Ein »atemberaubendes Panorama und Genussmomente auf Drei-Sterne-Niveau in einem einmalig königlichen Rahmen« verspricht das vielfach ausgezeichnete Althoff Grandhotel Schloss Bensberg seiner gemischten Gästeklientel. Aber können die großen Versprechen auch tatsächlich eingehalten werden?
SO. 04/02, 12:32
Telefonische Reservierung
»Vielleicht sind die gerade in der Pause.« So lautet die nicht unbedingt elegante Antwort einer Rezeptionistin auf meine Beschwerde, dass der versprochene Rückruf der Reservierungsabteilung auch nach einer Stunde noch nicht erfolgt ist. Ein neuerlicher Versuch, mich in die Abteilung durchzustellen, gelingt. Ich spreche mit Michelle Eschbach und diese macht alles so gut und so richtig, dass ich am Schluss unseres Telefonats nicht nur besänftigt, sondern geradezu begeistert bin. Zwar kann die Dame mit der angenehmen Stimme zunächst kaum glauben, dass sich das Oster-Arrangement online nicht korrekt buchen lässt – es kostet 255 Euro pro Person und gibt man zwei Personen ein, erscheint ein Preis von 1.020 Euro statt 510 Euro – doch sie probiert es selbst und muss mir recht geben. Wir erledigen die Sache deshalb telefonisch und Frau Eschbach führt mich vorbildlich durch die Buchung. Sie will genau wissen, wie sich mein Name schreibt, erkundigt sich, ob ich schon einmal zu Gast gewesen bin und nimmt die Kontaktdaten auf. »Möchten Sie vielleicht auch bei uns zu Abend essen?« Schon ist ein Tisch im Gourmetrestaurant »Vendôme« reserviert. »Haben Sie eventuell Interesse an Spa-Behandlungen?« Frau Eschbach kündigt an, mir die Broschüre an die Bestätigung anzuhängen. »Werden Sie mit dem Auto anreisen?« In diesem Fall dürfen wir bis zum Hoteleingang vorfahren, wo man uns mit dem Gepäck behilflich sein und den Wagen in der hoteleigenen Tiefgarage parken wird – für 28 Euro pro Nacht. Ab 15 Uhr ist das Zimmer garantiert bezugsbereit, nutzen dürften wir es am Abreisetag bis 12 Uhr. »Wir hoffen natürlich nicht, dass etwas dazwischenkommt, aber falls dem so sein sollte, können Sie das Arrangement bis drei Tage vor Anreise kostenfrei stornieren.« Noch Fragen oder Wünsche? Nachdem ich keine mehr habe, entlässt mich Frau Eschbach mit den netten Worten »Wir freuen uns auf Sie! Vielen Dank für Ihre Buchung und einen schönen Sonntag noch!«
Wertung: noch sehr gut
Aktiver Verkauf
Das Oster-Arrangement im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg ist ein Schnäppchen. Für 255 Euro pro Person im Doppelzimmer (425 Euro im Einzelzimmer) sind zwei Übernachtungen im Zimmer »Grand Lit« samt Frühstücksbuffet enthalten, eine Osterüberraschung bei Anreise auf dem Zimmer, eine Osterwanderung mit herzhaftem Imbiss am Ostersamstag, ein gemütliches Osterfeuer mit Kölsch am Ostersamstagabend und die Ostereiersuche am Ostersonntag mit der Möglichkeit, einen Suiten-Übernachtungsgutschein zu gewinnen. Am Montag vor Anreise spricht mir Reservierungsleiterin Anna Uhl auf die Mailbox: Man freue sich schon sehr auf unseren Besuch! Und falls wir Interesse hätten, diesen ein wenig zu verlängern, gebe es ein interessantes Angebot »um die Feiertage herum«, nämlich die Übernachtung bei Anreise schon am Gründonnerstag oder die Verlängerungsnacht bis Ostermontag für jeweils 150 Euro. Eine sehr gute Idee, das Hotel über die Feiertage kurzfristig noch besser auszulasten.
Wertung: sehr gut
Internet-Auftritt
Schwarz-Weiß-Gold – die klassischen Schloss-Bensberg-Farben kleiden auch den Internet-Auftritt des Grandhotels in ein edles Gewand. Schwarz-Weiß-Fotos schöner Menschen wechseln auf der Startseite vor großformatigen goldenen Buchstaben – »Ihre Bühne« steht da. Und: »Unser Schloss adelt seine Besucher, denn hier wohnen Könige!« Selbstinszenierung ist definitiv ein Thema. Überaus selbstbewusst sind die Texte formuliert – zum Glück wohltuend kurz, in Anbetracht der Fülle an Informationen. Aber alles ist übersichtlich und anschaulich aufbereitet, sodass wer will Stunden auf den Seiten verbringen kann. Und wer noch nicht gebucht hat, erhält reichlich Anreize: kulturelle (U2 in der Lanxess Arena mit Shuttleservice und VIP-Tickets), motorsportliche (»BMW-
Feeling«) und natürlich kulinarische (»Food Lovers – 3 Übernachtungen, 3 Restaurants«). Selbstredend ist es ein Gerücht, dass »Erleben Sie Detox – 3 Nächte mit Entschlackung und Neubelebung« als Folgearrangement zum vorher genannten empfohlen wird.
