Hoteltest im Schlosshotel Fleesensee Jottwede, aber schee!

Schlosshotel Fleesensee ©12.18. Investment Management

Ein Jahr, nachdem das Schlosshotel Fleesensee nach umfangreicher Renovierung und unter Führung der Eigentümergesellschaft 12.18. Investment Management wieder eröffnet hat, schickte Top hotel den anonymen Hoteltester nach Göhren-Lebbin. Dieser nahm das royale Haus genau unter die Lupe.

DI.  15/05, 17:08
Telefonische Reservierung

»Endlich ICH« – so lautet der auf allen Publikationen wiederkehrende Slogan des Schlosshotel Fleesensee. Konsequenterweise bekunde ich der Reservierungsmitarbeiterin gegenüber ein dringendes Bedürfnis nach einer zweitägigen Auszeit. Frau T. lächelt hörbar und führt mich freundlich durch die Buchung. Sie bietet mir wahlweise ein frisch renoviertes Zimmer im Schlossgebäude und ein Zimmer »mit altem Interieur« in einem Seitenflügel an, offeriert unaufgefordert ein Frühlingsarrangement mit einigen Extras und die Zubuchungsmöglichkeit der Halbpension. Wir landen schließlich beim »Frühlingsspezial im Schlosszimmer mit wunderbarem Blick in den Schlosspark« zu 524 Euro für zwei Nächte einschließlich Frühstücksbuffet, einmal Kaffee und Kuchen, einem Willkommenscocktail und 20 Euro Guthaben für eine Spa-Behandlung. Auf der opulenten, dreiseitigen Reservierungsbestätigung ist statt der drei letztgenannten Extraleistungen eine 20-prozentige Sommer-Greenfee-Ermäßigung auf 18-Loch-Runden der Plätze des Golf & Country Clubs aufgeführt. Da hat Frau T. wohl den falschen Textbaustein erwischt. Und die Spa-Broschüre, die sie anhängen wollte, fehlt leider auch.
Wertung: noch sehr gut

Aktiver Verkauf

»Wir freuen uns auf Sie!« – Zwei Tage nach der Reservierung erreicht mich eine Mail mit dieser Betreffzeile. »Endlich Gelegenheit, Ihrem Selbst frische Kraft zu schenken und den Alltag in die Tiefen Ihrer Erinnerung zu verbannen.« Gekünstelte Worte hat man Hotelmanager Harald Schmitt da in den Mund gelegt, mit denen er mich auffordert, Wünsche zu äußern und Träume zu verwirklichen. Realitätsnäher sind da schon die Hinweise zur Anreise, die auch die Warnung vor zwei Radarfallen auf den letzten Kilometern zum Schloss beinhalten. Und das Angebot, sich von Guest Relation Managerin Frau N. den Wunschurlaub konfigurieren zu lassen. Von der Faltenunterspritzung bis zur Range Rover-Probefahrt sind die verfügbaren Optionen gelistet und verlinkt. Ich bitte Frau N. per Mail darum, mir eine Golfstunde samt Linkshänder-Equipment zu organisieren und erhalte am nächsten Tag neben einer netten Antwort die Bestätigung meines Wunschtermins vom Golf & Country Club Fleesensee.
Wertung: sehr gut

Internet-Auftritt

»Entdecken Sie alle Facetten von Schloss Fleesensee und erhalten Sie einen Eindruck dieser einzigartigen, magischen Kulisse. Gelangen Sie zu Impressionen der Vollkommenheit und Ansichten des Glücks.« – So, so ähnlich oder sogar noch geschwurbelter sind die Texte des Internet-Auftritts von Schloss Fleesensee formuliert. Diesen Phrasen-Sprech muss man mögen. Wer es tut, kann weiterlesen und sich in die »Facetten« vertiefen. Er wird auf der Website alles finden, was zu diesem Hotel gesagt werden kann und wohl auch alles, was jemals gesagt worden ist. Bei so vielen »Impressionen der Vollkommenheit« denke ich »Ätschibätsch«, als ich schließlich unter »Gastanwender« ein Angebot finde, das sich terminlich (Oktober 2017 bis März 2018) längst überholt hat.
Wertung: gut


 Lage

Noch nie von Göhren-Lebbin gehört? Der Berliner würde von »jottwedee« sprechen, also von »janz weit draußen«, wohin er mit dem Auto etwa eineinhalb Stunden fährt. Zwei Stunden braucht der Hamburger bis in die idyllische Naturlandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte, und der nächste Flughafen liegt mit Rostock-Laage 68 km entfernt. Wer per Flieger anreist und über das nötige Kleingeld verfügt, kann sich von dort per Helikopter zum Schloss bringen lassen; zum 22 Kilometer entfernten ICE-Bahnhof Waren (Müritz) shuttelt das Hotel ab drei Übernachtungen kostenlos. Ursprünglich von Graf Ludwig II. von Blücher 1842 als Herrenhaus erbaut, wurde das Schloss nach einem Brand im Jahr 1912 im neobarocken Stil neu errichtet. Wie so viele Prachtbauten durchlief auch das »Blücherschloss« Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen, so als Schule, Lazarett und zu DDR-Zeiten als Sitz der Gemeindeverwaltung und als »Eiersammelstelle«. Ab 1997 wurde das Schloss im Zusammenhang mit dem Bau der 550 Hektar großen Ferien- und Freizeitanlage »Land Fleesensee« saniert und 15 Jahre lang als Radisson Blu Hotel geführt. 2014 übernahmen das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und die Lindner Investment Management GmbH – heute 12.18. Investment Management GmbH – Land Fleesensee und sorgten mit zehn Millionen Euro für eine erste gründliche Entstaubung und Neugestaltung des Schlosses, das im Mai 2017 Wiedereröffnung feierte. Zum Land Fleesensee gehören auch das Dorfhotel, das TUI Blu Hotel, der Robinson Club (insgesamt 1.600 Betten), die Spa World und der Golf & Country Club. Das Resort wird zu den größten Urlaubs- und Freizeitanlagen in Deutschland gezählt.
Wertung: sehr gut

