Hoteltest im Bülow Palais Dresden Schmuckstück mit genug Brillanz?

Das Bülow Palais in Dresden versteht sich als exklusive Adresse, die vor allem mit ihrer persönlichen Handschrift bei anspruchsvollen Gästen punkten will. Wie zum Beweis wurde das Relais-&-Châteaux-Hotel von Trivago dreimal in Folge als bestes Fünfsternehotel Deutschlands ausgezeichnet. Unser Tester fand nicht alles glänzend.

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DI 15/01 bis D0 24/01
Zimmerreservierung

„So schnell kann’s gehen!“ Die Rezeptionistin strahlt hörbar, als sie am Vorabend der Anreise kaum eine Minute nach meinem Anruf zurückruft, um den erfragten Transfer vom Bahnhof zu bestätigen. Weniger zügig verhielt es sich mit der Zimmerreservierung: Neun Tage vergingen von der Anfrage bis zur Buchungsbestätigung. Möglicherweise habe ich Frau W. verärgert, als ich bei unserem ersten Telefonat nachfragte, warum der Preis für das Arrangement „Semperoper erleben“ im Einzelzimmer ganz offensichtlich teurer ist als die Einzelleistungen. „Das ist nicht möglich“, erklärte die bis zu diesem Zeitpunkt noch überaus konziliante F/O-Shiftleaderin, um mir gleich darauf leicht pikiert zu empfehlen, dann eben die Einzelleistungen zu buchen.

Eben diese frage ich noch am gleichen Tag per E-Mail an. Frau W.s Antwort erfolgt erst zwei Tage später. Mit der vorab zu bezahlenden Frühbucherrate von 210 Euro für zwei Übernachtungen, 52 Euro für zweimal Frühstücken, 84 Euro für die Opernkarte, 18 Euro für die zweimalige Spa-Nutzung, 40 Euro für den Transfer zur Oper und zurück, 58 Euro für das Opernmenü und 40 Euro für das Parken würde ich mit 502 Euro immer noch günstiger fahren als im Arrangement (ab 579 Euro). Ich möchte aber nur Zimmer, Opernkarte, Opernmenü und Transfer buchen und bitte um entsprechende Bestätigung sowie eine Vorabrechnung zwecks A-conto-Zahlung. Zweimal frage ich aufgrund der noch ausstehenden Bestätigung im Hotel nach.

Beim ersten Anruf heißt es, Frau W. habe „ein wohlverdientes langes Wochenende“, beim zweiten Mal sagt man mir, Frau W. sei im Haus und werde „ganz sicher heute noch die Bestätigung rausschicken“. Zwei Tage vor Anreise erhalte ich schließlich die E-Mail-Bestätigung mitsamt der Proforma-Rechnung. Mit 439 Euro schlagen die gebuchten Leistungen zu Buche, das Zimmer wird jetzt mit 125 statt 105 Euro pro Nacht berechnet. Obwohl ich vorab bezahle, ist von der Frühbucherrate keine Rede mehr.
Wertung: mangelhaft

Internetauftritt

In Blau- und Goldtönen klassisch gehalten und eher mit großformatigen Fotos als mit einem aufsehenerregenden Layout angelegt, wirkt der Internetauftritt des Relais & Châteaux Bülow Palais seriös und fast schon ein wenig aus der Zeit. Da ist es gut, dass auf der Homepage Gastgeber Ralf J. Kutzner mit einer Hand in der Hosentasche lässig in die Kamera lacht. Hinzu kommen die Bilder der mit Popbarock bunt aufgehübschten Lobby. Vom Informationsgehalt her präsentiert sich die Website auf hohem Niveau.
Wertung: sehr gut

Lage

Mitten im Barockviertel Dresdens gelegen, komplettiert das 2010 vom Stuttgarter Unternehmerpaar Monika und Horst Bülow errichtete Palais mit seiner barocken Fassade das historische Bild der Königstraße. Hoch ragt der Turm der Dreikönigskirche hinter dem Hotel empor, den man auch besteigen kann. Wer auf dieser Seite der Elbe bummeln will, findet in unmittelbarer Umgebung des Hotels zahlreiche Galerien, kleine, originelle Läden und ein kneipenreiches Szeneviertel. Überquert man die Elbe zu Fuß auf der Augustusbrücke Richtung historisches Stadtzentrum, genießt man einen grandiosen Blick auf Semperoper, Hofkirche, Zwinger und Residenzschloss.
Wertung: sehr gut

