Schmuckstück mit Brillanz?: Hoteltest Bülow Palais Dresden

Das Bülow Palais Dresden versteht sich als exklusive Adresse, die vor allem mit ihrer persönlichen Handschrift bei anspruchsvollen Gästen punkten will. Wie zum Beweis wurde das Relais-&-Châteaux-Hotel von Trivago mehrmals als bestes Fünfsternehotel Deutschlands ausgezeichnet. Tophotel hat das Haus in einem anonymen Hoteltest geprüft – und fand nicht alles glänzend.

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Hoteltest Bülow Palais Dresden: Reservierung

„So schnell kann’s gehen!“ Die Rezeptionistin strahlt hörbar, als sie am Vorabend der Anreise kaum eine Minute nach meinem Anruf zurückruft, um den erfragten Transfer vom Bahnhof zu bestätigen. Weniger zügig verhielt es sich mit der Zimmerreservierung: Neun Tage vergingen von der Anfrage bis zur Buchungsbestätigung. Möglicherweise habe ich Frau W. verärgert, als ich bei unserem ersten Telefonat nachfragte, warum der Preis für das Arrangement „Semperoper erleben“ im Einzelzimmer ganz offensichtlich teurer ist als die Einzelleistungen. „Das ist nicht möglich“, erklärte die bis zu diesem Zeitpunkt noch überaus konziliante F/O-Shiftleaderin, um mir gleich darauf leicht pikiert zu empfehlen, dann eben die Einzelleistungen zu buchen.

Eben diese frage ich noch am gleichen Tag per E-Mail an. Frau W.s Antwort erfolgt erst zwei Tage später. Mit der vorab zu bezahlenden Frühbucherrate von 210 Euro für zwei Übernachtungen, 52 Euro für zweimal Frühstücken, 84 Euro für die Opernkarte, 18 Euro für die zweimalige Spa-Nutzung, 40 Euro für den Transfer zur Oper und zurück, 58 Euro für das Opernmenü und 40 Euro für das Parken würde ich mit 502 Euro immer noch günstiger fahren als im Arrangement (ab 579 Euro). Ich möchte aber nur Zimmer, Opernkarte, Opernmenü und Transfer buchen und bitte um entsprechende Bestätigung sowie eine Vorabrechnung zwecks A-conto-Zahlung. Zweimal frage ich aufgrund der noch ausstehenden Bestätigung im Hotel nach.

Beim ersten Anruf heißt es, Frau W. habe „ein wohlverdientes langes Wochenende“, beim zweiten Mal sagt man mir, Frau W. sei im Haus und werde „ganz sicher heute noch die Bestätigung rausschicken“. Zwei Tage vor Anreise erhalte ich schließlich die E-Mail-Bestätigung mitsamt der Proforma-Rechnung. Mit 439 Euro schlagen die gebuchten Leistungen zu Buche, das Zimmer wird jetzt mit 125 statt 105 Euro pro Nacht berechnet. Obwohl ich vorab bezahle, ist von der Frühbucherrate keine Rede mehr.

Hoteltest: mangelhaft

Homepage

In Blau- und Goldtönen klassisch gehalten und eher mit großformatigen Fotos als mit einem aufsehenerregenden Layout angelegt, wirkt der Internetauftritt des Relais & Châteaux Bülow Palais seriös und fast schon ein wenig aus der Zeit. Hinzu kommen die Bilder der mit Popbarock bunt aufgehübschten Lobby. Vom Informationsgehalt her präsentiert sich die Website auf hohem Niveau.

Hoteltest: sehr gut

Lage & Mobilität

Mitten im Barockviertel Dresdens gelegen, komplettiert das 2010 vom Stuttgarter Unternehmerpaar Monika und Horst Bülow errichtete Palais mit seiner barocken Fassade das historische Bild der Königstraße. Hoch ragt der Turm der Dreikönigskirche hinter dem Hotel empor, den man auch besteigen kann. Wer auf dieser Seite der Elbe bummeln will, findet in unmittelbarer Umgebung des Hotels zahlreiche Galerien, kleine, originelle Läden und ein kneipenreiches Szeneviertel. Überquert man die Elbe zu Fuß auf der Augustusbrücke Richtung historisches Stadtzentrum, genießt man einen grandiosen Blick auf Semperoper, Hofkirche, Zwinger und Residenzschloss.

