Südeuropa, Gateway-Städte, Manage-to-Core-Strategien: Eine aktuelle Investorenumfrage von Cushman & Wakefield zeigt, wohin das Kapital im europäischen Hotelmarkt 2026 fließen soll.
Für das laufende Jahr rechnet die Branche mit erheblichen Kapitalzuflüssen in europäische Hotelimmobilien. Für den fünften „European Hotel Investor Compass“ hat das Beratungsunternehmen Cushman & Wakefield zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 insgesamt 74 hochrangige Vertreter großer Private-Equity-Firmen, Fonds, REITs und anderer institutioneller Investoren befragt. Die Unternehmen, die ihre Identität offenlegten – laut Cushman & Wakefield 91 Prozent der Befragten – investierten zwischen 2020 und 2025 zusammen knapp 18 Milliarden Euro in europäische Hotels. Das zentrale Ergebnis: 86 Prozent der Investoren wollen die im Vorjahr zugewiesene Kapitalquote für den europäischen Hotelsektor beibehalten oder erhöhen.
Mehr Kapital, steigende Renditeanforderungen
Laut der Umfrage planen 58 Prozent der Investoren, 2026 mehr Kapital einzusetzen als im Vorjahr. 54 Prozent beabsichtigen, als Nettokäufer aufzutreten, während sieben Prozent erwarten, Nettoverkäufer zu sein – ein geringfügiger Anstieg gegenüber den fünf Prozent im Jahr 2025. Besonders ausgeprägt ist die Bereitschaft zur Kapitalaufstockung bei Value-Add-Investoren (63 Prozent) und opportunistischen Investoren (64 Prozent). „Diese Ergebnisse zeigen, dass auch bei Hotelimmobilien, ähnlich wie bereits bei Büroimmobilien, eine Tendenz erkennbar ist, zunehmend auf Manage-to-Core-Strategien zu setzen, um die Immobilie gezielt neu zu positionieren“, sagt Christine Mayer, Head of Hotel Valuation Germany & Austria bei Cushman & Wakefield.
"Europäische Hotelinvestoren gehen mit neuem Selbstvertrauen und klaren Prioritäten in das Jahr 2026: mehr Kapital einsetzen, aber mit größerer Selektivität."
Jon Hubbard, Head of Hospitality EMEA bei Cushman & Wakefield
Gleichzeitig sind die Renditeanforderungen gestiegen. Das durchschnittliche Ziel für die Eigenkapitalrendite (ROE) liege bei 15,6 Prozent – gegenüber 13,6 Prozent im Vorjahr. Das Beratungsunternehmen führt diesen Anstieg auf die erhöhte Unsicherheit bei der Kreditvergabe zurück, ungeachtet der gesunkenen Kreditzinsen. Jon Hubbard, Head of Hospitality EMEA bei Cushman & Wakefield, fasst die Stimmung so zusammen: „Europäische Hotelinvestoren gehen mit neuem Selbstvertrauen und klaren Prioritäten in das Jahr 2026: mehr Kapital einsetzen, aber mit größerer Selektivität.“
Südeuropa dominiert, Gateway-Städte im Fokus
Südeuropa bleibt laut der Umfrage weiterhin ein Top-Ziel für Investoren. Nach einem starken Jahr 2025 mit einem RevPar-Plus von 3,9 Prozent bekunden 78 Prozent der Befragten großes oder sehr großes Interesse an Italien und der Iberischen Halbinsel, 60 Prozent an Frankreich. Cushman & Wakefield begründet die anhaltende Attraktivität mit einer soliden Performance, einer ausgewogenen Besucherstruktur, starkem Wachstumspotenzial und hoher Liquidität. Auch Großbritannien und Irland werden positiver eingeschätzt: Der Anteil der Investoren mit sehr hohem Interesse stieg im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozentpunkte.