22/05, 13:20
Anreise / Check-in

Rücke vor bis zur Schlossallee. Zahle für deine Häuser und Hotels ... Ich muss an Monopoly denken, als mich die schmale, baumbestandene Straße nach Göhren-Lebbin führt. Bereits beim Ortsschild kann ich das Schloss am Ende der Straße sehen, und kaum drin im Ort, bin ich am Ziel. Auch den gepflasterten Schlosshof säumen hohe Bäume und unter dem buchsbaumgeschmückten Rasen versteckt sich die Tiefgarage. Das imposante Schlossgebäude fängt den Blick ein und lenkt ab von den längst nicht so imposanten Seitenflügeln. Ich parke vor der Freitreppe zum Portal und warte einen Moment. Niemand da. Nichts passiert. Also schließe ich mein Auto ab, steige die Treppe hoch und begebe mich nach drinnen. Wow! Die hohe Lobby beeindruckt. Eine schöne, alte Holztreppe führt hinauf auf die Empore, moderne Kronleuchter und großformatige Fotos von Wildtieren setzen zeitgemäße Akzente, ein Wintergarten mit schicken Möbeln gibt den Blick frei auf den Schlosspark. Eine standesgemäße Empfangshalle – und ein standesgemäßer Empfang. Frau J. checkt mich mit großer Herzlichkeit ein und zuckt auch nicht mit der Wimper, als ich die PIN zur Kreditkarte nicht weiß. Ich darf den Arrangementpreis im Voraus bar entrichten. Frau J. schickt mir den freundlichen Herrn L. zum Auto, der mein Gepäck entlädt und mich durch einen Seiteneingang (ebenerdig) zum Aufzug und zum Zimmer begleitet. Herr L. macht mich auf den schönen Blick aufmerksam und bietet mir an, den Wagen zu parken (Tiefgarage 15 Euro pro Tag). Doch das mache ich lieber selbst und stelle ihn auf einem kostenfreien Parkplatz an der Außenseite des Schlosses ab.
Wertung: noch sehr gut 

Zimmer 2305

»Hier profitieren Sie von der Eleganz und dem modernen Komfort einer hochästhetischen Inneneinrichtung, die zum Verweilen und Zu-sich-selbst-Kommen einlädt.« – Mich lädt mein Zimmer erst einmal ein, aus dem Fenster zu schauen. Denn das Schönste an ihm ist tatsächlich der weite und fast meditative Blick über den Schlosspark in Richtung Golfplatz. Weiße Bänke stehen unter hohen Bäumen, auf riesigen Rasenflächen zieht ein Mähroboter gemächlich seine Bahnen, hinter gelben Bunkern und grünen Fairways schimmert blau ein See. Die mit diesem Blick verbundene Ausrichtung des Zimmers nach Nordosten stellt gleichzeitig seinen größten Nachteil dar. Denn nur morgens scheint die Sonne kurz durch die beiden Fenster – den Rest des Tages über liegt das Zimmer im Schatten. Dass dies so auffällt, resultiert nicht zuletzt aus der zwar »hochästhetischen«, aber ziemlich dunklen Möblierung und den für die Polster und Stoffe gewählten, ebenfalls dunkle
n Braun-Gold-Kupfer-Grün-Tönen. Zudem wirkt der quer zur Fensterfront ausgerichtete Raum verhältnismäßig vollgestellt. Das dunkle Himmelbettgestell – ohne Himmel, wozu dann eigentlich? – verkleinert ihn optisch ebenso wie der massive TV-Bildschirm am Fußende des Bettes, der drehbar und so auch von der Sitzecke aus zu nutzen ist. Diese steht mit Sofa, Sessel und zwei Rauchglas-Couchtischen so eng, dass man kaum den Schreibtischsessel vor dem winzigen, in die Fensternische eingepassten Schreibtisch zurückschieben kann. Zwei großformatige Tierfotos des Fotokünstlers Jörg Conrad, dessen Bilder im ganzen Schlosshotel ausgestellt sind, zeigen eines der stolzen, hoteleigenen Aucana-Hühner und ein fossil anmutendes Schneckenhaus. Es sind eindrucksvolle Fotos, aber auch sie wirken dunkel. Gut, dass die punktuelle Beleuchtung des Zimmers etwas Abhilfe schafft. Der einzelne Deckenstrahler vor dem Schrank im Flur allerdings ergänzt die schwache Schrankbeleuchtung nur unzureichend. Unter dem Hängeabteil des Einbauschrankes ist eine breite und tiefe Kofferablage eingebaut, was sich angesichts des Platzmangels im Zimmer als sehr nützlich erweist. Fächer finden sich über und unter dem Safe im Abteil daneben, außerdem in dem Raumteiler, der den Bildschirm trägt. Wie man dessen Klapptüren ohne Griffe öffnet, ohne sich die Fingernägel abzubrechen, bleibt allerdings ein Rätsel. Wer am Schreibtisch arbeiten will, muss zunächst einmal Tischlampe, Telefon, Hideaways-Buch (zu dieser Kooperation gehört das Hotel), Magazine und Broschüren nach hinten auf die Fensterbank schieben, um sich etwas Platz zu verschaffen. Eine Vielzahl weiterer Zeitungen und Zeitschriften können online gelesen werden. Der Highspeed-Internetzugang ist kostenlos, es nervt jedoch, sich bei jedem Einwählen wieder neu mit Gastname und Zimmernummer anmelden zu müssen. Das Zimmer ist mit einer Klimaanlage ausgestattet und neben dem Telefon am Schreibtisch findet sich ein zweites im Badezimmer. Klingeln tut nur Letzteres, was irritiert. Und dass ein weiteres Telefon am Bett sinnvoll wäre, stellt sich zu einem späteren Zeitpunkt meines Besuches heraus. Ich finde keine Gästeinformation, und da das Telefon nicht beschriftet ist und ich nicht weiß, welche Telefonnummer die Rezeption hat, muss ich zum Empfang laufen und persönlich nachfragen, ob es so etwas gibt. Der junge Mitarbeiter zuckt hilflos die Schultern. Erst später entdecke ich per Zufall im TV ein Gäste A bis Z – in dem bei vielen Punkten steht: »Drücken Sie die Service-Taste an Ihrem Telefon.« Womit sich der Kreis wieder schließt, weil das Telefon ja nicht beschriftet ist … Ein bio-orientiertes, vielseitiges und bezahlbares Angebot an Snacks und Getränken findet sich in und auf der Minibar. Es gibt sogar einen Korkenzieher. Die Gläser sind allerdings teilweise staubig. Eine Espressomaschine von Leysieffer sorgt für Koffein bei Bedarf und Restaurantpate Johann Lafer darf seine Schokolädchen verkaufen. Die Bettwäsche ist sauber und in Ordnung, das ganze Zimmer übersteht die Überprüfung gleichfalls ohne Beanstandung. Nur die Fenster bedürften dringend  einer Reinigung. 
Wertung: gut


