Hotelwäsche Wäschereien am Anschlag

Großwäschereien erleben eine ungeahnte Kostenexplosion, die sie nicht mehr selbst auffangen können. © www.d-v-c.net/Stefan Wendt
Erst Corona, jetzt die Energiekrise: Die Textilreinigungsbranche steht unter Druck – und mit ihr die Hotellerie. Insbesondere kleinere Häuser haben inzwischen große Schwierigkeiten, eine Wäscherei zu finden. Das stellt auch die Wäschefrage im Hotel neu. Insbesondere kleinere Ferienhotels, etwa im Voralpenland, lassen nichts über ihre hauseigene Wäscherei kommen. Eines davon ist das Viersternehotel Berwanger Hof in Obermaiselstein im Allgäu. "Wir waschen die komplette Wäsche – Tischwäsche, Küchenwäsche, Bettwäsche, Handtücher, Spa-Wäsche – selbst", berichtet Geschäftsführerin Conny Berwanger im Gespräch mit Hotel+Technik. Sie begründet dies unter anderem damit, die Umwelt durch den Verzicht auf lange Fahrten zur nächsten Großwäscherei zu schonen. Zudem könne der Betrieb auf diese Weise den Waschmittelverbrauch selbst regeln, etwa zu viele oder belastende Waschmittel ausschließen und auch damit der Nachhaltigkeit dienen. Stadthotel-Manager Andreas Spitzner vom im März eröffneten B’mine Hotel Frankfurt Airport setzt bei der Wäschepflege derzeit auf zwei Säulen: "Bei den Uniformen und der Gästewäsche arbeiten wir bisher noch mit einem lokalen Partner zusammen, die Pflege der Flach- und Frotteewäsche übernimmt Servitex", so Spitzner. Der Verbund erfahrener Textildienstleister hat sich die textile Vollversorgung für die Hotellerie auf die Fahnen geschrieben. Das Servitex-Portfolio umfasst dabei Mietwäsche, Textilpflege und -reinigung, Wäscheservice sowie die Logistik. "Wir sind damit sehr zufrieden", bestätigt Spitzner. Für die schlank aufgestellten Budgethotels in den Städten, wo jeder Quadratzentimeter Fläche hohe Investitionskosten verursacht, gibt es bislang gar keine andere Lösung, als die Wäschepflege auszulagern, da der Platz für eigene Maschinen einfach fehlt. Im Kontrast dazu stehen Luxushotels wie das Sonnenalp Resort in Ofterschwang oder der Öschberghof in Donaueschingen. Ersteres betreibt mit der Sonnenalp-Wäscherei in Sigishofen eine eigene hochmoderne Wäscherei für Hotel- und Gastronomiewäsche im Oberallgäu, auch der Öschberghof unterhält eine hauseigene Wäscherei.

Gewerbliche Reinigung bietet Vorteile

Grundsätzlich stellt die Aufbereitung in der gewerblichen Wäscherei für größere Hotels immer eine interessante Alternative zur Reinigung im eigenen Haus dar. Beträchtliche Investitionen in einen eigenen Maschinenpark sowie dessen spätere Wartung entfallen ebenso, wie Ausgaben für Waschmittel und Personal. Zudem kennen sich Gewerbebetriebe in der Regel mit den hohen Hygienevorschriften, die insbesondere bei der Küchenwäsche einzuhalten sind, besser aus. Auch Mietwäsche, die über einen Wäsche-Dienstleister bezogen wird, bietet Vorteile. Bei diesem All-inclusive-Service übernimmt der Dienstleister die Verantwortung für die gesamte Wäschequalität. Er hat zudem schneller Zugriff auf Ersatzprodukte als ein Einzelunternehmen und hält in der Regel mehr Wäsche vor, als ein Hotel es selbst tun würde. Das bedeutet zugleich: Die Wäsche wird nicht so häufig gewaschen und hält damit länger. Für Mietwäsche spricht außerdem, dass dem Hotel Lagerkosten erspart bleiben und dass Wäschereien bei Engpässen diejenigen Kunden bevorzugen dürften, die auch ihre Mietwäsche über sie beziehen.

