Interview Guldsmeden Hotels auf Wachstumskurs

John & Will Silo-Hotel
Vom Kellogg’s-Getreidesilo zum Hotel mit halbrunden Zimmern: Das Anfang August neu eröffnete John & Will Silo-Hotel by Guldsmeden in Bremen. © John & Will Silo-Hotel

Die Hotelgruppe feiert 25-jähriges Bestehen. Ein Highlight im Jubiläumsjahr: die Eröffnung des John & Will Silo-Hotels. Im Interview berichtet Eigentümer Marc Weinert über weitere Pläne.

Tophotel: Herr Weinert, ein Vierteljahrhundert liegt nun die Eröffnung Ihres ersten Boutique-Hotels in Aarhus zurück.

Marc Weinert: Ja, am 3. Juli 1999, dem Geburtstag meiner Frau, eröffneten wir unser erstes kleines Hotel. Wir wussten zu der Zeit beinahe nichts vom Hotelbusiness. Sandra war zuvor Designerin bei Lego, ich war selbstständiger Architekt mit eigenem Bauunternehmen. Wir haben seitdem viel gelernt, verändert und offenbar auch richtig gemacht.

Was ist aus dem Gründungshaus in Aarhus geworden?

2008 erhielten wir ein derart gutes Angebot, dass wir es verkauft haben. Wir hatten das zwar nicht vor und es fiel uns natürlich schwer, doch es ergab Sinn: Mit 28 Zimmern handelte es sich mittlerweile um unser mit Abstand kleinstes Hotel, das besonders viel persönliche Betreuung erforderte, und wir waren zwischenzeitlich nach Kopenhagen übergesiedelt.

Inzwischen betreiben Sie neun Hotels, ein Luxus-Resort und eine Mietvilla. Was sind die Anforderungen und Kriterien, die Sie an Ihre Hotelstandorte stellen?

Wir mögen zentrale urbane Standorte. Hauptsächlich halten wir Ausschau nach bereits existierenden Hotels beziehungsweise Gebäuden, und wir sind glücklich, wenn wir historische Bauten finden, die wir transformieren und mit deren besonderem Charme wir arbeiten können. Unser Viersternehotel „Bryggen Guldsmeden“ beispielsweise befindet sich in einer einstigen Schuhsohlenfabrik. Aus unserer Sicht ist dies der nachhaltigste Weg: Wiederverwendung statt Abriss und Neuaufbau.

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    Pool im Manon les Suites
    © NOLWENN PERNIN
    Ein Hauch von Bali in Kopenhagen: Das Fünfsterne­hotel Manon les Suites mit seinem Innenpool im grünen Dschungel-­Ambiente.
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    Marc_Weinert
    © John & Will Silo-Hotel
    Marc Weinert gründete 1999 gemeinsam mit seiner Frau Sandra im dänischen Aarhus das erste Hotel der Marke Guldsmeden.
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    Öffentlicher Bereich im Bryggen Guldesmeden
    © NOLWENN PERNIN
    Urban Eco Resort: Das Viersternehotel ­Bryggen ­Guldsmeden befindet sich in einer ehemaligen ­Schuh- sohlen­fabrik im Kopenhagener Stadtteil Islands Brygge.
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    Fassade des John&Will Silo-Hotel
    © John & Will Silo-Hotel
    Vom Kellogg’s-Getreidesilo zum Hotel mit halbrunden Zimmern: Das Anfang August neu eröffnete John & Will Silo-Hotel by Guldsmeden in Bremen.

Was macht die Attraktivität der Guldsmeden Hotels aus?

Unsere Erfolgsfaktoren sind unser individuelles Design, unsere seit jeher konsequent nachhaltige Ausrichtung und nicht zuletzt die freundlich-lockere Atmosphäre, die Art, wie wir unseren Gästen begegnen.

Wie bringen Sie den Guldsmeden-Spirit standort- und länderübergreifend in die Häuser?

Wir reisen viel und besuchen die einzelnen Standorte. Für die Gestaltung war bisher ich verantwortlich. Inzwischen studiert auch eine unserer beiden Töchter Interior Design. Sie unterstützt mich zunehmend, bringt ihre Sicht der Dinge ein, wobei wir glücklicherweise in dieselbe Richtung blicken.

Viele Ihrer Häuser haben balinesische Komponenten, wie das Manon les Suites in Kopenhagen mit seinem Innenpool mit Dschungel-Ambiente. Was ist der Hintergrund?