 Bad

Ups – die niedrige Stufe ins Bad ist eine kleine Stolperfalle. Mit seinem Waschtisch aus schwarzbraunem Granit und hellbraunen Einlegern zu weißen Fliesen hat das Bad eine zeitgemäße, hochwertige Anmutung. »Entdecken Sie die beste Version Ihres Ichs« – ob mir die taghelle Beleuchtung des Bades dabei dienlich ist, mag bezweifelt werden, doch sie erleichtert Rasieren und Schminken ungemein. Da fällt es auch kaum ins Gewicht, dass der Kosmetikspiegel nicht noch einmal extra beleuchtet ist. Eine großzügige, begehbare Dusche zusätzlich zur Wanne, der deckenhohe Spiegel über dem Waschtisch, vier Steckdosen ebenda, zwei Bademantelhaken, ein loser Haartrockner und Amenities von Molton Brown, auf hübschen, schlichten Steinschalen präsentiert, sorgen für Komfort. Hand- und Duschtücher sind von normaler Größe und Qualität und ohne Einwebung. Was fehlt, sind ein Badezusatz und ein Handtuchwärmer. Die Lüftung lässt sich nicht wahrnehmen – weder vom Geräusch noch von der Funktion her. Die Bodenfliesen in der Dusche haben sich in den nur zwölf Monaten seit der Renovierung bereits unschön verfärbt, die satinierte Glastür dichtet unten nicht ausreichend ab und die Seifenschale hängt lose in den Angeln. Ach ja, und die Toilettenspülung muss gaaanz lange gedrückt werden, damit ausreichend Wasser fließt. Die beiden Bademäntel haben Größe XXL und würden vermutlich auch Rainer Calmund passen. 
Wertung: gut 

14:29  Housekeeping – Wäscheservice

»Wir verwandeln Wünsche in Wirklichkeit.« – Die Neun ist die zentrale Taste für alle Servicewünsche. Man landet an der Rezeption, die mir »aber gerne« jemanden vom Housekeeping schickt. Das Shirt wird innerhalb von 15 Minuten gebügelt zurückgebracht und nicht berechnet. Aber den Anzug in die Reinigung? Die freundliche Hausdame runzelt die Stirn. Die Reinigung kommt erst wieder am Donnerstag ins Haus (es ist Dienstag) und dann dauert es bis Samstag, bis die Wäsche zurückgebracht wird. Ich möchte den Anzug aber am Donnerstag tragen. »Ich frage mal nach, ob vielleicht jemand von der Rezeption den Anzug in die Reinigung bringen kann.« Dieses Ansinnen läuft anscheinend ins Leere – als ich am späteren Nachmittag ins Zimmer zurückkehre, liegt der Wäschebeutel mit dem schmutzigen Anzug wieder auf dem Sofa. 
Wertung: mangelhaft 

15:15 Poolterrasse

Es herrschen hochsommerliche Temperaturen und so beschließe ich, die Einlösung meines Kaffee-und-Kuchen-Gutscheins mit einer Abkühlung zu verbinden. Die Liegen rund um den 25 Meter langen Outdoorpool sind gut besetzt, die Schlossgäste genießen das Urlaubsfeeling. Nach dem Schwimmen begebe ich mich zur Poolbar im Inneren des Spa-Traktes, um das Gewünschte zu bestellen. Doch dort informiert mich ein Aufsteller darüber, dass die Bar heute nicht besetzt ist. Nur zwei Kaffeekannen und ein Dispenser mit aromatisiertem Wasser stehen bereit. »Gestern lag hier noch eine Karte aus«, wundert sich eine Dame. Ich tue ahnungslos und bitte C. am Spa-Empfang um einen Milchkaffee und ein Stück Kuchen. Etwas verkniffen lächelt die Mitarbeiterin: »Da muss ich erst einmal im Restaurant anrufen.« – »Schwarzwälder, Vanillepudding, Apfel und Mandel« lautet kurz darauf die erstaunliche Auswahl zur besten Erdbeerkuchenzeit. Als C. mir zehn Minuten später Kaffee, Kuchen und meinen Willkommenscocktail auf den viel zu kleinen steinernen Beistelltisch meiner Liege stellt, springen gleich mehrere andere Gäste auf, um ebenfalls eine Bestellung aufzugeben. Jedem einzelnen von ihnen bescheidet C., dass dies eigentlich nicht ihre Aufgabe und die Poolbar unbesetzt sei. Um anschließend widerstrebend dann doch die Bestellungen aufzunehmen. Wo liegt ihr Problem? Und warum ist die Poolbar nicht besetzt? Das lässt sich ausschließlich mit eklatantem Personalmangel erklären – an solchen Tagen könnte ein pfiffiger Poolservice richtig für Umsatz sorgen.
Wertung: befriedigend 