Hoteltest: sehr gut

Anreise

Während der Bahnhof Dresden-Neustadt nur 500 Meter vom Hotel entfernt liegt, fahre ich zum Dresdner Hauptbahnhof. Warum hat man mich seitens des Hotels nicht darauf hingewiesen? Nachdem ich der Rezeptionistin meine Reisedaten durchgegeben habe, gehe ich davon aus, dass der Fahrer mich am Bahnsteig erwartet – zumal ich schweres Gepäck habe. Dies ist nicht der Fall, erst am dritten der fünf Bahnhofausgänge finde ich den Mann mit dem Schild.

Es handelt sich um den Mitarbeiter eines Chauffeurdienstes, der mich im Auftrag des Hotels in einem VW-Multivan abholt. Hieß es auf der Website nicht, BMW sei exklusiver Automobilpartner des Hotels? „Ja“, meint der Fahrer, „normalerweise hätte ich Sie jetzt auch in einem 7er-BMW abgeholt. Aber ich musste gerade noch fünf Personen zum Bahnhof bringen.“

Hoteltest: befriedigend

Hoteltest Bülow Palais Dresden: Tag 1/Check-in

Mit dicker Füllfeder und in Schönschrift ist der Umschlag mit der Karte für die Semper-
oper beschriftet, den mir die freundliche Rezeptionistin beim Check-in überreicht. Weitere Informationen zu meinem Opernbesuch – auf welche Uhrzeit das Menü terminiert ist und wann der Shuttle erfolgt – erfahre ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Den Crémant, auf den ich zur Begrüßung eingeladen werde, genieße ich in einem der bunt gepolsterten Sessel. Von hier aus lasse ich die Lobby auf mich wirken. Mit ihrem silbernen Rezeptionstresen, dem knallroten Designersofa, den zierlichen Sitzmöbeln in poppigem Neobarock und der modernen Kunst an den Wänden ist sie mit Eyecatchern gespickt und sorgt für gute Laune.

Hoteltest: sehr gut

Hoteltest-Bülow-Palais-Dresden-Lobby
Im Hoteltest: Das Bülow Palais Dresden. Hier im Bild die Hotellobby. (Bild: Bülow Palais Dresden)

Zimmer

Mein Zimmer ist mit Sicherheit das winzigste, das ich je in einem Fünfsterne-Superiorhotel bewohnt habe. Nahezu dreieckig im Grundriss, misst es an der längsten Seite – der Fensterseite zum Innenhof – zwar sechs Meter, dafür ist die „Spitze“ gerade einmal 1,40 Meter breit.

Die Einrichtung besteht aus Schrank, Queensize-Bett, Schreibtisch und Stuhl, einem aufklappbaren Kofferbock und einem Minibarmöbel, auf dem der Fernseher steht. Mahagoniholz, rostrot gepunkteter Teppichboden, üppig geraffte Vorhänge in Rostrot und Gold, ein geblümter Bettüberwurf – bis auf zwei moderne Gemälde und vielleicht noch die Lampen erinnert hier nichts an den mutigen Möbelmix aus der Lobby. Im beleuchteten Schiebetürenschrank befinden sich ein Safe, reichlich Stauraum und Bügel, eine gepackte Spa-Tasche, ein Schuhputztablett, eine Personenwaage, Wäschebeutel und Wäschepreisliste, eine in Folie eingeschweißte Fleecedecke, ein Bademantel und ein Schuhlöffel.

Vier Paar Badeschlappen mit unterschiedlichen Hotellogos finde ich ebenfalls – alle in einer Größe. „Passen Ihnen auch unsere Kollegen?“, fragt der Aufdruck auf dem Zellophan und weist auf die Mitgliedschaft des Bülow Palais bei der Kooperation „Feine Privathotels“ hin. Offenbar wird das Minizimmer gelegentlich auch an Paare vermietet. Aber: Eine Person, die sich hier nur zum Schlafen und vielleicht noch zum Arbeiten aufhält, das geht in Ordnung.

