Professionelle Gastlichkeit wird heute nicht nur in der Luxuskategorie als selbstverständliche Basisleistung vorausgesetzt. Auch im Business-Segment sind die Ansprüche der Geschäftsreisenden stark gestiegen. Tophotel fühlt den bekannten Adressen auf den Zahn. Dieses Mal im Test: das Maritim Parkhotel Mannheim
Internet / Onlinebuchung
Auf www.maritim.de ist die Unterseite für das Mannheimer Parkhotel gestalterisch und textlich zum Gähnen langweilig. Die Informationen werden zumeist nur aufgezählt und mit braven Uraltfotos bebildert. Unter »Meetings, Events & Catering« erfahre ich das Nötigste über Räume, Technik und Pauschalen sowie eine Durchwahlnummer und eine E-Mail-Adresse, aber keine Ansprechpartner. Die Zimmer lassen sich bei Onlinebuchung mit diversen Extras »aufwerten« – wie Frühstück, einem Blumenstrauß oder der Gebühr für ein Haustier. Die Onlinebuchung funktioniert unkompliziert, muss aber in jedem Fall per Kreditkarte bestätigt werden. Eine Reservierungsbestätigung wird unmittelbar angezeigt und zusätzlich noch einmal per E-Mail verschickt. Günstigstes Angebot ist die Frühbucher- und wohl auch Sommerrate, die allerdings nicht kostenfrei storniert werden kann. Sie liegt bei 80 Euro im Classic-Einzelzimmer (statt 100 Euro; DZ 98 statt 118 Euro) und bei 95 Euro im Comfort-Einzelzimmer (statt 115 Euro; DZ 113 statt 133 Euro). Hinzu kommen 17 Euro pro Person fürs Frühstück.
Wertung: noch gut
DI. 30/08, 12:18
Telefonische Reservierung
Bei meinem ersten Versuch am Vormittag, telefonisch ein Zimmer zu reservieren, ist laut Auskunft des Verkaufsmitarbeiters »wegen eines Setups gerade das System runtergefahren«, weshalb er keine Verfügbarkeit prüfen kann. Der freundliche junge Mann bietet mir deshalb einen Rückruf an. Ich versuche es aber lieber eine Stunde später selbst noch einmal und werde mit Frau W. verbunden, die in heiterem, nahezu mütterlichem Ton mit mir spricht. Sie stellt mir zwei unterschiedliche Zimmerkategorien vor, gibt auf Nachfrage bereitwillig Auskunft über deren Unterschiede und wirkt überhaupt sehr nett. Nachdem ich mich entschieden und Frau W. meine E-Mail-Adresse genannt habe, will sie allerdings das Gespräch beenden. Schade. Hätte sie an dieser Stelle noch die Standardfrage gestellt, ob ich schon einmal Gast im Maritim Parkhotel Mannheim war, wäre sie ob meiner Verneinung vielleicht selbst auf die Idee gekommen, mir das Haus kurz vorzustellen. So viel Zeit sollte nämlich immer sein, nicht zuletzt, um gegebenenfalls Zusatzumsatz in Form einer Reservierung fürs Restaurant oder eine Wellnessanwendung zu generieren. So muss ich leider alles, was ich über das Hotel wissen möchte, selbst erfragen. Die am nächsten Tag eintreffende E-Mail-Bestätigung ist korrekt, aber wenig aussagekräftig. In der Anlage finde ich eine Anfahrtsbeschreibung und die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Es wäre ein Leichtes, hier auch noch die vorhandene E-Broschüre anzuhängen.