Wertung: sehr gut
Lage
Bergisch Gladbach ist nicht die Welt – aber man kann von hier aus gut auf sie draufschauen, jedenfalls vom höchsten Punkt des Ortsteils Bensberg aus. Das fand wohl auch Kurfürst Johann Wilhelm II., der Anfang des 18. Jahrhunderts hier seiner zweiten Frau Maria-Luisa eine »Maison de Retraite« erbauen ließ. Als architektonische Vorbilder dienten das Schloss von Versailles und Winchester Castle, weshalb es nicht verwunderte, dass das Bauwerk in Teilen noch unvollendet war, als »Jan Wellem« nach 13 Jahren Bauzeit starb. Die Gattin kehrte lieber in ihre Heimat Italien zurück statt Bergisch-Gladbacherin zu werden. Und so diente das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte als Lazarett, Kadettenhaus und Internat, bis es 1997 die Aachener & Münchener Lebensversicherung AG kaufte und mit einer Investition von 75 Millionen Euro zu einem Grandhotel der Luxusklasse umbauen ließ. Heute wissen die Gäste neben dem schönen Rundumblick und den Angeboten des Hotels vor allem die Nähe zu Köln (Messe, Hauptbahnhof und Zentrum etwa 17 km) zu schätzen. Wer darüber hinaus entdeckungslustig ist, findet auf der Website »Hundert Orte rund um Schloss Bensberg, die man gesehen haben sollte.«
Wertung: sehr gut
KARFREITAG, 30/03 13:40
Anreise / Check-in
Was hatten es die Kutschpferde früher doch schwer. Steil und schnurstracks geradeaus nach oben führt noch heute ein holpriges Kopfsteinsträßchen in Richtung Schloss. Dramaturgisch wertvoll: der kurze Zwangsstopp an der Querstraße direkt vorm Schlossgelände, denn zwischen hohen Mauern eröffnet sich von hier aus ein erster Blick auf das Palais – majestätisch, prachtvoll, ehrfurchtgebietend. Wahrlich eine Bühne, denke ich. Vor dem Portal herrscht reges Treiben. BMW-Nobelkarossen mit Hotellogo parken links und rechts davon, Luxusautos bevorzugt deutscher und britischer Herkunft fahren vor. Wir reihen uns ein und werden vom Portier jovial unters Vordach gewunken. Routiniert öffnet er die Beifahrertür, heißt herzlich willkommen, erkundigt sich nach der Anreise. Das Gepäck wird ausgeladen, der Wagen geparkt. Der Portier wartet, bis wir eingecheckt haben – diesen Vorgang übernimmt Carina Jung kompetent, souverän und mit einem herzlichen Lächeln – und begleitet uns zum Zimmer. Auf dem langen und verwinkelten Weg dorthin erfahren wir, wo Restaurants und Spa liegen, wann diese geöffnet haben und wie wir hinkommen. Auch in die Gegebenheiten des Zimmers weist der beflissene Portier uns ein, bevor er sich mit den Wünschen für ein schönes Osterfest und angenehme Tage verabschiedet.
Wertung: sehr gut
Zimmer 203
Man hat uns wohl ein Upgrade gegönnt. Feststellbar an der Größe des Zimmers (geschätzte 32 Quadratmeter anstatt der 20 Quadratmeter eines »Grand Lit«-Zimmers) und an seiner Ausstattung mit einem Doppelbett. Die Tatsache, dass dieses aus zwei einzelnen Boxspringbetten besteht, mag nützlich sein, wenn seine Benutzer gern hübsch getrennt voneinander schlafen. Kommen sic
h hingegen zwei darin näher, rutschen die Betten auseinander und unweigerlich landet einer im »Gräbele«. Vor nicht allzu langer Zeit neu designt, strahlt das Zimmer zeitlose Eleganz und Klasse aus. Stilvolle Möbel und edle Hölzer, glänzende Stoffe, hochwertiger Teppich, ein zurückhaltender Schlammton als dominierende Grundfarbe und Akzente in Eisblau – so passt der Einrichtungsstil gut zum Gesamtkonzept des Grandhotels. Signierte Drucke mit Motiven von Markus Lüpertz tragen ein Übriges dazu bei. Doch was hat man sich nur bei diesem Beleuchtungssystem gedacht? Im Flur neben der Eingangstür befindet sich ein Hauptschalter und sonst – nichts. Die gesamte Beleuchtung wird vom Bett aus gesteuert: Auf beiden Nachttischen befinden sich schwere, an einem Kabel hängende Messingkästen mit vier beschrifteten Knöpfen zum An- und Ausschalten der Lampen. Wer im Dunkeln ankommt, muss vermutlich erst einmal das Licht im Bad anmachen – dafür gibt es einen Schalter – und sich dann bis zum Bett vorarbeiten. Das ist wahrlich keine ideale Lösung. Schön ist hingegen die noble Höhe der Räume, wenngleich diese zur Folge hat, dass die oberen Abteile des bis zur Decke reichenden Einbauschrankes unbenutzbar sind. Das macht jedoch insofern nichts, als reichlich Stauraum vorhanden ist, wohlbestückt mit wertigen Bügeln, Safe und sonstigen nützlichen Utensilien wie Schirm, Wolldecken, Schuhputzkorb, Nähzeug und Gästewäschebeutel. Ungewöhnlich: der Aushang im Schrank, der auf die Möglichkeit eines Abend-Make-ups (55 Euro), eines Nagellack-Fresh-ups (30 Euro) und eines Flughafentransfers hinweist. Ein gedrucktes Gäste-A-bis-Z sucht man dagegen ebenso vergebens wie eines der aktuell so beliebten Suite-Pads. Wer Informationen oder die Roomservicekarte sucht, muss erst einen im Hotel-TV versteckten QR-Code scannen, um dann auf dem eigenen Smartphone oder Tablet nach dem Gewünschten zu scrollen. So lässt sich zwar von Seiten des Hotels Wichtiges schnell und leicht aktualisieren, aber ob man dem Gast mit dieser umständlichen und nutzerunfreundlichen Handhabung einen Gefallen tut? Der großformatige TV-Screen hängt über dem Schreibtisch, gut getarnt im gleichen schweren Holzrahmen wie die Bilder. Leider hängt er schief, was bei eingeschaltetem TV irritiert. Wer nicht vom Bett aus fernsehen will, muss sich die beiden Sessel aus der Ecke irgendwie zurechtrücken. Ansonsten ist das Zimmer mit drei Telefonen – eines davon im Bad – und einer Leysieffer-Espresso-Maschine ausgestattet. Es gibt Notizblöckchen, Briefpapier und Stifte, TV-Programm und Kanalbelegungsinfo, zwei Hochglanz-Hotelmagazine und ein Buch der Leading Hotels Kooperation. Die Getränke der Minibar sind im Zimmerpreis inkludiert und beschränken sich auf Bier, Cola, Wasser und Saft. Auch der Obstteller bei Anreise wirkt mit zwei kleinen Äpfeln und einer Kiwi etwas dürftig. Dafür wartet als Osterüberraschung ein Biskuit-Osterlamm im Körbchen, begleitet von vier Schokoladeneiern. Teller, Besteck und Stoffservietten dazu wirken stilvoll – im Gegensatz zum schlichten Flaschenöffner mit Werbeaufdruck. Sämtliche Gläser könnten besser poliert sein, wie auch das hohe Fenster zum Schlosshof einmal wieder geputzt werden sollte. Ansonsten erscheint das Zimmer sauber, nicht einmal auf den Bilderrahmen findet sich Staub. Erst die Überprüfung des Bettes versetzt den Tester kurzfristig in Schockstarre und korrigiert das Bewertungsergebnis drastisch nach unten: Bis auf das separat bestellte Nackenkissen sind sämtliche (!) Kissen- und Bettdecken-Inletts übersät mit unappetitlichen, gelblichen Schweißrändern.