 Spa

»Schwitzen. Für den inneren Frieden.« – Eigens eine Studie in Auftrag gegeben haben die Inhaber, um ihr »Schloss Spa« nach neuesten Erkenntnissen zu konzipieren und perfekt auf die Wünsche ihrer Gäste zuzuschneiden. Diese Mühe hat sich gelohnt: Der Erwachsenen vorbehaltene Spa-Bereich (ab 14 Jahre) genügt nicht nur ästhetisch höchsten Ansprüchen, sondern bietet auch ein hervorragendes Spektrum an Bade- und Saunaformen sowie Behandlungen. 25-Meter-Außenpool mit Innen- einstieg, Sauna-Innen- und Außenbereich mit neuesten Angeboten wie MicroSalt- und Sauerstoffsauna, Fitness- raum, Entspannungs- und Ruheräume über zwei Ebenen mit Spa-Kino und zahlreichen bequemen Ruhebetten innen und außen – hier kann man zu
jeder Jahreszeit für Stunden abtauchen. Vorausgesetzt, man entwickelt dabei nicht allzu viel Hunger – siehe voriges Kapitel. Verschönern, verjüngen und in Form bringen kann man sich natürlich auch – mit hochwertigen Beauty- Treatments, den nichtinvasiven Behandlungsmethoden einer Berliner Ärztin oder Behandlungen auf Basis von Radio- frequenztherapie. Golfer können ihre müden Muskeln mit einer »Energie-Packung« wieder fit machen lassen, für Ausprobierfreudige wurde eigens eine »Well Active Tour« entwickelt, bei der es sich um eine Art Zirkeltraining mit Fitnessübungen, Saunabesuchen und Kneippgängen handelt. Das alles wirkt gut durchdacht, originell und für Spa-Liebhaber auf jeden Fall sehr attraktiv. (Fast) alles präsentiert sich bei meinem Besuch neuwertig und gut gepflegt – nur den Innenhof vor den Außensaunen hat man anscheinend noch nicht für den Sommer hergerichtet. Hier fehlen Polster, im Tauchbecken schwimmt Blütenstaub und das Glasdach über dem Eingang ist stark verschmutzt. – Gäste mit Kindern können übrigens die nahe »Spa World« von Land Fleesensee kostenlos nutzen. Auch die Teilnahme an dort stattfindenden Fitnesskursen ist für Schlossgäste kostenfrei. 
Wertung: sehr gut

Housekeeping – Turndownservice

Nirgendwo in den Hotelunterlagen oder im A bis Z finde ich einen Hinweis zum Turndownservice. Um sicherzugehen, frage ich eine der Housekeeping-Mitarbeiterinnen, ob abends noch einmal jemand durch die Zimmer geht. Entschieden schüttelt die junge Frau den Kopf. 
Wertung: ungenügend 

Projekt »Organic«

»Wissen wo‘s herkommt. Wissen was gut ist.« – Die steigende Nachfrage von Hotelgästen nach möglichst regionalen Produkten aus möglichst nachhaltigem Anbau erfüllt Schloss Fleesensee mit einem ungewöhnlichen Konzept. Unter dem Namen »Projekt Organic« wurde 2015 eine resorteigene Landwirtschaft gegründet, die der Gast miterleben kann. So liegen die Gemüsefelder nahe dem zehnten und elften Grün des Golfplatzes, ein großes Gewächshaus passiert man auf der Straße zum See und jede Menge glücklicher Hühner picken vor einem Hühnermobil nahe den Tennisplätzen im saftigen Gras ihres Vorgartens. Der Anbau zahlreicher Obstsorten und die Zucht eigener Rinder runden dieses ungewöhnliche Konzept ab, das zwar nur ein ergänzendes Angebot an gesunden und nachhaltig angebauten Lebensmitteln liefern kann, aber doch als klares Bekenntnis zu Ökologie und Nachhaltigkeit gewertet werden darf. 
Wertung: ausgezeichnet


19:40
Restaurant »Orangerie«

Mit viel Lila, großblumigen Rosentapeten, riesigen modernen Lüstern und Raumteilern aus goldlackierten Rankgittern sind die altehrwürdige »Orangerie« und ihr geräumiger Wintergartenanbau geschmacklich zwar sicher nicht jedermanns Sache, aber doch irgendwie cool. Hier gibt es wirklich viele Plätze und da passt auch das Konzept gut, am Abend ein Buffet anzubieten. Zwar kann der Gast alternativ aus einer kleinen À-la-carte-Karte wählen (bei meinem Besuch waren das neben ein paar Steak-Klassikern Spargelgerichte), die große Mehrzahl der Gäste nimmt jedoch das mit 30 Euro günstig bemessene Halbpensionsangebot in Anspruch und bedient sich vom Buffet. Auch ich, obwohl ich weder Halbpension gebucht noch einen Tisch reserviert habe, darf mitessen. Ich werde von Frau M. am Eingang erst nett begrüßt und dann an einem hübschen Zweiertisch im Wintergarten mit Blick in den Schlosspark platziert. Nur zwei Servicekräfte sind für diesen großen Raum eingeteilt, ein weiterer Mitarbeiter kümmert sich am Buffet um die Getränke. Die beiden sind freundlich und tüchtig, aber auch schwer am Rödeln, wodurch sie nicht immer alles im Blick haben (können). Also werden mir einmalig Getränke serviert und ansonsten muss ich mich um mich selbst kümmern beziehungsweise auf mich aufmerksam machen. Das Angebot des Buffets ist überschaubar, aber von guter Qualität. Alle Speisen werden in kleinen Mengen angeboten und bei Bedarf nachgelegt, was ihrer Frische zugutekommt. Ich probiere Salate und zwei hausgemachte Dressings (ausgezeichnet), Spargelgratin mit gebackener Garnele (lecker), einen Lammspieß in Joghurt (leider trocken), Tomatensuppe (aromatisch, frisch), ein Curry mit knackigem Gemüse und zartem Huhn, Pellkartoffeln mit würzigem Kräuterquark und zum Nachtisch schließlich Beerengrütze mit Baiser (beides zu süß) sowie gebackene Apfelringe mit Vanillesauce (köstlich). Durch das Gerenne zum und vom Buffet ist die Atmosphäre in »Orangerie« und Wintergarten etwas unruhig, aber man muss nur in den schönen Park schauen, um einen optischen Ausgleich zu finden. 
Wertung: gut 

