In Martigny hat im April 2025 das Hôtel Borsari eröffnet. Das Projekt von Hotelier John Cretton verbindet römisches Erbe und industrielle Architektur.
Zwischen römischer Geschichte und analogem Rückzugsort: Im April hat das Hôtel Borsari im Schweizer Martigny erstmals seine Türen geöffnet. Gastgeber ist John Cretton, der mit dem Umbau eines ehemaligen agroindustriellen Areals über fünf Jahre hinweg seine Vision eines Designhotels verwirklichte. Inmitten der historischen Stadt Martigny – einst als Forum Claudii Vallensium eine römische Siedlung – verbindet das Hotel Geschichte mit einer klaren gestalterischen Haltung.
Weintanks als Design-Leitmotiv
Das Herzstück des Hauses bildet ein ehemaliger Weinkeller aus dem 19. Jahrhundert, die „Caves Orsat“. Die namensgebenden „Borsaris“ – massive Betontanks zur Weinlagerung – dienten Cretton als architektonisches Leitmotiv: Die 42 Zimmer und acht Suiten interpretieren die Tankstruktur neu. „Wir haben die Idee der Weintanks aufgegriffen und oberirdisch umgesetzt“, sagt Cretton. Die Zimmer aus gebeiztem Beton bieten „den Geist eines Tanks mit etwas mehr Luxus“. Die Kategorien werden in Hektolitern angegeben, eine Anspielung auf die Geschichte der Weinherstellung und die großflächigen Innenräume des Hotels.
Zentraler Treffpunkt im Hotel ist ein gepflasterter Innenhof, flankiert von zwei Gebäuden mit Ziegelfassaden und Kalkputz – ein moderner Verweis auf römische Baukunst.
Gemeinsam mit Designer Shaun Evans, mit dem John Cretton das kreative Studio „Drip and Drip“ betreibt, habe er ein Interiorkonzept entwickelt, das sich bewusst von gängigen Trends absetze. Statt glatter Oberflächen und neutraler Farben dominieren natürliche Materialien, Vintage-Mobiliar aus ganz Europa, freiliegende Rohrleitungen, Textur und intensive Farben – inspiriert von der umliegenden Landschaft.
Die Räume verzichten fast vollständig auf moderne Technik: keine Bildschirme, keine digitalen Schalter. Stattdessen gebe es Bakelit-Schalter, klassische Wasserhähne und analoge Audioanlagen aus den 1960er-Jahren – darunter Braun-Geräte von Dieter Rams. Auch musikalisch werde das Konzept fortgeführt: „Wir werden sicher einen Serge Gainsbourg-Song haben. Ein bisschen Leonard Cohen. Es ist rauchig - Ende der 50er, Anfang der 60er. Es ist ein bisschen Jazz, ein bisschen kitschiger französischer Pop, mit einer Prise Elektronik aus den 70ern und 80ern“, so Cretton.
Spa-Erlebnis im „Hotelkeller“
Entspannung finden Gäste im Untergeschoss des Hotels: In den ehemaligen Betontanks der Caves Orsat entstand mit Les Bains Public ein 2.000 Quadratmeter großer, römisch inspirierter Thermenbereich. Roter Sichtbeton, gedämpftes Licht und eine Besucherbegrenzung sollen Raum für Ruhe und digitale Entgiftung schaffen – ganz ohne Wlan und Smartphones.
Das gastronomische Konzept umfasst eine Kaffeebar, eine Weinbar mit regionalen Produkten sowie das Restaurant „Le Cercle“. Letzteres wird vom Küchenchef Matteo Salas geleitet und orientiert sich an der kulinarischen Vielfalt naheliegender Städte wie Lyon, Mailand und Zürich, die jeweils rund 180 Kilometer von Martigny entfernt liegen. red/sar