Zum Fünfsterne-Wohlfühlen vermisse ich Geräumigkeit, ein bequemes Sitzmöbel und irgendeine Art von Kaffeebereiter. Die Minibar ist ordentlich bestückt. Eine Flasche Wasser gibt es kostenlos. Als Willkommensgruß steht auf dem Schreibtisch ein Glasteller mit einer ziemlich schrumpeligen Kiwi, einer unreifen Pflaume, einem kleinen Apfel und einem Gläschen mit Trockenobst. Ein Schreiben des Hoteldirektors, persönlich von ihm unterzeichnet, heißt mich in nettem Ton willkommen. Das versöhnt etwas. Wie auch die Tatsache, dass das Zimmer einwandfrei sauber ist. Nur in den Gardinen finde ich zwei, drei Löchlein. Und die Batterie des Safes ist leer.

Hoteltest: gut

Hoteltest-Bülow-Palais-Dresden-Zimmer
Zimmer im Bülow Palais. (Bild: Bülow Palais Dresden)

Badezimmer

Auch das Bad zeigt sich kompakt: bodentiefe Dusche mit Schiebetüren, Marmorwaschtisch mit Mahagoniunterbau. Die Beleuchtung erfolgt durch Downlights. Der Vergrößerungsspiegel ist weder beleuchtet noch höhenverstellbar, ein Handtuchwärmer fehlt. Luxuriös geht anders. Zwar tragen die Handtücher eine Logoeinwebung, doch gibt es nur Dusch- statt Badetücher. Die kleinen Flakons mit Amenities sind von Molton Brown. Auch das Bad ist bis in den letzten Winkel blitzblank geputzt, das Housekeeping scheint einwandfrei zu arbeiten. Nur dass der Duschschlauch der Regenbrause leckt, ist übersehen worden. Ein ausgelegter Gutschein bietet 10 Euro Preisvorteil bei einer Spa-Behandlung. Gern hätte ich diesen in Anspruch genommen (siehe „Spa-Behandlung“).

Hoteltest: gut

Wäscheservice

Unter der Housekeeping-Kurzwahltaste meldet sich die Rezeption. Ich hätte ein Hemd zu waschen, einen Pulli zu bügeln und einen Mantel zu entfusseln. Wäscheservice am Wochenende? Die Antwort kommt zögerlich: „Wir geben die Sachen außer Haus, und am Wochenende wird ein Aufschlag von 100 Prozent auf die Preise erhoben.“ Auch der Pulli kann offenbar nicht im Hotel aufgebügelt werden. Und das Entfusseln des Mantels? „Das bekommen wir hin.“ Ich beschränke meine Wünsche auf das Hemd und den Mantel.

12 Euro soll das Waschen des Hemdes kosten. Erstaunt bin ich aber vor allem über den abschließenden Satz der Rezeptionistin: „Dann bringen Sie mir die Sachen doch bitte an die Rezeption …“ Am folgenden Vormittag informiert man mich darüber, dass „leider niemand erreicht“ und das Hemd deshalb nicht gewaschen werden konnte. Auch den Mantel hat man noch nicht bearbeitet. Doch bei meiner Heimkehr hängt er schließlich säuberlich abgebürstet an der Außenseite des Schranks. Genau wie der Wäschebeutel mit dem schmutzigen Hemd.

Hoteltest: mangelhaft

Concierge I

Im Vorfeld meiner Reise hat ein wohlmeinender Mensch unter Angabe seiner Kreditkartennummer ein Glas Champagner zur Begrüßung für mich bestellt. Eine Viertelstunde, nachdem ich mein Zimmer bezogen habe, klopft es an der Tür und eine lächelnde junge Frau überreicht mir das Getränk – mitsamt der exakt formulierten Grüße. Das hat gut funktioniert.

Auch meine Bitten um ein härteres Kissen und die um eine Stunde vorzuverlegende Saunaöffnungszeit werden erfüllt. Deutlich weniger erfolgreich verläuft jedoch mein Besuch in der Lobby. Weder hat man am Front Office ein Brillenputztuch für mich – „Im Zimmer ist Seife!“ –, noch ist die Concierge anwesend, die ich hinsichtlich eines Sonntagsprogramms in Dresden befragen wollte. Am Samstagnachmittag bei vollem Haus kein(e) Concierge? „Nein. Sie finden Frau B. morgen in unserem anderen Haus, der Bülow-Residenz, nur 60 Meter die Straße hinunter. Wir müssen zwei Häuser abdecken.“ Die Rezeptionistin fragt nicht, ob sie mir vielleicht weiterhelfen kann.

