Hochgefühl über der Elbe: Hoteltest im The Westin Hamburg Elbphilarmonie

Exponierter könnte die Lage kaum sein: Das Westin Hamburg ist Teil der Elbphilharmonie, einer architektonischen Symbiose aus historischem Kaispeichergebäude und markanter Glasfassade, die außerdem zwei Konzertsäle sowie Eigentumswohnungen beherbergt. Seit März dieses Jahres steht das Haus nach dem Ausscheiden von Direktorin Dagmar Zechmann knapp zwei Jahre nach seiner Eröffnung derzeit ohne GM da. Ende des Jahres übernimmt Madeleine Marx das Zepter im Luxushotel. Was sie dort erwartet, hat sich unser Hoteltester schon einmal genauer angeschaut.


DI. 14/08, 12:25
Telefonische und Online-Reservierung

Fast drei Minuten hangele ich mich durch den Telefoncomputer, drücke Nummern für Sprache, Anliegen und Aufzeichnungsgenehmigung, erfahre ungewollt Neues zum Starwood Preferred Guest Programm und dass ich eventuell zu einem Callcenter im Ausland weitergeleitet werde. »Wussten Sie schon, dass Sie online am schnellsten Buchungen machen?« Aber ja doch, das glaube ich gerne. Denn kaum, dass es endlich tutet, werde ich aus der Leitung geworfen. Beim zweiten Versuch: dito. Erst beim dritten Mal habe ich Erfolg und einen deutschsprachigen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung – mit britischem Akzent. Meine Frage, was »Blick ins Atrium« bei der günstigsten Zimmerkategorie des The Westin Hamburg bedeutet, beantwortet er so: »Das ist Innenblick. Schaut man über den Dach des Elbphilharmonie und sieht man etwas von den Himmel.« Charmant. Nur möchte ich, wenn ich schon einmal an einem derart besonderen Ort »absteige«, eigentlich auch etwas mehr von der spektakulären Aussicht genießen als das – wenngleich sehr spezielle – Dach der Elphi und den Himmel. Also …? Das Zimmer mit Blick aufs Wasser soll bei einem Aufenthalt von Donnerstag bis Sonntag Anfang September 433 Euro pro Nacht kosten, das mit Blick Richtung Stadt 50 Euro weniger. Dass mein Gesprächspartner nur die flexiblen Raten nennt und nicht die günstigeren Vorauszahlungspreise, kann ich ihm noch verzeihen – nicht jedoch, dass er mir die Aktion »Buy 2 Get 1 Free« unterschlägt, die mir laut Internet mal eben 433 Euro ersparen würde. Beratung im Sinne des Gastes geht anders. Doch ich frage nur testweise an – mein Besuch hat längst stattgefunden. Und das Zimmer hatte ich online gebucht: ein Wenn-schon-denn-schon-Premium-Panoramazimmer zum Wasser hin zu einer vorauszuzahlenden, nicht stornierbaren Rate von 256 Euro pro Nacht. Die Onlinebuchung funktionierte reibungslos und vor allem: schnell.
Wertung: insgesamt befriedigend

Concierge- & Spa-Service vorab

Am ersten Abend meines Hotelaufenthaltes findet im Großen Saal der Elbphilharmonie ein Orgelkonzert statt, das – wen wundert es – ausgebucht ist. Wer, wenn nicht der Concierge des benachbarten Hotels, kann mir noch eine Karte besorgen? Zwei Westin-Concierges beantworten unabhängig voneinander meine Anfrage-Mail und vertrösten mich auf »eventuell kurzfristig«. Und tatsächlich: Wenige Tage vor Anreise ruft Herr I. an und hebt – symbolisch – den Daumen. Positive Rückmeldung auch von der Spa-Rezeption: Die nette Rezeptionistin kann mir am Telefon noch eine Behandlung anbieten, obwohl online nichts mehr ging. »Wir sperren immer einige Termine für Hausgäste«, klärt sie mich auf. Gut so.
Wertung: sehr gut

Internet-Auftritt

Graue Schrift auf weißem Grund, bordeauxfarbene Titel – die schlichte Gestaltung der Website passt gut zum puristischen Hoteldesign. Das Wichtigste sind sowieso die Fotos, die selbstredend sensationell ausfallen. Aber auch jede nur mögliche Information zum Haus ist abrufbar. Nicht einmal das Hamburg-Wetter fehlt. Links bei »Restaurant & Bar« führen zu eigenen Websites mit Speisekarte und Bar-Menü, Spa-Anwendungen lassen sich online buchen, und wer eine ­Tagung reservieren will, kann das entweder ebenfalls online tun, die angegebene ­Durchwahl anrufen oder eine E-Mail schicken.
Wertung: sehr gut

Lage

Der »Lage, Lage, Lage« Spruch ist sattsam bekannt. Doch dürfte es in Deutschland nur wenige Hotels geben, die aufgrund ihrer Lage von einem derart großen Bonus profitieren. Im Gebäude der Elbphilharmonie angesiedelt, Deutschlands spektakulärstem Bauprojekt des vergangenen Jahrzehnts und als neues architektonisches wie kulturelles Wahrzeichen Hamburgs seit Baubeginn im Fokus der Öffentlichkeit, dürfte das Westin Hamburg einen nicht geringen Teil seiner Buchungen aus dem einzigen Grund erhalten, dass es da steht, wo es steht. Seit seiner Eröffnung – und im Grunde genommen schon vorher – ist das aufsehenerregende Gesamtkunstwerk inmitten der Elbe an der Spitze der HafenCity Hamburg, vis-à-vis den Landungsbrücken und in direkter Nachbarschaft zum Unesco-Welterbe Speicherstadt und Kontorhausviertel, ein Publikumsmagnet. Und für den Hotelgast auch pragmatisch gesehen gut gelegen. Hafen-City und Speicherstadt liegen vor der Haustür, ein Schiffsanleger ebenfalls. Die Innenstadt ist zu Fuß in einer Viertelstunde zu erreichen, zwei U-Bahn-Stationen und eine Bushaltestelle sorgen für die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und somit zu Bahnhof und Flughafen. Natürlich kann man auch mit dem Auto anreisen, sollte sich dann aber nicht über die Parkgebühren ärgern: 50 Euro kostet der Tag im Parkhaus der Elbphilharmonie.
Wertung: sehr gut