Wertung: gut
Lage / Anfahrt / Parken
Die vorzügliche Lage des Maritim Parkhotel Mannheim ist für mich der nachvollziehbarste Grund, dieses Hotel zu buchen: Es befindet sich nicht nur nah am Hauptbahnhof (800 m) und zur Autobahn (A6, 1,5 km), ich erreiche zu Fuß auch in nur zwei Minuten das Veranstaltungszentrum »Rosengarten«. Und gleich hinter dem Hotel beginnt Mannheims Einkaufsmeile. Bestechend schön präsentiert sich zudem die Jugendstilanlage Friedrichsplatz, in die sich das Renaissancegebäude des Maritim einreiht. Allerdings täuscht nicht nur der Name Parkhotel, sondern auch die Außenaufnahme vor, das Haus läge in oder hätte direkten Zugang zu einem Park. Dabei gehört zum Hotel kein Fitzelchen eigene Grünfläche – nicht einmal eine Terrasse. Es gibt auch keine Hotelvorfahrt, sondern nur eine Abbiegespur der Straße, die am Eingang vorbeiführt, auf der das Be- und Entladen geduldet wird. Wer mit dem Auto anreist, muss daher in der benachbarten Tiefgarage parken, was mit 16 Euro pro 24 Stunden zu Buche schlägt.
Wertung: gut
DO. 01/09
Anreise
Von der öffentlichen Tiefgarage, in der Hotelgästen 200 Parkplätze zur Verfügung stehen, führt ein unterirdischer, hell erleuchteter Gang direkt zum Hotel, was praktisch ist, wenn man mit kleinem Gepäck reist. Wer auf der Straße vor dem Hotel auslädt oder mit dem Taxi ankommt, wirft vielleicht noch einen ersten Blick auf die schöne, alte Fassade des Gebäudes, der zweite fällt dann aber unwillkürlich auf den verschlissenen, schmuddeligen roten Teppich vor dem Eingang und auf zwei völlig verkratzte, unansehnliche Standascher aus Messing. Beide sind zudem, wann immer ich sie passiere, voller Kippen – das macht keinen guten Eindruck. Die Lobby ist nur über Treppenstufen und – zumindest an dieser Stelle – nicht barrierefrei zu erreichen. Mein Gepäck muss ich selbst nach drinnen tragen.
Wertung: befriedigend
13:20
Check-in
Hat sie mich gesehen oder nicht? Die Empfangsdame des Maritim will mich offensichtlich nicht wahrnehmen, bis sie mit dem Gast vor mir fertig ist – obwohl ich Luftlinie nur circa 1,50 Meter von ihr entfernt stehe. Aber: Vielleicht sieht sie mich ja tatsächlich nicht ob des Rezeptionstresens, der mit einem Sichtschutz und unzähligen Prospektständern vollgestellt ist. Als ich schließlich an der Reihe bin, werde ich sehr freundlich bedient. Was aber nichts daran ändert, dass weder Aufenthaltsdauer und Zimmertyp noch Raucherpräferenz rückbestätigt werden. Außerdem ist der Meldeschein nicht vorausgefüllt, ich werde nicht mit Namen angesprochen und erhalte als »Erstlingsgast« keinen Überblick über die Hotelbereiche und Öffnungszeiten. Immerhin wird mir eine bereits vorliegende Nachricht korrekt übermittelt und Hilfe mit dem Gepäck angeboten.
Wertung: befriedigend
Zimmer 534
Das gebuchte Zimmer ist ein Nichtraucherzimmer, worauf es weder an der Eingangstür noch im Raum selbst – vom fehlenden Aschenbecher einmal abgesehen – einen Hinweis gibt. Es gehört zur Kategorie »Comfort Class«, liegt mit Blick in eine Art Hinterhof und ist nach Aussage der Maritim-Homepage »neu renoviert«. Was bei mir zu der Überlegung führt: Wenn das ein renoviertes Zimmer ist, wie sieht dann ein noch nicht renoviertes Zimmer aus? Der einschließlich Bad etwa 22 Quadratmeter große Raum ist mit Möbeln älteren Baujahrs aus dunklem Mahagoniholz eingerichtet und die Wand zum Bad ist komplett holzverkleidet. Das lässt das sowieso schon kleine Zimmer noch beengter wirken. Die ungünstige Platzierung der wenigen Möbel verschenkt zudem kostbare Stellfläche: Während der einzelne Sessel viel »Luft« hat, steht der Schreibtischstuhl an der engsten Stelle des Raumes: dem Durchgang zum Fenster zwischen Bett und Schreibtisch. Der laut Homepage »große Schreibtisch« ist etwa 120 Zentimeter breit – und mit wuchtigem Röhrenfernseher, zig Broschüren, Snackkörbchen, Internetkabel, Zimmerservice-Karte und Schreibmappe komplett zugestellt. Trotz ausziehbarer seitlicher Platte lässt es sich hier ganz schlecht arbeiten. Die Internetverbindung über Kabel funktioniert gut, ist aber teuer: Das Minimum sind acht Euro für 60 Minuten.
