Business HGK bietet Mehrwertsteuer-Rechner

Ein Kassenbon mit der Mehrwertsteuer Angabe
Mit einer Web-App können Gastgeber berechnen, welche Auswirkung eine Mehrwertsteuererhöhung auf ihren Betrieb hätte. © studio v-zwoelf - stock.adobe.com

Wie würde eine Mehrwertsteuererhöhung die Rendite von Betrieben im Gastgewerbe beeinflussen? Eine neue Web-App hilft bei der Berechnung.

In Zusammenarbeit mit der Einkaufs- und Dienstleistungskooperation für die Hospitality HGK hat das IT- und Consulting-Unternehmen Eagle Control einen interaktiven Mehrwertsteuer-Rechner entwickelt.

Rechner liefert Rendite-Prognose

Es handelt sich laut HGK um eine Web-App, die bewusst einfacBuh gehalten ist und mit der sich jeder, auch ohne Fachkenntnisse, schnell und unkompliziert einen ersten Überblick über die Rendite-Prognose eines Hospitality-Betriebes für das kommende Jahr verschaffen kann.

Dabei können Gastronomen unterschiedliche Szenarien simulieren. Sie erhalten in Echtzeit Prognosen, wie sich Umsätze, Kosten und Ergebnis in 2024 auf Basis eingegebener Ausgangswerte verändern würden, falls die 19 Prozent kommen. "In den vergangenen Monaten hat die Branche mit Nachdruck alle gewichtigen Argumente gegen eine Mehrwertsteuererhöhung ins Feld geführt", so Dr. Urban Uttenweiler, CEO der HGK. "Wir wollten jetzt noch konkreter werden und eine genaue Vorstellung davon geben, was eine Erhöhung der Mehrwertsteuer gerade bei derzeitiger Inflation bedeuten würde. Wir hoffen, dass wir damit auch die Politik ans Rechnen bringen." 

Wie funktioniert der Rechner?

Die Bedienung des neuen Tools sei einfach: Mit einem Klick können verschiedene Szenarien ausgewählt werden. "Es lässt sich zum Beispiel berechnen, wie sich Ergebnis und Rendite entwickeln, wenn ein Restaurant auch nach einer Mehrwertsteuererhöhung vom gleichen Bruttoumsatz wie davor ausgeht und nichts im Betrieb ändert", sagt Philipp Nusser, Leitender Berater bei Eagle Control.

Bei Auswahl des Szenarios „Schwarze Null“ sehen Gastgeber, wie sich ihr Speisenumsatz erhöhen müsste, um zumindest keinen Verlust zu machen und mit einer Rendite von null Prozent abzuschließen. Ein drittes Szenario zeigt, um wie viel sich die Bruttoumsätze bei gleichbleibenden Netto-Umsatzverhältnissen steigern müssten, damit der Betrieb dieselbe Rendite wie im Ausgangsjahr mit sieben Prozent Mehrwertsteuer erreicht. Dort zeige sich, dass nicht allein die Preise für Speisen um 22 Prozent angehoben werden, sondern auch Getränke und Übernachtungen um jeweils neun Prozent teurer werden müssen. "Dieses Szenario wird in der Branche sicher am häufigsten zum Tragen kommen", so Philipp Nusser.

Die Bedeutung für den Gast demonstriert auch das Element „Schnitzel mit Pommes“ anschaulich, das im Rechner stellvertretend zeigt, wie sich der Verkaufspreis für dieses Gericht entwickeln müsste, um eine notwendige Umsatzsteigerung zu erreichen.

Als Ausgangslage für die Berechnungen lassen sich Werte aus dem Gesamtjahr 2022 oder aus der aktuellen Betriebswirtschaftlichen Auswertung eines Betriebes heranziehen. Sämtliche Angaben werden ausschließlich im Browser berechnet und nicht gespeichert. Eine Tabelle präsentiert dem Nutzer alle Kennzahlen und deren Entwicklung auf einen Blick. Die Differenz zum Ausgangsjahr ist sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentual dargestellt. „Im Rahmen der gemeinsamen App-Entwicklung mit der HGK haben wir durch die Eingabe beispielhafter Ausgangszahlen bereits gesehen, wie drastisch die erwartbare Rendite oftmals in den negativen Bereich abstürzt“, so Philipp Nusser.

"Klare Zahlen schaffen Transparenz"

Eagle Control und HGK hatten sich vor einigen Monaten in einem Betriebsvergleich von Gastronomien mit tatsächlichen Zahlen aus 2019 bis 2022 Umsätze, Kosten und Gewinne vor und nach Corona genau angesehen und eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung zum 1.1.2024 simuliert. "Der neue Mehrwertsteuer-Rechner ist nun unser zusätzlicher Beitrag, um in der Debatte um eine Mehrwertsteuererhöhung mit weiteren Fakten zu argumentieren. Denn klare Zahlen schaffen Transparenz", so Urban Uttenweiler. „Wir appellieren damit vor allem noch einmal an die Politik."

Noch keine Entscheidung aus der Politik

Nach der Steuerschätzung sieht die CDU/CDSU-Fraktion im Bundestag durchaus Möglichkeiten, den reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Speisen in der Gastronomie beizubehalten. Wie die tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Anja Karliczek, sagte: "Die weiterhin steigenden Steuereinnahmen von Bund und Ländern lassen dafür genug Spielraum."

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Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hingegen hatte nach Bekanntgabe der Steuerschätzung gesagt, er sehe keinen Spielraum für zusätzliche Ausgaben im Bundeshaushalt. Auf Nachfrage sagte Lindner laut Dehoga Bundesverband zum möglichen Erhalt der reduzierten Mehrwertsteuer: „Jetzt muss der Haushaltsgesetzgeber entscheiden, ob er diese krisenbedingte Maßnahme fortsetzen möchte. Wenn er das tun will, dann müssen zusätzliche Mittel an anderer Stelle gefunden werden." Lindners persönliche Position sei aber unverändert: "Ich habe persönlich Sympathie für die reduzierte Mehrwertsteuer in der Gastronomie.“ red/sar/dpa