Das Erlanger Familienhotel wurde als Branchenvorreiter in der Beherbergungswirtschaft ausgezeichnet. Die Jury würdigt vier Jahrzehnte gelebte Kreislaufwirtschaft.
Das Hotel Luise wurde beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2025 in Düsseldorf als Sieger in der Kategorie Beherbergungswirtschaft ausgezeichnet. Die Jury würdigte das Familienunternehmen als einen der konsequentesten und inspirierendsten Pioniere nachhaltiger Hotellerie in Deutschland. In der Begründung heißt es, das Haus zeige „seit mehr als 40 Jahren, wie regenerative und zirkuläre Hotellerie praktisch funktionieren kann – von innovativen Raumkonzepten über ressourcenschonende Technologien bis hin zu einem transparenten Nachhaltigkeitsmanagement“.
Dass Nachhaltigkeit im Hotel Luise nicht als Trend, sondern als generationsübergreifende Haltung gelebt wird, machte Geschäftsführer Benjamin Förtsch auch in seiner Rede während der Verleihung deutlich. „Vor 45 Jahren haben meine Eltern angefangen, Nachhaltigkeit im Tourismus voranzutreiben“, sagte Förtsch auf der Bühne. Schon damals habe man Themen verfolgt, die heute in Zertifizierungen selbstverständlich sind. Diese lange Linie – von Klimabilanzierung über zirkuläre Produktwahl bis hin zum regenerativen Design – sei die Grundlage dafür, dass das Hotel heute als Modellbetrieb wahrgenommen wird.
Das Nachwachsende Hotelzimmer
Ein Beispiel für den Ansatz des Hotels ist das vor zehn Jahren realisierte "Nachwachsende Hotelzimmer". Laut Förtsch wurden dabei biologische Materialien so verarbeitet, dass sie vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden können. Die Reinheit der Baustoffe ermöglichte es dem Hotel, Teile des späteren "Bauschutts" im eigenen Garten zu verwerten. Parallel dazu kamen im technologischen Kreislauf ausschließlich sortenrein wiederverwendbare Materialien zum Einsatz. An der Entwicklung war auch Prof. Dr. Michael Braungart beteiligt, Miterfinder des Cradle-to-Cradle-Prinzips.
270 Maßnahmen öffentlich dokumentiert
Das Hotel dokumentiert mittlerweile über 270 einzelne Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Diese sind an der sogenannten "Wall of Change" sichtbar gemacht – einer Installation, die sowohl analog im Hotel als auch digital auf der Website zugänglich ist. Förtsch erklärte die Motivation dahinter: "Wir haben festgestellt: Wir können die Welt nicht alleine retten. Deshalb haben wir die Wall of Change entwickelt."
Die Jury lobte dieses Konzept als beispielhaft für Transparenz und Storytelling in der nachhaltigen Transformation. Durch die freie Zugänglichkeit der dokumentierten Maßnahmen und des gesammelten Wissens entfalte das Projekt Wirkung weit über den eigenen Hotelbetrieb hinaus.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
In seiner Dankesrede hob Förtsch außerdem die Bedeutung der Mitarbeitenden hervor: „Die beste Maßnahme ist unser Team. Der Mensch ist der größte Hebel. Sowohl bei von Menschen gemachten Problemen, als auch bei der Lösung.“ Langjährige Mitarbeitende und ein familiäres Miteinander prägten seit Jahrzehnten die Atmosphäre des Hauses.
Persönliche Worte prägten den Abschluss seiner Ansprache. Förtsch sprach offen darüber, wie sehr ihn die Klimakrise bewegt: „Ich leide selbst ein bisschen unter Klimaangst“, sagte er. „Aber ich habe gelernt, dass man in schwierigen Zeiten nicht alleine dasteht.“ red/sar
