer noch unter ein Dach packen kann, hat viel mit der Weitsicht und Großzügigkeit von Hans Liebherr (1915-1993) zu tun, Gründer des gleichnamigen weltweit agierenden Konzerns. Vor mehr als 30 Jahren erfüllte Liebherr sich einen Lebenstraum, als er sein Interalpen-Hotel Tyrol baute. Der Senior war eine Persönlichkeit, wie es sie heute nicht mehr gibt, sagt Karl Brüggemann. Einer, der seine Geschäfte noch per Handschlag besiegelt. Sein Credo sei stets gewesen, groß zu denken, Raum zu schaffen, „was heute gar nicht mehr bezahlbar wäre“, so Karl Brüggemann. Lage, Platz, dazu pure Natur – das sei heute der wahre Luxus. Ob der Senior das damals schon mitberücksichtigt habe? „Mittlerweile sage ich ja, hat er. Alles was er angepackt hat, ist erfolgreich bis in die heutige Zeit.“ Das Unternehmen, das heute in dritter Generation geführt wird, habe das ausgebaut, erweitert mit dem Streben nach Qualität und Nachhaltigkeit, dem fairen Umgang mit den Kunden wie auch den Mitarbeitern.

“Unsere Gäste schätzen die neuen Möglich­keiten, die wir schaffen,­ ohne dass wir das lieb gewonnene Alte wegnehmen.“
Karl Brüggemann, Interalpen-Hotel Tyrol

Um Weitsicht ging es dem Senior auch im Wortsinn: Das Gebäude ist so geplant – von einem zentralen Kern breiten sich drei Flügel aus, die sich von Stockwerk zu Stockwerk verjüngen – sodass man von jedem der Zimmer einen Panoramablick auf die umgebenden Gipfel genießt, das Wettersteingebirge und die Bergkette des Karwendels.

Bis auf eine schmale, kurvige Privatstraße, die das Hotel erschließt, ist keine Straße zu sehen oder Autos zu hören, sie verschwinden in der Tiefgarage. Diese ist eine Sehenswürdigkeit für sich und sorgt beim ersten Besuch oft für Staunen: Mit dem Auto fährt man direkt in einen holzvertäfelten, stimmungsvoll ausgeleuchteten Rezeptionsbereich, der eher einer edlen Lobby gleicht denn einer Einfahrt. Man versucht sich direkt vorzustellen, wie viele der von der Firma Liebherr entwickelten Hydraulikbagger bei dem dafür nötigen Aushub zum Einsatz kamen.

Die Großzügigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Haus. Von den 280 Zimmern sind 270 mindestens 40 Quadratmeter groß. Im gesamten Alpenraum gebe es nichts Vergleichbares, so der GM. Deshalb könne man auch so gut auf den Trend zum „Multigenerational Travel“ reagieren – der „Mehrgenerationen-Reise“, wie sie 2018 von Forbes zum Top-Trend deklariert wurde: „Wir erleben, dass sich Familien, teilweise vier Generationen, die über die ganze Welt verstreut leben, bei uns in den Ferien treffen.“

Die Neugestaltungen, die das Züricher Büro Monoplan konzipiert hat, heben sich stilistisch deutlich ab vom gediegenen Ambiente der Lobby mit ihrer immensen Größe und den beiden Freitreppen, die sich machtvoll ins Zwischengeschoss hochschwingen. Modern, subtil, chic sind die neuen Räumlichkeiten: Der elegant-heitere Salon „Bellevue“ oder das lichte „Wiener Kaffeehaus“, wo man auf Thonet-Stühlen sitzt und einen perfekt ausgezogenen Apfelstrudel aus der hauseigenen Patisserie genießt. Schließlich das Clubrestaurant „Hofburg“ mit seiner goldenen Metalldecke und dem Bühnenbereich für Live Acts oder Kochevents und der mit drei Gault-Millau-Hauben ausgezeichnet „Chef’s Table“ von Küchenchef Mario Döring. Die neue Spa-Rezeption wie auch die Treatment-Räume zeigen sich wertig und reduziert, transportieren Ruhe und Konzentration. Elegant und ganz dunkel gehalten ist der ebenfalls neu eröffnete Ladies Spa, eine Antwort auf die Wünsche der Gäste aus den USA oder den Emiraten.

