Innovative Schwimmbadtechnik im Hotel Das AhlbeckProminente Pool-Position

Vom neuen Infinity-Pool aus blicken die Gäste über die Bäume der Promenade direkt aufs Meer. (Bild: Hotel Das Ahlbeck)

Im Outdoor-Infinity-Becken des Hotels Das Ahlbeck verschwindet nachts das Wasser. Das ist keine Frage der Gezeiten, sondern der ausgeklügelten Technik drei Etagen unter der Pool-Ebene.

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Scheinbar nichts trennt die Badegäste des Infinity-Pools im Hotel Das Ahlbeck Hotel & Spa von der Ostsee. Die Raumgrenzen sind aufgehoben. Das Ergebnis haben sich Petra Bensemann, Direktorin des Hotels, und die Eigentümer Buss & Bohlen aus Ostfriesland so vorgestellt, als sie beschlossen, das Viersterne-Superior-Hotel um ein Außenschwimmbecken zu bereichern.

Das Hotel verfügte bereits vor dem neuen Schwimmbecken über einen Spa-Bereich mit großem Indoorpool und Glasdach, wodurch den Gästen der Blick auf den Himmel freigegeben wurde. Außerdem hat das im Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom gelegene Hotel einen Platz in erster Reihe und ist nur einen Katzensprung über die Uferpromenade vom breiten Sandstrand am Meer getrennt.

„Im Zuge unseres Anbaus mit 28 weiteren Zimmern und Suiten, fast alle mit Meerblick, wurden auch die Vergrößerung der Wellnesslandschaft von 1.250 auf 2.000 Quadratmeter, ein Infinity-Pool sowie drei Panoramasaunen mit Ostseeblick geplant“, erläutert Petra Bensemann, die nun 77 Gästezimmer verantwortet. Zweieinhalb Jahre hat der Ausbau gedauert. Die Fassade des Neubaus geht harmonisch in die der Villa aus dem Jahr 1882, die der Maurer Karl Voss als Pension für Badegäste erbaut hat, über. Die neue Bar und das Café sowie der Marktplatz mit drei Shops wirken, als seien sie schon immer Bestandteil des Hotels gewesen.

Die Fassade des Neubaus, hier eine Baustellenaufnahme vom 1. Juli 2019, harmoniert mit der historischen Villa aus dem Jahr 1882.

Trockenübungen von 22 bis 8 Uhr

„Wir haben uns dafür entschieden, den Infinity-Pool unter freiem Himmel auf der ersten Etage des Hotels zu errichten“, so Petra Bensemann. Mit dem Blick aufs Meer und dem runden Design des Pools wirkt das Außenbecken wie ein Schiffsbug. Doch die Optik ist nicht das einzig Besondere an diesem Pool: Das 31 Grad warme Wasser verschwindet allabendlich um 22 Uhr und taucht jeden Morgen um acht Uhr wieder auf. „Das Abpumpen dauert etwa eine Viertelstunde, das Befüllen 25 Minuten“, sagt Stephan Götz, zuständig für Vertrieb und Projektentwicklung bei der Firma Berndorf Bäderbau. Das Traditionsunternehmen aus Österreich mit Niederlassungen in ganz Europa realisierte nach den Wünschen der Hotel-Eigentümer, die auch Energieeffizienz sowie eine ganzjährige Nutzung vorgegeben hatten, das Projekt. Für die technischen Ausführungen waren zudem das baden-württembergische Schwimmbadtechnik-Unternehmen Ospa Apparatebau Pauser und deren Berliner Vertretung P. Hütel & W. Meß Schwimmbad zuständig.

Mehrere Firmen waren an der Planung und Realisierung des Pools beteiligt.

Kein Pool von der Stange, sondern eine individuelle Lösung sollte es sein. Das war mit unterschiedlichen Herausforderungen verbunden. „Der Pool liegt direkt über der Bar und sturmgefährdet 50 Meter entfernt vom Ostseestrand. Ihn außerhalb der Badezeiten mit einer Rollladenabdeckung zu versehen war daher sowie aufgrund der Beckenform nicht möglich“, so Götz. In intensiven Beratungsgesprächen ist dann entschieden worden, das Wasser außerhalb der Badezeiten abzulassen, zwischenzuspeichern und vor Badebeginn wieder einzufüllen. Einzig mit einem Edelstahlbecken war diese technische Lösung möglich. „Frost würde jedes andere Baumaterial zerstören. Der Edelstahlpool ist von außen isoliert und kann somit wirtschaftlich betrieben werden“, so Stephan Götz über das Schwimmbecken, zu dem die Hotelgäste über einen Warmeinstieg mit Glasschiebetüren direkt vom Spa-Bereich aus gelangen.