Zu Beginn war unsere Handschrift von einem sowohl nordisch als auch französisch inspirierten Landhausstil geprägt. Dann haben wir einen Freund besucht, der auf der indonesischen Insel Java eine kleine Möbelmanufaktur betreibt. Gemeinsam bereisten wir Bali und entschieden, ein Resort vor Ort zu eröffnen. Abgesehen davon, dass man auf Bali als Ausländer Objekte nur mieten darf und einen lokalen Partner benötigt, kann man dort sehr frei agieren. Es gibt kaum Restriktionen. Neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen ist viel einfacher als in Europa. Wir probieren viel auf Bali aus – ein entsprechend hohes Maß an Inspiration kommt von dort. Unsere Tochter ist gerade wieder da und brieft einen Künstler in Bezug auf neue Gemälde und Skulpturen.

Sind die meisten Ihrer Hotels gemietet?

Das Verhältnis ist etwa 50:50. Am liebsten erwerben wir die Objekte. Mitunter sind sie jedoch nicht zu verkaufen oder auch zu kostspielig. Letztlich spielt dieser Aspekt für uns aber eine untergeordnete Rolle. Wir haben das operative Geschäft in einem Unternehmen gebündelt, die Gebäude in einem anderen. Wir zahlen also entweder Miete an uns selbst oder an jemand anderen.

"Unser Plan sieht vor, in den nächsten zehn Jahren zehn weitere Hotels in großen Städten in Deutschland zu eröffnen."

Wie kam es zu dem Projekt des John & Will Silo-Hotels in Bremen?

Wir suchten nach einem Finanzpartner, um Guldsmeden Hotels weiterzuentwickeln. Dabei begegneten wir dem Bremer Projektentwickler Klaus Meier, der nicht nur finanzstark und visionär ist, sondern mit uns auch den hohen Nachhaltigkeitsanspruch teilt. Als Windkraft-Unternehmer verfügt er über ein enormes Wissen, gerade was technische Bereiche betrifft. Wir konnten uns sofort vorstellen, zusammenzuarbeiten. Klaus Meier stieg mit 50 Prozent Anteil bei unserem bestehenden Hotel Lulu Guldsmeden in Berlin ein, wir beteiligten uns mit gleichem Anteil an seinem Projekt John & Will Silo-Hotel. Wir stießen erst in einer späten Bauphase zu dem Projekt, konnten jedoch noch alle öffentlichen Bereiche designen und ihnen den Guldsmeden-Spirit verleihen. Was wir darüber hinaus an Gestaltung bereits vorfanden, gefiel uns sehr.

Haben Sie weitere Expansionspläne, und wenn ja, wie sehen diese aus?

Unser Plan sieht vor, in den nächsten zehn Jahren zehn weitere Hotels in großen Städten in Deutschland zu ­eröffnen – Deutschland ist für uns Dänen ein natürlicher Expansionsmarkt. Zusammen mit Klaus Meier haben wir gerade ein Gebäude in Hamburg gekauft und werden ein Hotel, das Cara Guldsmeden mit 203 Zimmern daraus ­machen.

Auch in Skandinavien bleiben wir aktiv: Ebenfalls gemeinsam mit Klaus Meier arbeiten wir an einem Holiday Resort auf der dänischen Insel Rømø. 2026 kehren wir zudem mit 215 Zimmern nach Aarhus zurück. Zentral am Hafen gelegen, werden wir hier unser erstes Neubauprojekt realisieren, nach striktesten nachhaltigen Vorgaben. Bei den eingesetzten Materialien beispielsweise achten wir nicht nur auf die Ökobilanz, sondern wollen zugleich sicher sein, dass keine Kinderarbeit oder soziale Ausbeutung damit verbunden sind. Ein Traum wäre, in Stockholm vertreten zu sein und somit nach Kopenhagen, Oslo und Reykjavik in allen vier skandinavischen Metropolen Präsenz zu zeigen. Doch in Stockholm das Passende zu finden ist wirklich eine Herausforderung.

Guldsmeden Hotels

1999 eröffnete das Ehepaar Sandra und Marc Weinert im dänischen Aarhus das erste Guldsmeden Hotel, benannt nach der Straße Guldsmedgade. Heute zählen zum Portfolio neun Häuser – in Kopenhagen (5), Oslo, Reykjavik, Berlin und Bremen, teils mit eigenen Restaurants, außerdem eine Mietvilla in Menton/Frankreich und ein Luxusresort in Ubud, Bali. Drei der Kopenhagener Hotels tragen die Vornamen der Kinder der Gründer. Von Anbeginn an ist Nachhaltigkeit integraler Konzept-Bestandteil der Guldsmeden Hotels.

Die Mission lautet, einen Aufenthalt mit außergewöhnlichem Erlebnis und gleichzeitig minimaler Umweltbelastung zu bieten, wobei den Gästen Einblick in nachhaltige Alltagspraktiken gegeben wird. Ein Teil der Häuser ist Green-Globe- und/oder Green-Key-zertifiziert. Der Sustainable-Management-Plan kann auf der Webseite heruntergeladen werden.