Hoteltest: befriedigend

Hoteltest Bülow Palais Dresden: Restaurant

Angenehme Beleuchtung, leise französische Chansons, bequeme Stühle und ein schön gedeckter Tisch. All das schafft genügend Wohlfühlatmosphäre im Restaurant „Caroussel“, um das etwas angestaubte Ambiente des Wintergartenrestaurants vergessen zu lassen. Hinzu kommt die unaufgeregte, herzliche Betreuung durch Restaurantleiterin und Sommelière Jana Schellenberg sowie der eifrige Service des jungen Herrn G. und das ansteckende Strahlen der dritten Mitarbeiterin.

Das Trio erledigt den Service an diesem Abend praktisch allein – und zwar perfekt. Der Flüsterton der überwiegend pärchenweise speisenden Gäste ändert sich schlagartig, als eine Familie mit acht Erwachsenen und drei Kindern am großen Tisch Platz nimmt. Doch nachdem die Kinder ein „Obstgesicht“ als Amuse-Gueule und anschließend zügig ein Wiener Schnitzel verspeist haben, verschwinden sie mit einer eigens engagierten Kinderbetreuerin nach nebenan – und alle Gäste können in Ruhe speisen. Chapeau für dieses gleichermaßen familien- wie gastfreundliche Handling.

Überhaupt gefällt hier vieles: Der Aufsteller beispielsweise, der auf dem Aperitifwagen dezent über die Preise informiert. Das heiße, gerollte Tüchlein, das vorab für die Hände gereicht wird. Oder die Speisekarte, die zwei Menüs listet, aus denen man sich vier bis sieben Gänge kreuz und quer zusammenstellen kann. Am wunderbaren Sauvignon-Blanc-Sekt von Bassermann-Jordan nippend, studiere ich die Karte und entscheide mich für vier Gänge zu 110 Euro: ein Blaukrautsüppchen mit Apfel, Safran und Entenleber, die Kürbispraline mit Birne, Feldsalat und Ziegenjoghurt, die Languste mit schwarzem Knoblauch und Pak Choi und ein Dessert, das mit „Whiskyholz, Dinkel, Honig & Apfel“ umschrieben ist.

Hoteltest-Bülow-Palais-Dresden-Restaurant
Das Restaurant konnte im Hoteltest überzeugen. (Bild: Tophotel)

Vorab gibt es Grissini und einen Seeigelschaum mit Parmesan-Espuma, dann hausgebackenes Kartoffelbrot mit Salzbutter und spanischem Olivenöl sowie schließlich eine Jakobsmuschel mit getrockneten Tomaten und Algensalat. Die vier Gänge begleitet Jana Schellenberg mit bestens dazu ausgesuchten Weinen und weiß mir deren Besonderheiten unterhaltsam zu erläutern. Die Speisen schmecken allesamt köstlich, wobei mein Favorit das süßsäuerlich-fruchtige Blaukrautsüppchen ist.

Die Languste, eigentlich ein Zwischengang, wird mir problemlos in größerer Portion als Hauptgang serviert. Vor meinem Dessert darf ich ein Karotteneis mit Cranberry-Mousse und Cheesecake-Creme kosten, bevor Whiskyeis und Apfelkompott meinen Magen endgültig schließen. Nicht nur ich lasse mir das Schokoladenmacaron und den Mini-Windbeutel „einpacken“, die es zum Espresso gibt. Wobei „einpacken“ bedeutet, dass die Süßigkeiten auf ein einfaches Tellerchen umgeschichtet werden; ansonsten werden alle Speisen auf feinstem Meißener Porzellan serviert.