04/07, 14:10
Anreise / Check-in

Wie eine Welle schwingt sich die spektakuläre Glasfassade der Elbphilharmonie in 110 Meter Höhe und scheint förmlich über dem Backsteinsockel des historischen Kaispeichers zu schweben. Schon das Betrachten ist ein erhebender Moment und mir wird feierlich zumute: Hunderte Touristen fotografieren das Gebäude von außen – ich darf hinein. Doch wo ist der Hoteleingang? Da! Es ist die unscheinbare Tür-Öffnung zwischen Parkhauseinfahrt, dem Schalter für die Plaza-Tickets und der »Tube« – so wird die 80 Meter lange Rolltreppe genannt, die auf die Plaza führt, eine zentrale Plattform in 37 Metern Höhe, die als öffentlicher Raum für alle Besucher zugänglich ist und deren Außenrundgang fantastische Ausblicke auf die Stadt und den Hafen bietet. Vor dem Hoteleingang steht zwar ein Pult, aber niemand dahinter. Die kleine Lobby dient als »Erstaufnahmestelle«. Hier haben die Concierges ihr Desk, verteilen Stadtpläne, geben Tipps und schicken anreisende Gäste zum Einchecken mit dem Aufzug in den achten Stock. Ich lerne Herrn I. kennen, der mich jovial mit »Einen frischen guten Tag!« begrüßt. Der braungebrannte Concierge mit den silbergrauen Locken könnte auch für eine Anzugmarke Werbung machen oder für einen guten Whiskey. Er überreicht mir freudestrahlend mein Konzertticket, das ich gleich bar bezahle. Im Umschlag finde ich auch seine Visitenkarte mit dem handschriftlichen Vermerk, er wünsche mir einen schönen Konzertabend. Das hat Stil. – In der achten Etage trennen Glasfronten die Hotelhalle von der Plaza. Vom Empfangstresen aus lächelt mir freundlich Frau G. entgegen und heißt mich willkommen. Ich erkläre ihr, krankheitsbedingt anstelle der gebuchten Person anzureisen (ein testspezifisches Vorgehen), was die junge Frau dazu veranlasst, kurz die Stirn zu runzeln, bevor sie sich wieder entspannt. Sie erklärt, »dann mal fünf gerade sein lassen« zu wollen. Als ich erstaunt nachfrage, was sie damit meint – das Zimmer ist ja bereits bezahlt –, erklärt die Rezeptionistin, das sei wie bei einem Flug, da könne man ja auch nicht einfach jemand anderen fliegen lassen. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Obwohl ich das Anmelde­formular korrekt ausfülle, vergisst Frau G. den Gastnamen im Reservierungssystem zu ändern – was im Verlauf meines Aufenthalts für reichlich Verwirrung sorgen wird. 100 ­Euro pro Nacht bucht sie »zur Sicherheit« von meiner Kreditkarte ab, bevor sie hinter dem Tresen hervorkommt, um mir von Angesicht zu Angesicht die wichtigsten Informationen zum Hotel zu übermitteln. Diese Geste wirkt persönlich und schafft eine Atmosphäre auf Augenhöhe. ­»Brauchen Sie Hilfe mit dem Gepäck?«, fragt sie abschließend. Nein Danke. Nun endlich darf ich noch einmal acht ­Stockwerke in die Höhe fahren und gleich nach draußen gucken.
Wertung: gut