Die DACH-Region verorten die Umfrageteilnehmer auf Platz fünf ihres Anlageinteresses: Für insgesamt 37 Prozent der Befragten besteht ein hohes oder sehr hohes Interesse, in den drei Ländern zu investieren – ein Prozentsatz, der das Vorjahresergebnis (2025: 45 Prozent hohes sowie sehr hohes Interesse) mit leichten Abstrichen in etwa bestätigt. Christine Mayer: „Die DACH‑Region bleibt trotz der aktuellen Selektivität ein Fundament europäischer Hospitality‑Investments. Deutschland, Österreich und die Schweiz werden weiterhin als verlässliche, langfristig tragfähige Märkte wahrgenommen.“ Bemerkenswert sei der erneute Aufmerksamkeitszuwachs für Berlin und München. Mayer wertet das als Hinweis darauf, dass Investoren Qualität und starke Mikrostandorte gezielt honorieren.
Auf Städteebene nehmen Investoren laut dem Report wichtige europäische Gateway-Städte wie Mailand, Madrid, Rom, London und Paris ins Visier. Den stärksten Zuwachs an Interesse verzeichnen Budapest mit einem Plus von elf Prozentpunkten, Nizza und Cannes mit neun Prozentpunkten, Berlin ebenfalls mit neun Prozentpunkten, München mit acht Prozentpunkten sowie Paris und Prag mit jeweils sieben Prozentpunkten.
Weitere Erkenntnisse aus dem European Hotel Investor Compass
- Für 68 Prozent der Befragten bleiben steigende Baukosten nach wie vor die größte Herausforderung. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Investoren zudem zunehmend besorgt über die Unsicherheit hinsichtlich der Hotelperformance (Anstieg um 6 % gegenüber 2025). Umgekehrt sind Finanzierungsprobleme weniger besorgniserregend – ein Rückgang um 19 Prozent gegenüber 2025.
- Geopolitische und makroökonomische Risiken wurden als zweitwichtigste Herausforderung eingestuft.
- Hotels mit den besten ESG-Referenzen erzielten weiterhin einen „Grün-Aufschlag“: Investoren sind bereit, durchschnittlich 4,3 Prozent mehr für Immobilien zu zahlen, die das höchste ESG-Zertifizierungsniveau erreichen (beispielsweise Breeam Outstanding oder LEED Platinum).
- Insgesamt 81 Prozent glauben, dass Künstliche Intelligenz den Sektor bereits in den kommenden Jahren bis 2030 maßgeblich prägen wird, wobei 86 Prozent positive Auswirkungen auf Limited-Service-Hotels erwarten, dicht gefolgt von Full-Service-Hotels (85 %).
- 80 Prozent der Investoren gehen davon aus, dass KI durch Effizienzsteigerungen die Betriebskosten senken wird. 65 Prozent sind optimistisch, was die Auswirkungen von KI auf ihre Vertriebskosten durch mehr Direktbuchungen und eine geringere Abhängigkeit von Online-Reisebüros angeht.
- Das obere gehobene und das gehobene Segment sind in diesem Jahr mit 81 Prozent hohem oder sehr hohem Interesse die attraktivsten Hotelsegmente, gefolgt vom Luxussegment (69 %). Unter Investoren mit einem verfügbaren Kapital von mehr als 200 Millionen Euro äußerten 82 Prozent ein hohes oder sehr hohes Interesse an Luxushotels. red/sar
Über Cushman & Wakefield
Cushman & Wakefield zählt zu den führenden globalen Immobiliendienstleistern und bietet Unternehmen und Investoren mit rund 53.000 Mitarbeitenden in über 350 Niederlassungen und knapp 60 Ländern Services rund um ihre Immobilien-Belange. In Deutschland ist das Unternehmen mit Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München vertreten. Im Jahr 2025 betrug der weltweite Umsatz des Unternehmens 10,3 Milliarden US-Dollar in seinen Kerngeschäftsbereichen Services, Leasing, Capital Markets sowie Valuation und andere.