Hoteltest: sehr gut

Turndown-Service

Auf dem abgedeckten Bett sitzt ein kleiner Teddy und „hält“ einen weiteren handschriftlich unterzeichneten Brief des Gastgebers. Dieser wünscht „schöne Träume in Dresdens kleinem Grandhotel“ und versichert: „Nur zu gern erfüllen wir Ihnen während Ihres Aufenthaltes all die kleinen, großen und auch noch so ausgefallenen Wünsche.“ An diesem Anspruch wird sich der Direktor messen lassen müssen. Vom Turndown-Service hätte ich mir im Übrigen ein neues Fläschchen Bodylotion gewünscht. Ansonsten ist das Zimmer gut für die Nacht vorbereitet.

Hoteltest: sehr gut

Hoteltest Bülow Palais Dresden: Tag 2/Frühstück

„Gourmetfrühstück“ nennt sich der 26 Euro teure kulinarische Start in den Tag, der im „Grünen Salon“ und im Wintergarten des Hotels zelebriert wird. Und tatsächlich offeriert das Buffet neben den üblichen Speisen und Getränken eine Vielzahl feiner, kleiner Häppchen und Leckereien – auf Löffeln, in Gläschen oder hübsch auf Platten dekoriert –, die man nicht unbedingt auf jedem Frühstücksbuffet findet: Miesmuscheln mit Lauch beispielsweise, Forellentatar mit Birne, Geflügelleber mit Holunderbeere oder kleine, mit Ziegenfrischkäse gefüllte Wraps.

Beim aufgeschnittenen Obst erfreuen Melone, Mango und Papaya in gutem Reifegrad, das Brot schmeckt ebenfalls vorzüglich. Auf Chafing Dishes verzichtet man bei diesem sowieso schon recht beengten Buffet ebenso wie auf eine Frontcooking-Station. Wer etwas Warmes zum Frühstück essen möchte, muss dies beim Service bestellen – leider ohne dazu eine Frühstückskarte zur Verfügung zu haben. Die Pancakes, die ich erfrage, werden nahezu umgehend aus der Küche serviert, was den Schluss nahelegt, dass sie dort bereits vorfabriziert warteten – und was ihre trockene Konsistenz bestätigt.

Mehr habe ich am Frühstück jedoch nicht zu bemängeln, höchstens, dass es – beispielsweise die Pâtisserie – noch etwas besser beschriftet sein könnte. Das Buffet wird regelmäßig kontrolliert und aufgefüllt, der Service ist aufmerksam und zuvorkommend, und der frisch gepresste Orangensaft wird nicht extra berechnet.

Hoteltest: sehr gut

Housekeeping – Remake

Da denkt jemand praktisch: Das Bett wurde gemacht, der Überwurf jedoch im Schrank gelassen. Dafür sitzt das Bärchen wieder auf der Decke und bewacht die bereits ausgelegte Frühstückskarte. Der Turndown-Service wird sich freuen. Ansonsten sind Zimmer und Bad gut gereinigt, nur die Fingerabdrücke auf der Außenseite der Duschtür hat die Reinigungskraft übersehen. Und auf dem Duschboden sind noch Schlieren vom Dusch-
gel zu sehen. Das Bodylotion-Fläschchen wurde nicht ersetzt, und das zu zwei Drittel geleerte Duschgel nicht ergänzt.

Hoteltest: gut

Öffentliche Bereiche

Das Housekeeping arbeitet sorgfältig und gründlich. Flure, Treppenhäuser und die Lobby präsentieren sich gut gepflegt und instandgehalten. Auch die zahlreichen Grünpflanzen sind überwiegend in einwandfreiem Zustand und nicht verstaubt. Die öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss wurden großzügig angelegt und schick gestaltet. Ich finde sie bei jedem Besuch  tadellos und sauber vor.

Hoteltest: sehr gut

Spa

Bunter Papagei auf weißer Balustrade vor blauem Meer – die Illusionsmalerei an den Wänden des Bülow-Palais-Spa-Bereichs war eigentlich schon zu dessen Entstehungszeit 2010 „out of date“. Wie auch die zahllosen Grünpflanzen, die sich hier aus den unterschiedlichsten Pflanzgefäßen recken und ranken. Doch der kleine Saunabereich unter dem Dach des Hotels präsentiert sich adrett und blitzsauber, wird zu seinen Öffnungszeiten regelmäßig gecheckt und bietet mit finnischer Sauna, Biosauna, Dampfbad und zehn Ruheliegen ein für ein Stadthotel dieser Größe passendes und ansprechendes Angebot. Gleiches gilt für den Fitnessraum mit Multifunktions-Muskeltrainer, Hantelbank und drei Ergometern. Zwischen Saunabereich und Fitnessraum liegen zwei Umkleiden, die Spa-Rezeption und vier Behandlungsräume. Wobei Letztere leider während meines kompletten Besuches verwaist bleiben.