Zimmer 1608

Über die Zimmer im Westin haben mir Freunde schon einiges erzählt. Bei Wind pfeife es ordentlich um die Ecken, hieß es beispielsweise, und dass die Einrichtung so kühl wirke wie ein Sommertag in Hamburg. Aber mein persönliches erstes Gefühl beim Betreten von Zimmer 1608 ist ein Glücksgefühl. Denn ich registriere erst einmal nur »Fenster« und »Blick« – und kann auch in den folgenden Tagen kaum genug davon bekommen. Das ist schwer zu erklären. Denn, seien wir ehrlich, es gibt reizvollere Panoramen als dieses eines Industriehafens mit turmhohen Kränen und ein bisschen Elbe. Dennoch: Das Bewusstsein, sich in diesem grandiosen Gebäude zu befinden und von hier aus nach draußen schauen zu dürfen, während so viele Menschen zeitgleich sehnsüchtig von draußen auf dieses Gebäude blicken, verleiht mir gefühlt einen besonderen Status. Und dieses völlig grundlos elitäre Hochgefühl wird mich – ich gestehe – in den kommenden Tagen noch öfter ereilen. Doch zurück zum Hotelzimmer. Über die Fassade der Elbphilharmonie wurde ja schon viel geschrieben. Die Form ihrer Fenster soll von außen an Stimmgabeln erinnern, die unregelmäßige Wölbung der Scheiben Wellen symbolisieren. Ihre hauchdünne Chrombeschichtung und ein partielles Punkteraster dienen dazu, Einblicke von außen zu erschweren und dem Hotelgast ein sicheres Gefühl zu vermitteln. Ein Minimum an Frischluft vergönnt ihm ein kleines, zu öffnendes Fenster, das in dem geschwungenen Element sitzt, welches die gerade und die gewölbte Seite der Glasscheibe teilt. Beschichtete, gerade noch transparente Vorhänge lassen sich per Knopfdruck zur Seite fahren, die Verdunkelungsvorhänge sind manuell zuzuziehen. Die Klimaanlage arbeitet geräuscharm, aber sie bläst selbst dann, wenn sie auf null gestellt ist. »Das ruhige, puristische Design mit den Themen Sand, Luft und Wasser kombiniert eine geradlinige Gestaltung mit fließender Formsprache«, heißt es zum Zimmer im Pressetext. Tatsächlich wirkt der ganz in Sand- und Cremetönen gehaltene Raum ausgesprochen hell und eher edel als kühl. Wenngleich dem schlichten Holzfurnier wie auch dem einfarbigen Teppichvelours ein wenig Klasse fehlt. Dominiert wird das Zimmer vom riesig wirkenden »Westin Heavenly Bed«, einem Boxspringbett mit dickem Topper, monströser Bettdecke und zweimal zwei Kissen. Ein Sprühflakon mit Lavendelduft soll beim Einschlafen helfen. Ein Wellenmuster ziert die Wand hinter dem Doppelbett, geschwungene Formen auch bei Lampen und Schreibtisch. Die Beleuchtung ist angenehm und wird durch funktionale Downlights ergänzt. Zu dem kleinen Schreibtisch an der Wand gehört ein drehbarer, aber nicht höhenverstellbarer Schreibtischstuhl. Sein Polster ist ebenso aus cremeweißem Leder wie das der zweiteiligen Récamiere, die vor der Fensterfront steht. Sehr schön zum Schiffe gucken. Für eine Person. Aber was macht bei einer Belegung des Zimmers mit zwei Personen die andere? – Rechts vom Eingang des Zimmers sind Garderobe und Kleiderschrank angesiedelt. Ein raumteilendes Element beherbergt Kofferbank, Staufächer, Minibar, Safe und Kaffeestation, alles luftig und offen gehalten. Im Schrank finden sich zehn Bügel, Bügelbrett und -eisen, Bademantel, Wäschebeutel und -preisliste, Schuhlöffel, Nähzeug und Schuhputzschwamm. Die Kaffeebar mit Heißwasserbereiter und löslichem Kaffee/Tee wirkt nicht nur abgeschrappt, sondern auch fehl am Platz – zu diesem Standard gehört eine Espressomaschine. Wer zum Pulverkaffee etwas naschen möchte, hat Pech: Die Minibar offeriert nur sündhaft teure Nüsschen (8 Euro) und gängiges Flüssiges. Ein Wasser auf dem Schreibtisch ist kostenlos und wird täglich aufgefüllt. Die Funktionsweise des Telefons am Bett, das über ein schnurloses Teil verfügt, erschließt sich mir bis zum Ende meines Aufenthaltes nicht. Selbst wenn ich das Mobilteil abnehme, erschallt die Stimme meines Gegenübers aus der Hauptstation. Ich suche nach einem entsprechenden Hinweis, vielleicht in der Gästeinformation, doch eine solche gibt es nicht. Auch nicht im TV-Gerät, das an der Wand dem Bett gegenüber hängt. Der bei Anreise überreichte »Waschzettel« mit den wichtigsten Informationen zum Hotel sowie einige Broschüren müssen reichen. Wer Ressourcen sparen will, kann per Karte auf den Bettwäschewechsel verzichten, per Türhänger sogar auf die komplette Zimmerreinigung. 140,8 Liter Wasser und 207 Milliliter Reinigungsmittel würden dadurch gespart, heißt es. Westin-Housekeeper scheinen verschwenderisch zu putzen! Das Anreise-Zimmer erweist sich jedenfalls als ordentlich gereinigt. Lediglich der Teppichboden hat bereits ein paar dauerhafte Flecken abbekommen, der Papierkorb ist im Inneren schmierig und ein Bier seit einigen Wochen abgelaufen.
Wertung: gut

Bad

Baden mit Hafenblick – das hat schon was. Führe gerade die Queen Mary vorbei, könnte man ihr (fast) auf den Kopf spucken. Das neben dem Zimmer liegende Bad nimmt dessen ganze Länge (6 Meter) auf. Bei schmalen 1,25 Metern Breite. Aneinander reihen sich Toilette, Dusche, Waschtisch und eben die Badewanne, die längs vor der raumhohen Fensterfront steht. Ein solcher »Hammer« könnte die von den Materialien her eher einfache Ausstattung des Bades – kleine, weiße Fliesen, sandfarbener, gelackter Wandanstrich, Furnierverkleidung um die Badewanne – in den Hintergrund treten lassen. Wären da nicht die zahlreichen Beschädigungen, die nach so kurzer Nutzungszeit eigentlich nicht sein dürften. Der Werkstoff des Waschtisches ist an der Kante verkratzt und gedunkelt, die Fugen unter dem Waschtisch und in der Dusche weisen Schimmelsporen auf, die Silikonabdichtung der Dusche ebenfalls. Solche Mängel zeugen von nicht sachgemäßer und/oder nachlässiger Reinigung. Wie auch das lange schwarze Haar auf dem Boden. Eine gute Idee der Gestalter ist die Tür zum Bad, die sich ebenfalls zum Abtrennen des Dusch- und Toilettenbereiches nutzen lässt, positiv auch die sehr guten Lichtverhältnisse, der Wasserdruck der Dusche und die Westin Guest Supplies mit Aloe Vera und weißem Tee. Es gibt einen Hocker, eine Waage, ein Glasregal, einen (nicht beleuchteten) Schminkspiegel und einen leistungsstarken Haartrockner mit sehr kurzem Spiralkabel. Die Handtücher ließen sich besser an die Haken hängen, wären sie mit einem Aufhänger versehen – die vorhandenen Stangen sind mit den Dusch- und Badetüchern belegt.
Wertung: gut