Wertung: befriedigend
Bad
Wer die Tür zum Bad öffnet, sieht rosa: rosa Marmor vom Boden bis zur Decke, vom Waschtisch bis zur Badewannenumrandung. Mit Doppelwaschtisch, Duschbadewanne, Bicolor-Armaturen und separatem WC plus Bidet war dieses Bad bei der Eröffnung des Hotels im Jahr 2000 sicher State of the Art – heute wünscht man sich im Luxushotel jedoch eher eine bodentiefe Dusche mit Regenbrause, einen beleuchteten Kosmetikspiegel und Fußbodenheizung. Dass das Bad nicht mehr taufrisch ist, zeigen auch die Fugen, die sich farblich teilweise dem Marmor angepasst, an den Scharnieren der Duschtrennwand sogar noch üblere Verfärbungen angenommen haben. Bestenfalls hautschmeichelnd lässt sich die Beleuchtung nennen, die Schminken und Rasieren erschwert. Und die gute alte Analogwaage hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Der Lautsprecher im Bad ist ohne Funktion, das Wasser im linken Waschbecken läuft schwer ab, die Dusche hält die Temperatur nicht – man läuft beim Duschen fast Gefahr sich zu verbrühen. Für Wertigkeit sorgen großformatige Badetücher mit Logo-Einwebung, komfortable Bademäntel in M und XL, hübsche lederbezogene Kästchen für Kleenex und Guest Supplies und letztlich ebendiese, welche von der traditionsreichen Londoner Firma Penhaligons stammen. Schön wäre es, dem Gast auch einen Badezusatz anzubieten, wenn dieser schon die Möglichkeit hat, ein Bad zu nehmen. Und auch ein zweiter Vorleger wäre angenehm, für den kalten Boden vor dem WC. Bis auf ein klein wenig Staub auf dem Handtuchheizkörper und den etwas mitgenommenen Toilettenbürstenhalter ist das Bad sauber.
Wertung: befriedigend
14:41
Housekeeping – Wäscheservice
»Frau Bergner« steht auf dem Display, als ich den Knopf fürs Housekeeping drücke, und Frau Bergner ist auch am Apparat. Die leitende Hausdame schickt sofort und »selbstverständlich« gleich jemanden vorbei, um ein zu bügelndes Kleidungsstück abzuholen. Der Pullover, den ich noch dazu in den Wäschebeutel packe, kann »selbstverständlich« auch gewaschen werden, bescheinigt mir das junge Mädchen strahlend, das sieben Minuten später den Klingelknopf zu meiner Tür betätigt. Mit ihrem blonden Pferdeschwanz und dem knapp knielangen weißen Kittel über schwarzen Hosen erinnert sie an einen Malerlehrling. Wie lange es mit der Wäsche dauern wird, sagt sie mir nicht. Doch als wir spät am Abend ins Zimmer kommen, hängen die beiden Sachen ordentlich behandelt unter Zellophan an der Schranktür. Das Bügeln der Bluse ist teurer (6 Euro) als den Pullover zu waschen (5,50 Euro).
Wertung: sehr gut
15:00
Lobby Bar
Die Schilder, die besagen, dass das Hotel heute aufgrund einer exklusiven Veranstaltung geschlossen ist, kommen zu spät. Als die Rezeptionistin sie vor der Drehtür des Eingangs platziert, ist die Lobby Bar bereits komplett überfüllt. Sie ist ein Hotspot für Einheimische an Feiertagen. So finden meine Begleitung und ich nur noch ein schmales Bänkchen vor der Bar in der Lobby, direkt gegenüber des etwas zugigen Hoteleingangs. Ein Mitarbeiter in schlechtsitzendem schwarzen Anzug ignoriert uns ebenso geflissentlich wie dauerhaft, erst seine nette Kollegin erbarmt sich schließlich unser. 19,50 Euro kostet das Glas Bruno Paillard Rosé – die günstigste Schampus-Offerte, wohlgemerkt. Dabei ist das Glas nicht einmal ordentlich poliert. Doch sei es drum. Wir genießen das Getränk und beobachten derweil amüsiert das bunte Spektakel, das sich uns bietet. Laufend kommen neue Gäste an, darunter viele Familien mit Kindern und/oder Hunden, es geht laut und lebhaft zu. Mittendrin im Getümmel General Manager Kurt Wagner, im gutsitzenden schmalen Anzug und mit schickem Einstecktüchlein. Er begrüßt hier und parliert da, scherzt und lacht immer wieder laut und herzlich. Der Mann scheint ganz in seinem Element. Auch wir werden von ihm freundlich willkommen geheißen.
