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Start Technik & Betrieb Design+Interior Hotel Sonne in Füssen: Romantik für Insider

Hotel Sonne in FüssenRomantik für Insider

Hotels, die König Ludwig II. thematisieren, spielen in der Regel mit Opulenz und Kitsch. Im neuen Erweiterungsbau des Hotels Sonne in Füssen finden sich die Gäste hingegen klar im 21. Jahrhundert – in einem durch und durch modernen Umfeld, das auf subtile Weise in die romantische Welt des Märchenkönigs und seiner schillernden Vertrauten eintaucht.

Füssen wird vor allem von einer imposanten spätgotischen Burganlage geprägt, die auf einem felsigen Bergrücken mächtig über der Altstadt thront. Weltbekannt geworden ist die Stadt am Fuße der Allgäuer Alpen jedoch erst durch das Schloss Neuschwanstein. Dieses liegt nur fünf Kilometer weiter östlich und zählt heute zu den beliebtesten touristischen Zielen in ganz Deutschland.

Untrennbar damit verbunden ist König Ludwig II., bayerischer „Märchenkönig“ und Cousin der Kaiserin Elisabeth von Österreich, der den Bau des Schlosses in Auftrag gab – als eine Art Freundschaftstempel, gewidmet dem Leben und Werk Richard Wagners. Es ist nicht überliefert, ob der Komponist das Haus je betreten hat. Fest steht hingegen, dass sich die Füssener Gästezahlen seitdem geradezu exponentiell vervielfachten.

Das Viersternehotel Sonne befindet sich am Prinzregentenplatz, am nördlichen Rand der Altstadt. Es ist seit 1896 im Besitz der Familie Hanauer und wird seit einigen Jahren von Martin Hanauer und seiner Frau Beatriz Pineda geführt, die auch die jüngste Erneuerung und Erweiterung des Hauses um 20 Zimmer und Suiten initiierten.

Für die Planung beauftragten sie OSA Ochs Schmidhuber Architekten – nicht zuletzt, weil das Büro bereits beim Münchner 25hours Hotel The Royal Bavarian gezeigt hatte, wie der Standort lässig in den Entwurf eines Hotels als urbaner Treffpunkt einfließen kann. Diese Haltung passte ideal zu den Zielen der Hoteliers, die die komplette Neuausrichtung des Hotels im Sinn hatten. Zum einen ging es ihnen um die signifikante Vergrößerung der öffentlichen Bereiche, die dem Miteinander der Gäste mehr Raum geben würde. Zum anderen sollten die zeitgemäß gestalteten Zimmer subtile Bezüge zur Welt rund um König Ludwig II. aufweisen.

Für den Erweiterungsbau stand das eigene Grundstück zur Verfügung, das bisher als Gästeparkplatz gedient hatte. Schien das Hotel früher neben einer Baulücke am Prinzregentenplatz zu stehen, so ist es dank des Neubaus nun Teil einer weitgehend geschlossenen Platzbebauung.

Allein dieser Umstand verleiht dem Haus eine wichtige städtebauliche Rolle und ein repräsentatives Erscheinungsbild – und das, obwohl der Neubau eigentlich relativ unspektakulär wirkt. Dies liegt unter anderem daran, dass für das Grundstück im Umgriff des Altstadt-Ensembleschutzgebiets ein eher konservativer Bebauungsplan sowie zahlreiche denkmalpflegerische Auflagen bestanden, die hinsichtlich Lage und Kubatur des Gebäudes kaum Spielräume ließen.

Auf dem bisher als Gästeparkplatz genutzten Grundstück steht nun der weinrote Erweiterungsbau des Hotels Sonne, der sich mit feinem Besenstrichputz, steilem Ziegeldach und maßstäblichen Fensterformaten optimal an das Altstadtgefüge anpasst. (Bild: Berliner Architekturfotografen Hiepler, Brunier)

Eine Rolle spielte aber auch, dass die Architekten bewusst auf das Umfeld Bezug nehmen wollten. Allein deshalb planten sie keine exaltierte bauliche Landmarke, sondern ergänzten das aus drei Teilen zusammengesetzte Hotel schlicht um zwei weitere Bauteile und eine neue Tiefgarage. Ergebnis ist ein selbstverständlich wirkender Neubau, der sich mit feinem Besenstrichputz, steilem Ziegeldach und maßstäblichen Fensterformaten bestens in das Altstadtgefüge einpasst. Für mehr Eigenständigkeit sorgt die mit dem Umfeld harmonierende und doch hervorstechende weinrote Fassadenfarbe, die zusammen mit dem Sockel aus rotem Sandstein und den hochwertigen Kupferverblechungen eine gewisse Noblesse erzeugt.