Wäschereien kämpfen ums Überleben

Denn eines ist sicher: Für die Hotellerie wird es immer schwieriger, die passende Wäscherei zu finden. Vor dem Hintergrund der Energiekostenexplosion und infolge der Lockdown-Auswirkungen auf Wäschereien während der Coronakrise stellt sich vielmehr die Frage, welche Wäschereien in den nächsten Jahren überleben werden. Laut Deutschem Textilreinigungs-Verband (DTV) hatten manche Wäschereien während der Pandemie mit 80 bis 90 Prozent Umsatzverlusten zu kämpfen. Hinzu kommt, dass die Branche ebenso wie die Hotellerie mit Personalproblemen konfrontiert ist. Die momentanen Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich sind für die Betriebe nicht aufzufangen und müssen so gut es geht an die Kunden weitergegeben werden. Die rund 4.000 zumeist mittelständischen Unternehmen des Branchenzweigs schauen mit Sorge in die Zukunft, und der DTV warnt bereits vor Versorgungsengpässen. "Die Betriebe sind zwangsweise auf Gas oder Öl für den Betrieb von Dampfkesseln angewiesen, da ihnen kurzfristig keine technologischen Alternativen für die Dampferzeugung zur Verfügung stehen", sagt DTV-Hauptgeschäftsführer Andreas Schumacher. Servitex-Geschäftsführer Rolf Slickers wiederum konstatiert: "Die funktionierende Wäscherei ist das neue Statussymbol für die Hotellerie geworden." Dem Hotelwäsche-Experten sind Hotels bekannt, die wegen Mangels an sauberer Wäsche bereits ganze Etagen schließen mussten. Selbst seine Mitgliedsbetriebe könnten nicht mehr alle Anfragen bedienen, schließlich müssten sie auch noch das Wachstum der Bestandskunden abdecken. "Hotels mit weniger als 100 Zimmern haben inzwischen sehr große Schwierigkeiten, eine Wäscherei zu finden", so Slickers. Ein 75-Zimmer Hotel mit eigener Wäsche sei in der heutigen Situation zum wenig wichtigen Triple-C-Kunden mutiert. Hoteliers, die erwägen, ihre Wäsche künftig im eigenen Hotel zu waschen oder ihre Inhouse-Wäscherei zu optimieren, erhalten Hilfe vom Verband "Klasse Wäsche", der von den Herstellern gewerblicher Wäscherei-Anlagen gefördert wird. Als starkes Argument fürs Selbstwaschen führt der Verband neuerdings die Vorteile der Digitalisierung an und betont dabei, dass staatliche Fördermittel für die Digitalisierung von Unternehmen auch im Wäsche-Segment greifen.

Digitalisierung erobert auch die Waschküchen

Intelligente moderne Waschmaschinen erfassen heute permanent relevante Daten wie Wäschemenge, Waschmittel- und Energieverbrauch. Zudem lassen sie sich mit den Smartphones und Tablets des Housekeepings vernetzen, das damit den Status quo der Wäsche stets im Blick behält. Der Wasserverbrauch selbst kann von den digitalen Geräten ebenfalls präzise gesteuert und gemessen werden. Außerdem sind die Maschinen der neuesten Generation individuell auf betriebliche Anforderungen programmierbar und sparen bis zu 40 Prozent mehr Wasser und Energie, als noch vor wenigen Jahren. Mit Wärmerückgewinnung können weitere Energie-Einsparungen erzielt werden. Professionelle Wäschereien – auch die der Sonnenalp – arbeiten schon länger mit sogenannten RFID-Transpondern (Radio Frequency Identifikation). Dabei handelt es sich um elektronische Sensoren zur berührungslosen Datenerfassung, die in die Wäsche eingenäht werden und so die Arbeitsabläufe digital unterstützen. Dies ist inzwischen auch bei Profi-Wäscherei-Geräten möglich, die direkt im Hotel eingesetzt werden. Das Housekeeping kann darüber Daten wie das Anschaffungsdatum der Textilien oder die Anzahl der Waschvorgänge abrufen. Dies ermöglicht Rückschlüsse darüber, wann wieder in neue Textilien investiert werden muss. Einige Softwarelösungen integrieren diese Daten bereits automatisch in eine Plattform und werten sie aus. Die vernetzbaren Wäschereimaschinen von Hersteller Miele Professional etwa lassen sich über das Portal "Miele Move" mobil prüfen. Das erleichtert die Arbeit und die Kontrolle von Verbräuchen und Betriebskosten oder den Nachweis erfolgreich beendeter Desinfektionsprogramme. Hotels, die sich in kleinen Schritten mit der Digitalisierung ihrer Wäschepflege vertraut machen möchten, könnten beispielsweise in digitale Waagen oder WLAN-fähige Waschmaschinen investieren, heißt es seitens des Verbands Klasse Wäsche. Geräte wie diese böten eine gute Basis für zukünftige Anschaffungen und könnten jederzeit nachgerüstet werden.