Hoteltest Fürstenhof CelleHotel flop, Gastronomie top

Konstruktive Kritik gehört seit jeher zum journalistischen Credo von Top hotel. Nobeldomizile, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt des anonymen ­Luxushoteltests. Diesmal nahm unser Tester den Fürstenhof Celle unter die Lupe.

MO. 26/09, 15:13; Reservierung

Das Gespräch mit Frau S. verläuft freundlich und informativ. Die Mitarbeiterin weiß gut über die verschiedenen Zimmer und Kate­go­rien zu berichten. Bei der Wahl zwischen Classique, Superior und Deluxe rät sie mir sehr eindringlich wegen der angenehmeren Größe zur besten Kategorie. Die Preise bewegen sich zu dieser Zeit von 140 bis 220 Euro, zwischen Einzel- und Doppelzimmer ergibt sich eine durchschnitt­liche Abweichung von 25 Euro. Als ich Frau S. auf die deutliche Diskrepanz von 40 Euro zwischen den von ihr genannten Preisen und denen im Internet auf der Hotelseite hinweise, meint sie, dass Buchungen im Internet immer günstiger wären – ohne weitere Begründung. Bei vielen Reservierungsgesprächen wird an dieser Stelle eingelenkt und der gleiche Preis akzeptiert – hier nicht. Auch sonst herrscht ­wenig Flexibilität, eine Reservierung ohne Frühstück ist nicht möglich. Ich buche ein Deluxe-Zimmer für 210 Euro pro Nacht inklusive Frühstück.
Wertung: befriedigend

MI. 05/10, 14:36; Check-in

Ich muss mich selbst um meinen Koffer kümmern, ein Gepäckträger existiert in diesem Haus offenbar nicht. Auch bei anderen Gästen ist das zu beobachten, denen ebenfalls niemand zur Hand geht. Dies ist auch deshalb ärgerlich, weil ich mit dem schweren Koffer noch Treppen zu überwinden habe – auf Zimmer 202 führt kein Lift und der jungen Mitarbeiterin ist ein solches Krafttraining nicht zuzumuten. Mein Anmeldezettel ist nicht vollständig ausgefüllt, obwohl alle Daten bei der Reservierung übermittelt wurden und vorliegen. Ich werde von Frau S. nicht gefragt, ob ich eine gute Anreise gehabt habe, man verzichtet auf jeglichen höflichen Small Talk und geleitet mich gleich aufs Zimmer. Mir wird lediglich mitgeteilt, wo und zu welcher Zeit das Frühstück einzunehmen ist, ansonsten gibt es für den Gast keine Informationen.

Die beiden Mitarbeiterinnen sind keineswegs unfreundlich, aber unzureichend geschult. Auch einen schönen Aufenthalt wünscht mir niemand von den zwei zu dieser Zeit aktiven Rezeptionistinnen. Fatal ist auch das Reklamationshandling: Als ich an der Rezeption bei den Mitarbeiterinnen nachfrage, ob ich nicht ein anderes Zimmer bekommen könnte, meinen beide nur ­lapidar, dass die Situation in den anderen Zimmern auch nicht besser sei – nirgendwo befänden sich demnach Schubladen. Zudem seien die anderen Zimmer – bis auf die Suiten – noch kleiner als meines. Allein dieses Vorgehen ist schon unprofessionell, man hätte mir in jedem Fall andere Zimmer zeigen und es mir selbst überlassen sollen, ob ich dann noch einen Wechsel wünsche – zumal das Hotel nicht ausgebucht ist. Darüber hinaus wird mir zum Geschehen kein Wort des Be­dauerns entgegengebracht.
Wertung: ungenügend minus

Zimmer 202

Ich habe ein Deluxe-Zimmer reserviert, mithin die höchste der drei Kategorien. Etwas irritiert frage ich wegen der mangelnden Größe und Ausstattung nach, ob es sich auch wirklich um das richtige Zimmer handelt. Die junge Mitarbeiterin erklärt mir, dass dies bereits das Upgrade auf eine Suite sei. Kaum zu glauben, eine richtige Suite besteht in der Regel aus einem Schlaf- und einem Wohn- oder Arbeitsbereich, dies hier aber ist ein ganz normales Zimmer. Es ist natürlich keine ­Suite, nicht einmal eine Junior-Suite. Gäste, die so ­eine Fehlinformation erleben, müssen sich ziemlich veralbert vorkommen.