Anreise

Während der Bahnhof Dresden-Neustadt nur 500 Meter vom Hotel entfernt liegt, fahre ich zum Dresdner Hauptbahnhof. Warum hat man mich seitens des Hotels nicht darauf hingewiesen? Nachdem ich der Rezeptionistin meine Reisedaten durchgegeben habe, gehe ich davon aus, dass der Fahrer mich am Bahnsteig erwartet – zumal ich schweres Gepäck habe. Dies ist nicht der Fall, erst am dritten der fünf Bahnhofausgänge finde ich den Mann mit dem Schild. Es handelt sich um den Mitarbeiter eines Chauffeurdienstes, der mich im Auftrag des Hotels in einem VW-Multivan abholt. Hieß es auf der Website nicht, BMW sei exklusiver Automobilpartner des Hotels? „Ja“, meint der Fahrer, „normalerweise hätte ich Sie jetzt auch in einem 7er-BMW abgeholt. Aber ich musste gerade noch fünf Personen zum Bahnhof bringen.“
Wertung: befriedigend

SA 26/01, 14:10
Check-in

Mit dicker Füllfeder und in Schönschrift ist der Umschlag mit der Karte für die Semper-
oper beschriftet, den mir die freundliche Rezeptionistin beim Check-in überreicht. Weitere Informationen zu meinem Opernbesuch – auf welche Uhrzeit das Menü terminiert ist und wann der Shuttle erfolgt – erfahre ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Den Crémant, auf den ich zur Begrüßung eingeladen werde, genieße ich in einem der bunt gepolsterten Sessel. Von hier aus lasse ich die Lobby auf mich wirken. Mit ihrem silbernen Rezeptionstresen, dem knallroten Designersofa, den zierlichen Sitzmöbeln in poppigem Neobarock und der modernen Kunst an den Wänden ist sie mit Eyecatchern gespickt und sorgt für gute Laune.
Wertung: sehr gut

Zimmer 110

Das ist mit Sicherheit das winzigste Zimmer, das ich je in einem Fünfsterne-Superiorhotel bewohnt habe. Nahezu dreieckig im Grundriss, misst es an der längsten Seite – der Fensterseite zum Innenhof – zwar sechs Meter, dafür ist die „Spitze“ gerade einmal 1,40 Meter breit. Die Einrichtung besteht aus Schrank, Queensize-Bett, Schreibtisch und Stuhl, einem aufklappbaren Kofferbock und einem Minibarmöbel, auf dem der Fernseher steht. Mahagoniholz, rostrot gepunkteter Teppichboden, üppig geraffte Vorhänge in Rostrot und Gold, ein geblümter Bettüberwurf – bis auf zwei moderne Gemälde und vielleicht noch die Lampen erinnert hier nichts an den mutigen Möbelmix aus der Lobby. Im beleuchteten Schiebetürenschrank befinden sich ein Safe, reichlich Stauraum und Bügel, eine gepackte Spa-Tasche, ein Schuhputztablett, eine Personenwaage, Wäschebeutel und Wäschepreisliste, eine in Folie eingeschweißte Fleecedecke, ein Bademantel und ein Schuhlöffel.

Vier Paar Badeschlappen mit unterschiedlichen Hotellogos finde ich ebenfalls – alle in einer Größe. „Passen Ihnen auch unsere Kollegen?“, fragt der Aufdruck auf dem Zellophan und weist auf die Mitgliedschaft des Bülow Palais bei der Kooperation „Feine Privathotels“ hin. Offenbar wird das Minizimmer gelegentlich auch an Paare vermietet. Aber: Eine Person, die sich hier nur zum Schlafen und vielleicht noch zum Arbeiten aufhält, das geht in Ordnung. Zum Fünfsterne-Wohlfühlen vermisse ich Geräumigkeit, ein bequemes Sitzmöbel und irgendeine Art von Kaffeebereiter. Die Minibar ist ordentlich bestückt; Coca-Cola und
Radeberger Pils kosten 4 Euro, die halbe Flasche Sächsischer Elbling 18 Euro. Eine Flasche Wasser gibt es kostenlos. Als Willkommensgruß steht auf dem Schreibtisch ein Glasteller mit einer ziemlich schrumpeligen Kiwi, einer unreifen Pflaume, einem kleinen Apfel und einem Gläschen mit Trockenobst. Ein Schreiben des Hoteldirektors, persönlich von ihm unterzeichnet, heißt mich in nettem Ton willkommen. Das versöhnt etwas. Wie auch die Tatsache, dass das Zimmer einwandfrei sauber ist. Nur in den Gardinen finde ich zwei, drei Löchlein. Und die Batterie des Safes ist leer.
Wertung: gut

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