Hotel Transaction Manager im GesprächAufstrebendes Interesse an Bestandshotels, Zurückhaltung bei Projektentwicklungen

Vor allem bedarf es dieser Tage eines regen Austauschs aller Marktteilnehmer, plädiert Oliver Kaiser. Auch, um Gerüchten am Markt vorzubeugen. (Bild: Dr. Lübke & Kelber)

Vom Lockdown in die Lethargie: Nicht alle Akteure in der Hospitality Industrie stellen zum aktuellen Zeitpunkt aktiv die Weichen für eine Zukunft, in welcher die Corona-Pandemie auch mittelfristig noch eine Rolle spielen wird. Diese Beobachtung macht Oliver Kaiser, Consultant bei Dr. Lübke & Kelber. Im Gespräch mit Tophotel sendet er einen Weckruf aus. Dabei adressiert er auch das Thema Generationenwechsel.   

Anzeige
Oliver Kaiser (28) ist als Transaction Manager Hotel beim Transaktionsberatungsunternehmen Dr. Lübke & Kelber tätig. Neben seiner akademischen Ausbildung in den Fachbereichen Betriebswirtschaftslehre (B.A.) und Real Estate Project Management (M.A.) an der bbw Hochschule sammelte er Berufserfahrung bei Colliers Hotel und der HR Group. Zu seinen Aufgaben als Transaction Manager zählt nicht nur das Transaktionsgeschäft, sondern auch alle weiteren Services rund um die Hotelimmobilie, insbesondere die Vermietung sowie die Beratung bei Hotelprojekten und Bestandshotels. (Bild: Dr. Lübke & Kelber)

Tophotel: Herr Kaiser, welches Bild zeichnen Sie aus Beratersicht von der Stimmungslage in der deutschen Hospitality Industrie in Anbetracht der aktuellen Krise?

Oliver Kaiser: Gerade zum Höhepunkt der Pandemie haben wir festgestellt, dass einige Akteure sich scheinbar zu Anfang in einer Schockstarre und dann in einer Art Lethargie befanden. Klar ist, dass die Krise alle hart getroffen hat, die Betreiber dabei besonders unmittelbar. Es gab bei fast allen Beteiligten der Branche Kurzarbeit und eine Ungewissheit, wohin die Reise gehen wird. Dies hat sich stellenweise in verhaltener Kommunikation, schlechterer Erreichbarkeit und später, nachdem sich an die neue Situation gewöhnt wurde, eben auch in einer gewissen Teilnahmslosigkeit geäußert. Meiner Meinung nach ist es jedoch genau das Falsche, sich in einer solchen Krise der Lethargie zu ergeben. Jeder Einzelne muss jetzt das Beste geben. Gerade wir als Berater wurden von allen Seiten immer wieder gefragt, wie wir die aktuelle Situation einschätzen – doch diese Einschätzungen hängen stark vom Austausch mit den Marktteilnehmern ab. Unabhängig davon beugt ein reger Austausch auch Gerüchten am Markt vor.

Was würden Sie sich von der Branche in diesem Zusammenhang wünschen?

Persönlich halte ich eine solche „unfreiwillige Freizeit“ für eine wertvolle Chance und eine in generellen Austausch, Networking oder auch Fortbildungen gut investierte Zeit. Mittlerweile hat sich der Markt wieder etwas erholt und aus der Schockstarre befreit, wobei überraschend viele Marktteilnehmer aus der Corona-Phase direkt in die Sommerferien gestartet sind. Mein Wunsch: Wir müssen jetzt gemeinsam anpacken und dabei kommt es auf die Kompetenzen jedes einzelnen an, weshalb jeder angehalten ist, jetzt sein Bestes zu geben.

Welche Entwicklungstendenzen in Bezug auf das Angebot von und die Nachfrage nach Hotelimmobilien beobachten Sie aktuell?

Während wir zu Beginn der Krise eine abwartende Haltung auf allen Seiten – Investoren, Eigentümer und Betreiber – registriert haben, sind einige Gruppen zwischenzeitlich wieder aktiver. Es gibt viele Betreiber, die auf der Suche nach neuen Standorten sind. Hier wird, noch mehr als vor der Krise, auf eine optimale Lage der Objekte und eine nachhaltige Pacht geachtet. Zudem kommt es immer häufiger vor, dass sog. „Corona-Klauseln“ in neu zu verhandelnden Pachtverträgen aufgenommen werden sollen.

Die Investorenseite steht vor dem Dilemma, und das betrifft vor allem institutionelle Investoren, vorhandenes Kapital zu investieren. Dabei stellen wir fest, dass Bestandshotels für Investoren teilweise wieder interessant sind. Zurückhaltung wird jedoch häufig bei Projektentwicklungen geübt. Hinzu kommt hier auch die Vorsicht von Seiten der Banken hinsichtlich Projektfinanzierungen im Hotelbereich. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/2009 werden bereits bestehende Finanzierungszusagen nicht zurückgezogen, allerdings wird mittlerweile ein deutlich höherer Eigenkapital-Anteil erwartet.

Den Willen von Eigentümern zu oder die Notwendigkeit von „Corona-Abschlägen“ beim Veräußerungspreis können wir im Markt noch nicht erkennen. Daher kommen verhältnismäßig wenige bestehende Hotels zum Verkauf auf den Markt. Wir beobachten daher eher Neuverpachtungen, sollte der bisherige Betreiber den Mietvertrag nicht fortführen wollen.

Die Corona-Krise wirft auch Fragestellungen hinsichtlich der Themen Generationenwechsel und Unternehmensnachfolge auf. Sie selbst erleben das Zusammenspiel zweier Generationen an Ihrem Arbeitsplatz unmittelbar. Worauf kommt es Ihrer Meinung nach bei einem erfolgreichen Generationenwechsel an?

Der Generationenwechsel kann meines Erachtens nur dann nachhaltig stattfinden, wenn das vorhandene Wissen an die nachfolgende Generation weitergegeben und dort vor allem angenommen wird. Wir Jüngeren müssen erkennen, dass vor allem das Wissen aus Universität oder Ausbildung oftmals theoretisch orientiert ist und in der Praxis zahlreiche Dinge anders gehandhabt werden. Den vorausgehenden Generationen möchte ich ans Herz legen, neuen Input und Ansätze der Jüngeren positiv aufzunehmen, sei es bei der Vermarktung von Objekten, bei der Markengestaltung oder hinsichtlich Zielgruppen. Fest steht: Unsere Branche ist – und bleibt es sicherlich noch eine geraume Zeit – ein „People‘s Business“. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme oder besser noch Empathie sind genauso entscheidend wie die Bereitschaft zu einem regen Austausch mit Menschen. Denn nur gemeinsam kann der Übergang funktionieren.

Interview: Laura Schmidt

Anzeige