Nur 80 Zentimeter breit ist der Kleiderschrank im Flur. Auf seiner Kleiderstange hängen zehn wenig ansehnliche Plastikbügel, von denen meine Anzughosen unweigerlich rutschen, wenn ich sie nicht exakt austariere. Die Ablagefläche quer darüber ist für kleinere Menschen kaum zu erreichen und wenn, dann nur unbequem zu nutzen. Eine Garderobe oder wenigstens ein stabiler Kleiderhaken seitlich des Schrankes fehlt gänzlich. Der laptoptaugliche Safe ist in einem der Nachttische, die Minibar im Unterschrank des Schreibtisches. Eine einfache, klappbare Kofferablage steht gegenüber dem Bett, dessen Doppelmatratze ziemlich durchgelegen ist.
Einen zentralen Stromschalter gibt es in Zimmer 534 nicht. Die zwei Nachttischleuchten und die Wandleuchte über dem Schreibtisch verbreiten nur spärliches Licht und der Flur bleibt komplett im Dunklen, weil die uralte Lampe über dem Spiegel kaputt ist. Die Klimaanlage lässt sich per Thermostat steuern, was gut funktioniert. Gäste-A-Z und Infokanal sind kompakt gestaltet; von der mit klassischen Roomservice-Gerichten bestückten Karte kann ich zwischen elf und 23:15 Uhr bestellen, wofür der Etagenaufschlag drei Euro be- trägt. Die Minibar hält das übliche Sortiment an Getränken und Snacks bereit, allerdings keinen Sekt und keinen Rotwein. Wer schnell etwas aufgebügelt haben möchte, muss beim Housekeeping nachfragen – ein Expressservice wird auf der Wäschereiliste nicht angeboten. Auch ein gedrucktes TV-Programm, eine Liste der empfangbaren Sender, ein Flaschenöffner und das Bitte-nicht-stören-Schild fehlen in meinem Zimmer.
Erfreulicherweise ist das Zimmer bereits eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Check-in bezugsfertig. Doch sowohl sein Instandhaltungs- als auch sein Reinigungszustand scheinen mich zu verhöhnen. Oder wie soll ich es sonst nennen, wenn in den Stores ein 20 Zentimeter großer Winkelriss klafft, der nur notdürftig gestopft wurde? Wenn das Fenster einen kopfgroßen, fettigen Abdruck zeigt? Wenn Frau Holle zwar auf dem Teppichboden etliche Federn ausgeschüttelt, sich aber nicht um das dazugehörige Kopfkissen-Inlett mit dem unappetitlichen, braunroten Blutfleck gekümmert hat? Vom Staub auf den Lampensockeln, dem fleckigen Fensterbrett und der abgesplitterten Farbe auf den Holzfensterrahmen ganz zu schweigen. Da fallen die Abnutzungserscheinungen an den Möbeln, die Flecken auf Polstern und Teppichboden sowie die Kratzer an der Streifentapete kaum noch ins Gewicht.
