Ingo C. Peters im Interview: “Es gilt jetzt erst recht, in Qualität zu investieren“

Ingo C. Peters (Bild: Vier Jahreszeiten Hamburg)

Wie es sich anfühlt, ein Grandhotel zu schließen, und mit welchen Zielen und Strategien der Re-Start gelingen soll, darüber sprachen wir mit Ingo C. Peters, dem geschäftsführenden Direktor des Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg.

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Tophotel: Herr Peters, Sie leiten seit über 20 Jahren als Direktor das Vier Jahreszeiten und leben dort auch. Wie haben Sie den Lockdown empfunden?

Ingo C. Peters: Das Hotel, das in seiner fast 125-jährigen Geschichte und selbst in zwei Weltkriegen nie geschlossen war, am 20. März abzuschließen, hat schon ein sehr mulmiges Gefühl hervorgerufen. Aber wir haben die Zeit intensiv für Renovierungsarbeiten genutzt, die im Betrieb oftmals aufwendig sind oder Umsatzausfälle bedeuten: Einige Möbel gingen zum Aufarbeiten zum Schreiner, Teppiche wurden ausgetauscht und Holzfußböden neu bearbeitet, Büros und Lagerräume neu geordnet. Auch die drei Innenhöfe haben wir restauriert. So konnten wir, vor allem auch Dank unseres Eigentümers, die Belegschaft bis Ende April komplett beschäftigen und auch darüber hinaus durchgehend voll bezahlen. Das war sehr wichtig für das Teamgefühl: Die Mitarbeiter haben gespürt, dass es weiter geht, und wir haben zu keiner Zeit den Kontakt zueinander verloren.

Und es ging schneller weiter als zunächst geplant …

Richtig. Wir haben nach acht Wochen, am 18. Mai, wieder geöffnet. Die Herausforderung war enorm, denn zu diesem Zeitpunkt gingen wir alle noch davon aus, dass wir frühestens nach Pfingsten wieder an den Start gehen dürfen. Doch es kam unerwartet anders: Während wir für den Re-Start den 4. Juni anvisiert und in allen Dienstplänen stehen hatten, kündigte die Stadt ohne Vorwarnung und Möglichkeit eines Ramp-Up Mitte Mai an, dass alle Hotels und Restaurants „ab morgen wieder offen sind“.

“Mir war wichtig, dass die Gäste, die uns ihr Vertrauen schenken, sofort wieder die Qualität und das Erlebnis bekommen, für das unser Haus steht, und sich dabei sicher fühlen.”
Ingo C. Peters

Für welche „Öffnungstaktik“ hatten Sie sich zu diesen Zeitpunkt entschieden?

Dies war natürlich eine Situation, für die es keinerlei Erfahrungswerte gab, und entsprechend lange haben wir überlegt, was wir machen und wie wir es machen. Schließlich haben wir uns dafür entschieden, so früh wie möglich wieder einzusteigen. Das Vier Jahreszeiten ist eine Institution in Hamburg, und wir wollten mit der Wiedereröffnung sowohl in der Stadt als auch in der Gastgeberbranche ein starkes, positives Zeichen setzen, dass es weitergeht. Wir haben auch sofort wieder all unsere Restaurants, Bars und Terrassen geöffnet. Und zwar mit uneingeschränktem Angebot, jedoch reduzierten Öffnungstagen und Servicezeiten. Mir war wichtig, dass die Gäste, die uns ihr Vertrauen schenken, sofort wieder die Qualität und das Erlebnis bekommen, für das unser Haus steht, und sich dabei sicher fühlen. Und dieser Mut wurde belohnt: Unsere Restaurants waren aus dem Stand heraus für drei Wochen ausgebucht und so konnten wir den Betrieb schnell weiter hochfahren. Natürlich helfen uns dabei die vielen Hamburger Gäste, für die wir aktuell auch die Dachterrasse geöffnet haben, die bei Normalbelegung nur den Hotelgästen vorbehalten ist.

Was heißt das konkret in Zahlen?

Das ist interessant. Denn obwohl wir durch die Abstandsregeln etwa 40 Prozent an gastronomischer Kapazität verlieren, konnten wir im Juni rund 70 Prozent des Vorjahresumsatzes erreichen. Das ist allerdings ohne Bankett-Umsatz. Wir haben keinerlei Preise reduziert. Im Gegenteil: Wir haben sie in einigen Bereichen angehoben, um die Extrakosten für die Hygienemaßnahmen auszugleichen. Im Zimmerbereich konnten wir den Juni mit 32 Prozent Belegung abschließen.

Wie haben Sie das erreicht?

Ein maßgeblicher Schlüssel dazu ist unsere „Stay-safe-at-Hotel-Vier-Jahreszeiten“-Kampagne, die wir unmittelbar nach dem Lockdown mit unserem Marketing-Team entwickelt haben. Die Kampagne setzt nicht nur auf umfassende Sicherheitsmaßnahmen im Sinne von Hygiene, sondern auch im Sinne von Flexibilität, um bestmöglich auf die aktuellen Gästebedürfnisse einzugehen. Begonnen hat alles mit einer „Stay Safe“ Postkarte, die wir handgeschrieben an unsere Stammgäste versendet und uns damit sehr persönlich und fürsorglich in Erinnerung gebracht haben. Unsere Hotelgäste finden diese Postkarten nun beispielsweise auch auf den Zimmern und Suiten, um sie an Freunde zu senden – das Porto übernehmen selbstverständlich wir.

 


Was erwarten Sie für 2021, beziehungsweise wann wird sich die Hotellerie in Hamburg wieder erholt haben? Auf welche Gästeklientel fokussieren Sie sich neu?

Natürlich würden wir uns eine schnelle Rückkehr zur Normalität und einem Geschäftsaufkommen ähnlich dem Jahr 2019 wünschen. Realistisch betrachtet gehen wir davon aus, dass sich eine vollkommene Erholung der Branche allerdings erst im Jahr 2023 entwickeln wird. Bis dahin fokussieren wir uns auf das nationale Geschäft und das angrenzende Gästeklientel aus Ländern wie beispielsweise Skandinavien, Schweiz, Österreich und Niederlande. Wir gehen davon aus, dass sich das internationale Geschäft vorerst verhaltener entwickeln wird. Zudem werden Privatreisen weiterhin im Vordergrund stehen.

Welches Motto gilt für Sie mehr denn je?

„You have to invest money to make money.“ Es gilt jetzt erst Recht in Qualität und Service zu investieren und so die Preise hoch zu halten. Beispielsweise haben wir aktuell deutlich mehr Blumendekoration. Und es wird honoriert, dass wir an den Blumen nicht „sparen“. Die Blumenläden waren über Wochen geschlossen, die Menschen haben das vermisst. Wir bekommen dafür sehr viel Zuspruch – und wir generieren damit Geschäft, indem die Gäste wiederkommen oder es an Freunde und Bekannte weitererzählen.

Interview: Nina Fiolka

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