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StartHotel+TechnikUmbau & SanierungInnenraumbegrünung::Effekte von Grünpflanzen in Holzräumen

InnenraumbegrünungEffekte von Grünpflanzen in Holzräumen

Eine großflächige vertikale Innenraumbegrünung ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern verbessert auch nachweislich Raumklima und -luftqualität. Doch bei Objekten, die in Holz- oder Holz-Hybridbauweise realisiert wurden, gibt es im Hinblick auf die Holzfeuchte einiges zu beachten, wie eine aktuelle Masterarbeit der TH Köln zeigt.

Wie bereits eine 1989 veröffentlichte Studie der amerikanischen Raumfahrtorganisation NASA belegte, verschönern bestimmte Grünpflanzen, wie zum Beispiel Einblatt oder Grünlilie, einen Raum nicht nur optisch, sondern wirken sich auch auf dessen physikalische Eigenschaften aus. Sowohl Kohlenstoffdioxid als auch Staub werden in geringen Maßen gebunden, aber auch die Luftfeuchtigkeit wird je nach Blattfeuchte und Verdunstung beeinflusst. Damit versprechen großflächige vertikale Pflanzsysteme, sogenannte Grünwände, nicht mehr nur optische Gestaltung, sondern eine dauerhafte Verbesserung des Raumklimas und der -luftqualität.

Wie funktioniert eine Grünwand?

Im Gegensatz zu künstlich konservierten Mooswänden handelt es sich bei vertikaler Innenraumbegrünung um eine intakte, lebendige Struktur. Sie macht sich die positiven Effekte des natürlichen Wachstumsprozesses der Pflanzen zunutze. Die Grünwand besteht aus abwechslungsreichen Mischkulturen tropischer und subtropischer Blattpflanzen. Die Lichtverhältnisse im Raum entscheiden, ob genügend natürliches Licht auf die Grünwand fällt oder ob gegebenenfalls eine zusätzliche künstliche Beleuchtung notwendig ist. Die optimale Pflege der Pflanzen gestaltet sich besonders leicht, wenn ihre Bedürfnisse von Beginn an in die Raumplanung einbezogen werden.

Welche Systeme gibt es?

Obwohl es sich bei vertikaler Innenraumbegrünung um ein Nischenthema handelt, wurden in den letzten Jahren von verschiedenen Herstellern Wandbegrünungs-Systeme in diversen Ausführungen entwickelt. Einige setzen auf die Wandmontage von Trägerkassetten, welche mit Pflanzkästen und Kulturtöpfen bestückt sind. Demgegenüber stehen Ansätze, welche die Pflanzen direkt in Taschen eines mehrlagigen Vliessystems einsetzen, das zusätzlich zur gleichmäßigen Bewässerung dient. Für die Aufnahme der Grünwandkonstruktionen stehen spezielle Tragstrukturen aus Aluminiumprofilen zur Wahl, die an die jeweilige Wandbeschaffenheit angepasst sind.

Was muss in Holzgebäuden beachtet werden?

Eine hohe Anzahl an Pflanzen kann bei entsprechenden klimatischen Bedingungen aber auch einen konstanten Anstieg der Luftfeuchtigkeit über ein gewünschtes Maß hinaus mit sich bringen. Hier gilt es, eine Überfeuchtung mithilfe eines geeigneten Lüftungskonzepts zu vermeiden.

Um mögliche Effekte der Grünwand auf die Raumluftqualität und die Feuchte angrenzender Bauteile aus Holz genauer zu betrachten, wurde am Brüninghoff-Standort in Heiden eine vertikale Innenraumbegrünung in einem Holzgebäude eingesetzt und mit entsprechender Monitoring-Technik ausgestattet. Im Rahmen des Forschungsprojektes kamen unter anderem acht, in einer senkrechten Achse zu der Pflanzenwand montierte Temperatur-Feuchte-Datenlogger 174H der Firma Testo zum Einsatz. Die Holzfeuchtemesstechnik stammt von Scanntronik Mugrauer. Die Messungen fanden in den Sommermonaten zwischen Anfang März und Anfang August 2021 statt. In diesem Zeitraum ist weniger der Ausgleich trockener Heizungsluft, als vielmehr eine Überfeuchtung des Raums durch die Grünwand zu erwarten – insbesondere bei wärmeren Außentemperaturen und bereits hoher Luftfeuchtigkeit im Außenbereich.

Die etwa neun Quadratmeter große Vertikalbegrünung wurde in einem 110 Quadratmeter großen Besprechungsraum montiert. Die Konstruktion stammt von Vertiko, die Installation und Bepflanzung vor Ort erfolgte durch Boymann Gartenlandschaftsbau aus Glandorf. Die Grünwand befindet sich im sogenannten „Forscherhaus“ des Projektbauspezialisten.

Im März 2021 wurden im Vorfeld der Grünwandinstallation zunächst Referenzmessungen in der Brettsperrholzdecke des Forscherhauses durchgeführt. Nach dem Einbau der vertikalen Innenraumbegrünung wurde schließlich die sich an der Oberfläche der sichtbaren Brettsperrholzdecke einstellende Holzfeuchte sowie die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit ermittelt.

Fazit

Es ergab sich Studienangaben zufolge ein durchschnittlicher Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit um 26,7 Prozentpunkte. Sowohl die relative als auch die absolute Luftfeuchtigkeit überschreiten die normativen Grenzwerte nach DIN EN 15251. Diese Überschreitung der Grenzwerte ist bei großen begrünten Flächen im Verhältnis zur Grundfläche des Raumes unabhängig von der Bauweise des Gebäudes zu erwarten. Eine sinnvolle Dimensionierung der Grünwand sowie die Berücksichtigung der Innenraumbegrünung in der Ausgestaltung der technischen Gebäudeausstattung sind laut Nadine Dalhoff, Masterstudentin an der Technischen Hochschule Köln, somit unabdingbar. Dies bedeutet, dass die Grünwand zusammen mit technischen Gebäudeausrüstung bereits in der Planung betrachtet werden sollte. Beim nachträglichen Einbau einer vertikalen Innenraumbegrünung in einen bestehenden Raum sollte in jedem Fall das Lüftungskonzept überarbeitet werden.


Von Nadine Dalhoff, Masterstudentin an der Technischen Hochschule Köln und Werkstudentin bei Brüninghoff, Dr. Jan L. Wenker, Projektleiter Forschung, Entwicklung, Innovation bei Brüninghoff und Prof. Dr. Nina Kloster, Professorin für Gesundheit und Komfort im Gebäude am Institut für Technische Gebäudeausrüstung (TGA) der Technischen Hochschule Köln (TH Köln).

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