„Wenig Kondenswasserbildung, Heizungseinsparung und die Möglichkeit, schnell bei eventuellen Havarien eingreifen zu können, waren weitere Vorteile der Lösung“, betont Petra Bensemann. Zweimal am Tag ist dadurch außerdem eine professionelle Reinigung des Beckens möglich, das mit einer Fläche von 45 Quadratmetern und eine Tiefe von 1,35 Metern 57 Kubikmeter umfasst.

Das Edelstahlbecken umfasst 57 Kubikmeter und ist von außen isoliert.

Aufbereitung im Keller

Die Schwimmbadtechnik samt großem Schwallwassertank, in dem das Wasser nachts gespeichert und aufbereitet wird, befindet sich im zweiten Untergeschoss des Hotels. Damit sind weite Wassertransportwege verbunden, wodurch das Wasser abkühlt. „Um den Temperaturverlust aufzufangen, wird das Wasser bei der Aufbereitung im Tank um zwei bis drei Grad stärker erwärmt, bevor es wieder nach oben gepumpt wird“, erläutert Diplom-Ingenieur Peter Hütel, Miteigentümer von P. Hütel & W. Meß Schwimmbad. Durch die tägliche vollautomatische Aufbereitung könne dasselbe Wasser sehr lange für den Pool genutzt werden, werde jedoch aus Gründen der Hygienevorschriften ein- bis zweimal im Jahr komplett getauscht. Zudem wird DIN-Vorschriften-gerecht regelmäßig Wasser aus dem Kreislauf entnommen und durch Frischwasser ersetzt. Die Desinfektion erfolgt nicht durch Flüssigchemie, sondern besonders wirtschaftlich und betriebssicher mittels eines Elektrolysegeräts. Für die fachgerechte Reinigung des Pools wurden eigene Rinnen eingebaut. „Das Reinigungspersonal kann den Pool mit einem Schlauch ausspritzen. Das Schmutzwasser läuft über diesen separaten Kanal ab und wird über das Abwassersystem des Hotels entsorgt. Anschließend kann der Pool wieder befüllt werden“, sagt Hütel. Die Handhabung der Poolwartung im täglichen Betrieb sei simpel. Die dafür verantwortlichen Mitarbeiter des Hotels steuern alles über Touchscreens.

Durch die tägliche Aufbereitung des Wassers kann es lange genutzt werden.

Die Wasserumwälzung über eine Pumpe, so Diplom-Ingenieur Hütel, gelinge automatisch mit geringem Energieaufwand und entsprechend niedrigen Betriebskosten. Eines der größten Probleme sei der Höhenunterschied und die Überwindung von drei Etagen gewesen. „Die Schwimmbadtechnik befindet sich neun Meter unter der Wasseroberfläche. Es musste darauf geachtet werden, dass der geodätische Druck nicht zu hoch wird“, so Peter Hütel.

Im ständigen Wandel

Mit dem jüngsten Anbau samt Infinity-Pool bleibt das 2006 eröffnete Das Ahlbeck seiner „Work-in-Progress“-Philosophie treu. 2012 wurde ein Blockheizkraftwerk nachgerüstet, inzwischen gibt es ein weiteres. 2013 wurden nahe gelegene Mitarbeiterwohnungen errichtet, im gleichen Jahr kaufte Buss & Bohlen das Nachbargebäude, das Hotel Seestern. Auf dem Grundstück ist der neue Anbau des Hotels Das Ahlbeck entstanden.
Der Infinity-Pool zieht auch nachts die Aufmerksamkeit auf sich – ganz ohne Wasser. Ebenso wie die Panoramasaunen wird er so illuminiert, dass ihn vorbeischlendernde Spaziergänger von der Promenade aus sehen können.

Manuela Blisse

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