21:50
»Bar 1842«

»Prickelnd. Geschüttelt. Oder gerührt.« – Seinen preisgekrönten jungen Barchef musste das Hotel an die Schlosskollegen in Bensberg abtreten. Der Nachfolger ist ein altgedienter Recke mit viel Erfahrung. Die braucht er auch, um mit nur einer Hilfskraft die verschiedenen Räume der »Bar 1842« zu bewirtschaften: die »Smokers Lounge«, die Bibliothek »Wine & Book« und natürlich die eigentliche Bar, die auch noch einmal aus zwei ineinander übergehenden Räumen besteht. Da bleibt wenig Luft für Beratung oder Small Talk mit dem Gast am Tresen. Meine Bitte um einen herb-frischen Drink will der Barkeeper, der kein Namensschild trägt, zunächst mit einem Mai Tai erfüllen (womit er gänzlich danebenliegt), dann mit einem Mojito (was langweilig ist) und erst, als ich um etwas Originelles auf Gin-Basis bitte, hat der Barchef eine zündende Idee: Er bietet mir einen Müritz-Gin aus der Region an, aufgegossen mit Wild Berry und frischen Früchten. Das passt gut zum Abschluss dieses heißen Tages und schmeckt zudem – genau – herb-frisch. Um einen Löffel für die Früchte und ein paar Nüsschen muss ich erst bitten, aber dann nippe ich zufrieden an meinem Getränk und betrachte mir in Ruhe die Bar: eine gelungene Mixtur aus Alt und Neu, gleichermaßen gediegen und stylish, mit holzgetäfelten Decken und Stuck, Kamin und Flügel, türkisfarbenen und gelben Polstern, reichlich Leder und schicken Lampen. Die Beleuchtung ist angenehm gedämpft, die Barmusik, die aus einem guten Soundsystem herabrieselt, ebenso. Kurz: eine überaus angenehme Bar mit behaglichem Ambiente und gut sortierter Karte. Wie schade, dass es auch hier offensichtlich an Mitarbeitern fehlt. Dass der Barmann, als es ruhiger geworden ist, seine Konzentration auf die Bestellung für den nächsten Tag richtet, statt mir einen zweiten Drink anzubieten, hat damit allerdings nichts zu tun.
Wertung: gut 

Schuhputzservice

Im Erdgeschoss finde ich einen Schuhputzautomaten und im Schrank ein Schwämmchen. Einen Hinweis darauf, dass ich meine Schuhe über Nacht auch per Hand putzen lassen kann, finde ich hingegen nicht. 
Wertung: ungenügend


MI 23/05, 08:15
Frühstücksbuffet 

»Genießen mit Aussicht.« – Die Terrasse ist schon am frühen Morgen gut besetzt; Golfer gehen zeitig auf die Runde. Es ist aber auch einfach herrlich hier draußen zu dieser Uhrzeit: Die Luft ist noch kühl und frisch, aber die Sonne wärmt schon, die Vögel zwitschern um die Wette und der Blick in den Schlosspark ist – ich muss mich wiederholen – einfach herrlich. Offenbar ist das Frühstück grundsätzlich in der Übernachtungsrate inkludiert, denn niemand fragt nach einer Zimmernummer. Heißgetränke werden freundlich am Tisch serviert, es gibt aber auch einen Kaffeevollautomaten zur Selbstbedienung im Buffetbereich. Das ist gut, denn die beschürzten Mitarbeiter vom Frühstücksservice haben alle Hände voll zu tun mit Geschirrabräumen und Tische neu bestücken. Das Highlight des »Organic«-Frühstücksbuffets ist für mich die Auswahl an knusprig-l
eckeren, selbstgebackenen Brot- und Brötchensorten, die so nette Namen wie »Golfball« oder »Lebbiner Lust« tragen. Und die hausgemachte Erdbeer-Rhabarber-Marmelade, die vor Fruchtstücken nur so strotzt. Ansonsten gibt es ein vielfältiges Frühstücksangebot mit einigen gesunden Extras wie beispielsweise weißer Tee mit Ingwer und Honig, ein Smoothie, Soja- und laktosefreie Milch und zwei Fruchtkompotts, eines davon als Diätvariante. Käse und Wurst gehen hingegen über Standard nicht hinaus, Letztere etwas aufgepeppt mit Deftigem wie einem Wildmett aus dem Glas. Der Obstsalat ist Convenience, es gibt drei angemachte Salate, Lachs und Matjes, und an der Frontcooking-Station werden Frikadellen, Tomaten, Würstchen, Speck und Pilze angeboten. Und natürlich Eier: Eine Frühstücksköchin bereitet Spiegeleier und Omeletts frisch und nach Wunsch zu. Meine Bitte um einen Pfannkuchen, gerne auch erst am folgenden Morgen, erntet – obwohl der Aufwand überschaubar wäre – ein resolutes Nein: »Sie können ja eine Waffel essen!« Die aus Osteuropa stammende Bedienung erfüllt mir hingegen meinen Wunsch nach einer Tageszeitung und einem frisch gepressten Orangensaft. Für diesen werden sechs Euro fällig. 
Wertung: gut 

