Hotelkonzept Schwan Locke Die Freiheit, Locke(r) zu wohnen

Stylish, nicht overstyled: In München ist das erste Haus der britischen Locke Hotels auf europäischem Festland an den Start gegangen. © Lennart Wiedemuth

Mit dem Schwan Locke nahe der Münchner Theresienwiese eröffnen die britischen Locke Hotels ihr erstes Apartmenthotel auf europäischem Festland. Mit einem starken Mix aus stylishem Design und praktischen Ausstattungsdetails soll das Haus vor allem Long-Stay-Gästen ein so gemütliches wie bezahlbares Zuhause auf Zeit ermöglichen.
Mal angenommen, eine Geschäftsfrau auf dem Weg zu einer Unternehmensberatung und zwei Interrailreisende auf Europatour kommen zufällig zur gleichen Zeit am Münchner Hauptbahnhof an – ihr Ziel: das Schwan Locke in der Landwehrstraße. Erstere entscheidet sich für einen Spaziergang, den ihre Navigations-App mit lediglich elf Minuten veranschlagt, Letztere nehmen die U-Bahn zur Theresienwiese, die nur eine Haltestelle entfernt liegt. Ihr Ziel erreichen sie in etwa zur gleichen Zeit, und doch wären ihre Geschichten über die letzten Meter der Anreise so unterschiedlich, dass man glauben könnte, sie hätten sich in verschiedenen Städten fortbewegt.

Heterogener Standort

Der Fußweg führt durch ein quirliges Bahnhofsviertel, das vor allem von Ein-Euro-Shops, Barbieren, Juwelieren und orientalischen Lebensmittelläden geprägt ist. Die Theresienwiese, der Veranstaltungsort des Oktoberfests, ist dagegen gesäumt von noblen freistehenden Altbauten mit Natursteinfassaden, in denen Rechtsanwälte, Consultants und Unternehmensvertretungen residieren.
Genau an der Schnittstelle zwischen diesen beiden Welten liegt das Aparthotel Schwan Locke. Das Haus mit 151 Apartments und Suiten wirkt auf den ersten Blick eher unauffällig. Hervorstechend sind lediglich die vielen identischen Balkone und der Coffeeshop am Eingang. Große Lettern oder gar Leuchtschriften, die auf die Hotelnutzung hinweisen, gibt es nicht. Bei genauerem Hinsehen ist lediglich ein kleiner länglicher Leuchtquader zwischen Hauseingang und Coffeeshop auszumachen, auf dem schlicht „Schwan Locke“ steht. Um es kurz zu machen: Locke ist natürlich kein Hinweis auf einen Haarkünstler, sondern der Name des britischen Betreibers, der hier sein erstes Haus auf dem europäischen Festland eröffnet hat.

Spiegelbild und Designsprache

Dank der vertikalen Spiegelstreifen, die einen unendlichen Spiegeleffekt erzeugen, wirkt das Foyer opulenter, als es tatsächlich ist. © Edmund Dabney

Nach Betreten des Hauses finden sich die Gäste in einem Eingangsbereich voller vertikaler Spiegelstreifen wieder, der dank des gleichsam unendlichen Spiegeleffekts nicht nur größer erscheint als er ist. Die Spiegel sorgen vielmehr dafür, dass sich die Lobby mit Coffeeshop und Rezeption optisch bis hierher fortsetzt.
Was in der Lobby mit Self-Check-in-Automaten und persönlichem Service sofort ins Auge sticht, ist die vom Innenarchitektur- und Designbüro Fettle entwickelte Designsprache. Die Planer des in London und Los Angeles ansässigen Büros haben sowohl die Apartments und Suiten als auch die Lobby, den Coffeeshop, die Guest Lounge, die Bar, den Fitnessraum und den Innenhof gestaltet.

Handwerk im Fokus

Zu ihren Aufgaben zählte es, einen Ort für Einheimische und Reisende zu schaffen, der eng mit dem Standort München verbunden ist. Als Inspirationsquelle diente dabei der 1907 in München gegründete Deutsche Werkbund, dessen erklärtes Ziel insbesondere die „Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk war“.

Handwerkliche Details, klassisch-moderne Lampen und gedämpfte Farbtöne prägen – wie hier die Bar – das ganze Haus. © Edmund Dabney

Hochwertige Materialien und Tischlerdetails, klassisch anmutende Lampen sowie großflächige gedämpfte Rot-, Grün-, Gelb- und Blautöne wecken auch ohne Insiderwissen Assoziationen an die Zeit rund um die Gründung des Bauhauses. Hinzu kommen von der Münchner Künstlerin Veronika Grenzebach gestaltete Kunstwerke, die neu interpretierte Porträts von Pionierinnen des Werkbunds zeigen.

Ungezwungenes Miteinander im Innenhof

Die nur wenige Meter von der Rezeption entfernte Glastür zum üppig begrünten Innenhof mit seinen lässigen Loungemöbeln und großen Sonnenschirmen übt vor allem kurz nach der Anreise eine hohe Anziehungskraft auf die Gäste aus. Der Weg lohnt sich, und die anvisierte kurze Pause wird meistens länger als zunächst geplant, denn hier herrscht ein überaus vielfältiges und anregendes Treiben.