Wertung: noch gut
Spa
2019 soll das »4 Elements Spa« für einige Zeit geschlossen und komplett umgebaut werden. Das erzählt mir Spa-Leiterin Elisabeth Düren. Und das ist auch höchste Eisenbahn. Denn dieser Wellnessbereich ist, zumindest nach aktuellen Erkenntnissen, fehlkonzipiert. An den Feiertagen platzt der Poolbereich aus allen Nähten,
denn hier stehen die einzigen Liegen – es gibt in diesem Spa keine separate Ruhezone. Alle 23 Liegen sind besetzt, weitere werden aus dem kleinen Außenbereich hereingeholt und dazugestellt, zahlreiche Kinder planschen im Wasser, besetzen beseelt den Whirlpool, rennen fröhlich durch die Sauna, es ist voll, es ist warm, es ist laut. Kurz: Es hat mit Wellness nichts mehr zu tun. Dabei ist der durchaus attraktive Indoorpool noch am besten in Schuss. Der Saunabereich hingegen zeigt sich in die Jahre gekommen: abgeplatzte Mosaiksteinchen, ausgebesserter Fliesenboden, aufgeweichtes Holz an den Saunatüren, Kalk am Tauchbecken, Grünspan an den Armaturen, Sporen in den Fugen. Im Dampfbad ist der Fühler herausgerissen und wo der Emergency-Knopf sein sollte, gähnt ein Loch. Neben dem Instandhaltungs- gibt es jedoch auch ein Reinigungsdefizit: Die Scheiben der Saunatüren sind nach dem morgendlichen Putzen noch immer voller Schlieren und unter den Saunabänken hat sich der Schmutz von Monaten angesammelt.
Wertung: mangelhaft
Fitnessraum
Ob man hier aus der Not eine Tugend gemacht hat, lässt sich bezweifeln. Mangels direktem Zugang zu Tageslicht und Frischluft gibt eine Glasfrontim Fitness-
raum den Blick zum Indoor Pool frei, sodass umgekehrt die dort Badenden und Relaxenden auch den Schwitzenden zuschauen können – was sicher nicht jeder Trainierende als angenehm empfinden wird. Ein Umzug des Fitnessraumes im Zuge der Neugestaltung des Spa-Bereiches wäre wünschenswert. Positiv zu nennen ist allerdings die gute Ausstattung mit sechs Ergometern, einer Hantelbank und einer hochwertigen Kinesis-Station von Technogym. Wasser, Handtücher und Reinigungsspray sind ebenfalls vorhanden.
Wertung: gut
Message-Transfer
Während ich sauniere, nimmt Empfangsleiterin Sabine Evers einen wichtigen Anruf für mich entgegen. Unsere Zimmernummer gibt sie dem Anrufer trotz dessen Drängelns nicht preis. Die Nachricht mit der Bitte um Rückruf wurde als handgeschriebenes Kärtchen unter der Zimmertür durchgeschoben. Wir finden es, als wir aus dem Spa zurückkehren. Die Uhrzeit des Anrufs fehlt allerdings.
Wertung: noch sehr gut
18:30
Housekeeping – Turndownservice
Um halb sieben klingelt es an der Zimmertür. Zwei junge Frauen in den merkwürdig anmutenden, aber hier anscheinend im Housekeeping obligatorischen weißen Kitteln stehen vor der Tür und fragen höflich, ob sie das Zimmer für die Nacht vorbereiten dürfen. Sie dürfen, aber bitte später. Die Damen halten sich daran und erledigen ihre Aufgabe – von dem etwas lieblos gemachten Bett einmal abgesehen – ordentlich. Die Vorhänge sind zugezogen, vor dem Bett liegen Vorleger, auf dem Nachttisch Betthupferl, Tagesdecke und Kissen sind verstaut, das Geschirr gespült und die Kaffeekapseln aufgefüllt. Im Bad wurden die Waschbecken ausgewischt und die benutzten Handtücher ausgetauscht. Anzuregen wäre,noch ein Licht einzuschalten.
Wertung: sehr gut
19:10
Restaurant »Vendôme«
Joachim Wissler proudly presents …? Nein, das Abendessen in einem der besten, wenn nicht gar dem besten Restaurant Deutschlands ist weniger große Show als vielmehr feines, kleines Kammerspiel. In herausragender Besetzung, versteht sich, mit exquisit verarbeitetem Stoff und einer nahezu bis ins Letzte ausgefeilten Inszenierung. Die Bühne: ein dezent beleuchteter, schlicht-edel gestalteter Raum in Schwarz-Beige-Gold-Tönen, mit dickem Teppichboden und großformatigen, hinterleuchteten Drucken skulpturaler Motive vom Pariser Place Vendôme. Keine Musik. Die Tische: leer bis auf die Tischdecke, die schmal gerollten Stoffservietten, ein Teelicht und eine Calla-Blüte in einer Vase. Das feine Besteck wird erst zu den Gängen eingedeckt und dazu einer im Beistelltisch integrierten Schublade entnommen. Die Darsteller: neun auf der Bühne, mit klar verteilten Rollen vom beratenden Hauptdarsteller bis zum Tablett tragenden Statisten. Der Regisseur: mit seinem Team in der angrenzenden Küche, in die der Gast vom Vorflur aus einen Blick durch die Panoramascheibe werfen kann. Er sieht: ruhiges Agieren, Hand in Hand, Perfektion bis ins Detail, scheinbar selbstverständlich und doch ganz sicher lange einstudiert. Tolles Handwerk, große Kunst. Schön anzusehen. Viel schöner als – und damit wechseln wir zum ersten Akt der Vorstellung – ein leerer Tisch, auf dem sich nur zwei Wassergläser befinden. Wie der unsere. Meine Begleitung und ich haben einen Fehler begangen, als wir den Aperitif schon vorab an der Bar nahmen. Fast alle anderen »Vendôme«-Gäste nippen während ihres Menüstudiums am Champagner, wir nur am Wasser. Was ja nicht schlimm wäre, würde dieser Zustand nicht so lange andauern. Eine Dreiviertelstunde braucht es ab dem Wasser-Service, bis die ersten Amuse Gueules an unseren Tisch kommen – die guten Dinge wollen eine lange Weile haben und werden streng der Reihe nach und tischweise zelebriert. Aus den zehn Gängen des Frühlingsmenüs haben wir die kleinste Folge mit fünf Gängen zu 205 Euro gewählt. Acht Gänge kosten 245 Euro, zehn Gänge 280 Euro, À-la-carte-Optionen gibt es keine. Zu unseren fünf Gängen gönnen wir uns die passende Weinbegleitung. Doch auch mit dieser dauert es, weshalb unser einziger Kritikpunkt an der Inszenierung des