Front Office / Concierge

»Es ist unsere Mission, Menschen glücklich zu machen.« – Dass der Auszubildende T. nichts von der Gästeinformation im TV wusste, bleibt der einzige Lapsus am Front Desk. Ansonsten trifft man hier jederzeit auf herzliche Gastgeber, die sich bemühen, jeden Wunsch zu erfüllen. Die erbetene Batterie gibt es gratis, zu der im Haus so präsenten Fotokunst kennt man sich aus, und einen Plan für den Shuttle zum Golfclub gibt es ebenso wie Tourentipps fürs Fahrradfahren. Apropos Fahrradfahren: Um den Verleih, aber auch die Wartung und Reparatur der zahlreichen Hotelfahrräder und E-Bikes kümmert sich eigens ein Mitarbeiter, der nette Herr B. Er sucht mir das passende Rad heraus und stellt auch noch die richtige Sattelhöhe ein. Für die Minimum-Mietzeit vier Stunden zahle ich neun Euro. Ich radle durch Land Fleesensee, schaue mir Dorfhotel, Robinson Club und Spa World an, bade mal eben die Füße im See und muss erneut bekennen: Es ist wirklich schön hier! 
Wertung: sehr gut  

Golf & Country Club Fleesensee und »Genusswerkstatt«

»Dieser Platz. Dieses Fairway. Dieses Grün.« – Wie schön es hier ist, stelle ich einmal mehr auf einem der fünf (!) Golfplätze fest, von denen einer zum Schloss gehört und direkt an den Schlosspark angrenzt. Wobei ich ja nur bis auf die Driving Range komme, wo meine Golfstunde stattfindet. Aber das Riesen-Areal ist wirklich beeindruckend und bestechend gepflegt. Der Informationstransfer zwischen Schlossrezeption und Golfclub hat einwandfrei funktioniert; mir wird wie gewünscht ein Linkshänder-Schlägerset bereitgestellt und der sympathische P. wartet auch schon, um die bei mir längst verschüttgegangenen Golfkünste wiederzuerwecken. Die Kosten für die Stunde kann ich ebenso aufs Zimmer buchen wie den anschließenden Verzehr auf der Terrasse der »Genusswerkstatt«. Hier sitze ich nicht nur äußerst schick und komfortabel, ich werde auch supernett bedient und esse einen wunderbaren Salat. 
Wertung: sehr gut


Housekeeping – Remake

Als ich vom Golfplatz zurückkomme, ist mein Zimmer gereinigt. Im Großen und Ganzen hat die Housekeeping-Mitarbeiterin ordentlich gearbeitet. Sie hat sogar Staub gesaugt, was häufig beim Remake unterbleibt, und die angebrochenen Amenities mit frischen ergänzt. Allerdings hat sie auch das Handtuch, das ich noch einmal benutzen wollte, ausgetauscht. Und das gespülte Glas zeigt immer noch unappetitliche Schlieren. 
Wertung: gut  

Öffentliche Bereiche

Am Abend leuchten die Bänke im Schloss- park phosphoreszierend – im Wechsel neonpink, türkis, rot, orange und grün. Das ist ein echter Hingucker und funktioniert per Computersteuerung, wie ich mir erklären lasse. Eine Bank kostet angeblich 5.000 Euro. Ein Dutzend Bänke sind es mindestens, da kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Vielleicht hätte man einen Teil dieses Geldes für die Gestaltung der Flure abzwacken sollen, denn diese sind lang und wirken mit ihren weißen Wänden recht kahl. Die dunkelroten Teppichböden haben nur gelegentlich Kontakt mit dem Staubsauger – insbesondere der Boden vor dem Seiteneingang im Erdgeschoss, den viele Golfer benutzen, ist während meines Aufenthaltes fast ständig schmutzig. Die Aufzüge sind älteren Datums, wie auch ein Teil der öffentlichen Toiletten, aber gut gepflegt. Am zweiten Aufenthaltstag putzt ein Mitarbeiter die Scheiben des Verbindungsganges zu einem der Seitenflügel, was dringend notwendig ist. Die Seitenflügel des Schlosses sind noch nicht renoviert, ihre Fassaden zum Teil unansehnlich. Der Blick in ein offen stehendes Zimmer im Erdgeschoss offenbart einen großzügigen Grundriss, durchaus noch akzeptable Möbel und – was den Zimmern im Schloss leider durchgängig fehlt – eine Terrasse. Wenn die Eigentümer diese Zimmer gestalterisch auch noch anpassen, wird das Schloss insgesamt eine sehr runde Sache. Aber das kostet halt noch einmal viel Geld. Bis dahin tragen die günstigen Raten der »alten Zimmer« vermutlich dazu bei, die Durchschnittsbelegung zu steigern. 
Wertung: befriedigend 

Sicherheit

»Wir sind aufmerksam. Sehen unsere Gäste. Achten aufeinander.« – Wie schade. Alle Vorgaben in puncto Sicherheit scheinen erfüllt zu sein, nicht einmal Housekeeping-Listen liegen auf den Wagen aus. Aber schon am Anreisetag schließt mir ein Zimmermädchen ohne zu zögern mein Zimmer auf, als ich vorgebe, die Karte vergessen zu haben. 
Wertung: mangelhaft 

16:30
Spa-Treatment

Maren Brandt wurde gerade zur »Spa-Managerin des Jahres« gewählt. Sie ist nicht nur für das »Schloss Spa«, sondern auch noch für die Spa World und das Spa im Robinson Club zuständig. Vermutlich lerne ich sie deshalb nicht persönlich kennen. Aber ich spüre ihr Wirken und ihre Kompetenz auch indirekt in der Rückenmassage, die mir Masseurin H. angedeihen lässt. Denn diese wird perfekt im Einklang mit den Vorgaben des Deutschen Wellnessverbandes durchgeführt. Darüber hinaus ist H. eine sehr gute Masseurin und die mit mir abgestimmte, individuelle Rückenmassage, die neben einem »klassischen« Teil auch heiße Kompressen, Schröpfgläser und Klangschalen integriert, ist ebenso wirkungsvoll wie entspannend. 50 Minuten kosten 89 Euro – die 20 Euro Guthaben aus meinem Arrangement werden an der Spa-Rezeption unaufgefordert abgezogen. 
Wertung: ausgezeichnet