15:40
Housekeeping – Wäscheservice

Die Taste »Service Express« fungiert als zentrale Rufnummer für alle Gastbelange. Man spricht mich mit Namen an – mit dem der Ursprungsreservierung und nicht mit dem, unter dem ich eingecheckt habe. Sieben Minuten später steht ein freundlicher Mensch vor mir, der eine Jacke für die Reinigung und ein Hemd zum Bügeln abholt. Beides hängt am nächsten Vormittag unter Zellophan an meiner Garderobe, anscheinend wurde beides außer Haus gegeben. Für einen Reinigungsvorgang ist folglich wenig Zeit verstrichen – für das Bügeln eines Hemdes aber eigentlich zu viel. Doch ich hätte ja »Express Service« ankreuzen können. Oder mein Hemd selbst bügeln.
Wertung: sehr gut

»For a better you«

»For a better you« – mit diesem Slogan kommuniziert Westin sein Bemühen um das Wohlbefinden seiner Gäste. Dazu gehören »Ausgeruht sein« (erholsam schlafen mit dem besonderen Bettensystem und schlaffördernden Zugaben wie Lavendelduft), »Energie tanken« (mit der morgendlichen Regendusche und den frisch duftenden Pflegeprodukten), »Fit bleiben« (mit der Möglichkeit, Sportkleidung auszuleihen) und »Ausgewogen ernähren«. Letzteres wird über den Begriff »SuperFoodsRx« definiert, eine patentierte Marke für Speisen, die nährstoffreiche Früchte, Gemüse, Getreide und Proteine verbindet, um deren Nutzen und Geschmack zu maximieren. Interessierten Gästen liefert die Roomservice-Karte nicht nur eine reichhaltige Auswahl zu allen Tageszeiten, sondern auch aufschlussreiche Informationen darüber, welche Lebensmittel welche Nährstoffe enthalten.
Wertung: sehr gut

15:40
Roomservice

Gleichzeitig mit dem Ordern des Wäscheservice bitte ich um etwas zu essen aus der Superfood-Karte (Wildkräutersalat mit Apfel, Gurke, Rote Beete-Sprossen, gerösteten Haselnüssen und Avocadodressing zu 18 Euro) und um ein Glas Champagner. Als ich nach der bevorzugten Marke gefragt werde, muss ich kurz überlegen. »Hauptsache, kein Sekt, stimmt’s?«, sagt mein Gegenüber lachend und nimmt mir die Beantwortung der Frage ab. Schon nach 14 Minuten wird der Imbiss serviert. Auf einem Tablett kommen Salat (unter einer Cloche, die der Servicemitarbeiter weder abdeckt noch mitnimmt), Champagner (Piper Heidsieck Brut), Brotkörbchen, Butter, Menagen und zur Dekoration ein Blümchen. Ein Abräumhinweis fehlt und wird auch mündlich nicht gegeben. Doch der junge Mann vom Service strahlt so viel Begeisterung aus (»Haben Sie schon die schöne Aussicht bewundert?«), dass ich ihm nicht böse sein kann. Jeder Roomservice wird mit 5 Euro berechnet, sodass meine kleine Mahlzeit auf 36 Euro kommt. Das ist teuer. Zumal der Salat enttäuscht. Das Avocadodressing ist mit so viel Dijonsenf und Essig angemacht, dass ich, wenn sauer wirklich lustig machen würde, nun sehr lange lachen müsste.
Wertung: befriedigend

Spa

Im sechsten Stock und damit im ehemaligen Kaispeicher liegt das »Elb Spa«. Dicke Mauern mit quadratischen »Gucklöchern« verleihen dem ungewöhnlich langen (20 Meter), schmalen Innenpool ein extravagantes Ambiente. Auf den Fluren sorgt Treibholzkunst für maritimes Flair, und zwei ehemalige Ladeluken zur Elbe hin zeugen von der Vergangenheit des Gebäudes als Speicher für Kaffee, Tee und Gewürze. Die zu Balkonen umfunktionierten Ladeluken sind zwei der wenigen Frischluftbereiche des Hotels. Schade, dass sie so spärlich möbliert sind. Gäste, die sich auf dem vor dem Ruheraum gelegenen, schätzungsweise 16 Quadratmeter großen Austritt sonnen möchten, müssen dafür unbequeme Stühle zusammenrücken. »Aus Gefahrengründen« sehe man von einer Möblierung mit Liegestühlen ab, erklärt mir eine Mitarbeiterin vage und meint damit, von der zwei Stockwerke höher liegenden Plaza könnten Gegenstände herabgeworfen werden. Ich genieße nach dem Saunen die frische Luft (ein Schild weist darauf hin, dass man dies aufgrund der »Sichtbarkeit« bekleidet tun möge) und sonne mich auch in den – vermeintlich – neidvollen Blicken von oben. Ein vergessenes Schild warnt vor Fensterputzern, die ihre Arbeit allerdings schon vor Tagen beendet haben. Dreimal pro Jahr reinigen speziell ausgebildete Industriekletterer die kristallene Fassade der Elbphilharmonie, was jeweils drei Wochen dauert und 52.000 Euro kostet, die sich Hotel, Konzerthaus und die Bewohner der Luxusappartements teilen. Letztere können, wie andere Hamburger auch, das »Elb Spa« als externe Gäste nutzen. Eine großzügige Saunaanlage, der Innenpool und ein gut ausgestatteter Fitnessraum mitsamt Personal Trainern stehen zur Verfügung. Kinder dürfen den Pool in Begleitung ihrer Eltern nutzen und die Saunen eingeschränkt bis 18 Uhr. Obwohl es eine Spa-Rezeption gibt, die von 7 bis 22 Uhr besetzt ist, könnte das luxuriöse, ansprechend geradlinig und pur gestaltete Spa deutlich besser gepflegt sein. Der Fitnessraum wirkt unaufgeräumt, die Saunen sind unter den Bänken schmutzig, der Aufgusseimer ist selbst am Morgen leer, im Ruheraum werden Decken nicht zusammengelegt. Und noch ein Tipp an die Verantwortlichen: Ein paar mehr Haken für Bademäntel und Handtücher im Saunabereich wären angenehm.
Wertung: gut