Der Innenhof dient als zentraler Treffpunkt. Hier befindet sich auch die Freifläche des Restaurants „Bambule! by Mural“. © Edmund Dabney

Manche Gäste sitzen mit Zeitung oder Laptop, wahlweise mit Cappuccino oder gediegenem Drink. Andere haben dagegen Bäckertüten und Getränkepackungen vor sich stehen. Senioren und Familien mit Kindern sind zu sehen, aber auch junge Paare und kleine Gruppen. Und um das locker entspannte Nebeneinander perfekt zu machen: Im hinteren Bereich (ohne besondere Abgrenzung und mit dem gleichen Mobiliar) befindet sich die Freifläche des Lokals „Bambule! by Mural“. Hierbei handelt es sich um den Ableger des Restaurants „Mural“, eines der wenigen Münchner Lokale, die über einen Michelin-Stern verfügen. Beide wollen mit besten Zutaten für eine „neue Ess- und Trinkkultur“ sorgen.

„Feel Free“ als Mindset

„Feel Free“ – so bringt Locke seine Philosophie auf den Punkt, die vom Standort zwischen Bahnhofsviertel und Theresienwiese eindrücklich bestätigt wird. Ergebnis dieser Vielfalt im Innenhof ist nicht Anarchie, sondern eine spürbar rücksichtsvolle Gemeinschaft. Dies nicht zuletzt wohl deshalb, weil sich der Großteil der Apartments in genau diesen Hof orientiert, sodass die meisten Gäste beide Perspektiven kennen: sowohl jene des Hof- und Restaurantnutzers als auch jene des Apartmentnutzers.

Wohnliches Boutiquehotel

Die Apartments sind zwischen 22 und 50 Quadratmeter groß und allesamt mit Balkon und Küche ausgestattet; und wer das Haus beim Ankommen wegen der vielen Balkone zur Straße für ein Studentenwohnheim hält, hat sogar irgendwie recht. Denn tatsächlich war der Neubau ursprünglich als ein solches geplant. Die Pläne des Investors änderten sich jedoch, sodass Locke als Betreiber zum Zug kam.
Locke fand ein bis auf die Zimmerausstattung nahezu fertiges Haus vor und führte in der Folge (außer in den Suiten im Dachgeschoss) weder bei der Zimmeraufteilung, noch in den bereits fertiggestellten Bädern größere Änderungen durch. Weitreichendere Eingriffe in den Rohbau gab es allein im Erdgeschoss, das zuvor nur über einen sehr kleinen öffentlichen Bereich verfügte. Mit Preisen ab 80 Euro pro Apartment und Nacht bietet das Schwan Locke aktuell ein unschlagbares Eröffnungsangebot.

Stylish statt overstyled

Hinsichtlich ihrer Designsprache entsprechen die Apartments den öffentlichen Bereichen. Wie schon im Erdgeschoss prägen fein aufeinander abgestimmte Materialien und gedämpft farbige Wände auch hier das Bild. Hinzu kommen elegante, speziell für das Projekt angefertigte Leuchten und Stahlrohr-/Eichenmöbel sowie maßgefertigte Polstermöbel – etwa Sitzbänke und Bettrücken – mit weichen geriffelten Mohair-Polstern. Im Zusammenspiel entstehen mit expressiven Farben und Formen gestaltete Apartments, die bei aller Ausdrucksstärke weder erdrückend noch overstyled wirken.

Hoher praktischer Nutzen

Ein Grund hierfür liegt im hohen praktischen Nutzen der Ausstattung, wie der Küchenzeile: Diese ist mit Geschirr, Besteck, Töpfen und weiteren Kochutensilien sowie mit Haushaltsgeräten wie Kühlschrank, Herd, Spülmaschine und Mikrowelle mit Grillfunktion ausgestattet und daher optimal nutzbar.

Die Küchen der Apartments sind bestens mit Haushaltsgeräten ausgestattet, und sämtliches Geschirr und Besteck liegt vielfach vor. © Edmund Dabney

Alle Küchen halten sämtliches Geschirr vierfach vor, sodass die Gäste theoretisch bis zu drei Personen zum Abendessen einladen könnten. Zur Gewohnheit kann dies freilich allein deshalb schon nicht werden, weil der Bistrotisch hierfür viel zu klein ist. Dafür eignet sich der Platz an der sehr bequem gepolsterten Sitzecke ausgezeichnet zur Laptoparbeit oder zum abendlichen Entspannen bei einem guten Film.

Weiterer Standort in München geplant

Die Möglichkeiten in den Apartments im Schwan Locke sind vielfältig, und selbst wer seine Küche nicht intensiv nutzt, wird sie mit der Zeit schätzen lernen – und sei es nur zum Kühlen des abendlichen Weißweins oder zum Aufwärmen von Babynahrung. Hauptzielpublikum des Schwan Locke sind Long-Stay-Gäste, die hier bisweilen mehrere Monate verbringen: Der Durchschnitt liegt aktuell bei zehn Tagen.
Im Schwan Locke finden aber alle Gäste ihren individuellen Tagesrhythmus, egal, ob als Geschäftsreisende, Langzeittouristen oder Tagesgäste. Insbesondere in Bezug auf den Speisenplan haben sie die freie Wahl, und zwar jeden Tag aufs Neue. Mal gibt es dann abends eben Tiefkühlpizza oder Pasta mit Salat im Apartment und tags darauf belegte Brote oder ein feines Bambule-Mahl im Innenhof, wo morgens auch gut gefrühstückt werden kann.
Das Motto „Feel Free“ soll jedenfalls bald ein zweites Mal in München gelten. Bereits Ende des Jahres soll im Stadtteil München-Sendling mit dem Wunder Locke das zweite Haus eröffnet werden.
Autor: Roland Pawlitschko