Message-Transfer

Während ich golfe, nimmt der Empfang einen wichtigen Anruf für mich entgegen. Meine Zimmernummer erfährt der Anrufer trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Und die Nachricht mit der Bitte um Rückruf liegt als handgeschriebenes Kärtchen auf meinem Bett, als ich ins Zimmer zurückkehre. Die Uhrzeit des Anrufs fehlt allerdings, wie auch der Name der Person, die den Anruf entgegengenommen hat. Und der Name des Anrufers ist hanebüchen falsch geschrieben. 
Wertung: gut 

19:30
Restaurant »Blüchers by Lafer«

»Sterneniveau. Und Hochgenuss.« – Eine Hand wäscht die andere: Sternekoch Johann Lafer steht Pate für die Küche von Schloss Fleesensee, inspiriert und berät die beiden Küchenchefs und lässt sich ab und zu auch einmal persönlich zu Gourmet-Events blicken. Im Gegenzug investieren die Fleesensee-Inhaber in Lafers Gastronomie auf der Stromburg. Für die Cuisine des Schlosses hat sich das Ganze zumindest schon insofern ausgezahlt, als der 2
018 Gault Millau das »Blüchers by Lafer« als Newcomer unter den besten Restaurants in Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet und Küchenchef Georg Walther mit 15 Punkten bedacht hat. Wissen das die Hotelgäste nicht zu schätzen? Am Abend meines Besuches ist die »Orangerie« krachend voll und im »Blüchers« herrscht gähnende Leere. Ganze vier Tische füllen sich während der zwei Stunden meines Aufenthalts. Das ist schade, denn schon rein optisch ist das Restaurant in der ehemaligen Kapelle des Schlosses ein Highlight: die rundum vergoldete Apsis mit dem besonderen Tisch für zwei, die wie Orgelpfeifen anmutenden Raumteiler, die riesigen Tischlampen, das dunkle Grün in Leder und Samt, das schöne, wertige Parkett. Diese Gestaltung passt sehr gut zum Selbstverständnis des Schlosses wie des Gourmetrestaurants und lässt einen Besuch hier von Anfang an zu etwas Besonderem werden. Der meine wird es auch aufgrund der aufmerksamen – fast möchte ich sagen: liebevollen – Betreuung durch den jungen Restaurantleiter Herrn V., formvollendet im dunklen Anzug, und durch den ebenfalls jungen Sommelier Herrn N., der in Hemd und Hose mit Hosenträgern und braunen Schuhen deutlich legerer gekleidet ist. Klar: Die beiden haben Zeit und Muße, sich mit mir zu beschäftigen, es ist ja wenig los. So werde ich, während ich einen ausgezeichneten Crémant von der Loire zu mir nehme, von Herr N. fachmännisch beraten und akzeptiere dankbar, dass er mir vom Ziegenkäse als Vorspeise und viertem Gang abrät: »Das wird Ihnen sicherlich zu viel.« Die Karte gefällt mir im Übrigen sehr gut – auch wenn ich es befremdlich finde, dass das fünfgängige Frühlingsmenü à la Lafer ausschließlich komplett bestellbar ist. Nur acht Gerichte umfasst die sonstige Speisenkarte, doch da diese mit Ausnahme der beiden Desserts alle als kleine oder große Portion bestellt werden können, gibt es eine ausreichende Bandbreite an Variationen. Ich ordere die »Müritzer Bouillabaisse mit Rouille und Crostini« und im Anschluss daran – wenn ich schon einmal hier bin – den »Wels vom Müritzfischer mit Pancetta, Perlzwiebeln und Risotto«, beides in der kleinen Portion. Die schönen Holztische kommen mit wertigen Ledersets aus, es gibt Stoffservietten und gutes Besteck, Wassergläser aus Bleikristall, eine Altarkerze (!) und ein hübsches Röschen in einer Vase. Schon am vorab gereichten Handbrot in Guglhupfform und dem Sauerteigbrot mit Kräuterquark und geschlagener Butter könnte ich mich rundum satt essen. Auch das kurz darauf servierte Amuse Gueule – ein Gemüse-Couscous mit Aubergine – schmeckt fein. Die Bouillabaisse wird in einem kleinen Kupferkochtopf gereicht, ist frisch aufgeschlagen und kräftig, sämig, fischig, heiß – ein Gedicht. Gleiches gilt für den Wels, dem die hauchzarten ge- rösteten Pancettastreifchen auf der Kruste ein delikates i-Tüpfelchen aufsetzen. Ein 2015er Chardonnay aus dem südlichen Burgund bietet meiner Vorspeise Paroli, ein Rheingauer Riesling aus dem gleichen Jahr begleitet den Fisch. Ich bin bis hierher sehr zufrieden und will gerade nach einem Nachtisch schauen, als mich etwas gänzlich Unerwartetes buchstäblich in die Knie zwingt – von einer plötzlichen heftigen Kolik geschüttelt, die mir den Schweiß auf die Stirn treibt, muss ich meinen Restaurantbesuch abbrechen. Ich kann gerade noch die Rechnung abzeichnen, bevor ich unter den anteilnehmenden Blicken der beiden Restaurantfachleute das Lokal verlasse. Es wird doch nicht die Bouillabaisse …
Wertung: sehr gut