Wertung: sehr gut

Spa-Treatment

„Unser Spa-Team freut sich auf Gäste, die sich eine Auszeit nehmen und in unserer persönlichen Atmosphäre verwöhnen lassen wollen.“ Das klingt hervorragend. Doch Anfang Januar hat die Kosmetikerin das Haus verlassen und Herr Z., der Masseur, mit dem ich vorab telefoniere, schüttelt hörbar den Kopf. Sonntag und Montag hat er frei, und am Samstag ist er völlig ausgebucht. „Wir behandeln auch viele externe Gäste“, erklärt er entschuldigend. Darunter mag ich als Hotelgast eigentlich nicht leiden müssen. Als ich am Morgen meiner Anreise noch einmal im Hotel anrufe, um zu hören, ob vielleicht ein Termin frei geworden ist, bedauert der Rezeptionist. Alternativen weiß der Mitarbeiter nicht anzubieten.

Hoteltest: ungenügend

Front Office/Concierge 2

In der Bülow-Residenz finde ich endlich Ulrike Beyrich. Die Concierge des Palais absolviert ganz allein den Rezeptionsfrühdienst, und ich muss eine Weile warten. Doch dann offenbart mir die zertifizierte Stadtführerin und Mitglied der Clefs d’Or ihr umfassendes Wissen. Auf meine Frage, wie ich den Sonntag gestalten könnte, macht sie mir die unterschiedlichsten Vorschläge – angefangen von der aktuellen Ausstellung „Mode und Macht“ über einen Bummel durchs Barockviertel bis hin zu einem Ausflug per Straßen- und Seilbahn. Auch über Erich Kästner, nach dem ich mich erkundige, weiß Frau Beyrich hervorragend Bescheid. Eine solche Concierge stellt für jedes Fünfsterne-Superior-
hotel eine Bereicherung dar.

Hoteltest: sehr gut

Sicherheit

Die Zimmertür ist weder mit Spion noch mit Sicherheitskette ausgestattet, die Aufzüge lassen sich von jedem Besucher jederzeit ohne Karte bedienen und Kameras auf den Fluren sind nicht vorhanden. Immerhin: Die Hausdame erkundigt sich nach meinem Namen, ehe sie mir die Zimmertür öffnet, und auch meine Zimmernummer wird einem Anrufer nicht genannt. In der Gästemappe finden sich ausführliche Hinweise zum Verhalten im Brandfall. Doch sollte dieser während meines Aufenthaltes eintreten, hätten die Einsatzkräfte wohl ein Problem: Im Erdgeschoss des Treppenhauses sind fahrbare Buffets und Kinderstühlchen geparkt und verengen den Durchgang vor dem Notausgang auf ein unzulässiges Maß. Und mein Drücken des Sauna-Notrufknopfes am helllichten Nachmittag? Bleibt ohne Reaktion.

Hoteltest: mangelhaft

Front Office/Handling der ­gebuchten Leistungen

Am Vormittag erkundigte ich mich an der Rezeption danach, wann ich denn das Opernmenü zu mir nehmen dürfe und wann der Shuttleservice zur Semperoper startet. Die erstaunte Antwort: „Sie haben das Opernmenü gebucht? Dann um 17:30 Uhr zwei Gänge, und das Dessert, wenn Sie zurückkommen. Der Shuttle fährt um 18:30 Uhr.“