16:30
Spa-Behandlung

50 Minuten Sport-Massage für 100 Euro? Das sind satte Preise im »Elb Spa«. Dann doch lieber gleich ein »Elb Spa Package«, das exklusiv für das Westin Hamburg kreiert wurde. Ich freue mich auf ein »Belebendes Barbor Life Balance Treatment mit einer Lime Mandarin Experience Massage und einem Skinvage PX Facial« zu 136 Euro für 80 Minuten. Ähnlich wie in einem Ocean Liner führt ein Gang mit Seilen als Handlauf und stilisierten Bullaugen an den Wänden ins Gebäudeinnere. Alle sieben Behandlungsräume liegen tief im Kaispeicher, klimatisiert, geschickt beleuchtet und absolut ruhig. Kein Wasserplätschern, kein Kindergeschrei, keine Gespräche – nichts kann die Behandlung stören. Kosmetikerin Frau S. ist gänzlich schwarz gekleidet. Sie bittet mich, den Bademantel abzulegen und mich, unbekleidet wie ich bin, auf die Liege zu legen. Ein Einmalhöschen – Mindeststandard – bietet sie nicht an. Doch sieht man davon einmal ab und auch davon, dass ich den Raum nach eineinhalb Stunden tiefenentspannt verlasse anstatt »belebt«, ist Frau S. eine Könnerin ihres Fachs. Die Massage führt mich binnen Minuten ins Nirwana und die Gesichtsbehandlung zeitigt sichtbare Erfolge.
Wertung: sehr gut


Housekeeping – Turndown-Service

Per Online-Jobvermittlung »hotelcareer« sucht Westin Hamburg »studentische Aushilfen und Geringverdiener mit außerordentlicher Gastgebermentalität« für den Turndown-Service. Das Angebot scheint nicht zu ziehen, denn an beiden Abenden meines Aufenthaltes wird kein Turndown-Service durchgeführt.
Wertung: ungenügend

Orgelkonzert

4.765 Pfeifen hat die Orgel der Elbphilharmonie, die größte ist zehn Meter lang, die kleinste misst gerade einmal elf Millimeter. Neun Jahre hat die Bonner Orgelbauwerkstatt Klais daran gearbeitet. Ein Konzert an diesem Wunderwerk der Musiktechnik hören zu dürfen, ist schon per se eine tolle Sache. Das dann aber auch noch im Großen Saal der Elbphilharmonie zu erleben, führt zwangsläufig zu einem weiteren »erhabenen Moment« im Dasein des Hoteltesters. Den Westin-Concierges sei Dank.

21:50
»The Bridge Bar«

»Kommen Se rin, dann können Se rausgucken« möchte man den Plaza-Besuchern zurufen, die auf ihrem Rundgang neugierig ins Innere der »The Bridge Bar« lugen. Wodurch der Barbesucher seinerseits nachempfinden kann, wie sich ein Fisch im Aquarium fühlt. Bis Mitternacht ist die Plaza geöffnet, und selbst wenn die »Rundläufer« gerne auf einen Drink hereinkämen, müssten Sie dafür den offiziellen Hoteleingang nehmen. Und selbst dann hieße das noch lange nicht, dass sie auch eingelassen würden. Denn allabendlich nach dem Ende der Elphi-Konzerte füllt sich die Bar rasant – eine Reservierung wird deshalb dringend empfohlen. Zu schön ist der nächtliche Panoramablick durch die bodentiefen Fenster auf die Lichter der HafenCity, das Wasser, die beleuchteten Schiffe. Selbst den Sonnenaufgang über der Elbe kann man hier beobachten – sofern dieser nach 8 Uhr stattfindet, denn dann öffnet die Bar zum Frühstück. Stehtische, Sitznischen, niedrige Tische mit komfortablen Sesselchen – von allen gibt’s den Blick nach draußen. Den Titel »Hotspot« hat die Bar verdient. Eine unterhaltsame Stunde verbringe ich am Tresen bei Giuseppe, der drei Markenzeichen eines guten Barkeepers aufweist: Er ist bester Laune, kommunikativ und mixt perfekt. Die Karte bietet eine große Auswahl an Spirituosen, sonstigen Alkoholika und Cocktail-Kreationen. Bekannt ist die Bar auch für ihre »Barrel-Aged Drinks Crafted @ Westin«, die aus Holzfässchen am Bartresen gezapft werden. Ich probiere aus den Signature Drinks eine Basil Margarita und einen Ginger Bramble (jeweils 13 Euro) und bin von beidem angetan. Die Drinks werden ohne Strohhalme gereicht und Nüsschen gibt es erst auf meine Bitte hin. Es macht Spaß, dem bunten Treiben zuzuschauen und auch den Mitarbeitern, zumindest denjenigen, die sichtlich Freude an ihrer Arbeit haben, und davon gibt es hier einige. »Dann bis morgen« sagt Giuseppe, als ich mich verabschiede.
Wertung: sehr gut