Wertung: mangelhaft
Badezimmer
Das Bad ist gerade groß genug für eine Person. Geduscht wird in der Badewanne, das Waschbecken ist in einen kleinen Granitwaschtisch eingepasst, auf den die nötigsten Utensilien passen, Toilette – fertig. Die tiefabgehängte Decke lässt fast ein Gefühl der Beklemmung aufkommen. Positiv: der saubere Duschvorhang, der an geeigneter Stelle angebracht ist, der Kosmetikspiegel – wenn auch nicht beleuchtet –, der große Spiegel über dem Waschbecken und die ordentlichen Handtücher. Ein Schuhputzhandschuh liegt ebenfalls bereit. Dafür muss ein einzelner Haken gegebenenfalls zwei Bademäntel aufnehmen und außer Duschgel- und Seifenspender gibt es keine Guest supplies. Für diffuses Licht sorgt eine ummantelte Leuchtstoffröhre über dem Spiegel. Ob die Be- und Entlüftung überhaupt arbeitet, kann ich leider nicht feststellen – weder anhand eines hörbaren Geräuschs noch anhand eines wahrnehmbaren Effekts. Der Wasserdruck ist verhältnismäßig schwach und die an der Badewanne angebrachte, klassische Armatur mit zwei Auslassventilen sieht zwar schön aus, erweist sich aber als unpraktisch, als ich beim Duschen die Temperatur ändern möchte, ohne mir die Haare nass zu machen. Ein Bademantel wird mir kostenlos aufs Zimmer gebracht, es handelt sich dabei allerdings um ein sehr abgetragenes Exemplar mit einer abgerissenen Schlaufe.
Der in dunklen Farben kleingemusterte Fußboden ist insofern praktisch, als man mit bloßem Auge keinen Schmutz darauf sieht. Ich finde dennoch etliche Haare – und das nicht nur auf dem Boden, sondern auch in den Abflüssen von Waschbecken und Wanne. Der Wasserauslass und das Abflussrohr des Waschbeckens sowie der Brausekopf der Dusche zeigen außerdem deutliche Kalkspuren. Die Fuge über der Toilettenspülung ist teilweise ausgebrochen. Ich frage mich, was erstaunlicher ist: dass der mit Staubflusen zugesetzte Haartrockner überhaupt noch funktioniert oder dass offenbar noch kein Gast die unappetitliche, abgenutzte Toilettenbürste moniert hat. Und als ich schließlich den Toilettensitz hochhebe, hoffe ich, dass der gelbliche Tropfen auf dem Rand der Schüssel von einem Putzmittel stammt.
Wertung: mangelhaft
Housekeeping
Die Mitarbeiter des Housekeepings tragen keine einheitliche Kleidung: Ich sehe Frauen in gestreiften Kitteln mit Namensschildern und Frauen in Privatkleidung. Die Hausdame, die ich telefonisch um einen Bademantel und ein härteres Kissen bitte und der ich auch sage, dass im Zimmer ein Flaschenöffner fehlt, reagiert mit einem neckischen »Na, das ist ja unglaublich!« und verspricht mir, beides bringen zu lassen. Ein junges Mädchen in ordentlicher Berufskleidung erledigt diese Aufgabe zehn Minuten später. Bei dem Kissen handelt es sich allerdings nicht wie gewünscht um ein Nackenstützkissen, sondern um ein Allergikerkopfkissen, das nur geringfügig härter ist als das Daunenkissen im Zimmer. Etwas anderes gäbe es nicht, meint die junge Mitarbeiterin und nimmt ein Kleidungsstück zum Bügeln mit. Es wird kaum 20 Minuten später ordentlich auf einem Kleiderbügel hängend retourniert. Berechnet wird diese Leistung mit 3,50 Euro.
Wertung: noch gut
Sicherheit
In puncto Sicherheit werden die gängigsten Kriterien erfüllt: Im Zimmer hängt ein übersichtlicher Fluchtwegeplan, die Feuerlöscher tragen aktuelle Prüfsiegel, alle Fluchtwege sind gut be- schildert, großteils beleuchtet und frei zugänglich. Aaaaber: Die Zimmerlisten auf den Etagenwagen sind nicht nur für jeden einsehbar, auf ihnen stehen auch die Namen der Gäste. Nicht ersichtlich ist hingegen, was mit dem »gesicherten Zugang zu allen Hoteletagen« gemeint ist, der auf der Homepage versprochen wird. Denn von der öffentlichen Tiefgarage aus kann ich ungehindert das Hotel betreten: Die mit Kamera und Sprechanlage versehene Zwischentür steht offen. Zudem erreiche ich jede Etage sowohl über das Nottreppenhaus als auch mit dem Aufzug, ohne dass ich beispielsweise eine Schlüsselkarte vorhalten müsste (es gibt ja auch noch ganz altmodische Zimmerschlüssel).