Wohnzimmer statt öffentliche Bereiche

Präzise akzentuiertes Licht, opulente Tapeten, messingfarbene Verkleidungen an Rezeptionstresen und Türzargen: Die Lobby des Hotels empfängt die Gäste mit sorgfältig abgestimmten Farben und Formen. (Bild: Berliner Architekturfotografen Hiepler, Brunier)

Vom Haupteingang am Prinzregentenplatz gelangen die Hotelgäste in die zum Platz großflächig verglaste Lobby. Hier werden sie von einer sinnlichen Welt aus sorgfältig abgestimmten Farben und Formen empfangen: teils eigens entworfene feingliedrige Stahlrohr- und Bugholzmöbel, leichte Sofas mit Rücken aus Korbgeflecht, präzise akzentuiertes Licht, opulente Tapeten sowie messingfarbene Blechbekleidungen an Rezeptionstresen und Türzargen. Ebenso prägend ist die räumliche Offenheit, die den Gästen einen guten Überblick verschafft und sofort Lust auf einen kleinen Rundgang macht.

Waren die öffentlichen Bereiche zuvor auf einen überschaubaren Empfangsbereich mit Bar beschränkt, bietet das heutige Hotel im Erdgeschoss ein großes „Wohnzimmer“ mit umfassendem gastronomischem Angebot – in einem Umfeld, das gestalterisch graziler und offener, jedoch nicht weniger einheitlich erscheint als die Lobby. Frühstückssalon, Kaffeehaus, Bar, Eventbereich und das hoteleigene Restaurant gehen fließend ineinander über. Und weil alle Bereiche allen Gästen wie auch externen Besuchern offenstehen, präsentiert sich der Raum den ganzen Tag über als angenehm lebhafter Kommunikationsbereich – wenn nicht gerade Lockdown ist.

Waren die öffentlichen Bereiche im Hotel Sonne zuvor auf einen kleinen Empfangsbereich mit Bar beschränkt, bietet das heutige Hotel im Erdgeschoss ein großes „Wohnzimmer“ mit umfassendem gastronomischem Angebot: vom Frühstückssalon über das Kaffeehaus, die Bar und den Eventbereich bis hin zum hoteleigenen Restaurant (Bild: Berliner Architekturfotografen Hiepler, Brunier)

Am Morgen wird dort gefrühstückt, mittags wird Kaffee und Kuchen aus der eigenen Konditorei gereicht, und am Abend serviert das Restaurant „Riwa“ seine experimentelle Fusion-Küche. Ohne zunächst über den Namen „Riwa“ nachzudenken, blickt man in der Speisekarte auf ein aus wenigen Linien gezeichnetes Konterfei des Komponisten Richard Wagner. Spätestens nach diesem initialen Aha-Erlebnis weckt das Wohnzimmer eine Fülle von Assoziationen an Wagners sinnenfreudige Opern, die sichtlich den Entwurf der Architekten inspiriert haben.

Subtil erzählte Geschichten

Assoziationen dieser Art prägen neben dem „Wohnzimmer“ auch die Gästezimmer des Hotels. Dort haben die Architekten ebenfalls nicht bildhaft, sondern atmosphärisch Bezug auf jeweils einen der insgesamt drei Protagonisten genommen: König Ludwig II., Richard Wagner und Sissi, die Kaiserin Elisabeth von Österreich. Wer sich auf diese Sinnesreise einlässt, wird überall subtil erzählte Geschichten entdecken, beispielsweise im schmalen Stichflur von der Lobby zum Aufzug. Dieser Flur erinnert mit seinen seitlichen Deckenwölbungen, längs gerichteten Polstersitzbänken und hoch liegenden Gepäckablagen an ein Zugabteil – eine Reminiszenz an die Reisefreudigkeit des Märchenkönigs und bildhaft Ausgangspunkt für die „Reise“ der Gäste in ihre Zimmer.