22:25 Manager on Duty – Notarztruf

Nein, es ist nicht die Bouillabaisse. Aber die plötzlichen und sehr starken Schmerzen, die sich auch mit einer hohen Gabe Ibuprofen nicht lösen lassen, zwingen mich eine halbe Stunde später, über die Rezeption den Notarzt rufen zu lassen. Wobei ins Spiel kommt, dass es am Bett kein Telefon gibt und ich zu dem Apparat am Schreibtisch nur noch mit größter Mühe gelange. Nur gut, dass ich schon weiß, unter welcher Nummer ich die Rezeption erreiche – liebe Verantwortliche, kennzeichnet eure Telefone! Ganz und gar unfreiwillig prüfe ich auf diese Weise das Notfallmanagement des Schlosses, denn am Empfang sitzt schon der Nachtportier. Doch eine Managerin on Duty ist da, die sich auch nach dem Besuch des Notarztes um mich kümmert, von irgendwoher eine Wärmflasche zaubert, mir einen frischen Pfefferminztee kochen lässt und sehr mitfühlend agiert. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön! 
Wertung: sehr gut 

DO, 24/05, 8:00
Weckruf

Der Weckruf erfolgt auf die Minute pünktlich, enttäuscht in seiner Formulierung dann aber doch ein wenig: »Einen wunderschönen guten Morgen, es ist 8 Uhr, Sie wollten geweckt werden.« Natürlich erfüllt diese Formulierung ihren Zweck. Aber wäre es nicht um einiges persönlicher, würde der Anrufer sich namentlich melden, auch mich mit meinem Namen ansprechen und mir zum Abschluss noch einen schönen Tag wünschen? 
Wertung: befriedigend 

8:57
Zimmerfrühstück

Der Türhänger für die Zimmerfrühstücksbestellung listet nur verhältnismäßig wenige Speisen und Getränke. Weitere Angebote finde man, so heißt es, in der Roomservice-Karte. Diese wiederum ist nur im TV zu finden – ein lästiges Procedere – und enthält dann doch keine weiteren Frühstücksofferten. Überhaupt ist das Roomservice-Angebot mehr als übersichtlich. Im 24-Stunden-Service gibt es Suppe, Sandwiches und kalte Platten, von 12 bis 21 Uhr zusätzlich Filetsteak, Ribeye-Steak und ein paar Spargelgerichte. Nach meinem aufregenden Abend will ich nur ein kleines Frühstück für den nächsten Morgen ins Zimmer ordern – noch weiß ich ja nicht, wie es mir gehen wird. Mit dem einzig vorhandenen Schreibutensil, einem Bleistift, lässt sich der beschichtete Türhänger jedoch kaum beschriften. Ich kratze mehr, als dass ich schreibe, und bestelle fast ausschließlich Sachen, die nicht auf dem Hänger stehen: Porridge, frische Früchte, frisch gepressten Orangensaft und Milchkaffee. Für 9 Uhr. Fast auf die Minute pünktlich wird mein Frühstück geliefert – und »geht aufs Haus, weil Sie krank sind«. Die mütterlich wirkende Servicekraft ist nett und  erkundigt sich nach meinem Befinden; sie lässt aber den Servicewagen mitten im Vorraum zum Zimmer stehen und klappt auch dessen Seiten nicht hoch,  damit ich besser daran sitzen kann. So bugsiere ich den Wagen irgendwie vors Sofa – und natürlich stimmen die Höhenverhältnisse nicht. Aber das Porridge ist eh ein viel zu fester Pframpf und beim Orangensaft war wohl eine schlechte Frucht dabei. Weshalb ich ein zweites Frühstück auf der schönen Terrasse einnehme. Es geht mir ja zum Glück wieder besser. 
Wertung: befriedigend


10:25
Check-out

»Wir schaffen Momente, die bewegen.« – Ein starkes Team, könnte man sagen, und perfekte Gastgeber sind Herr S. und Guest Relation Managerin Frau N., die an meinem Abreisemorgen am Empfang Dienst tun. Ich werde von Herrn S. formvollendet ausgecheckt, beide Mitarbeiter erkundigen sich nach meinem Befinden und ausführlich danach, wie mir der Aufenthalt gefallen hat. Mein Gepäck wird vom Zimmer abgeholt, ich erhalte noch ein Wasserfläschchen für die Heimreise und werde verabschiedet mit den aufrichtig klingenden Wünschen, ich möge bald wiederkehren. 
Wertung: ausgezeichnet 

Lost & Found

Herr B. hat nichts auf seiner Liste und auch im Fundsachenschrank wird er nicht fündig. Er will die Anfrage noch einmal ans Housekeeping weitergeben – »Die haben da noch ein eigenes Lager.« Auf jeden Fall werde man mich über den Ausgang dieser Recherche informieren. Das passiert leider nicht. Und meine Ohrstecker sind weg. 
Wertung: mangelhaft 

Bilanz

Zugegeben: Zum Zeitpunkt des Testbesuchs herrschten am Fleesensee optimale Rahmenbedingungen – die Natur in voller Pracht und herrlichstes Frühsommerwetter, da schüttet auch das limbische System eines Testers spontan ein paar Pluspunkte aus. Doch nicht umsonst sahnt das »neue« Schlosshotel seit seiner Wiedereröffnung 2017 einen Preis nach dem anderen ab: German Design Award, ADAC Tourismus Preis Mecklenburg-Vorpommern, Spa-Managerin des Jahres – all diese Auszeichnungen haben nicht nur ihre Gründe, sondern auch ihre Berechtigung. Das Schlosshotel ist eine sehr runde Sache geworden und sie wird noch runder, wenn auch die Seitenflügel dem Standard angepasst sein werden. Das »Schloss Spa« hat Vorbildcharakter, die Gastronomie ist sehr gut aufgestellt und das Team zeigte sich ganz überwiegend motiviert und gastfreundlich. Das Fehlen von Fünf-Sterne-Dienstleistungen wie Turndown-, Schuhputz- und schnellem Reinigungsservice beeinflusste allerdings das rechnerische Gesamtergebnis. Daran konnte auch strahlender Sonnenschein nichts ändern.