Abends hier ansetzt: Liebes Service-Team dieses so hervorragenden Restaurants, lasst eure Gäste niemals so lange bei einem Glas Wasser sitzen! Auch wenn ihr jeden genommenen Schluck sofort wieder auffüllt. Nur ihr wisst, wie lange es ungefähr dauern wird mit den Gaumenschmeichlern und dem ersten Gang, nur ihr wisst, dass Brot erst zu diesem ersten Gang gereicht wird – deshalb: Fragt noch einmal nach. Oder fangt in einem solchen Fall doch einfach mit dem ersten Wein schon etwas früher an. Bei einem Preis von 110 Euro für die fünfgängige Weinbegleitung – in der Regel 0,1 Liter pro Gang, hier und da wird ein Schlückchen nachgeschenkt – sollte das doch allemal drin sein, nicht wahr? So. Damit aber auch genug. Denn gerne widmen wir uns nun dem Schauspiel in acht Akten, nimmt man den zweigängigen »Auftakt« und den »Süßen Abschluss« hinzu. Ein erstklassiges Schauspiel, das von »Wagyu Beef Jerky & Gazpacho Marshmellow, Räucheraal & dehydrierter Okraschote, Salzwassergarnele & Chorizocreme, Thunfisch in Salzpflaumenvinaigrette & Chili Aioli« eingeleitet wird. Das – in meinem Fall – mit einer Lechtal Seeforelle mit schwarzer Sesamvinaigrette, Glücksrübchensalat und Saiblingskaviar fortgeführt wird, dann eine Langustine mit Süßkartoffel, Karotten-Ingweremulsion, Masala-Tandoori und Kernöl beinhaltet, und schließlich über die Felsenrotbarbe mit Kokos-Rahmerbsen, einer Gillardeau-Auster mit Sojasauce und Mumbai-Currynage zum Hauptgang führt: dem Mieral Perlhuhn mit Bergamotte, grünem Spargel, Pak Choi und »Rillettes im Hühnerstall«. Dem Himbeer-Rhabarber-Kompott mit Kartoffel-Rahmeis und Razel-Hanout-Schokoladengranité folgen schließlich noch ein kleiner Liebesapfel, ein Popcorn-Schokoladen-Macaron, ein Vanille-Blaubeer-Magnum und etwas Mandel-Luftschokolade. Jeder Gang wird bis ins Kleinste annonciert und beschrieben, andächtig hört man zu und vergisst sofort wieder, bestaunt das Wunderwerk auf dem Teller und macht sich dann darüber her, Arömchen für Arömchen genießend, fast überfordert von der Überflutung mit Gaumenreizen jeglicher Art. Dazu die Weine, köstlich, speziell, herausfordernd und sorgsam abgestimmt auf die Speisen, sie unterstützend oder bewusst kontrastierend. Die Aufführung gelingt spektakulär, ganz ohne Zweifel, und es macht Freude, die Akteure dabei zu beobachten. Sie sind gut aufeinander eingespielt und trotz ihres betont nonchalanten Auftretens definitiv stolz ob ihrer Aufgabe. Mit jedem Gang und jedem Wein steigen Stimmung und Geräuschpegel im Raum und auch die Servicecrew entspannt sich spürbar. Nach vi
er Stunden verabschieden wir uns aus diesem Theater – um eine Summe ärmer (mit Trinkgeld 700 Euro), die dort, wo das Gewissen sitzt, ein rotes Lichtchen blinken lässt. Aber auch um eine lustvolle, genussvolle und besondere Erfahrung reicher.
Wertung: ausgezeichnet
Schuhputzservice
Die Frage ist: Will ich meine Schuhe geputzt oder poliert haben? Die zweite Frage: Worin genau besteht der Unterschied? Und eine letzte: Wie teile ich meine Wünsche den nächtlichen Schuhputz-Heinzelmännchen mit? All diese Fragen beantwortet die Gästeinformation nicht. Doch sie unterscheidet zwischen Schuhputzservice und Schuhpolierservice. In beiden Fällen soll der Gast seine Schuhe in dem dafür vorgesehenen Korb bis 2 Uhr vor die Zimmertür stellen. Während das Polieren kostenlos ist, wird das Putzen mit 8 Euro pro Paar berechnet. Doch auch das Formular im Schuhputzkorb bietet keine Wahl- oder Ankreuzmöglichkeit. Putzen oder Polieren? Ich stelle in der ersten Nacht ein paar leicht staubige Glattlederstiefel vor die Tür, die am nächsten Tag sauber und ordentlich retourniert werden. Bei den Wanderstiefeln hingegen, die beim Ostermarsch ziemlich gelitten haben, hängt der Schmutz noch in Klumpen zwischen Absatz und Sohle. Berechnet wird in beiden Fällen nichts.
Wertung: befriedigend
OSTERSAMSTAG, 31/03, 10:08
Zimmerfrühstück
In nächtlichem Überschwang habe ich nahezu alles angekreuzt, was die Frühstückskarte hergibt. Jetzt birst der Servierwagen, den eine übers ganze Gesicht strahlende Mitarbeiterin kurz vor der angegebenen Zeit (10.15 bis 10.30 Uhr) ins Zimmer schiebt, fast vor Leckereien. Die fröhliche junge Frau platziert den Wagen so, dass die beiden Lederbänkchen vorm Bett als Sitzgelegenheiten dienen können. Sie klappt die Seitenteile hoch und rückt dann alles so zurecht, dass es schön und appetitlich aussieht. »Die Spiegeleier finden Sie im Warmhalteschrank unter der Tischplatte« informiert sie uns, bevor sie sich den Beleg abzeichnen lässt. Nur 5 Euro Service-Aufschlag müssen wir für dieses grandiose Zimmerfrühstück bezahlen: Es gibt Spiegeleier mit Bauchspeck, eine gut sortierte Wurst- und Käseauswahl, ein ebenso gut sortiertes Brötchensortiment, ausreichend Butter, außerdem Margarine, frisch gepressten Orangensaft, Kombucha und Sekt, Milchkaffee und Filterkaffee mit heißer Milch, Müsli mit Früchten und frischen Obstsalat, Actimel, Marmelade, Nuss-Nougat-Creme und Honig. Als wäre das nicht genug, hat die Küche noch ein Tellerchen mit Krapfen und Muffins dazugestellt. Eine schön aufgeblühte Rose in einer Silbervase fehlt ebenso wenig wie Pfeffer und Salz, Ketchup und Mayonnaise und ein Abräumhinweis. Alles ist superfrisch und superlecker. Nur eines der Marmeladengläschen ist leer. Sonst wäre es ja auch zu perfekt gewesen. Nach dieser Schlemmerorgie räumen wir die Reste zusammen, schieben den Wagen auf den Flur und bitten telefonisch um Abholung. Er steht allerdings noch an Ort und Stelle, als wir um 14 Uhr zur Osterwanderung aufbrechen.