Die gestalterisch den drei Protagonisten zuordenbaren Gästezimmer sind gleichmäßig im Erweiterungsbau verteilt, wobei sie sich hinsichtlich der Ausstattungsqualitäten oder Standards nicht unterscheiden. Allen gemeinsam sind etwa die offenen Bäder, die eine räumliche Großzügigkeit entstehen lassen, oder die anstelle einer herkömmlichen Duschkabine angelegten großen Duschräume – mitunter gibt es darüber hinaus auch frei im Raum stehende Badewannen.

Allen neuen Gästezimmern gemeinsam sind die offenen Bäder, die eine räumliche Großzügigkeit entstehen lassen. Die Sissi-Zimmer erscheinen dabei vornehmlich in heiterem Altrosa. (Bild: Berliner Architekturfotografen Hiepler, Brunier)

Ansonsten bieten die zwischen 30 und 40 Quadratmeter großen Zimmer das angenehm kontrastreiche Nebeneinander einer sorgfältig gestalteten Inneneinrichtung und roh belassener Sichtbetondecken. Und während sich die Räume an der Nordseite zur Stadt orientieren, sind aus den Südzimmern die spätgotische Burganlage und die Allgäuer Alpen zu sehen.

Unterschiedliche Gästezimmer

Deutliche Unterschiede zeigen die Gästezimmer hingegen in Bezug auf ihre Atmosphäre und ihre Farbwelten, insbesondere bei den Tapeten und in den Bädern. Wagner-Zimmer zeigen gemäß Wagners oft lautstarker Musik kraftvolle Kontraste: glitzernde Discokugeln an der Decke sowie weiße Wände im Wohnbereich und Bäder komplett in Schwarz.

In den Ludwig II. gewidmeten Zimmern dominieren königlich dunkelblaue Wandflächen sowie Tapeten mit expressiven Blumenmotiven den Wohnbereich, während die Bäder über sichelförmige Fliesen verfügen, die an Pfauenfedern erinnern. Die Sissi-Zimmer erscheinen vornehmlich in heiterem Altrosa – mit farblich fein abgestimmten hellgrünen, trapezförmigen Badfliesen, deren zickzackartige Verlegungsart an eine Krone denken lässt. Nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Grundrisse hat jedes Zimmer seinen ganz eigenen Charme, sodass selbst Stammgäste immer wieder Neues entdecken können.

In den Ludwig II. gewidmeten Zimmern dominieren im Wohnbereich königlich dunkelblaue Wandflächen sowie Tapeten mit expressiven Blumenmotiven. (Bild: Berliner Architekturfotografen Hiepler, Brunier)

Nachdem das Hotel im Oktober 2020 kurz vor dem zweiten Lockdown eröffnet hat, hatten während der ersten Monate fast nur Geschäftsreisende das Vergnügen, diese zeitgemäß romantische Welt zu erleben. Unterdessen gehen die Arbeiten im Haus weiter.

Neuer Wellnessbereich

Bis Mitte 2021 soll im rückwärtigen Gebäudeteil ein neuer Wellnessbereich entstehen. Parallel dazu werden gemeinsam mit Ochs Schmidhuber Architekten sämtliche Zimmer des Bestandsgebäudes modernisiert und gestalterisch an den Neubau angepasst.

Sind die Arbeiten dann Ende 2021 abgeschlossen, erwartet die Gäste ein für Füssen außergewöhnlich urbanes und offenes Hotel, in dem auch nach der Umbaumaßnahme klar spürbar ist, dass es sich um ein familiengeführtes Hotel handelt. Dies wird im Gespräch mit den im Haus oft präsenten Hoteliers deutlich, vor allem aber im „Wohnzimmer“, das eine ehrliche Gastlichkeit zum Ausdruck bringt, die es nicht gäbe, wenn dort Wirtschaftlichkeits- oder Effizienzgedanken das Regiment führen würden. Stattdessen ist eine Detailliebe zu spüren, die nicht allein auf der architektonischen Planung beruht, sondern von der Familie tatsächlich gelebt wird.

Roland Pawlitschko

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