An der Rezeption bekomme ich problemlos eine Inforechnung zu meinem Zimmer, obwohl ich der Mitarbeiterin bis dahin noch nicht begegnet bin und ich ihr auch nicht meinen Namen genannt habe. Und noch gravierender: Ein Zimmermädchen, dem ich angebe, Jacke und Schlüssel im Zimmer vergessen zu haben, drückt mir ohne zu zögern und mit strahlendem Lächeln ihren Generalschlüssel in die Hand.
Wertung: ungenügend
Frontoffice
An der Dienstleistungsqualität des Frontoffice gibt es kaum etwas zu beanstanden: Die Damen hier wirken herzlich, gastorientiert und sind freundlich bemüht, meine Wünsche zu erfüllen. Selbst ein Medikament wird mir umgehend aus der Apotheke besorgt. Allerdings scheint es keine Kleidungsvorgaben zu geben. Während am Abreisemorgen die eine Empfangsdame mit Hosenanzug, Bluse, Tuch und Namensschild korrekt und gepflegt wirkt, trägt die zweite lediglich dunkle Hose und weißes T-Shirt. Wer als Gast keinen Laptop dabei hat, findet auf der Empore ein schmuckloses, dunkles Businesscenter mit PC, Drucker und Faxgerät; wobei Letzteres nicht funktioniert. Die Kosten für dieses Angebot: fünf Euro Nutzungsgebühr pro Stunde für das Businesscenter und 0,35 Euro für das von der Rezeption aus abgeschickte Fax.
Wertung: gut
Öffentliche Bereiche
Es ist offensichtlich, dass man sich bemüht, die kritischsten öffentlichen Bereiche des Hotels sauber zu präsentieren. So hängen auf den Toiletten und in der Sauna Checklisten, die die Reinigungsintervalle dokumentieren. Dennoch lässt sich der Verschleiß am roten Teppich ebenso wenig verbergen wie der an den hellen Ledersitzgarnituren in der Lobby. Die Aufzüge sind dunkel und muffig; die Beschilderung ist veraltet. Und selbst die besten Reinigungskräfte können nichts ändern an vergilbten Kabinentüren in den WCs, ausgebro- chenen Fugen, verfärbten Abflüssen und verkratzten Hygienebag-Spendern.
Wertung: befriedigend
13:50
Lunch im »Papageno«
Im Winter mag es gar nicht auffallen, aber dass ich mich an einem schönen, warmen Spätsommertag ins Tiefparterre eines Hotels begeben muss, um eine Kleinigkeit zu essen, ist wenig reizvoll. Wirklich schade, dass das Parkhotel über keinerlei Außengastronomie verfügt, zumal die Bier- und Weinstube »Papageno« nichts von der Leichtigkeit ihres Namensgebers hat. Stattdessen ist sie rustikal-dunkel mit schwerem Mobiliar eingerichtet. Frau U. begrüßt mich allerdings auch zehn Minuten vor Schluss noch sehr herzlich und bedient mich ebenso aufmerksam wie freundlich. Unter der bestellten Tagessuppe – eine Paprika-Zuccchini-Creme – hätte ich mir allerdings etwas anderes vorgestellt: Sie kommt als gebundene, bräunliche Suppe mit gerösteten Brotwürfeln so schwer daher wie das Interieur der Stube und schmeckt zwar irgendwie recht gut, doch kaum nach Paprika, geschweige denn nach Zucchini. Das Baguette ist frisch, dazu gibt es Butter und Kräuterfrischkäse.
