Das Hotel in Trafoi öffnet im Mai nach umfassendem Ausbau wieder. Architekt Matteo Thun verbindet dabei mehr als nur ein Bauauftrag mit dem Hotel.
Seit 1875 steht in Trafoi in Südtirol ein Gasthaus, das Gustav Thönis Urgroßvater Ludwig Ortler gegründet hat. Über die Jahre ist daraus das Viersterne-Superior-Hotel Bella Vista geworden, geführt in fünfter Generation von Thönis Tochter Petra Maria. Nun steht das Haus auf über 1.500 Metern Höhe vor seinem bisher größten Umbau: Der Südtiroler Architekt Matteo Thun hat einen Anbau mit 24 neuen Suiten entworfen, den er als „Nest“ bezeichnet. Der Bau soll sich in die Landschaft des Nationalparks Stilfserjoch einfügen, mit Blick auf die „Engadiner Dolomiten“. Die Wiedereröffnung ist für den 22. Mai 2026 geplant.
Eine Freundschaft als Ausgangspunkt
Dass Matteo Thun den Umbau verantwortet, hat biografische Gründe. Laut dem Hotel kennen sich Thun und Gustav Thöni seit ihrer Jugend – beide wuchsen in den Bergen rund um Trafoi auf und begegneten sich bei Jugend-Skirennen. Während Thöni seine sportliche Karriere verfolgte und Ski-Olympiasieger wurde, ging Thun den Weg in die Architektur. Die freundschaftliche Verbindung blieb bestehen und mündete schließlich in die gemeinsame Idee für die Neugestaltung des Bella Vista.
„Dieses Projekt entspringt einer Kindheitserinnerung in Trafoi: die eindrucksvolle Landschaft, die Stille der Berge und darüber kreisten die Adler“, sagt Thun. Er habe eine „leichte und intime Architektur“ schaffen wollen, die sich in die alpine Umgebung einfüge – daher das Konzept eines „zeitgenössischen Nestes“. Jeder Raum sei als Öffnung zur Natur konzipiert, sodass die Landschaft stets im Mittelpunkt stehe.
Architektur zwischen Tradition und Gegenwart
Der neue Anbau setzt auf großzügige Glasflächen, die fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum schaffen sollen. Die 24 Suiten werden als „Cocoon mit Aussicht“ beschrieben, in denen Licht und Landschaft die Gestaltung dominieren. Für die Innenarchitektur zeichnet Christina Biasi von Berg verantwortlich, eine „Schülerin“ Matteo Thuns. Sie habe Materialien, Lichtführung und Proportionen so gewählt, dass die Natur zur Geltung komme.
Die neue Rezeption soll den Übergang zwischen dem historischen Gebäude von 1875 und dem modernen Anbau räumlich erfahrbar machen. In der Loungebar „Home of Gold“ wird an Gustav Thöni und das italienische Ski-Team der „Valanga Azzurra“ erinnert. Warme Stoffe, reduzierte Formen und ein offener Kamin sollen eine ruhige Atmosphäre mit freiem Blick auf das Hochgebirge schaffen.
Der Wellnessbereich des Bella Vista gliedert sich künftig in zwei Bereiche. Der Adults-only-Spa im „Nest“, zugänglich ab 16 Jahren, richtet sich an Paare, die Ruhe suchen. Architektonischer Mittelpunkt ist ein ganzjährig beheizter Infinity-Pool, der sich über dem Trafoi-Canyon erstreckt – Wasser, Himmel und Fels sollen dort laut Hotel optisch verschmelzen. Fünf Saunen stehen zur Auswahl: eine Bio-Sauna, ein Dampfbad, eine Infrarot-Sauna, eine Fass-Sauna und eine Panorama-Sauna inmitten der Natur. Im Bereich „Fire and Ice“ treffen eine Feuerstelle und eine Schneedusche aufeinander. Ergänzt wird das Angebot durch einen Outdoor-Whirlpool sowie wöchentliche Yoga-, Pilates- und Meditationseinheiten, darunter auch sogenanntes Sound Healing und Atmungs-Wanderungen.
Parallel dazu entsteht ein Family-Spa mit eigenen Becken für Kinder und Kleinkinder, einer Familiensauna und der Erlebniswasserrutsche „Waterfall“. Die angrenzende „Natur-Arena“ ist ein offen gestalteter Außenbereich mit Blick auf die höchsten Gipfel Südtirols, der laut Hotel je nach Tageszeit sowohl ruhig als auch lebendig genutzt werden kann.
Ein Haus für Familien
Das Bella Vista ist Mitglied der Familienhotels Südtirol und von Familotel und positioniert sich seit jeher als Anlaufpunkt für Reisende mit Kindern. Daran soll sich auch nach dem Umbau nichts ändern. Im Außenbereich erstreckt sich eine 5.000 Quadratmeter große Erlebniswelt mit Kletterturm, Hängebrücke, Rutschen und Wasserstellen. Der nahegelegene Trafoi-Canyon dient als natürlicher Spielraum, in dem Kinder Steine aufschichten, Bachläufe umleiten und Schwemmholz sammeln können.
Im „Bella's-Club“, dem betreuten Kinderprogramm, wird gebastelt, geschnitzt, geschminkt und am Lagerfeuer Stockbrot geröstet. Rund 40 Stunden Betreuung pro Woche sollen Kindern eigene Erlebnisse ermöglichen und Eltern Freiräume verschaffen.
Kulinarisch setzt das Bella Vista auf Regionalität. Fleisch, Eier, Milch, Käse und Äpfel stammen vom hauseigenen Bauernhof. Die Lage am Stilfserjoch, wo Südtirol, die Lombardei und das Engadin aufeinandertreffen, spiegelt sich in der Küche wider: Alpine Klassiker treffen auf mediterrane Einflüsse. Morgens werden frisch gebrühter Kaffee, ofenwarme Brötchen und regionale Spezialitäten serviert. Abends folgt ein mehrgängiges Menü, das traditionelle Gerichte neu interpretieren soll. red/sar