Wertung: sehr gut
Osterwanderung
Der Osterhase meint es am Mittag gut mit den Grandhotel-Gästen und schickt Sonnenschein. Kurz nach 14 Uhr startet eine rund 20 Mann starke Truppe samt Kurt Wagner vom Schloss aus zur Osterwanderung. Der General Manager hat seinen Anzug gegen Jeans, Daunenjacke und Stiefel getauscht und ist bester Laune. Auf dem Weg durch den nahen Wald verliert »GM Osterhase« hier und da ein buntes Ei, nur um gleich darauf unter lautem Getöse die mitlaufenden Kinder darauf aufmerksam zu machen. Diese sind begeistert und ihre Eltern natürlich auch. Eine Dreiviertelstunde dauert der Marsch bei frühlingshaften Temperaturen, bis wir eine Wanderhütte am Waldrand erreichen. Dort hat Bankettmanagerin Andrea Kuttenkeuler, von ihrem Chef liebevoll »Kutti« genannt, ein veritables Picknick aufgebaut – mit Kölsch-Fässchen, antialkoholischen Getränken, Mettbrötchen, Frikadellen und »Halve Hahn«, dem kölschen Käsebrötchen. Auch Kuchen, Schokoladen-
eier und Gummibärchen sind im Angebot. Allen schmeckt es. Und als das Fässchen leer ist, kriegt wer will noch ein gekühltes Fläschen für den Heimweg mit.
Wertung: sehr gut
Housekeeping – Remake
Es ist Ostern und das Haus ist voll. Die freundliche Zimmerfrau, die schon um 8.30 Uhr zum ersten Mal an die Tür klopfte – wir vergaßen das DND-Schild nach draußen zu hängen – hat sicherlich sehr viel zu tun. Und da bleibt neben den ganz offensichtlich erledigten Aufgaben wie Bettenmachen und Waschbeckenputzen doch einiges nicht gemacht. Teppichbodensaugen beispielsweise, Kleidung zusammenlegen und Möbeloberflächen abwischen.
Wertung: befriedigend
Öffentliche Bereiche
330 Schritte zähle ich von unserem Zimmer im linken Flügel des Schlosses bis zum Eingang des Spa-Bereichs im gegenüberliegenden Trakt. Das vermittelt einen Eindruck von der Weitläufigkeit des Gebäudes. Und von der immensen Aufgabe, dieses sauber zu halten. Kilometer von Flurteppichböden, etliche holzgetäfelte Aufzüge, riesige Treppenhäuser, verglaste Tordurchgänge, fein möblierte Salons und überall Kunst: Gemälde, Skulpturen, Putten … Das alles wirkt wirklich außerordentlich gut gepflegt, und über ein paar Krümel auf den Flurböden und ein bisschen Staub auf den Steinstufen eines Treppenhauses lässt sich großzügig hinwegsehen. Auch die öffentlichen Toiletten werden regelmäßig gecheckt. Man fragt sich allerdings, warum gleich drei von sechs Kabinen in einer Toilette mit »Defekt« gekennzeichnet sind.
Wertung: noch sehr gut
Sicherheit
Alle brandschutztechnischen Vorgaben werden erfüllt, alle überprüften Fluchtwege sind frei, die sich anschließenden Fluchttüren nach außen unverschlossen. Die Rezeptionistin handelt korrekt, als sie dem Anrufer meine Zimmernummer nicht nennt. Housekeepinglisten kann ich einsehen, doch tragen sie keine Gästenamen. Zwar können externe Besucher problemlos in die Zimmerflure gelangen, doch ob man ihnen in blindem Vertrauen ein Zimmer aufschließen würde, kann ich bei diesem Test nicht prüfen – die Zimmerfrau hat uns beim Verlassen des Zimmers gesehen und kann uns diesem zuordnen. Kritisch erscheint, dass das Signal des in zwei Saunen gedrückten Notrufknopfes (Finnischer und Damensauna) offenbar nirgendwo gehört wird. Es ist purer Zufall, dass die Spa-Managerin mich am Morgen um 8.45 Uhr im Saunabereich »rettet« – sie überprüft dort eine Dusche, die nach Gästeaussage nicht funktioniert. Doch scheint die Mitarbeiterin nicht in Erster Hilfe geschult zu sein – statt den Kopf tief und die Füße hoch zu lagern, macht sie es umgekehrt. Immerhin bringt sie mir Wasser und schaut nach einigen Minuten noch einmal nach mir.
Wertung: befriedigend
Front Office / Concierge
Stets wird man am Front-Office-Desk mit einem Lächeln empfangen und egal, was das Begehr auch ist – die nächste Apotheke, Shoppingmöglichkeiten, ein härteres Kissen oder Informationen zur Geschichte des Schlosses – stets wird man bestens, freundlich und herzlich bedient.
Wertung: sehr gut
16:30
Spa-Treatment
Mit acht Räumen ist der Behandlungsbereich großzügig konzipiert. Doch obwohl auch externe Gäste willkommen sind, scheint er nicht ausgelastet zu sein. Nur von Donnerstag bis Montag lassen sich Treatments buchen. Und an Ostern ist kurzfristig nicht mal das propagierte Nagellack-Fresh-up zu kriegen. »Ich habe nur eine Kosmetikerin hier«, bedauert Elisabeth Düren. Sie ist eine gute Gastgeberin, aber ganz offenbar selbst nicht vom Fach. Ganz im Gegensatz zu meinem Masseur, der aus La Réunion stammt und über ein ungeheuer sympathisches Lächeln verfügt. Der Physiot
herapeut nimmt mich mit in eine etwas abseits gelegene, zwar kleine und tageslichtlose, aber wenigstens nahezu ruhige (das Krakeele aus dem Schwimmbad ist nur noch gedämpft zu hören) Kabine und versetzt mich mithilfe seiner wunderbaren Hände in mandarinenduftende Tiefenentspannung.