Um 17:30 Uhr bin ich in „Bülow’s Bistro“ der einzige Gast. Die Servicemitarbeiterin fragt liebenswürdig, ob mir das Menü recht sei. Es ist exakt das Gleiche, wie es auch auf der Speisenkarte des Bistros steht. Drei Gänge zu 44 Euro. Ich habe allerdings 58 Euro bezahlt. Klar, ist ja auch noch ein Glas Champagner dabei, denke ich. Doch mir wird als Aperitif ein Sekt angeboten und später auch berechnet. Suppe und Entenbrust schmecken gut. Pünktlich um 18:30 Uhr finde ich mich am Empfang ein und erkundige mich nach dem Shuttle. „Der kommt sicher gleich“, sagt die Rezeptionistin. Doch der Shuttle kommt nicht und die Rezeptionistin blättert ebenso rat- wie ergebnislos in ihren Unterlagen. „Vielleicht rufen Sie einmal an?“, versuche ich ihr auf die Sprünge zu helfen.

Mittlerweile ist es 18:40 Uhr. Um 19:00 Uhr beginnt die Vorstellung. Beim Shuttleservice geht erst niemand ans Telefon, dann will man wissen, wann das Ganze gebucht wurde, und so weiter. Mir geht die Geduld aus und ich informiere die Rezeptionistin knappen Wortes darüber, dass ich jetzt die Beine in die Hand nehmen und zur Semperoper rennen werde. In 15 Minuten beginnt die Vorstellung, zehn Minuten muss ich wohl laufen. „Soll ich Ihnen nicht ein Taxi rufen?“ Nein, das dauert alles viel zu lang.

Hoteltest: mangelhaft

Hoteltest Bülow Palais Dresden: Bar

Zurück aus der Semperoper bin ich erfüllt von Musik und Bildern und strahlend guter Laune. Ein Dessert mag ich jetzt nicht mehr, das Glas Champagner, das man mir plötzlich offeriert, auch nicht, aber gern ein wohlschmeckendes Mixgetränk. Ich entscheide mich  für einen Platz an der Bar. Mit Barkeeper L. verstehe ich mich prächtig. Den Gin Basil Smash wie auch einen Singapore Sling mixt er ausgezeichnet. Der ebenso kommunikative wie kompetente junge Mann weiß die Drinks gut zu erklären und wirkt überaus gastorientiert.

Den Gin Basil Smash berechnet er nicht – „sozusagen ihr Dessert“, sagt er augenzwinkernd. Umso erstaunter bin ich, als die Servicemitarbeiterin vier externe Gäste, die die Bar betreten, wieder wegschickt und die anwesenden Gäste – immerhin vier Paare und zwei Einzelgäste – darüber informiert, dass die Bar um 22 Uhr schließt. „Wir haben heute Betriebsfeier“, erläutert mir der Barkeeper ein wenig kleinlaut, „und wir zwei sind die Einzigen, die noch arbeiten müssen. Da hat der Chef gesagt, wir dürfen um zehn zumachen.“ Zwei Gäste artikulieren ihren Unmut, woraufhin eine letzte Bestellrunde noch akzeptiert, ausgeführt und abkassiert wird. „Sie dürfen ja so lange hier sitzen wie Sie wollen“, heißt es seitens der beiden Mitarbeiter. Trotzdem: Das Verständnis dafür, dass die Bar eines Luxushotels um 22:30 Uhr nicht mehr geöffnet ist, tendiert bei der Mehrzahl der Anwesenden gegen null.

Wertung: gut

Tag 3/Weckruf

Auf die Minute pünktlich, allerdings sehr gehetzt, rattert der Empfangschef sein Sprüchlein
herunter: „Rezeption, H. (Anm.: sein Name), es ist 07:30 Uhr, Ihr Weckruf. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“ Schade, dass er mich nicht mit Namen angesprochen hat.

Hoteltest: gut

Zimmerfrühstück

Die vorgeschlagenen Zimmerfrühstücksoptionen sprechen mich nicht wirklich an, die Einzelpreise empfinde ich als ziemlich happig. Ich beschränke mich deshalb auf eine individuelle Bestellung, die ich handschriftlich auf dem Rand des Frühstückstürhängers vermerkt habe: einen Milchkaffee, ein Porridge, ebenfalls mit Milch zubereitet, sowie „Melone, Mango, Papaya“. Als Servierzeitraum kreuze ich 08:30 bis 08:45 Uhr an.