Entscheidungen, in welche Richtung es gehen soll, werden gemeinsam getroffen mit den Architekten, den Inhabern und den Führungskräften im Hotel, die die Sichtweise der Gäste einbringen, erläutert Karl Brüggemann. Man lasse sich Zeit. Das sei ein langwieriger Prozess, man wolle nicht auf jeden Trend aufspringen, nicht hektisch reagieren. „Wir beobachten die Entwicklung am Markt, schauen uns an, was passiert, hören zu und wollen dann den Wandel mitgestalten.“ Internationalen Touch zu bekommen und trotzdem den Bezug zur Region zu bewahren, das sei eine herausfordernde Aufgabe, so der General Manager.

Die meisten Zimmer und Suiten sollen ihr anheimelndes Tiroler Ambiente mit Kachel­ofen und handwerklichen Holzarbeiten beibehalten. Wie man mit wenigen Akzenten Räumen eine zeitgemäße Anmutung verleiht, lässt sich in den bei den Gästen geschätzten „Tiroler Restaurant-Stuben“ beobachten, wo ein neues Lichtkonzept und moderne Lampen die Stimmung verändern.

Wie managt man diese Dimensionen? Die Größe erlaubt, unterschiedliche Geschäftsfelder zu trennen: So überlässt das Hotel zum Beispiel Individualgästen bestimmte Bereiche exklusiv. Auf 20 Prozent beziffert Karl Brüggemann das Tagungsgeschäft sowie Incentives und Familienfeiern.

Während der Hochsaison wohnen oder arbeiten bis zu 1.000 Menschen unter dem Dach des Interalpen-Hotels. Ein ganzes Dorf, in dem jeder seinen speziellen Raum finden kann: Teenager, die sich zu Billard-Turnieren verabreden, Kids, die im als Alpengarten gestalteten Tipsi-Club professionell betreut werden. Familien, die sich im Hotelkino zum Blockbuster-Schauen treffen.

Das Thema Superlative will man im Interalpen-Hotel Tyrol nicht kommunizieren, wobei das Haus einige Rekorde zu bieten hat. Das würde nicht zur Philosophie passen, die das Hotel vertritt. Bodenhaftung bewahren, das Gesamte sehen, nicht der kurzfristigen Gewinnmaximierung nachrennen, auf die Mitarbeiter schauen, das sei immer ein Anliegen des Seniors gewesen. „Uns als Hoteliers und Gastronomen, die wir immer diesem Schnelllebigen, Kurzlebigen ausgesetzt sind, tut das gelbe Blut (in Anlehnung an die Liebherr-Konzernfarbe) in den Adern gut“, ist der GM überzeugt. „Wir stehen für nachhaltige Dienstleistung und Qualität – für Gäste, aber auch für die Mitarbeiter.“

 „Wie schaffen wir einen Rückzugsort, wie gelingt uns diese sogenannte Entschleunigung?“, das sei die entscheidende Frage. „Wir tun uns mit unserer Größe auf den ersten Blick ein wenig schwerer“, räumt Karl Brüggemann ein, „aber wer uns kennenlernt, der kommt wieder.“ Dafür sprächen die
75 Prozent Stammgäste, viele, die mittlerweile in zweiter Generation mit ihren Familien anreisen. Sich auf die Stärken besinnen, klarmachen, dass man auf der Haben-Seite Dinge verbuchen kann, die nicht mit Geld zu bezahlen sind: die reine Luft, das klare Wasser, die unberührte Bergwelt, die Stille.

Krönung der jüngsten Umbaumaßnahmen sollen die sieben bis zu 200 Quadratmeter großen Panoramasuiten direkt unter dem Dach werden, die während der Frühjahrsschließung realisiert werden. „Es geht uns darum, ein exklusives Refugium zu gestalten, etwas zu installieren, das sich noch einmal absetzt vom Rest des Hauses“, so der GM über das Vorhaben. Die Gäste der künftigen Suiten können einen 360-Grad-Panoramablick genießen. Die Einrichtung werde einen zeitgemäßen alpinen Look zeigen. Und wer will, kann sich in der Suite komplett zurückziehen, rund um die Uhr von einem Butler betreut, vom persönlichen Koch umsorgt.

All das sei keine neue Strategie, schärfen wolle man das Profil. Das Ziel: das Interalpen-Hotel Tyrol am internationalen Markt fest als Luxus-Reiseziel in den Alpen zu ­etablieren.

Bärbel Holzberg