Wertung: ausgezeichnet
18:05
»Trattoria Enoteca«
Zwischen Cucina Casalinga und Cucina Creativa können die Gäste der »Trattoria Enoteca« wählen. Das heißt, neben einer kräftigen italienischen Landhausküche gibt es auch eine moderne Interpretation südländischer Kochkunst. Das Ambiente des Lokals stimmt so oder so: Mit blanken Holztischen auf dunklen Dielen, roten Wänden und weinbepackten Regalen ist es urgemütlich in der Gaststube, in der man übrigens alle Weine der Karte käuflich erwerben und mit nachhause nehmen kann. Am Ostersamstag ist die Trattoria proppenvoll, auch und vor allem mit externen Gästen, sodass ich ein paar Tage vor Anreise nur noch einen Tisch für die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr ergattern kann. So brauchen meine Begleitung und ich aber auch kein ganz so schlechtes Gewissen zu haben, dass wir nach dem höchst opulenten Frühstück am späten Morgen sowie etlichen Mettbrötchen am Nachmittag jetzt noch keinen rechten Appetit haben. Bedauerlicherweise, denn die Speisekarte klingt äußerst einladend. Und was wir dann zu uns nehmen, schmeckt auch hervorragend: Nach Ciabatta und Grissini mit Thunfisch- und Tomaten-Ricotta-Aufstrich, italienischer Salami und Schinken als Gruß aus der Küche erfreuen wir uns an einem Rucola-Salat mit Balsamico-Vinaigrette, gerösteten Pinienkernen, Parmigiano Reggiano und fünf gebratenen Wildfang-Rotgarnelen sowie – besonders köstlich – einem »Brasato di manzo con bietola e sedano«. Dabei handelt es sich um einen 60 Stunden sanft gegarten Rinderschaufelbug mit Mangold, Staudensellerie, Trauben und Gnocchi. Dass das Tiramisu, welches wir uns zum Abschluss teilen, nur guter Durchschnitt ist, fällt da nicht allzu sehr ins Gewicht. Der Service ist nett und kompetent, der Prosecco spritzig und kalt, der Lugano schön trocken und der Primitivo wie gewünscht nicht zu heftig, sodass wir um 19.50 Uhr höchstzufrieden unseren Tisch freigeben. Mit doch immerhin rund hundert Euro auf dem Zettel.
Wertung: sehr gut
21:50
»Salvador Dalí Bar«
»Don’t call it Buttermilk« heißt der Cocktail, mit dem sich Paul Thompson den Meistertitel der Deutschen-Barkeeper Union ermixt hat. Wir lernen den neuen Barchef der »Salvador Dalí Bar« jedoch nicht kennen, da er seine Künste am Ostersamstagabend woanders vorführt: Im Restaurant »Jan Wellem« – dem Frühstücksraum des Hotels – findet ein Dine, Drink & Dance Event im Streetfood Style statt. Das hätte uns auch interessiert, aber man kann ja nicht alles machen. Die Bar haben wir schon zu einem Aperitif und einem Digestif besucht und uns darin sehr wohlgefühlt. Der zweigeteilte Raum im Seitenflügel des Schlosses ist gleichermaßen elegant wie behaglich gestylt, mit Polstermöbeln in trendigem Grün und Violett, viel Pannesamt und Leder, angenehm gedimmter Beleuchtung und Dalís Illustrationen zu Dantes »Göttlicher Komödie« an den Wänden. Musik gibt’s gut ausgewählt vom Band und zu späterer Stunde auch live, bei unserem Besuch vom Piano. Statt einer Barkarte wird mir ein iPad überreicht, dessen Handhabung einmal mehr wenig benutzerfreundlich ist. »Warum gibt es denn keine Signature-Cocktails auf der Karte, wenn Sie hier einen so guten Barkeeper haben?« frage ich bewusst provokant die junge Frau in Schwarz, die uns bedient. »Kein Problem, wir mixen Ihnen was«, antwortet diese, und auch Barkeeper Kai Rosenfeld scheint sich herausgefordert zu fühlen. Er misst, schüttelt und mixt und bringt mir höchstpersönlich das Getränk an den Tisch, das er auf meine Vorgabe »herb und frisch« hin gezaubert hat. Hellgrün schimmert die Flüssigkeit im klassischen Cocktailglas und sie schäumt. »Eiweiß, Limettensaft, Gin, hausgemachter Korianderlikör und Sherry«, zählt Kai Rosenfeld auf. »Und Sie dürfen jetzt einen Namen dafür erfinden«, sagt der sympathische Barkeeper lächelnd und freut sich ob unseres Staunens, dass er diesen Cocktail mal eben so erfunden hat. Ein Träumchen, das Schäumchen, stelle ich beim Probieren fest – und nenne es »Green Bunny«.
Wertung: sehr gut
Osterfeuer
Schade. Der Regen lässt das im Schlosshof angesetzte Osterfeuer buchstäblich ins Wasser fallen. Zwar haben sich ein paar Unbeirrte eingefunden, um ein vom stellvertretenden Hoteldirektor Dominic Aldrup und Bankettmanagerin Andrea Kuttenkeuler gereichtes Kölsch – alternativ einen Eierlikör oder einen Zwetschgenschnaps – zu sich zu nehmen, welche diese unter einem schnell aufgebauten Baldachin bereithalten. Doch es ist einfach zu kalt, nass, windig und ungemütlich, um sich länger draußen aufzuhalten. Und die tolle Illumination der Schlossfassade per Beamer, ein USP des Hotels auch bei Hochzeiten und Firmenfeiern, musste leider auch schon abgebrochen werden. Wirklich schade um die Mühe, die sich die Verantwortlichen gemacht haben.
OSTERSONNTAG, 01/04, 8:00
Weckruf
»Johannes K. hier, schönen guten Morgen, Herr/Frau XY. Es ist acht Uhr – Ihr Weckruf. Soll ich Sie in ein paar Minuten noch einmal anrufen? Nein? Dann dürfen wir Ihnen vielleicht schon einen Kaffee oder Tee bringen? Gerne! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Ostersonntag!« Perfekter kann ein Weckruf nicht sein. Und der Kaffee kommt nach zehn Minuten.
