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Im Gespräch mit Holger Struck, Brand Director bei Dornbracht"Wie wir das Wasser optimal formen"

Minimalismus oder Opulenz, Tradition oder Innovation: Badexperte Holger Struck beschäftigt sich bei Dornbracht viel mit Materialfragen sowie den raffiniertesten Möglichkeiten, dem wichtigsten Element in der Hoteldusche einen Charakter zu geben. Hoteliers rät er: Die Installation muss zuallererst einmal zum Hotelkonzept passen.

Hotel+Technik: Herr Struck, nach welchen Kriterien sollte das Design der Hoteldusche ausgewählt werden?

Holger Struck: Das Konzept des Hotels gibt hier die Richtung vor. Ein Boutique-Hotel mit einem eher minimalistischen Designkonzept wird entsprechend reduzierte Formen bevorzugen. Ein Landhotel mit einer eher romantischen Atmosphäre wird sich dagegen eher für etwas opulentere Formen entscheiden. In der Dusche spielt aber gerade die Funktion eine ganz entscheidende Rolle. Wie steuere ich die Kopfbrause oder wie regle ich die Temperatur? Auch die Duschabtrennung ist sehr wichtig. Ein Duschvorhang ist heute in Hotels nicht mehr akzeptabel.

Unter welchen Designaspekten werden Produkte bei Dornbracht entwickelt?

Wir sprechen von den ‚fünf P‘: Proportion, Präzision, Progressivität, Persönlichkeit und Performance. Diese fünf Prinzipien werden bei allen Designserien so ausbalanciert, dass im Ergebnis ein prägnantes Design entsteht. Es ist uns wichtig, dass ein Dornbracht-Design diese definierten Charakteristika aufweist und so eine Art formale Verwandtschaft, eine Design-Familie, im Portfolio erkennbar wird.

Was sind gerade die großen Themen bei der Hoteldusche?

Klare Formensprachen, die über besondere Oberflächen akzentuiert werden, werden immer stark nachgefragt. Momentan beobachten wir, dass neben unseren Klassikern, der Serie ‚Tara‘, die eher als rund charakterisiert werden kann, und der Serie ‚Mem‘, bei der vor allem die eckigen Griffelemente das Design bestimmen, hybride Formen beliebt sind. Bei der Serie ‚Vaia‘ kommt es dabei aber nicht so sehr darauf an, rund und eckig zu balancieren. Vielmehr schlägt sie die Brücke zwischen traditionellen und zeitgenössischen Stilelementen. Ihre Grundform erinnert eher an traditionelle Armaturendesigns. Die filigrane Linienführung der offenen Silhouette aber verankert sie in der Gegenwart. Unabhängig von den Bedien­elementen beobachten wir, dass die Formen der Wasserauslässe in der Dusche etwas generischer sein dürfen und dabei aktuell eckige Formen dominieren.

Welchen Einfluss hat die Gestaltung auf die Materialauswahl?

Die Grundkörper aller Dornbracht-Armaturen werden, unabhängig vom Design, aus hochwertigem Messing hergestellt. Besonders feine Radien oder Kanten, beispielsweise bei Griffen, Rosetten oder anderen Designelementen, erfordern jedoch manchmal alternative Herstellverfahren wie Zinkdruckguss, um die gewünschte Präzision der Form zu erzielen, die bei Gussteilen technisch nur bis zu einem gewissen Grad realisierbar ist. Ganz anders haben wir uns bei der Dusch-Innovation ‚Aquamoon‘ der Materialwahl genähert. Das Design verschmilzt mit der Architektur, da es als Produkt oder Funktions-Element nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Es handelt sich um ein Deckenelement, das als flaches Panel mit kreisrundem Ausschnitt in den Duschhimmel integriert wird. Dafür wäre die Wahl eines Materials mit metallischem Charakter zu dominant gewesen. Daher haben wir uns hier ganz bewusst für einen hochwertigen, matten Kunststoff entschieden, der sehr leicht und fast unscheinbar wirkt und die Funktionselemente optimal verdeckt. Bei dieser erlebnisorientierten Dusche eröffnet ein Blick nach oben einen besonderen Tiefeneffekt: Ein verborgenes Lichtband lässt eine spezielle Lichtstimmung entstehen und erzeugt ein Gefühl von Unendlichkeit.