MI 05/07, 08:45
Frühstücksbuffet

Der Name auf dem Frühstücksbeleg ist einmal mehr der falsche. Ich habe längst aufgehört darauf hinzuweisen und unterschreibe – deutlich – mit einem anderen Namen, was der Mitarbeiterin am Eingang zum Restaurant »Saffron« nicht auffällt. Das im Speichergebäude gelegene Restaurant nutzt eine große Breite an der Außenseite zur Elbe und von der Ecke aus ein Stück Richtung HafenCity. Doch nur die ehemalige Ladeluke dient – wie schon im darüberliegenden Spa – als großes Fenster und Frischluftaustritt. Dieser »Balkon« ist nicht eingedeckt – vermutlich würden sich die Gäste um die Außenplätze prügeln. Lediglich für kleinere Stehempfänge am Abend wird der Austritt genutzt. Im Restaurant gibt es größere und kleinere Tische entlang von Bankreihen und höhere Tische mit gleichfalls hohen Hockern. Ein großer Buffetbereich im hintersten Raum offeriert das Frühstücksangebot (30 Euro pro Person), hübsch beschriftet auf schwarzen Schiefertafeln und mit Hinweisen auf das »Superfood«. Die holprige Orthografie amüsiert – bei »Poridge« weniger als bei »Spionata Romana«. Apropos: Die Salumeria ist gut bestückt, die Fischecke ebenso, es gibt Antipasti, laktose- und glutenfreie Produkte und neben den üblichen warmen Speisen auch ein Eiweiß-Omelette und frisches Gemüse an der Frontcooking-Station. Der junge Koch dort ist noch nicht lange im Haus – die Frage nach dem aktuellen Hoteldirektor weiß er nicht zu beantworten. Doch kann er mir sagen, warum ein Brot so gelb ist: Es ist mit Kürbis gebacken. Die knusprigen Backwaren von Gourmetbäcker Gaues sind leider nicht beschriftet, was mir eine Sorte mit Kümmel und Anis beschert, die mir so gar nicht schmeckt. Leckermäulchen finden süße Teilchen und Kuchen, für Müslifreunde gibt es eine Superfood-Zusammenstellungsempfehlung. Auch hier fehlt jedoch eine Beschriftung bei den Samen und Saaten – und nicht jeder weiß, wie Kürbiskerne aussehen. »Westin Fresh by the Juicery« nennt sich die Saftbar mit Passionsfrucht-Orangen- und Orangen-Grapefruitsaft, weiteren Direktsäften und Smoothies. Ein frisch gepresster Orangensaft lässt sich jedoch nicht bestellen. Der Prosecco ist lauwarm – im Wasser des Kühlers fehlt das Eis. Ich werde freundlich mit Kaffee bedient, schmutziges Geschirr wird hingegen nicht abgeräumt. Es fehlt an Personal, und da ist es ganz sicher nicht förderlich, wenn, wie ich miterleben muss, willige Neue – erkennbar mit Migrationshintergrund – ganz fürchterlich angeschnauzt werden, bloß weil sie eine Anweisung nicht gleich verstehen. Wie war das nochmal mit der »außerordentlichen Gastgebermentalität«?
Wertung: gut

Front Office
Die »Service Express«-Taste leitet zur Rezeption, wo man mit den Anliegen der Gäste phasenweise überlastet ist, weshalb auch niemand ans Telefon geht und man sich zu Fuß zur Rezeption begeben muss. Dort ist Frau G. ein Fels in der Brandung, scheinbar im Dauer-
einsatz und immer da, wenn ich ein Anliegen habe. Zwar nehme ich ihr ein kleines bisschen übel, dass sie meinen Namen beim Check-in nicht geändert hat, doch von diesem Fauxpas abgesehen kann und weiß Frau G. fast alles. Und sie weiß ihr Wissen auch weiterzugeben. Azubi V., beispielsweise, ist überaus eifrig, weiß aber weder, warum die Luken des Kaispeichers nicht wirklich genutzt werden, noch was es mit dem SAP-Kubus auf der Plaza auf sich hat. Auch dass zum (für 5 Euro) zu leihenden Sport-Outfit eigentlich Socken gehören, die der Gast dann behalten darf, ist ihm noch nicht zu Ohren gekommen. Abgesehen davon sind Socken gerade aus und in der kurzen Sporthose fühle ich mich unwohl.
Wertung: gut

Message-Transfer
Azubi V. (der Eifrige) freut sich, dem Anrufer meine Zimmernummer zu nennen – ein No-Go in Sachen Diskretion. Sein Eifer führt jedoch leider nicht dazu, mir die hinterlassene Nachricht weiterzuleiten.
Wertung: ungenügend


 

 

Führung Elbphilharmonie
Die Führung inklusive Konzertsäle war laut Concierge ausgebucht, doch auch »ohne« ist die Tour rund um die »Elphi« interessant. Ich erfahre, dass sich am höchsten Zipfel des geschwungenen Daches früher die Turmspitze des Kaispeichers befand, von wo ein »Zeitball« weithin sichtbar täglich um Punkt 13 Uhr Greenwich Time nach unten fiel und den Seeleuten so die Möglichkeit gab, ihre Uhren zu stellen. Dass das im Krieg zerstörte und in den 1960er-Jahren wiederaufgebaute Speichergebäude (der heutige Sockel) den Spitznamen »Zuchthaus« trug. Und dass Hochfrequenzschallwellen auf der Plaza dafür sorgen, dass sich Möwen und Tauben hier überhaupt nicht wohlfühlen.

Housekeeping – Remake

Als ich vom Aufzug aus Richtung Zimmer gehe, hängt ein durchdringender Schweißgeruch im Flur. Er geht von einer Housekeeping-Mitarbeiterin aus, die hier gerade Zimmer putzt. Glücklicherweise hat mein Zimmer wohl jemand anderes gereinigt, denn es riecht darin neutral. Einen Orden für Gründlichkeit bekommt derjenige dennoch nicht. Denn wie so oft beim Remake sind nur die Dinge erledigt, die ins Auge fallen: gemachtes Bett, gesäubertes Waschbecken, Spiegel und Dusche. Nun gut, auch Bodylotion und Kaffee wurden aufgefüllt, der Bademantel aufgehängt und mein Kleingeld nicht angerührt. Aber es fehlt ein frisches Badetuch, meine Kosmetika wurden nicht geordnet, der Zahnputzbecher nicht gespült, der Badezimmerboden nicht gewischt sowie die Möbeloberflächen im Zimmer nicht gesäubert. Und das Wasserglas sieht so schmierig aus, dass ich daraus ganz sicher nicht mehr trinken werde.
Wertung: mangelhaft