Wertung: unattraktiv
20:10
Abendessen im »Parkrestaurant«
Auch der Name dieses – ebenfalls im Tiefparterre gelegenen – Restaurants ist mehr als irreführend. Die Räume sind zwar etwas luftiger und leichter eingerichtet als die der rustikalen Bierstube, dennoch wirken das schätzungsweise aus den späten 80ern stammende Mobiliar, das dunkle Holz, das viele Messing, die Antikspiegel und die zahlreichen Kunstpflanzenarrangements nicht zeitgemäß. Als ich mit meiner Begleitung das Restaurant betrete, wundert es mich kaum, dass nur ein Tisch besetzt ist. Ein junger Restaurantfachmann empfängt uns höflich und bittet uns an einen für zwei Personen eingedeckten Tisch. Dort überreicht er uns Speise- und Weinkarten, bietet einen Aperitif an und offeriert vorweg Mineralwasser – alles völlig korrekt. »Korrekt« ist im Übrigen und im weiteren Verlauf des Abends auch die zutreffende Bezeichnung für den Service des jungen Mannes und seines älteren Kollegen, Herrn W.: korrekt und höflich. Was fehlt, sind Charme, ein Lächeln, ein wenig Ansprache. Herr W. wirkt irgendwie bekümmert, möglicherweise aber ist er einfach nur »schlecht drauf« an diesem Abend. Und sein junger Kollege traut sich nicht.
Wie dem auch sei: Die Weinempfehlung gelingt und die Speisen werden in angenehmen Abständen serviert. Als Gruß aus der Küche und von dort anscheinend aus dem Kühlschrank kommen zwei kleine Tellerchen mit Antipasti. Dazu gibt es drei verschiedene, aufgebackene Partybrötchen, normale Butter und Currybutter. Aus der nicht überladenen, ansprechend formulierten Speisekarte haben wir uns als Vorspeise ein »Thunfisch-Carpaccio mit Sesammarinade und Pflücksalat« ausgesucht. Dieses ist hübsch angerichtet, schmeckt aber leider nur nach Sesam, ein bisschen nach Fisch und ein bisschen nach Grünzeug. Mit meinem Hauptgang, einem »gebratenen Baramundifilet auf Thai-Curryschaum mit glasiertem Ingwerlauch und Kokosnussrisotto«, erlebe ich geschmacklich das andere Extrem: Der auf der Haut gebratene Fisch ist überpfeffert, der Lauch zu scharf geraten, das Risotto zu süß. Meine Begleitung hatte »Medaillons vom Spanferkel im Serranoschinkenmantel auf Marsalajus mit glasierten Gemüsestreifen und Kartoffellaibchen« bestellt. Dieses Gericht mundete entschieden ausgewogener.
Beim Nachtisch hätte ich mich ebenfalls wie meine Begleitung besser für etwas »Profanes« wie einen Eisbecher (lecker!) entschieden. Stattdessen versuche ich mich an »Kalamansi-Parfait auf Nektarinenspalten mit Portwein glasiert«. Die Marinade hat die Nektarinenspalten unschön bräunlich verfärbt. Schlimmer ist allerdings, dass sie total muffig schmecken. Auf meine Reklamation hin probiert Herr W. in der Küche und ist empört: Statt nur Zucker wurden dem Portwein noch Gewürze wie Kardamom und Zimt zugegeben, was ja wohl überhaupt nicht passe. Er gebe mir jedenfalls völlig recht. Ein doppelter Espresso auf Kosten des Hauses stellt die Wiedergutmachung dar – ohne jegliches Pralinchen oder wenigstens Keksen serviert. Die Rechnung kommt im Kunstledermäppchen und ist korrekt. Wir werden höflich verabschiedet.
Wertung: befriedigend
22:20
»Pianobar«
Bei der auf Lobbyhöhe befindlichen Hotelbar handelt es sich um einen hohen Raum mit tiefen Ledergarnituren, viel dunklem Holz, Spiegeln und Kristallleuchtern. Für eine Bar ist diese Atmosphäre stimmig, nur das »Hier dürfen Sie rauchen« stellt für manchen Gast eher ein »Hier müssen Sie mitrauchen« dar. Von der Livemusik, die es laut Internet dienstags bis freitags in der Pianobar geben soll, bemerken mein Gast und ich an diesem Donnerstagabend nichts.