Aber auch das Deluxe-Zimmer fällt alles andere als groß aus, wobei die niedrigen Decken und die matte Ausleuchtung aufs Gemüt schlagen; der Baum vor der Balkontür schluckt zudem viel Tageslicht. Das Zimmer ist stickig, die Luft tro­cken. Es wurde auf den ersten Blick ordentlich gereinigt übergeben, wirkt aber nicht mehr ganz taufrisch – Schrammen an Zimmer- und Badezimmertür, Tisch, Schrank und Spiegel sind deutlich zu erkennen. Hinzu kommen ­Gebrauchsspuren an Handgriffen und der Tischplatte. Zudem sind auf den zweiten Blick genügend Stellen auszumachen, die von einer Reinigung ausgelassen wurden: Telefonhörer, Heizung, TV-Rückseite und die Wand hinter dem Fernseher. Ein Begrüßungskärtchen der Direktion fehlt, sollte aber in besseren Hotels und Luxuszimmern eine Selbstverständlichkeit sein. Auch Blumenschmuck ist nicht vorhanden. Die Obstschale besteht aus drei Früchten, das Messer ist kein richtiges Schälmesser, aber noch akzeptabel. Teller für das Obst und die Abfälle wurden nicht platziert, es liegt lediglich eine Serviette bereit. Die Gratisflasche Wasser ist angenehm, doch gehört es sich, Gläser dazuzustellen. Da im Zimmer nur Wein- und Biergläser vorhanden sind, muss ich diese erst bei der Rezeption ­bestellen.

Das wuchtige Mobiliar macht das Zimmer noch enger. Dunkle Farben und fehlende Ausleuchtung lassen zudem keine freudige Stimmung aufkommen. Der Schrank wurde mit ausreichend Holzkleiderbügeln bestückt, es fehlt jedoch gänzlich an Schubladen und Stauraum, was für ein Hotel dieser Klasse blamabel ist. Der große Minisafe befindet sich in einer Höhe, die für hochgewachsene Gäste angenehm ist, für kleinere Menschen aber zu einem Problem werden kann. Das Message-Licht gibt an beiden Telefonen Signal, was aber keine Bedeutung hat. Der Hinweis in der Hoteldirectory, dass man die Taste mit dem Briefumschlag zur Abfrage betätigen soll, läuft ins Leere, weil es eine solche am Telefon nicht gibt. Das rote Signal lässt sich nicht abstellen und stört in der Nacht.
Das TV-Programmheft ist mit dem Anreisetag aufgeschlagen und auch eine Kanalliste ist vorhanden, jedoch funktioniert die TV-Fernbedienung nicht. Besser präsentiert sich da die Internetverbindung, die auf Anhieb zustande kommt, wenngleich die Leitung eher langsam ist. Die Einwahl selbst verläuft nicht über das Hotel, sondern über die Telekom und ihre nervig langen Codewörter. Der Schreibtisch ist ausreichend groß, die Steck­plätze befinden sich auf Höhe der Schreibplatte.

Das Bett ist stattlich und für das Zimmer schon überdimensioniert, die Matratzen und Kopfkissen fallen sehr weich aus. Gäste, die stabile Bettverhältnisse schätzen, bietet das nur sehr bedingt Schlafkomfort. Dabei sind die Matratzen keineswegs alt und auch sonst hygienisch in einwandfreiem Zustand. Das schwere Daunenbett ist eher für kalte Wintertage ausgelegt. Die Minibar ist durchschnittlich ausgestattet, es wird kein Champagner oder Sekt offeriert. Die vier Gläser sind in akkuratem Zustand, bei keinem Produkt ist das Verfallsdatum erreicht. Bier (0,33 l) kostet 4,20 Euro, Wasser (0,25 l) liegt bei 3,80 Euro. Die Balkonschiebetür lässt sich sehr schwer und umständlich handhaben, was zu einem Dauerärgernis führt. Auf dem Balkon befindet sich lediglich ein Tisch, Stühle fehlen. Das wirkt lieblos und dem Gast gegenüber sehr unaufmerksam, zumal auf dem Nachbarbalkon zwei Stühle vorhanden sind. Der riesige Baum wächst geradezu in den Balkon hinein. Dadurch klafft in der Balkonabsperrung ein zu großes Loch, durch das Kinder oder kleine Hunde leicht fallen könnten.

Positiv: Im Zimmer liegen Speisekartenauszüge der Restaurants und ausreichende Lektüre an Hochglanzmagazinen aus. Ansonsten fehlt es aber an persönlicher Note oder gar individuellen Ideen. Der Raum ist weder schick noch besonders stilvoll, vielmehr von biederer Bescheidenheit, hier Landhausstil genannt. Vor allem lassen Ausstattung und Komfort in Relation zur Luxus-Kategorie zu wünschen übrig.
Wertung: mangelhaft

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