Öffentliche Bereiche

Die Lobby des Hotels, das Plaza Foyer im achten Stock, wirkt zu jeder Zeit meines Aufenthaltes seltsam unbelebt und kühl – Letzteres nicht nur wegen der deutlich vernehmbaren Klimaanlage. Heller Steinboden, dunkle Ledermöbel, silbrige Trennvorhänge und Lichtsäulen, die ein kaltes lila Licht ausstrahlen – all das wirkt in Summe anscheinend nicht nur auf mich wenig einladend. Champagner- und Snackbar sind unbesetzt, ein Schild mit der Aufschrift »Keine Selbstbedienung!« warnt vor dem Griff in die bestückten Vitrinen. – Luft und Wasser sind die Gestaltungsthemen der öffentlichen Toiletten, deren satinierte Türen mit graugrünen Tropfen- und Luftblasenmotiven überzogen sind. Reinigungsdefizite sind nirgendwo festzustellen.
Wertung: gut


Sicherheit

Nur die Hoteletagen sechs bis acht (Spa, Tagungsräume, Restaurants und Lobby) sind mit dem Aufzug frei zugänglich, für Fahrten zu den Zimmeretagen muss der Aufzug mit Zimmerkarte aktiviert werden. Die Flure werden von Kameras überwacht und die Nottreppenhäuser kennzeichnet ein deutlicher Hinweis, dass es aus ihnen kein Zurück mehr gibt – Ausstieg nur im Erdgeschoss. Auf den Housekeepingwagen finde ich keine indiskreten Listen und in den Zimmern liegen ausführliche Sicherheitshinweise aus. Einzig die Tatsache, dass Rezeptionsazubi V. dem Anrufer meine Zimmernummer nennt, verstößt gegen die Regeln. Das Drücken der Notruftaste beim morgendlichen Saunabesuch hat zur Folge, dass stante pede eine besorgte Spa-Rezeptionistin nach mir schaut. Es hat aber auch zur Folge, dass sich das Notrufsignal nicht mehr abschalten lässt und der Haustechniker kommen muss.
Wertung: gut

15:00
Schuhputzservice

Da auf dem Zimmer keine Gästeinformation ausliegt, rufe ich beim »Express Service« an, um mich nach einem Schuhputzdienst zu erkundigen. Mir wird ein »Porter« angekündigt, der die Schuhe abholen wird. Warum dieser eine Viertelstunde später mit einem Gepäckwagen vor der Tür steht, erschließt sich mir nicht, doch der nette Mensch nimmt meine Schuhe mit: »In zehn Minuten bin ich wieder da!« Und so ist es. Meine Schuhe wurden ordentlich geputzt und duften nach Schuhcreme.
Wertung: sehr gut

19:30
Restaurant »The Saffron«

Als »eine kulinarische Hommage an den Standort« will Küchenchef Martin Kirchgasser sein Konzept des »The Saffron« (= Safran) verstanden wissen. Soll heißen, dass in Anlehnung an die ursprüngliche Bestimmung des alten Speichers frische hanseatische Produkte mit Gewürzen und Aromen aus aller Welt veredelt werden, um dergestalt die Gaumen der Gäste zu beglücken. So listet die Karte nicht nur die einzelnen Bestandteile der Speisen, sondern auch jene Gewürze, die ihnen ihre besondere Note verleihen. Um nachzuvollziehen, dass sich die Inneneinrichtung des Restaurants ebenfalls am Hafenthema orientiert – so sollen die Lampen den Hummerkörben der Fischer nachempfunden sein – muss man schon einige Fantasie aufbringen. Meine Gäste und ich empfinden das Ambiente am Abend jedenfalls als eher ungemütlich denn behaglich. Obwohl wir an einem der schönsten Tische sitzen. Beim Frühstück hatte ich mir den für uns reservierten Platz zeigen lassen und als nicht adäquat empfunden – zu weit im Inneren des Restaurants, kein Blick. Problemlos konnte ich auf einen der wenigen hohen Tische am Ausguck der Ladeluke switchen. Warum man bei so wenigen Tischreservierungen nicht diese attraktiven Plätze als erstes vergibt, verstehe wer will. Bedient werden wir von Frau H., einer Ungarin, und Herrn S. aus Bangladesch, die beide locker, freundlich und aufmerksam agieren. Dennoch passieren kleine Fehler und es entstehen Längen im Service, vor allem beim Getränkenachschub. »An der Bar läuft es, jetzt müssen wir das hier auch noch hinbekommen« – Herrn Angerbauers lachend hingeworfener Satz soll wohl eine Art Entschuldigung sein. Der sympathische und erfahrene Barchef hat vorübergehend auch die Restaurantleitung übernommen. Die Speisekarte listet eine Menükomposition in drei bis fünf Gängen, drei Thai-Currys sowie eine überschaubare Auswahl an Lokalem (Labskaus, Pannfisch) und Internationalem (Tempura, Pulpo). Das Tatar für einen meiner Gäste richtet Frau H. am Tisch an und tut dies gekonnt. Meinem Gast schmeckt es dennoch nur bedingt: Er mag ein Gewürz nicht und das Ei fehlt. Meine Vorspeise aus dem Menü (Garnelen/Wassermelone/Avocado/Limone mit Minze und Sumach) erweist sich als Augenweide und mundet genauso köstlich, wie sie aussieht. Auch Safranrisotto und Pulpo mit Tomate und Wurzelgemüse finden große Zustimmung. Die Hauptgänge überzeugen ebenfalls, wobei sich der Kabeljau beim Pannfisch als Zutat im Kartoffelpüree versteckt. Mein Nachtisch im Menü entpuppt sich abschließend als mehrere Mäulchen voll puren Genusses – mehrere Mäulchen deshalb, weil alle am Tisch probieren wollen: »Kirschen/Schokolade/Estragon/Rosenwasser/Ingwer« kommt als intensive, dunkel-schokoladige Mousse auf eingelegten Kirschen mit wunderbar herbem Estragoneis daher. Lecker! Schade, dass ein nur lauwarmer Espresso das Mahl beschließt. Die Rechnung lässt sich problemlos splitten und wir gehen noch auf einen Absacker in die Bar.
Wertung: gut