Barkeeperin Frau S. grüßt freundlich und erweist sich in der nächsten Stunde als ebenso aufmerksam wie angenehm zurückhaltend. Punktabzug gibt es bei der Getränkezubereitung: Das Mischungsverhältnis meiner Margarita fällt zu Ungunsten der Zitrone und zugunsten des Tequilas aus, was den Drink definitiv zu stark macht. Der Salzrand des Glases ist außerdem nicht vollständig und eine dekorierende Zitronen- oder Limettenscheibe fehlt gänzlich. Am Bartresen sitzt es sich angenehm; die mit Löffel gereichten Nüsschen schmecken. Als alleinreisender Gast hätte sich mir jedoch zumindest an diesem Abend kaum eine Chance auf Kontakt oder Kommunikation geboten: Eine russische und eine deutsche Gästegruppe sind außer mir und meiner Begleitung die einzigen Gäste – und sich selbst genug.
Wertung: gut
FR. 02/09, 7:50
Frühstücksbuffet
Das »Parkrestaurant« wirkt früh einladender als abends. Die Tische sind ordentlich eingedeckt und Frau U. fragt mich umgehend nach meinem Getränkewunsch. Ein frisch gepresster Orangensaft ist – obwohl nicht am Buffet angeboten – kein Problem und wird kostenfrei serviert. Statt eines Spiegeleis kommen zwei – hübsch ausgarniert mit kleinen Kirschtomatenvierteln und Schnittlauch. Das Gute an der Zugehörigkeit zu einer Hotelkette ist, dass bestimmte Standards definiert sind und in unterschiedlichen Häusern ein gleiches Maß an Qualität vorgeben. Bei Maritim sieht man das gut beim Frühstück. Zusammengefasst sind dessen Bestandteile in einer Ernährungstabelle, die als Klappkarte auf jedem Tisch steht. Zweisprachig listet diese alle Frühstückskomponenten auf und ordnet jeder einzelnen mithilfe eines Farbcodes ernährungsphysiologische Eigenschaften zu – von fett-, kalorien- und cholesterinarm über ballaststoffreich bis hin zu »high energy«. So weiß jeder Gast sofort, womit das Buffet aufwartet und kann sich sein Frühstück ganz nach seinen Vorlieben oder persönlichen Tagesanforderungen individuell zusammenstellen.
Allergiker dürften zudem dankbar für die verschiedenen laktosefreien Produkte sein. Die Eier- und regulären warmen Speisen wie Würstchen, Speck und Partyfrikadellen werden ergänzt von einer heißen Brühe und gebackenen Bohnen. Ein weiteres Plus im Angebot sind das vielfältige Fischsortiment und die zwei vegetarischen Brotaufstriche. Neben frisch zubereitetem Birchermüsli findet sich eine große Auswahl an Müslimischungen und Cerea-lien, dazu gibt es Flocken, Samen, Saaten, Kerne, verschiedene Nüsse sowie Trocken- früchte. Milch und Milchprodukte werden in zweierlei Fettstufen offeriert. Vorgabe hin, Ausführung her: An Frischobst stehen nur aufgeschnittene Melone und eine versteckte, wenig ansehnliche Obstschale bereit. Der Obstsalat kommt ebenso aus dem großen Eimer wie die Grapefruitschnitze und das Fruchtkompott.
Das in kleinen Laiben angebotene Brot zum Aufschneiden ist gut, die Brötchen dagegen entpuppen sich als Fertigware zum Aufbacken. Die Säfte aus dem Dispenser schmecken akzeptabel und das Teebuffet samt Kandis und Zitrone ist ordentlich sortiert. Mineralwasser und Sekt stehen in einem Eiskübel, Tomatensaft wird aus der Karaffe angeboten. Wurst, Schinken, Käse sowie das Marmeladensortiment sind guter Durchschnitt. Mein Milchkaffee kommt schaumig, heiß und in einer schönen großen Tasse. Nach einer zweiten Tasse werde ich nicht gefragt – es kommt ja auch niemand mehr an den Tisch, um abzuräumen.
Wertung: gut
Sauna / Fitness
»Public Viewing« wäre eine passende Bezeichnung für das Solarium des Maritim Parkhotels, steht dieses doch in einem offenen Durchgang zwischen Saunabereich und Pool: Wer sich hier sonnt, hat durchaus Zuschauer. Leider lässt sich über die gesamte Pool-Sauna-Anlage nicht allzu viel Positives sagen, außer, dass es sie überhaupt gibt. Ohne Tageslicht, unglücklich beleuchtet, voller Kunstblumen und mit sehr staubigem Charme hat das hier mit Wellness nicht viel zu tun. Zwar scheint das Sauna-Innere neueren Datums zu sein und wirkt gepflegt, es kann aber den Rest nicht aufwiegen. Das Dampfbad beispielsweise ist eine Uralt-aus-einem-Guss-Kunststoff-Kabine, deren Sitzbänke nicht abgespritzt werden können und in der ich mir an den darunter angebrachten Dampfauslassdüsen die Füße verbrenne.