Hintergrundinfo: Initiative Blue Responsibility

Dornbracht ist Partner der Nachhaltigkeitsinitiative Blue Responsibility des Fachverbands Armaturen (VDMA), zu der sich Markenhersteller der Sanitärindustrie zusammengeschlossen haben. Dabei geht es um den verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Im Rahmen eines Round Tables diskutierten Vertreter des VDMA und der Unternehmen Oventrop, Geberit, Keuco und Dornbracht in Frankfurt am Main. Hotel+Technik hat die Veranstaltung begleitet.


Welche Faktoren fließen noch in die Entwicklung ein?

Die Form des Wassers spielt beim Klang eine entscheidende Rolle. Ein Wasserfall in der Natur wird mit einem kraftvoll rauschenden Wassergeräusch verbunden. Ein leichter Sommerregen dagegen erzeugt eher ein leicht platschendes Geräusch. Diese Naturerfahrung wollen wir möglichst authentisch in der Dusche wiederfinden. Dabei kommt es darauf an, wie wir das Wasser optimal für die Anwendungen formen. Bei einer Erlebnisdusche kann es bei einer Wasserkaskade, die einem Wasserfall nachempfunden ist, wichtig sein, dass eine gewisse Wassermenge in der Dusche gestaut ist, um das charakteristische Geräusch zu verstärken.

Worauf sollte bei Lichtkonzepten in der Hoteldusche geachtet werden?

Generell sollten alle Anwendungen in einem Hotelzimmer, und ganz besonders im Bad, intuitiv funktionieren und den eigentlichen Prozess unterstützen. Zu viele Wahlmöglichkeiten, zumal wenn sie keine auf Anhieb erkennbaren Mehrwerte bieten, verwirren nur. Wir haben daher bei unseren Duschsystemen Lichtkonzepte in Choreografien für bestimmte Szenarien integriert. Das läuft so ab, dass der Gast sich zunächst für ein Duschprogramm entscheidet, das beispielsweise energetisiert oder aber entschleunigt, wobei wechselnde Lichtstimmungen das Gesamterlebnis unterstützten. Die Auswahl erfolgt über einen einzigen Knopfdruck, der dann eine komplett vorprogrammierte Anwendung abruft.

Können Hoteliers ihre Wünsche bei diesen Programmen einbringen?

Grundsätzlich ist das bei der Technologie, die wir ‚Ambient Tuning Technique‘ oder kurz ATT nennen, möglich. In einzelnen Wellness-Hotels haben wir auch bereits spezielle Wünsche umgesetzt. Die von uns angebotenen Dusch-Programme, die wir unter anderem mit Spezialisten für Traditio­nelle Chinesische Medizin und Kneipp-Therapie entwickelt haben, sind für die meisten Anwendungsfälle optimiert. Der große Vorteil für Hoteliers und Gäste ist, dass die Anwendungen nach einer kurzen Einführung sehr intuitiv funktionieren. Der Hotelier kann so beispielsweise eine Wellness-Suite mit In-Room-Spa-Anwendungen besonders exklusiv vermarkten, und die Gäste können diese jederzeit während ihres Aufenthalts, unabhängig von einem festen Termin mit einem Therapeuten, in der Intimität ihrer Suiten abrufen.

Wer testet die Duschen, bevor sie in den Vertrieb gehen?

Wir haben bei uns im Unternehmen einen eigenen Spa-Bereich, in dem wir die meisten Anwendungen zum Ausprobieren anbieten, auch für externe Besucher. Dieses Angebot wird intensiv genutzt. Zusätzlich gibt es eigene abgeschlossene Bereiche, in denen neue Anwendungen getestet werden. Beim Testen geht es aber nicht nur darum zu prüfen, ob alles funktioniert. Viel wichtiger sind das Gesamterlebnis, die persönliche Erfahrung und die Erkenntnis, welche Effekte eine Duschanwendung hat. Die Möglichkeit zum Ausprobieren bieten wir grundsätzlich allen Mitarbeitern an. Bei neuen Anwendungen ist die Neugier oft sehr groß, sodass wir eine entsprechende Nachfrage verzeichnen. Angefangen von der Geschäftsführung über die Entwickler und unsere externen Berater selbst, das Marketing und natürlich unsere Vertriebsmitarbeiter bis hin zu Kollegen aus der Produktion ist das Feld der Nutzer sehr breit gestreut. Da wir das Feedback nach der Nutzung systematisch erfassen, erhalten wir so einen recht repräsentativen Eindruck von der Wirkung der Anwendungen. Vor allem für unsere Vertriebskollegen sowie für Bad-Fachberater ist das Ausprobieren wichtig. Ohne die eigene Erfahrung ließe sich wohl kaum ein Kunde vom Wert der Anwendungen überzeugen. 

Interview: Mareike Knewitz

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