22:20
»The Bridge Bar« II

Gerade ist das Konzert in der Elphi zu Ende gegangen und das Publikum – nach der heutigen Percussion Session ein deutlich jüngeres als am Vorabend – strömt in schier endlosen Scharen in die Bar. Uwe Angerbauer ist nun hier im Einsatz und hat alles souverän im Griff. Er begrüßt die Gäste, verteilt sie auf die reservierten und noch freien Tische, und es ist eine Freude zuzuschauen, wie gut er und seine Crew diesen Ansturm bewältigen. Weniger schön: Als wir zahlen (die Rechnung beträgt 26 Euro), werden 30 Euro einfach eingesteckt – ohne auf einen Hinweis auf Trinkgeld zu warten und ohne das Wechselgeld zurückzugeben. Darauf angesprochen, entschuldigt sich Herr Angerbauer vielmals.
Wertung: gut

DO. 06/05, 7:00
Weckruf

Der Weckruf erfolgt auf die Minute pünktlich und ich werde mit Namen angesprochen. »Wir haben 7 Uhr und der Himmel über Hamburg ist heute bewölkt.« Der männliche Rezeptionist wünscht mir einen schönen Tag und bis auf die Tatsache, dass er sich mir nicht vorgestellt hat und der Name, mit dem er mich ansprach, einmal mehr der falsche war, hat er alles richtig gemacht.
Wertung: gut

8:00
Zimmerfrühstück

Im Zimmer zu frühstücken, kommt hier ganz schön teuer. Mein Besuch und ich teilen uns ein »Westin Vitality Breakfast«, welches einen frisch gepressten Orangensaft, einen Kaffee, Birchermüsli, frisches Obst und einen Vollkornbrotkorb mit Frischkäse und Geflügelaufschnitt umfasst. Dazu ordern wir ein zweites Kännchen Kaffee und ein Hamburger Omelette mit Nordseekrabben. Kostenpunkt in Summe: 50 Euro. Zwei Frühstücke im Restaurant hätten nur zehn Euro mehr gekostet. Und wohl mehr Freude gemacht. Denn das Omelette schmeckt fad und fischig (die Krabben sollen ja nur Zugabe sein), der Orangensaft ist ein Direktsaft und nicht frisch gepresst, das Birchermüsli kommt als Miniportion im Weckgläschen und das Obst dazu (grob geschnittene Ananas- und Wassermelonenstücke) aus dem großen Eimer – wo doch die Natur gerade den Tisch so reich mit frischen Früchten deckt. Immerhin hat man einen zweiten Saft dazugestellt. Und das Vollkornbrot ist eine Wucht. Das Frühstück wird pünktlich von einer Mitarbeiterin serviert, die fröhlich guten Morgen wünscht, das Frühstück erklärt (!) und auch auf den Abräumservice aufmerksam macht. Die Récamiere erweist sich als zu niedrig zum Sitzen am Servierwagen, also muss der Badezimmerhocker als zweite Sitzgelegenheit neben dem Schreibtischstuhl herhalten.
Wertung: befriedigend


10:25
Check-out

Einmal mehr hat Frau G. Dienst am Empfang und checkt mich aus. »Haben Sie eine schöne Zeit verbracht?« Sie nimmt angesichts der unbenutzten Sportkleidung die 5 Euro Reinigungsgebühr von der Rechnung und auch das zweite Frühstück am ersten Tag. Da hat doch jemand ganz Schlaues, nachdem ich für die zweite Nacht einen Gast angemeldet habe, nachträglich und handschriftlich aus der »1« auf dem Frühstücksbeleg eine »2« gemacht. Das geht gar nicht. Frau G. sieht das genauso. Bevor sie mir wie gewünscht die Belege zur Rechnung übergibt, sortiert sie diese der Reihenfolge nach und erläutert die einzelnen Positionen. Schließlich verabschiedet sich die Mitarbeiterin mit Handschlag von mir – und mit dem aufrichtig klingenden Wunsch, ich möge bald wiederkehren.
Wertung: sehr gut

Lost & Found

Frau E. notiert sich gewissenhaft die Beschreibung des liegengelassenen Gegenstands, An- und Abreisedatum, meinen Namen und meine Adresse sowie Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Sie verspricht, dass ihre Kollegen sich in spätestens zwei bis drei Tagen bei mir melden und verabschiedet sich sympathisch »mit schönen Grüßen aus Hamburg.« Soweit vorbildlich. Doch ich höre weder von ihr noch von den »Kollegen« jemals wieder etwas.
Wertung: mangelhaft

Bilanz

»Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt.« Die Worte des Philosophen Johann Gottfried von Herder könnte sich das The Westin Hamburg ruhig von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis rufen. Denn ein USP, wie es die spektakuläre Lage des Hotels in der Elbphilharmonie darstellt, weckt naturgemäß und verständlicherweise hohe Erwartungen. Die die Mitarbeiter durchaus bereit sind zu erfüllen, wie die überwiegend positiven Begegnungen während dieses Testes zeigten. So erfreulich es für die Verantwortlichen sein mag, dass sich das Haus seit seinem Start fast von selbst füllt, so klar ist auch, dass die Lorbeeren zu diesem Vertrauensvorschuss immer wieder neu verdient werden müssen. Und wenn auch viele der geprüften Leistungen in diesem Test gut oder sehr gut abschnitten, so gibt es doch durchaus auch einiges, was noch verbessert werden kann und muss. Damit sich die Lobeshymnen der Gäste irgendwann so hoch hinaufschwingen wie die Dachzipfel der »Elphi«.

Gesamteindruck: 70 % / Testurteil: gut 

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft; 20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel; die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewertet!