HygieneSo gelingt die Außerbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen

Die richtige Außerbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen ist wichtig, damit es nicht zu Stagnationen kommt. (Bild: Ghing/Shutterstock.com)

Viele Hotels müssen als Folge des Coronavirus vorübergehend schließen oder starke Nutzungseinschränkung hinnehmen. Das bringt eine indirekte Gefährdung des Trinkwassers mit sich, obwohl das Virus darüber nicht übertragen werden kann. Deshalb ist die richtige Außerbetriebnahme von Trinkwasserinstallationen wichtig.

Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung über die Coronakrise. >>> zur Übersicht

Anzeige

Mit dem Schließungsgebot durch die Regierung ist auch der bestimmungsgemäße Betrieb von Trinkwasserinstallationen nicht mehr gegeben. Durch die Betriebsunterbrechungen gibt es keinen notwendigen regelmäßigen Austausch in den Wasserleitungen mehr, woraufhin es zu Stagnationen kommen kann. Der Deutscher Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene e.V. (DVQST) verrät, was Hotliers jetzt tun sollten.

Bestimmungsgemäße Nutzung simulieren

Nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung, die sich ebenso wie die erlassenen Rechtsverordnungen zum Corona-Virus auf dem Infektionsschutzgesetz beruft, ist in Trinkwasserinstallationen der bestimmungsgemäße Betrieb jederzeit sicherzustellen. Das bedeutet, auch wenn sich keine Gäste, Besucher oder andere Nutzer im Gebäude aufhalten, die Restaurantküche kalt bleibt oder im Betrieb kein oder nur wenig Wasser fließt, muss eine bestimmungsgemäße Nutzung simuliert werden, indem die Entnahmestellen spätestens alle 72 Stunden mindestens bis Erreichen der Temperaturkonstanz genutzt beziehungsweise gespült werden, damit das in den Leitungen befindliche Trinkwasser ausgetauscht wird.

Bei Betriebsunterbrechungen von mehr als drei Tagen sind vorbeugende und nachsorgende Maßnahmen zu organisieren, um einen technisch und hygienisch einwandfreien Zustand der Trinkwasserinstallation sicherzustellen.
Nach den Vorgaben der allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.), die jüngst in Tabelle 2 der neuen Richtlinie VDI 6023-3/3810-2 konsolidiert wurden, kann bei Trinkwasser-Installationen, welche länger als 72 Stunden nicht genutzt werden, zu Beginn der Betriebsunterbrechung die jeweilige Absperreinrichtung geschlossen werden.

Trinkwassererwärmung abschalten

Sollen die Leitungen nicht abgesperrt und weiterhin gespült werden, kann es je nach geplanter Dauer der Betriebsunterbrechung sinnvoll sein, die Trinkwassererwärmung (TWE) abzuschalten. Wenn die TWE abgestellt werden soll, muss diese dann jedoch auch kalt ausgespült werden, das heißt, die Warmwasserleitungen sollten nicht erst langsam durch den für Legionellen günstigen Temperatur-Bereich abkühlen. Die Zirkulationspumpe sollte während der Spülmaßnahmen trotzdem in Betrieb bleiben, um auch in der ansonsten stagnierenden Zirkulations-Leitung ebenfalls für einen Wasseraustausch zu sorgen. Bei Betriebsunterbrechungen ab vier Wochen sollte generell die Wasserversorgung abgesperrt und die Zirkulationspumpe abgeschaltet werden.

Die richtige Inbetriebnahme

Bei Wiederinbetriebnahme nach spätestens sieben Tagen genügt es, das Wasser mindestens fünf Minuten fließen zu lassen. Wichtig ist hierbei, mehrere Entnahmestellen gleichzeitig zu öffnen, um für eine genügend starke Durchströmung der Verteilleitungen zu sorgen. Die Spülung wird getrennt sowohl in der Kalt- als auch in der Warmwasserleitung durchgeführt.

Bei Wiederinbetriebnahme nach maximal vier Wochen ist ein vollständiger Wasseraustausch an allen Entnahmestellen durch Spülung mit Wasser nach DVGW-Arbeitsblatt 557 durchzuführen. Sollte die Unterbrechung länger als einen Monat dauern, sind zusätzliche mikrobiologische Kontrolluntersuchungen (allgemeine Keimzahl) und Legionellen durchzuführen, und zwar sowohl in den Kalt- als auch in den Warmwasserleitungen. Es empfiehlt sich hier ein Umfang der Beprobung analog einer orientierenden Untersuchung nach TrinkwV. Ist eine Stilllegung von mehr als sechs Monaten abzusehen, ist sogar die Anschlussleitung durch das WVU abzutrennen und zur Wiederinbetriebnahme gemäß DIN EN 806-4 vorzugehen.

Anzeige