Hinzu kommen: ein Mini-Ruheraum mit sage und schreibe drei unbequemen Kunststoffliegen, ein Schwimmbecken mit verschmutzten Fugen und verkalkter Einstiegsleiter, ein Fitnesseckchen mit drei Cardiotrainern – im hinteren Teil des Schwimmbades gelegen, ohne Handtücher, Wasser, Licht, Musik und und und. Dass auf dem Handtuchhalter in der Umkleide noch ein benutzter Damenslip liegt, ist da nur das i-Tüpfelchen. Einziges Highlight: der vielseitig ausgebildete, erfahrene Masseur, der hier in einem finsteren Kämmerchen auf eigene Rechnung Gäste behandelt – und das gekonnt.
Wertung: mangelhaft
Persönliche Bankettanfrage
So sollte es immer sein: Als ich am Abreisemorgen an der Rezeption nachfrage, ob mir jemand die Tagungsräume zeigen könne, wird Frau M. von der Eventabteilung angerufen. Zwei Minuten später steht sie mir gegenüber. Sie begrüßt mich freundlich, überreicht mir ihr Kärtchen und zeigt mir einige freie Räume, die sich alle ähnlich sehen und mehr nach Jubelfeier als nach Tagung ausschauen. Zwar erkundigt sich Frau M. nach dem Grund für mein Interesse, nutzt die Gelegenheit aber nicht, um sich Notizen zu machen oder nach konkreten Terminen für die von mir genannten Seminare zu fragen. Sie erklärt mir nur, dass die Tagungsunterlagen des Hotels momentan überarbeitet werden und sie mir diese nach Abschluss der Überarbeitung zukommen lassen würde.
Wertung: befriedigend
Check-out
Bis auf zwei Dinge verläuft der Check-out bei der Dame in Hose und T-Shirt freundlich und professionell. Erstens: Sie fragt mich nicht, wie es mir im Haus gefallen hat. Zweitens: Sie spricht mich im Verlauf des kurzen Prozesses nicht einmal mit meinem Namen an. Meine Rechnung beläuft sich auf 267,74 Euro.
Wertung: gut
Bilanz
Mit dem Maritim Parkhotel Mannheim ist es wie mit einer in die Jahre gekommenen, feinen Dame: Die vornehme Abstammung ist ihr noch anzumerken, ein bisschen Schminke reicht jedoch nicht, um die untrüglichen Spuren des Alters zu übertünchen. Inwieweit einer alten Dame ein Rundum-Facelift anzuraten ist, sei dahingestellt – dem Maritim jedoch wäre es dringend zu empfehlen. Hinter der schönen Fassade des Renaissancebaus bröckelt es allerorten. Die Lobby ist hierfür das beste Beispiel: Auf der einen Seite spiegeln Carrara-Marmor, venezianischer Kristall und Stuck die exklusive Tradition des Hotels wider. Auf der anderen Seite lassen der abgenutzte rote Teppich, die völlig verschlissenen Ledersessel, die unpassenden Stehtische für Konferenzkaffeepausen und der mit Prospektmaterial zugemüllte Rezeptionstresen den alten Glanz überhaupt nicht mehr zur Geltung kommen. Für Zimmer, Restaurants, Tagungsräume und Saunabereich gilt: Überall müsste entkernt und gründlich saniert werden. Ein Lichtblick sind die überwiegend sehr freundlichen Mitarbeiter, die wirken, als wollten sie die mangelhafte »Hardware« ihres Arbeitsplatzes durch dienstleistungsorientierte »Software« wettmachen. Das ist gut und hilft auch ein bisschen. Aber es reicht nicht.