Um 08:38 Uhr klopft es und ein ausgesprochen freundlicher junger Mann schiebt einen Servierwagen ins Zimmer und vors Bett. Der Beleg, den ich unterzeichne, listet 20,50 Euro einschließlich des obligatorischen Fünf-Euro-Zimmerservicezuschlags. Das Porridge schmeckt sehr gut, und der Früchteteller ist nicht nur hübsch arrangiert, sondern auch gut bestückt. Der Servierwagen präsentiert sich sauber eingedeckt und mit einer kleinen Blumenvase dekoriert. Einzig der Abräumhinweis fehlt. „Ich wünsche Ihnen ein schönes Frühstück“, sagt der junge Mann lächelnd und verlässt den Raum.

Hoteltest: sehr gut

Check-out

Mein Check-out bei Herrn H. verläuft so, wie ich es mir in einem Luxushotel vorstelle. Konzentriert, zuvorkommend und äußerst charmant erstellt mir der Empfangschef die Rechnung, geht diese auf meinen Wunsch hin geduldig Punkt für Punkt mit mir durch, streicht das nicht servierte Glas Champagner und bedankt sich, als ich ihn auf das auf der Rechnung fehlende Opernmenü aufmerksam mache. Eine gute Gelegenheit, um meinen Frust der letzten beiden Tage loszuwerden.

Herr H. wirkt ehrlich erschüttert, entschuldigt sich und besteht darauf, das Opernmenü „als kleine Wiedergutmachung“ nicht zu berechnen. Er gibt mir noch ein Mineralwasser mit auf die Reise und drückt seine Hoffnung aus, ich möge dem Hotel bei einem erneuten Besuch noch eine Chance geben. Der Hoteldirektor, den ich während meines Aufenthaltes nur einmal – in Privatkleidung und nicht grüßend – durch die Hotelhalle eilen sah, hält sich gerade am Empfang auf und hört unseren Wortwechsel mit. Die Gelegenheit, sich als Gastgeber vorzustellen und ein paar passende Worte zu sagen, ergreift er nicht.

Hoteltest: gut

Gesamteindruck

Dresdens Schatzkästlein – so wird das Barockviertel nördlich der Elbe auch genannt. In diesem Schatzkästlein darf das Relais & Chateaux Bülow Palais durchaus als Schmuckstück gelten, wenngleich es sich beim Testbesuch nicht überall von seiner glänzendsten Seite zeigte. Wirklich hell funkelte die Leistung der Küchencrew, beim Abendessen im Gourmetrestaurant wie auch beim Frühstück, durch die Bank blitzte auch das Housekeeping, auf der Etage wie in den öffentlichen Bereichen und im Spa. Und als Solitäre leuchteten Empfangschef, Küchenchef, Restaurantleiterin, Barkeeper und Concierge.

Augenfällig traten bei meinem Besuch jedoch auch viele matte Stellen zutage, die einem Fünfsterne-Superior-Hotel ganz und gar nicht gut zu Gesicht stehen: das in die Länge gezogene Reservierungshandling, die mangelnde Kommunikation – intern wie extern – im Hinblick auf die gebuchten Leistungen des Opernpackages, die Abwesenheit der Concierge an einem voll gebuchten Wochenendtag, das Fehlen jeglicher Spa-Behandlungsmöglichkeit an einem ebensolchen Tag sowie das Fehlen eines hausinternen Wäscherei- und Bügelservices.

Außerdem: Wenn die Hotelmannschaft feiert, muss dennoch jemand die Stellung halten, auch an der Bar, notfalls eine externe Aushilfe. Das Bülow Palais schmückt sich schließlich mit fünf Sternen und einem „Superior“, was nichts anderes heißt als: „Da geht nichts mehr drüber.“ Daran muss man sich messen lassen. Sonst läuft man Gefahr, dass es der Gast mit Erich Kästner hält: „Der verborgene Sinn allen Reisens ist es, Heimweh zu haben.“

Hoteltest Bülow Palais Dresden: 60 Prozent, befriedigend

100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft; 20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel; die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewertet!


Hinweis: Die Veröffentlichung des Hoteltests erfolgte in der Tophotel-Ausgabe März 2019. 

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