Wertung: ausgezeichnet
10:00
Frühstücksbuffet
Das Frühstück am Vortag im Zimmer einzunehmen, war eine gute Idee. Am Ostersonntag um 10 Uhr – Frühstück gibt es grundsätzlich bis 11 Uhr – ist es im Restaurant »Jan Wellem« einfach nur voll. Brechend voll. Erstaunlich, dass die Mitarbeiter dennoch die Nerven und den Überblick behalten. Sie begrüßen die Gäste, verteilen sie auf Räume und Tische, bringen Heißgetränke und nehmen Wünsche entgegen. »Oh no, I wanted juice«, mault ein Gast, der ebenso muffelig »Do you have grapefruit?« geordert hat und dem eine hübsch dekorierte Pampelmusenhälfte serviert wurde. Frau Gauthier bleibt freundlich. Die großen, hohen Räume kommen an diesem Morgen über Speisesaalatmosphäre nicht hinaus, es ist ziemlich laut, viele Kinder wuseln umher. Doch wie dem auch sei: Das im Vorflur an langen Tischen und Buffets aufgebaute Frühstück ist vielseitig, umfassend und von sehr guter Produktqualität. Eine Frühstückskarte am Tisch gibt Auskunft über alles, was zu haben und zusätzlich zu bestellen ist. 32 Euro kostet das Schlossbuffet, wenn es separat berechnet wird, für 7,50 Euro gibt es zusätzlich Bergische Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne, 17,50 Euro kosten die Eier Benedict. Veganer können sich ohne Aufpreis eine Etagere mit veganen Produkten bestellen, müssen aber mit 15 Minuten Wartezeit rechnen. Wir erfreuen uns an Riesling Sekt von der Mosel, guten Säften und hervorragendem Brot. Zu Ostern hat die Schlossbäckerei zudem leckere Blätterteigteilchen, Kuchen und Hefezopf aufgetischt. Darauf schmeckt sehr gut die »Althoff Gourmet Edition Marmelade«. Aus dem Bergischen Land gibt es neben Landjägern und der bereits bekannten Mettwurst ein Käsebrett mit Bio-Käsen, eine Honigwabe sowie Apfelkraut, Birnenkraut und Zuckerrübensirup. Exzellent ist die Auswahl an italienischer Salumeria und regionalen Aufschnittspezialitäten. Zudem kann sich der Gast an Geflügel-, Fleisch- und Garnelensalat gütlich tun, appetitlich serviert in kleinen Weckgläschen. Lachs und Räucherfisch, Schnittkäse, Caprese, Gemüse und Cerealien ergänzen das Speisensortiment. Eine Mitarbeiterin steht hinter einem Buffet, mixt frischen Smoothie und schneidet Obst. So hat sie im Auge, wer wie viele der begehrte
n Erdbeeren nimmt und kann den Nachschub dosieren. Kurz: Bei diesem Frühstück fehlen zwar die ganz großen Aha-Momente, doch was da ist, ist wirklich gut und wird trotz stetiger Plünderung bis kurz vor elf ebenso stetig wieder aufgefüllt. Eine freundliche Dame von Service geht da von Tisch zu Tisch und kündigt die Schließung des Büffets in wenigen Minuten an. Schließlich beginnt in einer Stunde ja auch schon wieder der Champagner-Brunch.
Wertung: sehr gut
10:25
Check-out
»Wir können auch machen, dass es nicht funktioniert«, sagt Herr Kaminsky mit einem Augenzwinkern, als ich gespieltes Bedauern zum Ausdruck bringe, die eigene Kreditkarte statt die meiner Begleitung zum Einsatz bringen zu müssen. Die Informationsrechnung war in allen Einzelheiten korrekt, alle Belege konnten übergeben werden, mit 1.632,50 Euro schlägt unser zwei-
tägiger Osteraufenthalt im Grandhotel zu Buche. Trotz des hohen Gästeaufkommens bleiben die Mitarbeiter am Empfang gelassen und überaus freundlich. Herr Kaminsky verabschiedet mich ebenso mit Handschlag wie GM Wagner und sein stellvertretender Direktor, die sich zum Gästeverabschieden in der Lobby eingefunden haben. Die Stimmung ist heiter und ungezwungen, ein paar lockere Worte werden ausgetauscht und wir treten den Heimweg mit dem schönen Gefühl an, jetzt so etwas wie Stammgäste zu sein.
Wertung: ausgezeichnet
Lost & Found
Frau Evers freut sich mit mir: Der im offenen Safe »vergessene« Schmuck wurde gefunden. Man wird ihn mir zuschicken. Dass dies nicht kostenlos geschieht, erfahre ich am folgenden Morgen, als ein Empfangsmitarbeiter mich telefonisch um die Erlaubnis bittet, das Porto in Höhe von 6,99 Euro über die vorliegende Kreditkartennummer abzurechnen.
Wertung: sehr gut
Bilanz
Bei unserem Besuch im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg gefiel uns vor allem die familiäre und ungezwungene Herzlichkeit, die der Hotelchef und nahezu alle seine Mitarbeiter im Umgang mit dem Gast an den Tag legen. Kurt Wagner, der das Hotel im Jahr 2000 eröffnete und vor einigen Jahren »heimgekehrt« ist, dient nun als passionierter Gastgeber allen als Vorbild. Was ebenfalls beeindruckte, waren die Gelassenheit und Professionalität, mit der das Team den »Ausnahmezustand Ostern« an allen Fronten meisterte. Zum Dritten schließlich begeisterte die hervorragende Leistung von Küche und Service in sämtlichen Restaurants und bei jeder Gelegenheit. Thomas H. Althoff, der Eigentümer und Betreiber der Althoff Hotel Collection, dessen Leidenschaft bekanntermaßen die Sternegastronomie ist, darf mit der Leistung seines »Fine Dining Hotels« sehr zufrieden sein. Einziger Wermutstropfen: das Spa, dessen geplanter Umbau so bald wie möglich realisiert werden sollte.
Gesamteindruck: 84 %
Testurteil: sehr gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft; 20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel; die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewertet!